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Lockheed AH-56A Cheyenne

9. Prototyp BuNo 66-8834, Yuma Proving Grounds, Arizona 1970

von Oliver Zwiener (1:72 Aurora)

Helipad mit Lockheed AH-56A Cheyenne - 9. Prototyp BuNo 66-8834
Helipad mit Lockheed AH-56A Cheyenne - 9. Prototyp BuNo 66-8834

Das Original:

Nach einer Ausschreibung der US Army erhielt Lockheed 1966 den Auftrag für die Entwicklung eines Hochgeschwindigkeits-Kampfhubschraubers, der die behelfsmäßig bewaffneten Gunships des Bell UH-1 Iroquois bei der Begleitung von unbewaffneten Transporthubschraubern ablösen sollte. Im bergigen und dschungelreichen Vietnam setze die Armee bei der Verlegung von Truppen auf den verstärkten Einsatz von Hubschraubern, die in geringen Höhen und relativ langsam fliegend ein einfaches Ziel für das feindliche Bodenfeuer abgaben. Der 1. Prototyp flog am 21.09.1967, hatte einen starren, kreisel-gesteuerten (gyro controlled) Hauptrotor sowie am Heck einen verstellbaren Propeller. Weitere Konstruktionsmerkmale waren tief angesetzte Tragflächen sowie der schmale Rumpf, bei dem Bordschütze vorne und Pilot hinten erhöht tandemartig hintereinander saßen. Der Bordschütze konnte sich auf einer Plattform um 360° drehen und dabei diverse automtische Waffensysteme einsetzen. Der Pilot verfügte über Infrarot, ein automatisches Flugkontrollsystem mit Bodenfolge-Radar und Trägheitsnavigation. Das sollte den Cheyenne zum nachttauglichen Allwetterkampfhubschrauber machen.

Aber der Absturz des 3. Prototypen mit Dave Beil am 12.03.1969 führte zu Nachfragen über die Ursachen und zur Unterbrechung des Programms. Da zeitgleich Bell mit der AH-1G Cobra einen einfachen, durch zwei Triebwerke zuverlässigen Hubschrauber in Vietnam sehr erfolgreich einsetze, änderte die US Army die Zielsetzung von Hochgeschwindigkeit auf Überlebensfähigkeit. Da die Stückkosten durch alle Neuerungen und Verbesserungen von 1,5 Mio $ in 1966 auf 3 Mio $ in 1971 gestiegen waren und bei einer letzten Vorführung vor einer Kommission der Abschuss einer TOW Rakete das Ziel vollends verfehlte, stellte die Armeeführung die Testreihe am 09.08.1972 endgültig ein.

Der neunte Prototype 66-8834 mit Cheftestpilot Don Segner ersetzte die abgestürzte Nummer 3 (66-8828) und erhielt zu diesem Zweck den Schleudersitz der Lockheed F-104 Starfighter eingebaut sowie die letzte Entwicklungsstufe des ursprünglichen Triebwerks, um die weiteren Flugtest durchzufühen, daher auch der Zusatz FDV für Flight Development Vehicle. Nach Programmende voll flugfähig zuerst auf der Edwards AFB eingelagert, später jedoch vollends demontiert und abgewrackt, so dass heute weltweit nur noch vier von zehn Exemplaren zu besichtigen sind. 

Aber die sämtlichen Erkenntnisse mit diesem Hubschrauber führten in der Folge zur Entwicklung der Hughes AH-64 Apache sowie für die Aufgabe der Luftnahunterstützung CAS (Close Air Support) der zusätzlichen Einführung der Fairchild-Republic A-10 Thunderbolt II. 

Große schwarze Walkways über den Fahrwerkschächten
Große schwarze Walkways über den Fahrwerkschächten

Technische Daten AH-56A Cheyenne BuNo 66-8834

Länge 18,30 m, Höhe 4,18 m und Rotordurchmesser 15,60 m. Das verbesserte General Electric T64-GE-716 Mantelstromtriebwerk erzeugte nun eine Leistung von 4.275 PS anstatt der 3.425 PS und ermöglichte eine Höchstgeschwindigkeit von 408 km/h, im Sturzflug sogar 445 km/h bei einer Reichweite von 1900 km. Das maximale Startgewicht betrug 11.740 kg. 

Bewaffnung der 3 weapons test vehicles 66-8829, 66-8831 und 66-8832:

Unter der Nase eine XM196 7,62mm Maschinenkanone oder ein M129 40mm Granatwerfer, unter dem Rumpf eine XM140 30 mm Bordkanone sowie an den Flügelpylonen panzerbrechende BGM71 TOW Raketen oder 70 mm ungelenkte Raketen. 

Verwendetes Referenzmaterial:

  • Das Buch Warbirdtech Series Volume 27 von Tony Landis und Dennis R. Jenkins
  • www.youtube.com

Farben: Olivegrau (olive drab) und leuchtorange Markierung an Rumpf und Flügeln

Lockheed AH-56A Cheyenne - 9. Prototyp BuNo 66-8834 - Heckansicht
Lockheed AH-56A Cheyenne - 9. Prototyp BuNo 66-8834 - Heckansicht

Modellbausatz: Aurora 1:72

Der Bausatz ist für mich von besonderer Bedeutung, denn er war für mich die erste Begegnung mit dem Plastikmodellbau Mitte der 70er Jahre und blieb wegen seiner Details und seinen vielen beweglichen Elementen stets unvergessen. Natürlich wurde dieser, wie von einem Kind nicht anders zu erwarten, ohne viel Geduld und Achtsamkeit mit Hilfe der mitgelieferten Tube Klebstoff zusammengebaut und anschließend im Spiel aufgenutzt.

Die Suche, Jahrzehnte später den Helikopter mit den heutigen Möglichkeiten und Fertigkeiten noch einmal zu bauen, gestaltete sich wie die Goldsuche in der Klondike, denn ein ungebauter Bausatz ist extrem schwer zu finden und ungeöffnete Exemplare aus den USA werden zwischen 60 und 100 $ gehandelt – zuzüglich Versandkosten und Zoll :-( !

Also hieß es warten, bis ein Modellbauer seine Komplettsammlung auflöste und Glück haben. Gute Bauberichte in englischer Sprache gibt es unter www.oldmodelkits.com und www.cybermodeler.com.

Nach dem Kauf erwarten einen insgesamt lediglich 38 Bauteile und sehr wenige Decals, dafür jedoch zwei beidseitig bedruckte DIN A3 Baueinleitungen in Bild und Sprache. Natürlich gibt es im Zubehörhandel keine Artikel, wer also auf große Detailtreue mehr Wert legt, muss die Bausätze von MIKU, LEGATO oder ANIGRAND in Resin wählen.

Aurora 1:72 Lockheed AH-56A Cheyenne BausatzAurora 1:72 Lockheed AH-56A Cheyenne Bauanleitung Teil 1Aurora 1:72 Lockheed AH-56A Cheyenne Bauanleitung Teil 2Aurora 1:72 Lockheed AH-56A Cheyenne Bauanleitung Teil 3Aurora 1:72 Lockheed AH-56A Cheyenne Bauanleitung Teil 4Aurora 1:72 Lockheed AH-56A Cheyenne Bauanleitung Teil 5Aurora 1:72 Lockheed AH-56A Cheyenne Bauanleitung Teil 6

Aurora 1:72 Lockheed AH-56A Cheyenne Bausatz

Aurora 1:72 Lockheed AH-56A Cheyenne Bausatz 

Warbirdtech Series Volume 27 - Tony Landis + Dennis R. Jenkins
Warbirdtech Series Volume 27 - Tony Landis + Dennis R. Jenkins

Die Planung der Diorama-Gundplatte gestaltete sich aufwendig, da nur sehr wenig Fotos vom Cheyenne auf dem Flugvorfeld existieren, die dann meist auch noch in Schwarz-Weiß sind. Also diente VERLINDEN PRODUCTIONS „34-35 Carton airfield tarmac section" sowie das Internet als Recherche und Referenz:

Letztendlich entschied ich mich dann doch für ein modernes quadratisches Heli Pad, auf dem auch noch nachfolgende Generationen wie der AH-64 Apache und RAH-66 Comanche parken können, denn der Kreis um das „H" umschreibt den Durchmesser des Hauptrotors und fällt bei VERLINDEN deutlich zu klein aus. Die Tabelle im oben genannten Link ermöglicht die Ausmaße eines jeden Hubschraubers zu berechnen und umzusetzen.

Nach der Grundierung der Holzplatte in matt Weiß erfolgte die Maskierung der Heli Pad Marking Pattern und anschließend die Lackierung in verschiedenen Erdfarben, da die Stützpunkte von Lockheed in Kalifornien und Arizona lagen. Dabei entschied ich mich für die Reihenfolge Revell 89 Beige – 88 Ocker und abschließend 87 Erdfarbe, orientiert an aktuellen Aufnahmen des Yuma Proving Ground.

Der Kreis in der Mitte stellt das Strömungsbild der Rotorblatt-Zirkulation dar, Schmutz und leichtere dunkle Erden werden 360° von innen nach außen geblasen.

Nach dem Demaskieren wurde mit einem FABER CASTELL Buntstift Farbe Braun das Flugfeld aufgezeichnet und danach mit einem Baumwollsocken kreuz und quer verwischt, da das Regalbrett schon vorher mit „ROUGHCOAT", einer Sprühgrundierung von GAMES WORKSHOP, behandelt worden war, und somit die gewünschte raue Oberfläche aufwies.

DIN A4 VERLINDEN PRODUCTIONS '34-35 Carton airfield tarmac section'Design und Bau des Heli Pads1:72 Grundplatte Heli Pad (47,5 x 50,5 cm)Lockheed AH-56A CheyenneLockheed AH-56A CheyenneLockheed AH-56A CheyenneLockheed AH-56A Cheyenne

DIN A4 VERLINDEN PRODUCTIONS '34-35 Carton airfield tarmac section'

DIN A4 VERLINDEN PRODUCTIONS '34-35 Carton airfield tarmac section' 

1:72 Heli Pad mit modernem Marking Pattern (mittlere Größe)
1:72 Heli Pad mit modernem Marking Pattern (mittlere Größe)

Dann startete der Bau mit dem Cockpit, das in Mittelgrau und Schwarz lackiert wurde, die Pilotensitze in Helloliv, die Piloten in Leuchtorange und Beige. Das Panel für den Piloten wurde mit dem Ätzteil und einem Stück Fotofilm einer OV-10 Bronco erweitert.

Aus der Bastelschrottkiste wurde das General Electric T64-GE-716 Triebwerk scratch nachgebaut sowie mit dünnem Karton der Cockpitboden erweitert, so dass die drehbare Periskop-Sensoreinheit mit Infrarotkamera und Laser-Entfernungsmesser beweglich blieb.

Viele Bauteile wiesen Fischhaut und Auswerfermarken auf und mussten daher nachbearbeitet werden, dafür blieben nach dem Zusammenkleben die Bugkanone, der Rotormast als auch beide Fahrwerke tadellos beweglich.

Eigentlich war geplant, aufgrund des leuchtorange-farbenen Rumpfbands die Stummelflügel separat zu lackieren, weil diese aber auch nach dem Schleifen noch lange Spalten zum Rumpf zeigten, wurden sie schon vorher verklebt und mit Flüssigkleber versiegelt.

Lockheed AH-56A CheyenneLockheed AH-56A CheyenneLockheed AH-56A CheyenneLockheed AH-56A CheyenneVorne der unbekannte Schütze samt Periskop und dahinter Pilot Don SegnerLockheed AH-56A CheyenneLockheed AH-56A Cheyenne

Lockheed AH-56A Cheyenne

 

Der Zusammenbau des Hauptrotors mit Gyro erfolgte sehr gewissenhaft und nachdem der Rotorschaft mit dem DREMEL noch einmal ein wenig aufgebohrt wurde, ließen sich alle drei Rotoren und auch die Räder einwandfrei bewegen.

Vor der Grundierung aller Teile in Alufarben REVELL 99 wurde der Bausatz noch einmal mittels Isopropanol von Fett und Schmutz befreit und das Cockpit maskiert.

Es folgten die Farben Weiß, Gelb, Leuchtorange, Rot und Schwarz – alle Flächen und vor allem der Hauptrotor wurden dazwischen sorgfältig maskiert, bevor der Rumpf in Revell 66 Olivgrau (Olive Drab) lackiert wurde.

Die große Klarsichtkanzel wurde akribisch abgeklebt, dann schwarz und anschließend auch olivgrau maskiert, damit die Streben innnen und außen unterschiedliche Farben haben.

Nach dem Demaskieren die glückliche Erkenntnis, dass nur noch an wenigen Stellen, wo der Sprühnebel doch durchgedrungen war, retuschiert werden musste. 

Lockheed AH-56A Cheyenne Hauptrotor und GyroLockheed AH-56A CheyenneLockheed AH-56A CheyenneLockheed AH-56A CheyenneLockheed AH-56A CheyenneLockheed AH-56A CheyenneLockheed AH-56A Cheyenne Kanzel

Lockheed AH-56A Cheyenne Hauptrotor und Gyro

Lockheed AH-56A Cheyenne Hauptrotor und Gyro 

Lockheed AH-56A Cheyenne

Die Schutzschicht mit Vollglanz Bodenpflege bildete die Grundlage für die wenigen alten Decals, von denen die großen leider viel zu dick und daher auch brüchig waren, so dass nur noch MODEL MASTER clear parts cement & windows maker das Ergebnis retten konnte. Alle weiteren Nass-Schiebebilder entsprangen der Restekiste (AH-64/OV-10D/A-10A und viele mehr) – manchmal eine wahre Goldgrube!

Abschließend wurde mit Klarlack matt alles versiegelt, das Cockpit eingebaut, Fahrwerk und Rotoren montiert und von CMK MASTER´S KITS 7031 noch fünf Navigationslichter eingesetzt.

CMK MASTER´S KITS 7031Lockheed AH-56A CheyenneVorne der unbekannte Schütze samt Periskop und dahinter Pilot Don SegnerVorne der unbekannte Schütze samt Periskop und dahinter Pilot Don SegnerLockheed AH-56A Cheyenne CockpitLüftungsschlitze am RotorgehäuseCockpitkanzel schließt wegen dem  scratch Periskop nicht mehr bündig

CMK MASTER´S KITS 7031

CMK MASTER´S KITS 7031 

Zum Abschluss meine Galerie des Lockheed AH-56A Cheyenne, 9. Prototyp BuNo 66-8834, FDV (Flight Development Vehicle) - Yuma Proving Grounds, Arizona 1971 

Die Bilder entstanden am 25.08.2016 in der Mittagszeit bei wolkenlosen Himmel und 32° in der Sonne, also Temperaturen beinahe wie in der Wüste von Arizona - nur leider keine so trockene Hitze!

Lockheed AH-56A CheyenneWarndreieck für den Lockheed F-104 Schleudersitz im FrontcockpitInfrarotsensoren und Laser-Zielentfernungsmesser unter dem RumpfLockheed AH-56A CheyenneLockheed AH-56A Cheyenne'Danger' Warnhinweis für den General Electric T64-GE-716 AuslassLockheed AH-56A Cheyenne

Lockheed AH-56A Cheyenne

 

Das lange ersehnte Projekt dauerte durch den Sommer circa zehn Wochen, durch die gescratchte Zielvorrichtung für den Bordschützen verblieben zwar beidseitig Spalten an der Kanzel, die eigentlich nur noch zwischen Cockpit und Rumpf eingeklemmt werden musste, das ließ sich bei einem "Kindheitstraum" aber locker verschmerzen :-))

Lockheed AH-56A Cheyenne FrontalansichtLockheed AH-56A CheyenneLockheed AH-56A CheyenneLockheed AH-56A CheyenneLockheed AH-56A CheyenneLockheed AH-56A CheyenneLockheed AH-56A Cheyenne

Lockheed AH-56A Cheyenne Frontalansicht

Lockheed AH-56A Cheyenne Frontalansicht 

Lockheed AH-56A Cheyenne Draufsicht
Lockheed AH-56A Cheyenne Draufsicht

Oliver Zwiener

Publiziert am 03. September 2016

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