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Saab J-21R

Saabs erster Düsenjäger

von Bernd Korte (1:72 Special Hobby)

Die Vorbildmaschine war 1950 in Ängelholm im Süden Schwedens stationiert.
Die Vorbildmaschine war 1950 in Ängelholm im Süden Schwedens stationiert.

Das Vorbild:

Durch Schwedens Neutralitätshaltung im Zweiten Weltkrieg war es für das Land schwer, geeignete Flugzeuge für die Schwedische Luftwaffe zu beschaffen. Die Bemühungen um eine autarke Lösung führten unter anderem zur Entwicklung des Doppelrumpfflugzeugs Saab J-21A, das von einem DB605 als „Pusher" angetrieben wurde. Bei Aufkommen der ersten Jettriebwerke entschied sich Saab dazu, die Flugzeugzelle zur Aufnahme eines Strahltriebwerkes umzubauen. Auch wenn die neue J-21R weniger Bauteile mit der J-21A teilte als erwartet, wurde so doch der erste in einem neutralen Land produzierte strahlgetriebene Jäger geschaffen. Der Prototyp absolvierte im März 1947 seinen Jungfernflug. Da das durstige Jettriebwerk die Reichweite beschränkte und optimale Leistungswerte in niedrigen Höhen erreicht wurden, dienten die neuen Maschinen als Bodenangriffsflugzeuge. Die J-21R stand bis Ende 1954 im aktiven Dienst bei der schwedischen Luftwaffe.

Die weißen Tragflächen sind die einzig mögliche Abwechslung zu den ansonsten grün-grau lackierten Maschinen.
Die weißen Tragflächen sind die einzig mögliche Abwechslung zu den ansonsten grün-grau lackierten Maschinen.

Das Modell:

Special Hobby hat die J-21 als Prop- und Jet-Version herausgebracht und löst so die altgediente Heller-Form im Maßstab 1:72 ab. Wie bei östeuropäischen Herstellern oft üblich, finden sich neben den Plastikspritzlingen auch Ätz- und Resinteile im Karton, so dass eine optimale Detaillierung aus der Schachtel möglich ist.

Das Zersägen und Öffnen der Kanzel hat sich gelohnt.
Das Zersägen und Öffnen der Kanzel hat sich gelohnt.

Der Bau:

Für vergleichsweise schmales Geld bieten Bausätze wie dieser die Möglichkeit, Erfahrungen im Umgang mit verschiedenen Werkstoffen zu sammeln. Während alle großen Bauteile wie gewohnt im Spritzgussverfahren hergestellt sind, liegen Kleinteile wie z.B. die Räder als feine Resinnachbildungen bei. Die Ätzteile kommen vor allem im Cockpit sowie zur Detaillierung des Fahrwerkes zur Anwendung. Diesem Materialmix geschuldet, muss auf dem Weg zum fertigen Modell auf verschiedenste Klebetechniken zurückgegriffen werden. Der typische Plastikkleber aus der Kanülenflasche bekommt Hilfe von Weißleim, Sekundenkleber und einem unter UV-Licht aushärtendem Gel.

Gleich im ersten Bauabschnitt, dem Cockpit, geht es multimedial zur Sache: Eine Vielzahl von Ätzteilen will zur Detaillierung von Sitz und Konsolen verbaut werden. Schon beim Abtrennen aus der Platine sind die kleinen Hebelchen der Seitenkonsolen besonders herausfordernd. Wer ausgedehnte SAR-Missionen nach „entsprungenen" Metallteilen vermeiden will, trennt sie in einem durchsichtigen Plastikbeutel ab. So kann bei zu starkem Druck mit dem Skalpell nichts wegfliegen.

Weißleim bietet sich durch seine Gutmütigkeit für alle Klebestellen an, die keiner Spannung ausgesetzt sind und später nicht mehr großartig berührt werden. Durch seine langsame und klare Austrocknung lassen sich die Ätzteile in Ruhe ausrichten und die Klebestellen werden, wenn man es mit der Dosierung nicht zu gut gemeint hat, so gut wie unsichtbar. Damit die Gurte mit Weißleim an den Sitz geklebt werden können, sollten sie so genau wie möglich der Sitzkontur entsprechend vorgebogen werden. Ansonsten reicht die Klebekraft des Leims nicht aus, das Gurtzeug in der gewünschten Position zu halten.

In der Nase muss sich ein zurecht geklopfter Klumpen Blei damit anfreunden, in Zukunft den sicheren Stand eines Modellflugzeugs zu garantieren anstatt an einer Angelschnur auf den Grund des Sees zu sinken. Dünn aufgestrichener Sekundenkleber hält den - für unsere Modellverhältnisse - schweren Brocken an seinem Platz.

Die Cockpithaube wird zersägt, um sie geöffnet darstellen zu können.Die Detaillierung des Cockpits erfolgt mit Ätz- und Resinteilen direkt aus dem Kasten.Eine gute Portion Blei im Bug sorgt für einen Dreibeinfahrwerks-gerechten Schwerpunkt.Bondic hält die geätzten Federbeinscheren am Fahrwerksbein. Da es erst bei Bestrahlung mit der beiliegenden Leuchtdiode aushärtet, können Positionskorrekturen in Ruhe vorgenommen werden.Lediglich die Bremsleitungen mussten ergänzt werden.Die Grundkomponenten der Saab sind bereit zum Zusammenbau.In der Mitte das Pitotrohr aus dem Bausatz. Ein Neubau aus Stahldraht und einem heißgezogenen Q-Tip ergibt ein feineres Ergebnis.

Die Cockpithaube wird zersägt, um sie geöffnet darstellen zu können.

Die Cockpithaube wird zersägt, um sie geöffnet darstellen zu können. 

An den Fahrwerken kommen alle drei Materialien zum Einsatz. Die Fahrwerksbeine selber sind aus Spritzguss und werden von Ätz- und Resinteilen detailliert. Besonders die Hauptfahrwerksreifen machen dabei einen bleibenden Eindruck. Im Original wie Modell könnten sie genauso gut von einem Trecker stammen - ein ähnlich stark ausgeprägtes Reifenprofil dürfte nur an wenigen anderen Flugzeugen zu finden sein. Da der Fahrwerksbereich auch im Modell etwas mehr aushalten muss als das Cockpit, fällt die Kleber-Wahl auf Bondic (erhältlich in Bauhaus-Märkten). Das durchsichtige Gel hält die Ätz- und Resinteile zur Detaillierung der Fahrwerksbeine schon im zähflüssigen Zustand an Ort und Stelle und wird durch die Bestrahlung mit der mitgelieferten Leuchtdiode in Sekundenschnelle hart. Optimal, um Teile in Ruhe auszurichten und dennoch sofort weiter arbeiten zu können. Bei Sekundenkleber wäre letzteres zwar auch gegeben, an ein entspanntes Hin- und Her-Verschieben der Federbeinschere, bis alles passt, wäre damit aber nicht zu denken. Auch die aus gezogenem Gussast selbst erstellten Bremsschläuche wurden mit Bondic angebracht.

Obwohl die Plastikteile in bester Short Run Manier über keine Passstifte verfügen, stellt die Hochzeit der beiden Rumpfhälften kein Problem dar. Beim Übergang zu den Flügeln muss dann jedoch die Spachtelmasse bemüht werden, und die Montage des Doppelleitwerks erfordert durch die nötigen Trockenanpassungen einiges an Geduld, bis alles gerade und symmetrisch sitzt.

Die Cockpithaube ist zwar mehrteilig ausgeführt, jedoch heißt dies noch nicht, dass sie ohne Veränderung geöffnet dargestellt werden kann. Dazu müssen dann doch noch zwei Schnitte durchgeführt werden, bis man insgesamt fünf Klarteile vor sich hat, die später in offener Position montiert den Blick auf das Cockpit freigeben.

Überflüssiger Spachtel wird nach dem Aushärten mit acetonhaltigem Nagellackentferner beseitigt.
Überflüssiger Spachtel wird nach dem Aushärten mit acetonhaltigem Nagellackentferner beseitigt.

Vier verschiedene Markierungsoptionen bietet Special Hobby. Nur eine hebt sich dabei jedoch deutlich von den anderen in Grün-Grau lackierten Maschinen ab: Die „Blaue D" sticht mit weiß überlackierten Tragflächen hervor, die vermutlich 1950 während eines Manövers als temporäre Freund-Feind-Kennung dienten. Auf Vorbildfotos, die in Mikael Forslunds Buch „Saab J21/J21R" zu finden sind, sieht man deutlich bereits abgewetzte Stellen auf dem provisorischen weißen Farbauftrag. Ein bisschen fühlt man sich an die Verwitterungseffekte auf japanischen Flugzeugen des 2. Weltkriegs erinnert. Konsequenterweise versuchte ich mein Glück mit der von vielen Japan-Freunden angewendeten Salzmethode, um auch auf meinem schwedischen Jäger den gewünschten Effekt zu erzielen. Angefeuchtete Salzkörner werden auf die Modelloberfläche aufgetragen und nach dem weißen Farbauftrag wieder abgerieben. Für den Maßstab 1:72 war mein gutes Jodsalz aber wohl etwas zu grobkörnig, jedenfalls hätte ich mir das Ergebnis etwas feiner gewünscht.

Nach einer Schicht glänzendem Future Acrylklarlack wurden die Abziehbilder aufgebracht und wiederum mit Future versiegelt. Ein graues Ölfarbenwashing betont die Konturen und nimmt dem Lack seinen sterilen Werksanstrichcharakter, bevor schlussendlich nach einer Lage seidenmattem Acrylklarlack die Airbrush weggepackt werden kann.

Die leicht unscharfen Demarkationslinien zwischen Ober- und Unterseitenlackierung entstehen mit Hilfe von zu langen Würstchen gerolltem UHU tac. Am Cockpit hilft die knetgummiähnliche Masse, die letzten Spalten abzudecken.Die Basislackierung ist fertig, als nächstes folgen die weiß abgesetzten Flügel.Salzkristalle werden dort aufgetragen, wo später die Grundfarbe unter dem Weiß hervor scheinen und so Abnutzungsspuren simulieren soll.Eine Schicht Future verwandelt das Modell in eine glänzende Speckschwarte, bevor die Decals auf die so präparierte Oberfläche aufgetragen werden.Schwarze und weiße Ölfarbe ergeben ein graues Washing, das die Strukturen betont und dabei nicht zu intensiv wirkt.Weitere Abnutzungsspuren werden mit Farbpigmenten aus einem Tamiya Weathering-Set nachempfunden.Die Verglasung der Landescheinwerfer entsteht aus Bondic, das nach dem Aushärten bündig mit dem umgebenden Flügel abschließt.

Die leicht unscharfen Demarkationslinien zwischen Ober- und Unterseitenlackierung entstehen mit Hilfe von zu langen Würstchen gerolltem UHU tac. Am Cockpit hilft die knetgummiähnliche Masse, die letzten Spalten abzudecken.

Die leicht unscharfen Demarkationslinien zwischen Ober- und Unterseitenlackierung entstehen mit Hilfe von zu langen Würstchen gerolltem UHU tac. Am Cockpit hilft die knetgummiähnliche Masse, die letzten Spalten abzudecken. 

Es bleibt eine Reihe von Kleinteilen, die bereits separat fertig gestellt in einer Plastikbox geduldig auf ihren Einsatz warteten. Darunter ein aus Stahldraht und heißgezogenem Q-Tip neu erstelltes Pitotrohr, das korrekt nach Anleitung an der linken Tragfläche seinen Platz findet. Hier darf man sich nicht von dem falsch in der rechten Tragfläche berücksichtigten Montageloch verwirren lassen. Etwas Fingerspitzengefühl und Geduld, sowie der ein oder andere Blick auf Vorbildfotos, sind dann noch einmal beim Einbau des XXL Bugfahrwerks zu empfehlen. Wahrscheinlich das im Verhältnis zum Flugzeug längste Bugfahrwerksbein, das je vom Basteltisch in meine Vitrine eingezogen ist.

Das extra lange Bugfahrwerk sowie die stark profilierten Hauptfahrwerksreifen sind hier gut zu erkennen.
Das extra lange Bugfahrwerk sowie die stark profilierten Hauptfahrwerksreifen sind hier gut zu erkennen.

Das Resinteil zur Darstellung der Düse bietet so gut wie keinen Tiefgang, so dass ich es kurzerhand umdrehte und die komplett flache Rückseite somit als FOD Cover verwendete. Noch ein kleiner Griff aus Ätzteilen dran, rot lackieren und fertig.

Wer möchte, kann noch einen Gun Pod unter dem Rumpf montieren. Mir sah das jedoch etwas zu klobig aus, so dass ich diese Option am Gießast ließ.

Die rote FOD Abdeckung besteht aus dem einfach umgedrehten Resinteil für die Düse sowie einem Ätzteilgriff.
Die rote FOD Abdeckung besteht aus dem einfach umgedrehten Resinteil für die Düse sowie einem Ätzteilgriff.

Fazit:

Special Hobbys Saab bietet kompetenten Short Run Bastelspaß und eine gute Detaillierung dank der beigelegten Ätz- und Resinteile. Eine Misswahl wird zwar weder Vorbild noch Modell gewinnen, an Originalität ist es aber nur schwer zu überbieten.

Der ungewöhnliche Entwurf mit doppeltem Heckausleger kommt in dieser Ansicht gut zur Geltung.
Der ungewöhnliche Entwurf mit doppeltem Heckausleger kommt in dieser Ansicht gut zur Geltung.

Noch besser würde diese Ansicht wirken, wenn die Flügelhinterkanten dünner geschliffen worden wären…
Noch besser würde diese Ansicht wirken, wenn die Flügelhinterkanten dünner geschliffen worden wären…

Das schwedische Hoheitszeichen ist wahrscheinlich eines der schönsten überhaupt.
Das schwedische Hoheitszeichen ist wahrscheinlich eines der schönsten überhaupt.

Quelle:

Saab J21 / J21R: Mikael Forslund, MMP Books (Yellow Series No 6127). Petersfield 2010

Bernd Korte,
www.modellversium.de

Publiziert am 23. Januar 2016

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