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Focke-Wulf Fw 190 V-19

Das Projekt der FW 190 V 19 mit DB 609 als Umbau im Maßstab 1:72

von Falko Bormann (1:72 verschiedene Hersteller)

Focke-Wulf Fw 190 V-19

Vorbild

Der Verlauf des Luftkrieges über dem europäischen Kontinent und besonders über Deutschland hatte gezeigt, daß die Luftwaffe sowohl hinsichtlich Quantität, als auch hinsichtlich der Qualität der eingesetzten Typen ihrer Aufgabe der „Reichsverteidigung“ nicht mehr gerecht werden konnte. Während einerseits um immer höhere Produktionszahlen gerungen wurde, arbeitete man andererseits fieberhaft an der Entwicklung neuer Typen und an der Modifikation bewährter Plattformen. Bei der Verbesserung vorhandener Typen hieß das Zauberwort „Motorleistung“. In dem hervorragenden Werk „Die deutsche Luftrüstung 1933 - 1945“ von Novarra stieß ich auf das Projekt der FW 190 V 19 mit verschiedenen Motoren.

Modell

Hauptmerkmal des für den Umbau ausgewählten Musters mit dem Motor DB 609 (16 Zylinder) von 2660 PS war die lange Motorhaube, die in der Linienführung an die späte Me 109 erinnerte. Weiterhin wurde auf den sonst bei Reihenmotoren in Focke-Wulf-Mustern üblichen Trommelkühler verzichtet, dafür erhielt die Maschine im Hinterrumpf Seitenkühler in „Hamsterbacken“. Als Basis war gerade das TAMIYA-Modell der FW 190 D-9 zur Hand. Besser ist es natürlich, ein Modell der A-Reihe zu verwenden, da auch das Projekt auf dieser Version aufbaute und der Hinterrumpf gleich die richtige Länge hat.

Focke-Wulf Fw 190 V-19

Die wesentlichen Umbauarbeiten erfolgten vor dem Verkleben der Rumpfhälften. Als erstes wurden beide Hälften vor dem Seitenleitwerk um jeweils ca. 3 mm gekürzt (A). Die beiden Rumpfschalen wurden zunächst separat auf einer ebenen Unterlage aus den Grundkörpern und den neu aus 1mm-Plasteplatten-Spanten gefertigten Bugsegmenten aufgebaut. An jede Rumpfhälfte wurde eine entsprechend der späteren Kontur geschnittene Grundplatte (B) angeklebt. Auf die Grundplatte kamen die jeweils halben Spanten (C) mit einem Ausschnitt für den Auspuffkasten (D). Dieser entstand ebenfalls aus Plastestreifen.

Focke-Wulf Fw 190 V-19

Im Hinterrumpf wurden die Öffnungen für die Seitenkühler ausgesägt und die Kanäle für die Luftführung (E) eingesetzt und verschliffen. Als nächster Schritt konnte bzw. mußte das Cockpit detailliert und farblich behandelt werden. Ein Problem ist - wie auch bei den Revell-Bausätzen dieses Typs - die unglücklich geteilte Kanzel. Da der rückwärtige Bereich an den Rumpf und nicht an die Kabine angegossen ist, bereitet die Darstellung einer geöffneten Kanzel unnötige Probleme. So mußte das Rückenteil der Kanzel abgesägt und verschlossen werden. Besser ist hier die Lösung der ITALERI - Bausätze. Die Kabinenhaube wurde dann neu gezogen, wobei die Spritzgußkanzel als Stempel diente.

Focke-Wulf Fw 190 V-19

Nach dem Verkleben der Rumpfhälften konnte mit der „Gesichtschirurgie“ im Bereich der Nase begonnen werden. Die Spantenzwischenräume wurden mit Balsa ausgefüllt und dieses wiederholt mit Farbe getränkt und nach dem Durchtrocknen geschliffen. Es folgten zwei Überzüge mit Zweikomponentenharz. Das Modell wurde komplett neu unter Verwendung von Radiernadeln aus dem Künstlerbedarf graviert.

Im Heck wurden die Kühler und deren Verkleidung eingebaut. Die Kühler bestehen aus beidseits gravierten Plasteplatten. Das Innere wurde mit hellem RLM 02 gestrichen und kontrastreich gewaschen und trockengemalt. Die Hamsterbacken der Kühlerverkleidung wurden über einer entsprechend zugeschliffenen Form aus dünnem Plaste gezogen, angepaßt und mit den Ausschnitten für die Kühlluftregulierung versehen und eingeklebt. In die Einlauföffnung kam ein Strömungsblech aus sehr dünnem Plaste. Im hinteren Bereich wurden die Klappen der Kühlluftregulierung ergänzt. Den Ölkühler unter dem Bug spendierte eine Me 109.

Der weitere Zusammenbau des Modells erfolgte laut Bauanleitung. Alle Ruder wurden getrennt und leicht angelenkt montiert. Die Landeklappen habe ich (leider) nicht ausgefahren dargestellt, da mir die Mühe von einer A-8 noch in unguter Erinnerung war. Schade, das Modell hätte noch gewonnen.

Focke-Wulf Fw 190 V-19

Die Farbgebung von Papierprojekten ist ein eigenes Kapitel, über das sicher endlos diskutiert werden könnte. Ich sehe hier die Chance, etwas Abwechslung in die Vitrine zu bringen. Als V 19 hätte das Modell eigentlich einen Prototypenanstrich und eine entsprechende Kennung erhalten können. Ich entschied mich allerdings für die Lackierung als Einsatzmaschine. Die am Modell ausgeführte Grautarnung gab es so bei Jägern nicht, aber ich habe einfach schon genug Modelle in Standardfleckentarnung.

Die Unterseite bekam den Farbton RLM 76. Die Oberseiten von Flächen und Rumpf wurden in RLM 74 Grau grundiert. Die Rumpfseiten erhielten Tupfen in dieser Farbe. Nach dem Trocknen wurde auf alle Oberseiten freihändig ein Mäander in RLM 75 Grün gespritzt (eine ruhige Hand ist hier eher hinderlich). Das Modell wurde in der üblichen Weise nachbehandelt und dezent mit Schmauchspuren und Farbabrieb gealtert. An Markierungen kamen lediglich ein paar Wartungshinweise und Low-Vis Kennzeichen zum Auftrag. Auf die „Sondermarkierung Seitenleitwerk“ verzichte ich generell. Die Laufflächenbegrenzung auf dem Flügel wurde mit einem Tuschefüller in schwarzer Farbe gezogen. Der voluminöse Spinner und die Luftschraube entstammen dem Bausatz einer Me 609. Allerdings ist bei der enormen Leistung des Motors eher eine Vierblattluftschraube zu vermuten, leider gibt es dazu in den mir verfügbaren Unterlagen keine Angaben. Die Komplettierung des Modells mit Antennen, Steigbügeln, Waffen und Hydraulikschläuchen erfolgte in der schon oft beschriebenen Weise.

Ob das Original im Falle einer Realisierung auch nur einen Deut am Ausgang des Krieges geändert hätte, wage ich zu bezweifeln.

V-19 im Vordergrund, dahinter eine Me 109 K-14.
V-19 im Vordergrund, dahinter eine Me 109 K-14.

Entstanden ist eine interessante und für meine Begriffe elegante Kreuzung aus FW 190 und Me 109, ein Unikat, das es in 1:72 bislang weder als Komplett- noch als Umbausatz gibt.

Literatur

Heinz J. Nowarra, „Die deutsche Luftrüstung 1933-1945“ Band 2, Bernard&Graefe Verlag Koblenz, 1993

Falko Bormann

Publiziert am 29. Oktober 2005

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