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Canadair Sabre CL-13 Mk.6

Luftwaffe, JG 73 - Teil 2

von Jaroslaw Kierat (1:48 Revell)

Canadair Sabre CL-13 Mk.6

Umbau, 1. Stufe: ein neues Cockpit

Udo, ein Vereinskollege, hat angemerkt, dass das geschlossene Cockpit der Sabre doch etwas langweilig aussieht. Das Modell selbst hat mir doch recht gut gefallen. Udo traf aber einen wunden Punkt, da ich mit dem Cockpit nicht zufrieden war. Da beschloss ich etwas zu tun, was den meisten Modellbauern kalte Schauer über den Rücken laufen lässt: einen Umbau am fertigen Modell! Dazu besorgte ich mir den Detaillierungssatz von CMK. Er enthält nebst einem sehr schönen Cockpit-Inneren auch eine Erweiterung für eine geöffnete Waffenbucht. Der Arbeitsplatz des Piloten ließ sich recht gut aufbessern, auf die aufgerissenen Klappen wollte ich dann doch wiederum verzichten.

Im ersten Schritt habe ich vorsichtig die Haube abgerissen, und den Pilotensitz herausgezogen. Wie weit die Revell- und Italeri-Modelle von dem Resin-Satz sind, zeigt das vergleichende Bild. Die Verwendung der Resin-Teile war unproblematisch, außer der Halterung für die Kopflehne des Piloten. Diese musste aus Draht angefertigt werden. Der Sitz, mit Foto-Ätzteilen, sowie die hintere Cockpitwand, wurden dann auch aus dem CMK-Satz entnommen. Das Instrumentenbrett ist in dem CMK Satz aus bedruckten Fotoätzteilen. Ich behaupte einfach mal, dass mein Original-Intrumentenpanel mindestens genauso gut geworden ist, so dass ich es belassen habe. Verwendet wurde aber das neue Resin-Zielgerät.

Einer etwas ausgiebigen Umbauarbeit bedurfte auch die Anordnung auf dem Rumpfrücken unter der Pilotenhaube: hier haben die filigranen Resin-Teile eine gute Nachbildung der Realität abgegeben, die Einpassung in die Haube, sowie in den vorhandenen Platz auf dem Rumpf verlangte nach einer feinfühligen Hand. Die neuen Teile wurden mit einem neutralen Grau angesprüht und wie gewohnt gealtert. Wo nötig, wurde auf dem Rumpf die Tarnfarbe erweitert, um verschliffene Stellen abzudecken. Im Verlauf der Umarbeit ist mir auch das vordere Fahrwerksbein umgeknickt. Da dieses Teil recht dünn ist und bei der beschwerten Nase unter Last steht, empfiehlt sich hier eine Verstärkung per eingeklebtem Drahtstück. Nach der Montage der Haube hat sich der Flieger doch ganz anders dargestellt. Stolz wie Oskar trug ich es zum Vereinstreffen. Michael, ein weiterer Vereinskollege, merkte nur an: "Dein Finish ist ja ganz nett, aber..."

Canadair Sabre CL-13 Mk.6

Canadair Sabre CL-13 Mk.6

Canadair Sabre CL-13 Mk.6

Canadair Sabre CL-13 Mk.6

Umbau, 2. Stufe: das Erwachen

Michael lud mich ein, einen Blick auf die in Speyer aufgehängte Sabre zu werfen. Die Maschine ist zwar in den Farben der Golden Hawks angemalt (das Museum macht gerne Kunstflugmaschinen aus den erhaltenen Exponaten), die Sabre ist in Wirklichkeit jedoch eine ehemalige Canadair Sabre Mr.6 der Bundeswehr, sogar mit dem Martin Baker Mk.5 Schleudersitz. So langsam dämmerte es mir, dass mich Revell, wie auch einige Berichte im Internet, aufs Glatteis geführt haben. So stellt der Revell-Bausatz aus dem Hasegawa-Werkzeug eine Maschine aus japanischer Produktion dar! Die Japaner haben recht gut recherchiert, und ihre F-86F-40-NA perfekt dargestellt. Nur leider ist das nicht die Version von Canadair, welche bei der Bundeswehr geflogen ist. Interessanterweise zeigt die Illustration auf der Revell-Verpackung eine Mischung aus der F-86-40 und der Canadair Mk6. Die Beschriftung ist auch verwirrend: Canadair CL-13 Sabre Mk.6 (F-86F-40). Was nun? Die genauere Untersuchung zeigte, dass vier auffällige Unterschiede zwischen der von Revell angebotenen Variante und der gewünschten Canadair Sabre Mk.6 vorliegen: Die Abdeckung auf dem Rumpfrücken, vor dem Seitenleitwerk sollte entfernt werden. Der Ansaughutzen rechts INNERHALB des Eisernen Kreuzes sollte entfallen. Zwei Ansaughutzen rechts und links auf dem Lufteinlässen zum Triebwerk fehlten. Luftauslässe recht und links sowie unten am Rumpf  fehlten. Die Gravuren der Beplankungssegmente stimmen auch entsprechend nicht.

Die Bauanleitungen sind hier auch keine große Hilfe. Während Revell zwar unter der Beschreibung Canadair konsequent die F-86F-40-NA zeigt, ist es bei Eagle-Strike eine wilde Mischung aus beiden. Italeri sieht die Sache ebenfalls entspannt und gibt ihre F-86E locker als Canadair Mk.6 aus. Letztendlich empfiehlt es sich hierzu das F-40 Buch in die Hand zu nehmen, oder selbst Bilder von erhaltenen Sabres zu machen.

Canadair Sabre CL-13 Mk.6

Canadair Sabre CL-13 Mk.6

Canadair Sabre CL-13 Mk.6

Da ich nun so viel Herz in das Modell investiert hatte, wollte ich diese Abweichungen nicht auf mir sitzen lassen: entsprechend habe ich meine Mikro-Fräse in die Hand genommen und die überflüssigen Teile sorgfältig abgefräst. Die Bereiche um die "Operationsstellen" wurden mit Klebeband abgeklebt, die bearbeiteten Stellen mit Mr. Surfacer 500 aufgefüllt und dann verschliffen. Die Lufthutzen habe ich aus einer Blister-Verpackung mit Hilfe eines heißen Schraubenziehers und einer Zange tiefgezogen, dann herausgeschnitten, angeklebt und verschliffen. Die seitlichen Luftauslässe waren etwas problematischer. Hier habe ich mir aus einem Nagel mit Hilfe einer Mini-Schleifmaschine einen Stechbeitel von ca. 1mm Breite gemacht. Nach dem Schleifen direkt im kalten Wasser gehärtet, ergibt es ein brauchbares Werkzeug, mit dem man die benötigte Form im Kunststoff einstechen kann. Die falschen Blechstöße habe ich mit Surfacer 1000 aufgefüllt, gut austrocknen lassen (mehrere Tage! Sonst versinken sie wieder nach dem Schleifen) und verschliffen. Die neuen Stöße habe ich mit Hilfe von Schablonen und einer Nadel eingeritzt. Das Modell hat danach zunächst wirklich erbarmungswürdig ausgesehen...

Canadair Sabre CL-13 Mk.6

Eine Überraschung erfolgte noch beim Anstrich: eine neue Dose Humbrol 155 hatte leider einen ziemlich anderen Farbton, als die Ursprüngliche. Erst durch eine Beimischung von etwas Braun habe ich in mehreren Stufen den richtigen Farbton erwischt... Ein größeres Problem sind leider die funktionellen Beschriftungen auf dem Flugzeug (Stencils). Keine der Anleitungen gibt hierzu eine befriedigende Aussage, und selbst im F-40 Buch gibt es dazu keine Übersicht. Leider sind auch die meisten erhaltenen Maschinen zumindest zum Teil übermalt worden, wobei die Beschriftungen üblicherweise nicht erneuert werden. Hier helfen also nicht mal selbst gemachte Bilder - für mich blieb nur Stückwerk aus den verfügbaren Fotos. Bei der Korrektur haben sich Probleme mit Silbern einiger Aufkleber ergeben. Als einzige Chance blieb es, die Aufkleber mit Nitro zu bestreichen! In den meisten Fällen hat es geholfen, einige Beschriftungen haben sich jedoch leider verschmiert, und wurden schließlich übermalt und weggelassen. Das Vorderrad ist ein weiterer Punkt: in Wirklichkeit waren die Räder auf der linken Seite mit Rippen versehen, rechts war die Scheibe jedoch voll. Dies ist eine Abweichung, die ich nicht mehr korrigiert habe. Als letztes habe ich noch die Querruder korrigiert: diese sollten bis zum Ende des Flügels reichen, und nicht davor aufhören. Dies ist in den Resin-Teilen von Revell leider falsch angedeutet. Anstrich und Versiegelung erfolgten wie gehabt, die bearbeiteten Stellen sind praktisch nicht mehr zu erkennen.

Canadair Sabre CL-13 Mk.6

Zusammenfassung

Schlussendlich sieht das Flugzeug nach den zwei Operationen - zumindest für mich - klasse aus! Die Umarbeiten lassen gemischte Gefühle aufkommen: zum einen, schön, ein Modell gebaut zu haben, das nicht mehr nur Spielzeug sondern doch nach bestem Wissen und Gewissen einen historisch akkuraten Stand darstellt. Andererseits ist es ein Hinweis darauf, vor dem Bau die Hausaufgaben besser zu machen. Einen kurzen Stich an die Hersteller möchte ich mir zum Abschluss nicht verkneifen: Bitte entweder ebenfalls besser Recherchieren - oder falls der Bausatz wider besseres Wissen so auf den Markt gebracht wurde: ein kleines Hinweisblatt für den "Willigen Modellbauer" würde nicht schaden...

Canadair Sabre CL-13 Mk.6

Canadair Sabre CL-13 Mk.6

Canadair Sabre CL-13 Mk.6

Die Sabre in Realität:

Es stehen heutzutage noch viele Sabres in verschiedenen Museen, z.T. sogar noch im flugfähigen Zustand. 

Die Canadair Mk6, wie sie im Technik-Museum Speyer gezeigt wird, wurde in den Farben der Golden Hawks angestrichen. In Wahrheit ist es jedoch eine ehemalige Maschine der Bundes-Luftwaffe, komplett mit einem Martin–Baker Schleudersitz. Die sehr saubere Form der Unterseite, wie auch de typischen Lufthutzen sind klar sichtbar. Die Sabre, die ich im chinesischen Luftfahrtmuseum bei Beijing gefunden habe, ist ebenfalls ein Jet, der ehemals von der Bundesdeutschen Luftwaffe eingesetzt wurde. Nach dem Ausscheiden aus der Luftwaffe wurde die Maschine ursprünglich nach Iran verkauft. Iran hat diese umgehend nach Irak weiterverkauft, wo sie im Krieg gegen Indien eingesetzt wurde. Es zeigt weiterhin die pakistanischen Hoheitszeichen. Die Seriennummer erlaubt die Maschine dem JG72 oder JaboG42 aus Leck oder Oldenburg zuzuordnen. Einsatzcodes bei der Luftwaffe waren JB-109, BB-178 und JB-124.

…und in der Unrealität:

Einige Quellen behaupten, dass die Sabre stark durch deutsche aerodynamische Luft’46 Konzepte beeinflusst wurden. Das ursprüngliche Projekt der Sabre von 1945 wurde angeblich verzögert, bis die erbeuteten Forschungsergebnisse eingeflossen sind, was der Sabre ihre gepfeilten Flügel beschert hat. Hier Seite an Seite mit der Focke-Wulf Ta-183.

Canadair Sabre CL-13 Mk.6

Quellen:

  • F-40 Flugzeuge der Bundeswehr, 
Canadair Sabre Mk.5/Mk.6, 
Siegfried Wache
, Ausgabe 48, Buchholz 2004
  • www.bw-flyer.def-86.tripod.com
  • www.wikipedia.org
  • www.luftwaffe.de
  • www.globalsecurity.org

Weitere Bilder

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Canadair Sabre CL-13 Mk.6

 

Jaroslaw Kierat,
www.kierat.de

Publiziert am 11. Mai 2010

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