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Lippisch DM-1

mit NACA-Modifikationen auf Lockheed Ventura PV-1

von Thomas Brückelt (1:72 Verschiedene Hersteller)

Lippisch DM-1

Nachdem der fast fertiggestellte Versuchsgleiter Lippisch DM-1 zum Ende des 2. Weltkriegs von den Amerikanern erbeutet wurde, hat man das Flugzeug bei der NACA im Windkanal getestet und noch bis zum Ende des Jahres 1946 zahlreichen Modifikationen unterzogen. Der ausführliche Bericht darüber kann hier als PDF heruntergeladen werden. Er beinhaltet auch Maßzeichnungen, die beim Bau des Modells äußerst hilfreich waren. Bilder von der modifizierten DM-1 finden sich auch auf dieser Seite, ganz oben ("durchblättern").

Lippisch DM-1

Zunächst hatte ich vor, die DM-1 so darzustellen, wie sie mit den letzten Modifikationen im Windkanal erprobt wurde: Unlackiert und ohne bewegliche Steuerflächen. Ich fragte beim National Air and Space Museum nach, ob es Farbfotos gab. Man hatte sich freundlicherweise bemüht, leider konnte man nichts auftreiben. So entschloss ich mich ein fiktives Testflugzeug zu bauen, das auf einem zweimotorigen Flugzeug im Huckepack in die Luft befördert wird. Von der Größe schien mir die Lockheed Ventura passend, die ich sowieso noch nicht in meiner Sammlung hatte. Somit war mein Modellbauprojekt festgelegt.

Lippisch DM-1

Erst einmal hieß es Material auftreiben: Die Ventura von Academy ersteigerte ich mir. Als Basis für die stark modifizierte DM-1 hält der Deltaflügel aus Rudolf Vogels "Resin-Schmiede" Bird Models her, der die beiden ersten, nie realisierten Entwürfe im Programm hat (siehe hier und hier). Ich fragte ihn, ob er mir das Teil zukommen lassen könne, was dann auch dankenswerterweise für kleines Geld geschah. Aus den Projekt-Beschreibungen geht hervor, dass die von der NACA verwendete Haube von einer Lockheed P-80 stammt. Pavla bietet eine P-80-Haube als Tiefziehteil in 1:72 an. In einem Online-Shop in Großbritannien wurde ich fündig.

Nachdem alle Komponenten beisammen waren, konnte es losgehen.

Lippisch DM-1

Ich fing mit der DM-1 an. Wie bei meinen vorausgegangenen DM-1-Modellen fräste ich den Cockpitbereich etwas tiefer auf und stellte eine Gitterstruktur an den Seitenwänden dar. Eine Pilotenfigur durfte nicht fehlen, da das Gespann fliegend präsentiert werden soll. Um den vorderen Teil des Cockpits abzudecken, passte ich eine Kunststoffplatte an, an die ich von unten her das Instrumentenbrett klebte.

Die abgerundeten Nasenleisten mussten entfernt werden. Das Gröbste davon sägte ich ab, der Rest wurde abgeschliffen. Bei der NACA baute man eine spitz zulaufende Nasenleiste an. Dafür klebte ich mir zwei 4 mm starke Polystyrol (PS)-Platten aufeinander und setzte diese (der Draufsicht angepassten) Klötzchen an den Flügel. Die scharfkantigen Nasenleisten wurden dann aus dem Vollen herausgefeilt und -geschliffen. Um die Aerodynamik zu verbessern entfernte man auch die Steuerflächen mit Spalt. Da das Profil beim Original-Resinteil an der Endleiste vor den Steuerflächen scharfkantig zusammen läuft, musste ich hier den hinteren Bereich der Außenflügel abtrennen und ebenfalls mit dicken PS-Platten auffüllen und in Form schleifen. Die neuen, spaltlosen Steuerflächen gravierte ich ein. Ich orientierte mich von den Maßen her an den bisherigen Steuerflächen der DM-1. Das Seitenleitwerk und die Finne schliff ich ebenfalls aus dem Vollen. Hier wich ich von der NACA-Modifikation allerdings bewusst ab. Für die Windkanalversuche hatte man hier lediglich dünne, profillose Holzplatten angebracht. Hier ging es wohl nur um die Ermittlung der Stabilität um die Hochachse, eine strömungsoptimierte Auslegung des Leitwerks ist dafür nicht notwendig. Da mein Modell allerdings ein flugfähiges Exemplar aufzeigt, erhielten diese Teile auch eine Profilierung. Ein eingraviertes Seitenruder darf natürlich auch nicht fehlen.

Lippisch DM-1

Viel Fingerspitzengefühl erforderte das Bauen des Haubenrahmens. Da die P-80 einen runden Rumpfrücken hat, die Haube hier jedoch auf dem recht geraden Deltaflügel aufsitzt, musste ich hier einen passenden Aufbau anpassen. Auch dieser entstand aus PS mit Hilfe eines kleinen Fräsers, einem Schleifstift, etwas Spachtelmasse und Schleifarbeit.

Lippisch DM-1

Ein langes Staurohr rundet das Gesamtbild ab, welches ich aus gezogenen Gießästen baute. Ich habe es etwas oberhalb der Spitze angebracht, damit die scharfkantige Kontur nicht unterbrochen wird.

Lackiert wurde mit dem Pinsel und Revell-Farben. Die Decals druckte ich mir selbst. Zum Schluss erhielt die DM-1 einen Klarlacküberzug in Seidenmatt.

Lippisch DM-1

Der Bausatz der Ventura ist zwar nicht mehr der Jüngste, aber dennoch recht gut detailliert und mit feinen, versenkten Oberflächenstrukturen versehen. Die Passgenauigkeit ist ganz gut, allerdings gibt es an einigen Stellen Einfallstellen, die aufgespachtelt werden müssen.

Dem Cockpit fügte ich eine Besatzung aus übrigen Pilotenfiguren hinzu. Die Klappen des Bombenschachts liegen einteilig bei. Das war für meine Zwecke ideal, denn so konnte ich einen Kunststoffklotz mit eingeharztem Silikonschlauch auf die Innenseite der Klappen kleben und die ganze Einheit von unten an den Rumpf bauen. Hier wird später der CFK-Stab des Ständers eingeschoben.

Lippisch DM-1

Als der Rumpf beisammen war schloss ich die Öffnung für den Turm auf dem Rumpfrücken mit einem zurecht geschnittenen PS-Plättchen und etwas Spachtelmasse. Das Klarsichtteil für den unteren Gefechtsstand hat eine Ausbuchtung für die Bewaffnung. Auch diese wurde geschlossen. Der Rest des Baus verlief problemlos und ging zügig voran.

Aus CFK-Stäbchen mit 1 mm Durchmesser baute ich die Aufnahme für die DM-1. Der Gleiter erhielt an der Unterseite entsprechende Bohrungen, sodass er formschlüssig auf dem Gestell sitzt. Die Positionierung ist so gewählt, dass die Schwerpunkte beider Flugzeuge (im Bezug auf die Originale) in etwa übereinander liegen, sonst wäre das fiktive Gespann nicht flugfähig.

Lippisch DM-1

Die Lackierung der Ventura gestaltete sich etwas aufwendiger. Ich fand schwarz-weiß-Fotos einer C-47 im Dienste der NACA, an deren Farbgebung wollte ich mich ein Stück weit orientieren. Der Rumpfrücken erhielt einen weißen Anstrich, der Rest des Flugzeugs sollte in polierfähigem Alu von Humbrol angestrichen werden. Das wurde Stück für Stück aufgepinselt. Ca. 20 Minuten nach dem Aufpinseln kann die Fläche mit einem Tuch poliert werden, dann kommt der nächste Abschnitt. Um die bereits lackierten Flächen nicht zu verunreinigen wickelte ich ein Papiertaschentuch um den Rumpf und fixierte es locker mit Klebeband. Gelbe Flügelspitzen, Streifen auf den Rumpfseiten und Seitenleitwerken - jeweils mit schwarzer Outline - bringen etwas Farbe ins Spiel. Auf der Oberseite der Nase pinselte ich in dunklem Oliv einen Blendschutz auf. Auch für die Ventura druckte ich mir die Decals selbst. Nach dem sie angebracht waren versiegelte ich das Modell mit glänzendem Klarlack. Den Blendschutz besprühte ich danach mit seidenmattem Klarlack. Danach setzte ich die DM-1 mit dickflüssigem Sekundenkleber auf.

Der Sockel des Ständers ist eine zugeschnittene Aluplatte. Damit steht das Huckepack-Gespann mit seiner recht hohen Schwerpunklage sicher.

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Lippisch DM-1

 

Somit ist meine DM-1-Story am Ende und ich freue mich über eine recht abwechslungsreiche Reihe von Modellen in meiner Sammlung, die den Verlauf der DM-1-Entwicklung sichtbar machen.

Thomas Brückelt,
www.acrokit.com

Publiziert am 29. Juni 2016

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