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Boeing 314 Clipper

Dr. Jones reist mit Stil

von Frank Spahr (1:144 Minicraft Model Kits)

Boeing 314 Clipper

Die Concorde der dreißiger Jahre waren die Clipper – Flugboote von Pan American – schneller und luxuriöser konnte man nicht reisen. Ab 1935 verkehrten sie auf Langstrecken rund um die Welt; zuerst wurden Martin M 130, dann Sikorsky S-42, und ab Mai 1939 die größeren und schnelleren Boeing 314 eingesetzt. Im US – Sprachgebrauch werden alle diese Flugzeugtypen, egal auf welcher Route sie unterwegs waren, oft als „China Clipper“ bezeichnet.   Je nach Streckenlänge konnte die Boeing 314 zwischen 38 und 68 Passagiere transportieren, mit einer Bequemlichkeit, die hinsichtlich Unterbringung, Service und Verpflegung an den zeitgenössischen Passagierschiffen orientiert war. Dieser Typ, der die Tragflächen des XB-15 – Bombers mit einem sehr stabilen und geräumigen Rumpf kombinierte, bot mehr Platz und durch seine vier Wright R-2600 – Triebwerke eine höhere Reisegeschwindigkeit als die Vorgänger.   Mit Ausbruch des zweiten Weltkriegs engte sich das Streckennetz ein; einige Clipper wurden an die Briten abgegeben, mit dem Kriegseintritt der USA übernahm das Militär die verbleibenden Flugboote für Spezialtransporte. Sowohl Churchill als auch Roosevelt nutzten sie als Reiseflugzeuge. Nach Kriegsende wurden die übrig gebliebenen Clipper zurückgegeben, jedoch schon bald aus dem aktiven Dienst genommen. Die Unzahl an Flugplätzen, die während des Krieges in noch so entlegenen Gebieten gebaut worden waren, und die großen Fortschritte der Flugzeugtechnik machten die Flugboote überflüssig. Heute sind alle Boeing Clipper verschrottet. Nur in Foyne in Irland, wo die Flugboote auf der Transatlantikroute Station machten, existiert ein Nachbau.

Boeing 314 Clipper

Wie man zu etwas kommt und was man so denkt ...

Airfix hat seit 1967 einen Bausatz der Boeing Clipper im Maßstab 1:144 im Programm. Minicraft hat diese Formen überarbeitet, dabei die typischen Nieten entfernt, erhabene Gravuren hinzugefügt, und bietet ihn unter dem eigenen Markennamen an. Einen dieser Bausätze habe ich bei der Modellbauausstellung in Lübeck dieses Jahr erstanden, teils um einmal etwas anderes auszuprobieren, teils weil ich mich vorher so nett mit einem Modellbaukollegen unterhalten hatte, der 1:144er Flugzeuge baut. Zudem hatte ich beim Anblick der Clipper sofort die Reisesequenzen aus den Indiana – Jones – Filmen vor Augen, in denen diverse zeitgenössische Flugzeuge mit dem Helden an Bord um die Welt kurven und dabei eine rote Linie hinter sich lassen. Das allererste davon, dasjenige, mit dem Jones nach Tibet reist, wo er Marion Ravenwood bei ihrem täglichen Wettsaufen trifft und unter anderem ihre Kneipe in Schutt und Aache gelegt wird – das Flugzeug, da war ich mir ganz sicher, musste eine Boeing Clipper sein. Und 1:144 bedeutet schließlich auch ein kleines Modell. Dachte ich.

Davon traf wenig bis gar nichts zu. Zuerst stellte sich das Modell als doch recht groß heraus, und dann fand ich heraus, dass ich beim Film nicht genau hin geschaut hatte. Auf den Standfotos, die ich mir von der DVD zog, sah man zuerst einmal ein ganz anderes Leitwerk und auch Hilfsschwimmer, die die Boeing eben nicht hatte. Ein bisschen Recherche zeigte, dass die Produktion seinerzeit eine auf dem Trockenen sitzende Short Solent verwendet und diese mithilfe von Matte - Painting in eine Szene an einem Kai eingebaut hatte. Die Flugaufnahmen wurden mit einem Modell der Solent angefertigt. Im übrigen hätte Indy 1936 noch gar nicht mit einer Boeing 314 fliegen können, weil diese ja erst 1939 den Betrieb aufnahm ...

Bauen ohne Stress - und es geht doch!

Na gut, dachte ich mir. Wenn eh alles Kintopp ist, kann ich gern alle Freiheiten nutzen. Also baute ich das Modell weitestgehend aus dem Kasten; lediglich die sehr dicken Klarsichtteile wurden verworfen und die kleinen Antennen über dem Cockpit durch Draht ersetzt. Die fehlenden Streben der Cockpitverglasung wurden durch gezogenes Gußastmaterial ersetzt. Die komplett fehlende Inneneinrichtung wurde mangels guter Einsicht weggelassen. Nur die Zugangstür an steuerbord wurde dünner geschliffen. Die Naht am Rumpfrücken erforderte einiges an Korrekturen und ein Nachgravieren. Das dabei aufgeworfene Material ließ ich stehen, um Ähnlichkeit zu den erhabenen Gravuren herzustellen. Nach einer Grundierung und einigen Nachkorrekturen an dabei zutage tretenden Unsauberkeiten wurde das ganze Flugzeug mit JPS Silber lackiert. Ein Glanzlacküberzug folgte, um die Decals möglichst sauber aufbringen zu können. Ich benutzte alle Decals, auch diejenigen für die Enteiser und die Tragflächenmarkierungen. Mit Micro Sol ließen sie sich recht gut verarbeiten, bis auf die Kennung an steuerbord, die schief aufkam und trotz aller Mühe so blieb. Zwischen den orangefarbenen Decals an den Motorgondeln und den Tragflächen blieben Spalte übrig. Glücklicherweise hatte ich für ein anderes Projekt Amaranth Red von Vallejo vorrätig, das sich als sehr gut passender Farbton erwies und die Korrekturen erleichterte.

Nach dem Aufbringen der Decals wurde das Flugzeug zuerst mit Glanzlack, dann mit seidenmattem Klarlack von Xtracrylix lackiert. Ein Weathering erfolgte nicht, nur leichte Abgasspuren wurden mit der Airbrush aufgetragen. Zum Einbau auf mein Diorama trennte ich den Rumpfboden bis zur gedachten Wasserlinie mit einem Schwingschleifer ab – eine etwas rustikale und schmutzige Methode, zur Nachahmung nicht unbedingt empfohlen. Die Fensterverglasung entstand aus Ponal - Weißleim, der dünn mit einem Zahnstocher in die Öffnungen eingebracht wurde. Die Antennendrähte bestehen aus Caenis ultrafeinem Angelgarn – etwa so dick wie gezogener Gußast, aber zehnmal so reißfest. Das Material wurde mit Sekundenkleber verklebt und mit Hitze von einem zahntechnischen Aufwachsinstrument gespannt.

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Boeing 314 Clipper

 

Von der Basis her ...

Das Diorama entstand aus einem Bilderrahmen, in den von der Rückseite Gips gegen eine mit zerknitterter Alufolie bespannte Glasplatte gegossen wurde. Der Bereich, auf dem das Flugboot liegen sollte, wurde mit einer Klinge schabend geglättet. Die Löcher für die Pfosten des Landungsstegs wurden mit einem Handbohrer in den recht weichen Gips gebohrt. Die Wasserfläche wurde mit einer Anzahl zu schlammigem Hafenwasser passender RLM – Farbtöne in Acrylfarben lackiert. Nach ausgiebigem Durchtrocknen konnte die Wasserfläche mit mehreren Schichten hochglänzenden Klarlacks versiegelt werden. Heute würde ich es anders machen, indem ich Styrodur und Wandfarbe anstatt des Gipses benutzen würde.

Der Kai entstand aus Epafit – Karton. Von einer Seite wurde die Kartonbeschichtung entfernt und die Strukturen vorsichtig mit einem Zahnstocher eingraviert. Die Front wurde mit diversen Kartonstreifen und Polystyrolprofilen detailliert. Die Bemalung erfolgte hauptsächlich mit der Airbrush nach einem Preshading mit dem Pinsel. Das Material ist sehr saugfähig. Schließlich wurde der Kai mit Weißleim auf die Basis geklebt.

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Der Aufbau geht weiter

Der Landungssteg wurde zuerst grob vorskizziert, dann eine Vorzeichnung gemacht, und schließlich aus diversen Polystyrolprofilen zusammengeklebt. Die Laufflächen sind „N scale car siding“ von Evergreen, ein auch bei Urmodellbauern zur Darstellung von Schiffsdecks beliebtes Material. Bemalt wurde der Steg mit verschiedenen Acrylfarben in grünlich-grauen Tönen. Ein Wash und ein Auftrag von mehr Grüntönen um die Wasserlinie schlossen die Bemalung ab. Der Steg wurde mit Weißleim in die vorgebohrten Löcher eingeklebt.

Der Güterschuppen ist ein Modellbahnbausatz in Spur N, der schon in den passenden Farben gespritzt war. Hier wurde nur mit Ölfarben trockengemalt, um die Farben etwas abzutönen und realistischer zu gestalten. Eine Alterung erfolgte mit Pastellkreiden. Der Blick auf das nicht vorhandene Innenleben wird durch eine wie zufällig abgestellte Kiste versperrt ;-)

Es kommt Leben in die Bude

Es war erheblich schwieriger als gedacht, passende Fahrzeuge zu erhalten. Schließlich blieben nur zwei einigermaßen altmodische Autos von BUSCH übrig, die ich im örtlichen Modellbauladen bestellte. Während ich auf die Lieferung wartete, beschaffte ich mir mehrere Figurensets: Ein Satz Bauarbeiter sollte sich als Statisten im Hintergrund halten; ein Satz Reisender sollte die Clipperpassagiere geben, und Zugpersonal für den EUROSTAR würde meine PAA – Crew werden. Das erforderte ein paar Korrekturen: Einige der Figuren hatten Auswerfermarken, die entfernt werden mußten; einige mußten teilweise umbemalt werden, um stimmiger zu wirken; und alle erhielten einen schwarzen Ölfarben – wash, um die Details zu betonen und die zu bunten Farben etwas abzutönen. Schließlich wurden alle Figuren noch mit Mattlack gespritzt.

Um etwas mehr Leben ins Bild auf dem Steg zu bekommen, baute ich mir noch ein paar Koffer aus Polystyrolprofilen und Handgriffen aus Stücken fotogeätzter Reling.

Nachdem die Fahrzeuge schließlich eingetroffen waren, wurden sie umgehend in Arbeit genommen. Die Limousine sollte gerade betuchte Passagiere abgeliefert haben; sie erhielt nur einen schwarzen Wash am Kühlergrill, um die Details zu betonen. Der Pickup sollte den Bauarbeitern dienen und wurde mit Washes, trockenmalen und Pastellkreide gealtert und allgemein verwarzt.

Boeing 314 ClipperSicherlich nicht das Gepäck von Dr. JonesEr reist hauptsächlich mit Lederjacke, Hut und PeitscheBoeing 314 Clipper

Boeing 314 Clipper

 

Fazit

Schließlich kam alles zusammen; die Figuren und Fahrzeuge wurden platziert, Fotos gemacht, zahlreiche Peinlichkeiten darauf entdeckt und teilweise beseitigt, und schließlich dieser Baubericht geschrieben.

Fazit: Hier paßt überhaupt nichts zusammen, weder das Flugzeug noch das Gebäude, die Fahrzeuge oder die Figuren – aber mich stört es nicht. Es hat Spaß gemacht und ich finde, es sieht aus bestimmten Blickwinkeln und einer gewissen Entfernung cool aus.

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Frank Spahr

Publiziert am 02. Februar 2010

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