MTB's in Felixstowe 1942von Michael Delf (1:700 Verschiedene Hersteller)
EinführungDie Idee für dieses Diorama entstand, als ich das Heft „Vosper Torpedo Boats in Action“ Nr. 13 von Squadron-Signal zum ersten Mal las. In diesem Heft sind zwei Bilder vom britischen MTB-Stützpunkt „HMS Beehive“ in Felixstowe aus dem Jahre 1943 und ich fand das ein schönes Motiv für ein Diorama mit kleinen Booten der britischen Küstenstreitkräfte.
Die BooteIn meinem Diorama sind 3 verschiedene Kleinbootstypen dargestellt und zwar mehrere Motor Torpedo Boats (MTB’s), ein Fairmile Motor Launch (ML) Typ B, und ein Harbour Defence Motor Launch (HDML) – Hafenschutzmotorboot. Die MTB’s kehren von einem Einsatz zurück, begleitet vom Fairmile ML während das HDML vor der Hafeneinfahrt patrouilliert.
1.) MTB’sWährend des 2. Weltkrieges spielten die MTB’s in der Royal Navy die gleiche Rolle wie die S-Boote in der deutschen Kriegsmarine – schnelle Torpedoangriffe gegen feindliche Handelsschiffe oder andere Kriegsschiffe. Vor und am Anfang des 2. Weltkrieges gab es mehrere Firmen in Großbritannien die MTB’s entwickelten und bauten, z.B. British Power Boat Company, Vosper und Thorneycroft. Es war aber die Firma Vosper die sich mit ihren MTB-Entwurfen durchsetzen konnte, und die große Mehrheit der eingesetzten britischen MTB’s waren entweder Vosper-Boote oder im Lizenz gebauten Vosper-Boote. Im Laufe des Krieges gab es verschiedene Ausführungen von Vosper MTB’s, die entweder nach dem Baujahr bzw. Entwicklungsjahr oder nach der Bootslänge klassifiziert waren. Die Vosper MTB’s waren mit Benzinmotoren ausgerüstet; die ersten Motoren kamen aus Italien, später wurden die Motoren aus den USA importiert. Der Nachteil dieser Motoren war die Entzündlichkeit des Treibstoffs. Wenn das Boot bei einer Kampfhandlung getroffen wurde, gab es meistens einen Totalverlust.
Typische Technische Daten für ein Vosper 1940 MTB:
2.) Fairmile Motor Launch Typ BDer “Motor Launch” oder ML wurde von der britischen Marine in einer ähnlichen Rolle wie die deutschen R-Boote eingesetzt. Der ML wurde als Patroullienboot, Minensucher, Minenleger, U-Bootjäger, Geleitboot für Küstenkonvois und sogar als Torpedoboot verwendet. Der Typ B ML von der Firma Fairmile wurde ganz aus Holz mit einer runden Unterwasserrumpfform konstruiert, die dem Boot gute Fahreigenschaften auf See gab. Der Typ B war der Nachfolger des weniger erfolgreichen Typ A’s von Fairmile. Es war ursprünglich geplant, dass jedes Boot mit 3 Benzinmotoren betrieben werden sollte. Da die Motoren von der Firma Hall-Scott aus den USA importiert werden mussten und nur beschränkt geliefert werden konnten, wurde es entschieden die Boote mit nur 2 Motoren auszurüsten. Dafür aber konnten mehr Boote gebaut werden und eine Geschwindigkeit von 17 bis 20 Knoten trotzdem erreicht werden. Es wurde von der britischen Admiralität angeordnet, dass die Boote vorgefertigt werden musste, damit die Teile in kleineren Werften zusammengebaut werden konnten. Mit dieser Bauweise konnten mehr Boote schneller angefertigt werden. Insgesamt wurden 43 Werften in Großbritannien und 38 im Ausland am Bau des Fairmile Typ B’s beteiligt. Etwa 650 Boote wurden im Laufe des Krieges weltweit gebaut, die ersten Boote waren in 1940 in Dienst gestellt. Die Fairmile Typ B’s waren wirklich „Allzweckboote“ und es war möglich durch montierte Stahlträger am Deck des Bootes die Bewaffnung in kurzer Zeit zu wechseln, wenn das Boot einem anderen Einsatzzweck zugeordnet wurde.
Typische Technische Daten für einen Fairmile Typ B ML:
3.) 72 Fuß „Harbour Defence Motor Launch“ (HDML)Im späten 1939 wurde von der britischen Admiralität die Entwicklung eines kleinen Motorboots im Auftrag gegeben, das Flussmündungen und Häfen gegen das Eindringen von feindlichen U-Booten schützen soll. Aus diesem Auftrag entstand das HDML. In der Praxis aber erfüllten die HDML’s fast die gleichen Rollen wie die größeren Fairmile Typ B ML’s. Eine Anforderung seitens der Admiralität war eine Länge von 72 Fuß (21,9m), was bedeutete dass das Motorboot als Deckcargo auf größeren Schiffen in fernere Einsatzgebiete transportiert werden könnte. Die HDML’s wurden komplett aus Holz gebaut – hauptsächlich Mahagoni – und hatten die gleichen runden Unterwasserrumpfform wie das Fairmile Typ B. Im Gegensatz zu dem Fairmile Typ B aber waren die HDML’s von 2 Dieselmotoren angetrieben. Diese waren sicherer als die Benzinmotoren, besaßen aber den Nachteil, dass die Höchstgeschwindigkeit auf 11 bis 12 Knoten beschränkt war. Etwa 486 Boote wurden während des 2. Weltkrieges bestellt. Da die HDML’s hinsichtlich der Seetüchtigkeit sehr gute Eigenschaften zeigten, waren sie sehr beliebt und viele dienten lange nach dem Kriege u.a. auch als private Yachten.
Typische Technische Daten für das HDML:
Die Boote als ModelleMTB ModelleAls Basis für die MTB Modelle wurde der alte Skywave-Bausatz genommen. Bei allen Booten wurde zuerst die Rumpfform genauer dargestellt, indem durch Schleifen an den vorderen Rumpfseiten eine typische MTB-Bugform erreicht wurde. Auch das Heck wurde verbessert. Hier wurde ein Rechteck aus Plastikcard auf das Heck geklebt und mittels aufgeklebte Plastikcard-Streifen und Spachtelmasse an den hinteren Rumpfseiten und mit anschliessendem Schleifen konnte die richtige Rumpfform im Heckbereich gebildet werden. Da die Brücke auf dem Skywave-Modell ganz falsch ist, musste diese weggeschnitten bzw. weggeschliffen und eine neue aus Plastikcard gebaut werden. Die Detaillierung der MTB-Modelle erfolgte mit Teilen aus der Zurüstteilkiste und geeigneten Ätzteilen.
Fairmile ML und HDMLDa es für diese Boote keine Bausätze gibt, mussten die beiden Modelle als Eigenbauten konstruiert werden. Zuerst wurde für jedes Boot ein Urmodell aus Plastikcard nach den entsprechenden Plänen und Seitenrissen in „Allied Coastal Forces of WWII, Vol. 1“ von Ross & Lambert gebaut. Dann wurde eine Silikon-Form von dem Urmodell gegossen. Als diese fest war, konnte dann das Modellboot aus Epoxyharz gegossen werden. Eine entsprechende Detaillierung der beiden Boote wurde wie bei den MTB’s vorgenommen.
Bemalung der BooteDie MTB’s, die ein Mittelgrau-Tarnschema trugen, wurden mit WEM Colourcoats AP507B bemalt. Diese Farbe wurde auch für das Fairmile ML und HDML genommen. Das MTB 30 in einem weiß und grauen Tarnschema wurde mit Humbrol H147 und H27 bemalt; MTB 34 mit H147 und H67.
Das DioramaDie Hafenmauern sind aus Holzblöcken angefertigt, die mit Pappe beklebt wurden. Die Mauerseiten wurden mit Humbrol H162 bemalt, um eine betonähnliche Farbe zu geben. Zu der grauen Farbe wurde etwas grüne Farbe beigemischt, um die Bereiche darzustellen, die beim Flut bedeckt wären.
Die Mole aus Holzpfählen habe ich aus Streichhölzern gebaut, und zwar aus englischen Streichhölzern mit einem quadratischen Querschnitt. Zuvor aber musste das Hafenwasser in diesem Bereich fertiggemacht werden, bevor die Mole aufgebaut werden konnte.
Das Wasser auf dem Diorama habe ich in gewohnter Weise gemacht, d.h. zuerst wurde Spachtelmasse auf dem Dioramabrett aufgetragen und wenn trocken bemalt. Als Farbgemisch habe ich eine 1:1 Mischung aus Humbrol H176 & H187 genommen, da dieses Gemisch die sandige Farbe des Küstengewässers in der Gegend um Harwich und Felixstowe am besten wiedergibt. (Da ich jahrelang mit der Fähre nach Harwich gefahren bin, bin ich mit diesem Gewässer sehr gut vertraut!).
Die fertigen Boote wurden in der Spachtelmasse positioniert, bevor diese ganz trocken war. Die Bug- und Heckwellen von den Booten wurden auch zu diesem Zeitpunkt in der Spachtelmasse geformt. Um die Darstellung des Wassers abzuschließen, wurden mehrere Schichten Klarlack aufgetragen.
Das kleine Gebäude und die Hütte am Ende der Mole sind aus einem Skywave-Bausatz. Ich habe lediglich Teile aus dem großen Gebäude rausgeschnitten und neu zusammengeklebt. Die Fahrzeuge sind entweder von Skywave – z.T. auch modifiziert – oder von WEM. Die Figuren stammen aus verschiedenen Ätzteilsätzen von Tom’s. Zum Schluss möchte ich Reiner Vögel für seine Hilfe mit dem Bau der Urmodelle und dem Giessen der Fertigmodelle sowie für die Bereitstellung von Literatur und Plänen herzlich danken.
FazitDer Bau dieses Dioramas und der kleinen Boote hat mir viel Spaß gemacht. Es war eine andere Bastelarbeit als wenn man ein großes Schiff für sich baut. Mit der Bau eines solchen Dioramas hat man die Möglichkeit mehrere kleinen Boote in einer passenden Umgebung zu zeigen. Michael Delf, Publiziert am 29. September 2007 Die Bilder stammen von Martin Kohring. © 2001-2010 Modellversium.de, Modellbau Magazin | Impressum |