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Wong Tong-Mei (1914)

Zweisitzer, 1914

von Jürgen Wagenknecht (1:72 Omega Models)

Wong Tong-Mei (1914)

Zum Vorbild

Nach der Gründung der Firma T. K. Wong wurde die „Tong-Mei“, die ich bereits im Modellversium vorgestellt hatte, radikal zum Zweisitzer umgestaltet. Die Änderungen waren so vielfältig, das ein komplett neues Flugzeug entstanden ist. Der Vierzylinder-Reihenmotor wurde durch einen 100 PS 10-Zylinder Sternmotor von Anzani ersetzt. Die vorher gestaffelten Flügel waren jetzt nicht mehr gestaffelt, die Quersteuerung wurde auf Querruder umgestellt. Die tragenden Flügelholme, die vorher mit Schellen seitlich am Rumpf befestigt waren, wurden im Rumpf integriert. Höhen- und Seitenleitwerk wurden komplett umgestaltet. Das Fahrwek besaß jetzt nur noch zwei Räder und wurde durch zusätzliche Diagonalstreben verstärkt. Zudem wurden überwiegend Materialien eingesetzt, die auch in Fernost/China zur Verfügung stehen. Der vorher recht dezente Schriftzug „WONG“ war jetzt – deutlich auf der Seite angebracht - nicht mehr zu übersehen.

Wong Tong-Mei (1914)

Mitte 1914 war es dann soweit. Die „Tong-Mei“ wurde verpackt und nach Kuala Lumpur verschifft. Dort wurde sie wieder zusammen gebaut und sollte über Demonstrationsflüge begeistern und über die damit steigende Popularität den fernöstlichen Markt öffnen. Als Flugplatz diente das örtliche Polofeld. Am 11.07.1914, bevor erste Zuschauer anwesend waren, wurden einige Testflüge durchgeführt, die alle perfekt endeten. Zufrieden mit den Ergebnissen, wollte Mr. Wong die Maschine dem Publikum am Nachmittag vorführen. Leider ging jetzt alles schief. Nach einem Flug über 10 Meilen konnte er die Maschine beim Landeanflug nicht rechtzeitig stoppen und landete in einem Zaun. Propeller und Fahrwerk wurden beschädigt und er benötigte etwas Zeit die Maschine zu reparieren.

Wong Tong-Mei (1914)

Am Samstag, den 18.07. flog er erneut für 10 Minuten, jetzt auf der örtlichen Pferderennbahn, die eine längere Landebahn versprach. Wieder hatte er Pech, da bei der Landung ein Reifen beschädigt wurde. Diesmal konnte die „Tong-Mei“ aber innerhalb eines Tages repariert werden und am Nachmittag des 19.07. startete er erneut. Nach einem perfekten Flug über 20 Minuten ging der Anzani-Motor aus und die Maschine crashte auf den Boden. Glücklicherweise blieb Mr. Wong unverletzt, aber für die „Tong-Mei“ war dieses der letzte Flug.

Wong Tong-Mei (1914)

Das Ziel, den fernöstlichen Markt zu erobern war misslungen und diesmal konnte die „Tong-Mei“ nicht mehr repariert werden. Wahrscheinlich war der Motor zu stark beschädigt worden. Damit endet die Geschichte der „Tong-Mei“, die nicht vom Glück begünstigt war und nur eine kleine Anekdote in der Geschichte der Fliegerei hinterlässt. In Europa begann noch im selben Monat der Erste Weltkrieg und nach dem Krieg trat die Firma von Mr. Wong nicht mehr in Erscheinung.

(Quellen: HistoricwingsFlight International Magazine)

Wong Tong-Mei (1914)

Der Bausatz

Bei dem Modell handelt es sich um einen typischen Omega-Models Bausatz, d.h. sauber gegossene Teile mit spärlicher Detaillierung. Dazu ein Stück gebogener Draht. In diesem Fall liegen Decals bei, bei meinem Bausatz sogar doppelt. Der Beipackzettel entspricht dem neuen, guten Omega-Standard. Auf der einen Seite ein maßstäblicher Dreiseitenriss, auf der anderen Seite ein paar spärliche Informationen zum Original, diesmal sogar mit Originalfoto, Farbangaben mit Farbcode AGAMA und Humbrol, einer durchnummerierten farbigen Teileabbildung und einer Explosionszeichnung mit Teilenummern als Bauanleitung. Zudem ist noch ein Originalfoto des Motors dabei.

Wong Tong-Mei (1914)

Erstaunlicher Weise sind zum Einsitzer fast alle Teile neu modelliert worden. Nur der Unterflügel mit Benzinpumpe ist baugleich. Wenn die Bausatznummer etwas über die Entstehung des Bausatzes aussagt, so ist der Zweisitzer sogar vor dem Einsitzer entstanden. Das erklärt auch die falsch gesetzten Löcher im Unterflügel, denn diese sind beim Zweisitzer an anderer Stelle als beim Einsitzer und hier jetzt korrekt. Der Motor ist mit seinen einzeln gegossenen Zylindern sehr schön wiedergegeben. Allerdings muss man sich die Auspuffrohre aus Draht selber biegen. Da macht es diesmal nichts, dass der Draht von einer Rolle geschnitten wurde. Die Sitze sind diesmal nicht als Sitzschale modelliert, sondern klar als Korbsessel identifizierbar. Bei den Rädern ist die Qualität leider genauso lausig wie beim Einsitzer, so dass ich hier auch die gleiche Lösung verwendet habe, d.h. Ätzteile von Part für die Felgen und Reifen selber gebogen aus Draht.

Wong Tong-Mei (1914)

Mein Modell

Dass die tragenden Flügelstreben jetzt im Rumpf integriert waren, hat Omega so nicht umgesetzt. Hier habe ich entsprechende Nuten in den Rumpf gefräst, wo dann die beiliegenden Flügelstreben eingesetzt und verspachtelt wurden. Die Wartungsklappe vorne beim Motor war nicht dargestellt, da es bei Omega keine Oberflächendetails gibt. Diese habe ich aus dünnen Plastiksheet zurecht geschnitten und dann aufgeklebt.

Wong Tong-Mei (1914)

Das beiliegende Höhenruder ist komplett falsch wiedergegeben. Es hat keine Ähnlichkeit mit dem Dreiseitenriss, der aber leider auch eine falsche Darstellung des Höhenruders aufweist. Hier sind die spärlichen Originalfotos eine gute Hilfe. Gerade auf dem letzten Foto der „Tong-Mei“, die diese nach dem Absturz zeigt, kann man das Höhenruder sehr gut erkennen. Somit habe ich das Höhenruder dann nach diesem Vorbild selber erstellt. Auf dem gleichen Foto kann man ebenfalls sehr gut erkennen, dass der Zweisitzer Querruder besaß, an welche aber Omega auch gedacht hat und diese entsprechend im Oberflügel graviert hat. Beim Fahrgestell fehlt die zusätzliche Verstärkungsstrebe, was aber schnell mit einem Stückchen Draht korrigiert werden kann. Ansonsten baut sich das Modell wie bei Omega üblich: Falsche Löcher verspachteln, neue bohren und die Position der einzelnen Teile anhand des Dreiseitenrisses markieren. Nach den eigentlichen Vorbereitungen sind dann die Teile recht schnell montiert.

Wong Tong-Mei (1914)

Bemalt wurde wie immer bei mir mit Pinsel mit Revell Aqua Color und Humbrol Farben. Die Holzteile sind mit Ölfarbe gemasert. Die Decals ließen sich gut verarbeiten, sehr dünn und ausreichend stabil. Der seitliche Schriftzug war im kurzen Leben der „Tong-Mei“ teilweise scheinbar geflickt worden und später wieder korrigiert. Ich habe die Variante des letzten Fluges gebaut, d.h. mit einem perfekten Schriftzug. Am Unterflügel war zu diesem Zeitpunkt definitiv kein Schriftzug vorhanden. Ob einer am Oberflügel zu diesem Zeitpunkt vorhanden war, weiß ich nicht genau, da er auf den paar existierenden Fotos nicht erkennbar ist. Zum Zeitpunkt des ausgebesserten WONG-Schriftzugs an der Seite war allerdings keiner auf dem Oberflügel vorhanden. Da ich annahm, dass bei der letzten Vorführung die „Tong-Mei“ noch einmal herausgeputzt wurde, habe ich ihn auf dem Oberflügel angebracht.

Wong Tong-Mei (1914)

Am Schluss habe ich jetzt beide Varianten dieser kleinen exotischen Maschine in meine Sammlung aufnehmen können, Omega sei Dank.

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Wong Tong-Mei (1914)

 

Jürgen Wagenknecht

Publiziert am 29. Juni 2019

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