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Fregatte Karlsruhe F212

von Mathias Carl (1:300 Revell)

Fregatte Karlsruhe F212

Das Original

Mitte der 60er Jahre begann man sich Gedanken über die Konzeption einer Nachfolger-Klasse sowohl für die Zerstörer der Klasse 119 als auch der Fregatten der Klasse 120 zu machen. Diese Überlegungen gingen zunächst, in Form des Klasse 121 benannten Projektes, in Richtung einer Flugabwehreinheit mit starker Fla-Artillerie und FK-Komponente. Der Aufgabenschwerpunkt verschob sich im Laufe der Planungen allerdings immer mehr in Richtung U-Boot-Abwehr. Dies führte zu weitreichenden Änderungen, dass 1976 mit Beginn der Definitionsphase man sich dazu entschloss, die Klasse nun als F122 zu bezeichnen.

Fregatte Karlsruhe F212

Die Schiffe basieren in weiten Teilen des Entwurfs auf der niederländischen Kortenaer-Klasse, auch wenn sie einige signifikante Unterschiede aufweisen, vom Bereich des Antriebs bis hin zu den Aufbauten. Da die Hauptaufgabe der Klasse 122 in der U-Jagd liegt, verfügen sie, als erste Einheiten der Marine, über eine Bordfliegerkomponente in Form von zwei Bordhubschraubern des Typs Westland Sea Lynx Mk88.

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Desweiteren setzt sich die Bewaffnung, im aktuellen Rüstzustand, aus einem 8-fach Starter für RIM-7 „Sea Sparrow“ sowie dazugehöriger zweiter Dotierung, ergänzt um 2x 21-fach Starter für RIM-116 „RAM“, zusammen. Weiters befinden sich an Rohrartillerie auf der Back ein 76mm DP-Geschütz vom Typ OTO-Melara Compact sowie zwei Marineleichtgeschütze MLG 27mm auf den Aufbauten.

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Zur Seezielbekämpfung befinden sich noch 2x 4-fach Starter für AGM-84 „Harpoon“ an Bord. Die ursprüngliche Sensor-Ausrüstung wurde im Laufe der Zeit ebenfalls den neuen Erfordernissen angeglichen. So wurde Mitte der 1990er das TRS-3D eingerüstet. Auch wird die Kommunikationsausrüstung laufend modernisiert bzw. ergänzt, wie auch die weitere Elektronik und die EloKa-Komponente. Zur U-Jagd befindet sich im Bug ein Sonar vom Typ DSQS-21, ergänzt um zwei Torpedotäuschkörper vom Typ „Nixie“ auf dem Manöverdeck.

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Im April 1981 wurde die Fregatte F212 Karlsruhe (DRAV), als fünfte Trägerin dieses Namens in einer deutschen Marine, bei der HDW als sechste Einheit der Klasse auf Kiel gelegt. Sie lief im Januar des folgenden Jahres vom Stapel und wurde im April 1984 in Dienst gestellt. Im Verlauf ihres Einsatzlebens nahm die Karlsruhe an verschiedenen internationalen Einsätzen und Operationen teil. Unter anderem nahm sie zwei Mal an der Operation „Sharp Guard“ teil und auch an der Operation „Southern Cross“, auch an der Operation Active Endeavour war sie zwei Mal beteiligt. Hinzu kamen noch Einsätze im Rahmen von UNIFIL und EUNavFor Atalanta sowie Teilnahmen an den ständigen Einsatzverbänden der NATO.

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Zusammen mit ihren Schwesterschiffen Niedersachsen und Bremen erhielt sie 1991, abweichend von den anderen Einheiten, auf dem Hangar vorrübergehend ein „Goalkeeper“ CIWS, da das ursprünglich vorgesehene RAM-System zu diesem Zeitpunkt noch nicht zur Verfügung stand. Dies war notwendig, um an den Einsätzen in der Adria teilnehmen zu können. Nach dem die Schiffe dieser Klasse mittlerweile teils über 30 Jahren im Einsatz sind, ging als erste Einheit im Juli 2012 die Fregatte F211 Köln aufgrund Personalmangels außer Dienst. Die Fregatte F209 Rheinland-Pfalz wurde mittlerweile aus demselben Grund stillgelegt und soll der Köln bald folgen.

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Der Bausatz

Bei dem hier verwendeten Bausatz handelt es sich um den bekanntermaßen recht betagten Bausatz von Revell. Dieser stellt allerdings den einzigen Spritzguss-Bausatz einer modernen deutschen Überwassereinheit in dieser Größe, bzw. diesem Maßstabsbereich dar. Der Bausatz wurde schon unter verschiedenen Namen und in verschiedenen Verpackungen angeboten. So unter anderem als „Bremen“, „Niedersachsen“ oder „Emden“, wobei der Packungsinhalt jedes Mal identisch war. Ebenfalls gibt es noch den ähnlichen Bausatz der „Kortenaer“-Klasse.

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Das Modell

Mit einer Bauzeit von über einem Jahr ist das hier gezeigte Modell das bislang längste Projekt, welches ich fertiggestellt habe. Dies liegt wohl daran, dass der Bausatz einiges an Mehrarbeit und Eigeninitiative erfordert, um ein ansprechend detailliertes Modell zu erhalten. Mit reichlich Gewalt, in Form von zahlreichen Gummibändern, wurden zunächst die beiden Rumpfhälften, plus separaten Heckspiegel, in ihre Form gezwungen. Da das von Revell für das Manöverdeck vorgesehene zum einen ein Deck zu tief sitzt und zum anderen komplett ohne jegliche Details ist, war hier entsprechende Eigeninitiative gefragt. Das umfasste den kompletten Aufbau aller Details in Eigenarbeit aus Sheet, Draht und PE-Resten. Leider ist davon am fertigen Modell nicht allzu viel zu sehen, da der Blick durch Reling und Netze eingeschränkt ist.

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Nach diesem Abschnitt konnte dann das, immerhin einteilige, Hauptdeck aufgesetzt und mittels reichlich Spachtel und Schleifarbeiten eingepasst werden. Danach habe ich begonnen mich in mehren Durchgängen von achtern nach vorn, von vorn nach achtern und wieder von achtern nach vorn zu arbeiten. Dies war erforderlich, um mir nicht unterwegs selbst ins Gehege zu kommen. Begonnen habe ich also mit dem Hangar. Hier wurden die flugdeckseitige Wand selbst gefertigt, das Hangartor eingebaut, der Längsgang an Bb-Seite geöffnet und ein Innenleben, bestehend aus Galerie, Fly-Co, Schotten, etc. gestaltet, bevor dann das Hangardach angepasst wurde.

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Die weiteren Aufbautenblöcke erforderten, zumindest im ersten Durchgang, keinen allzu großen Aufwand. Lediglich bei der Brücke wurden in diesem Schritt die Fenster geöffnet und mittels Weißleim, Future und Clear-Blue verglast. Dabei wurden auch gleich die aus Draht erstellten Schleuderscheiben eingepasst. Nun ging es, gemäß meiner obigen Ankündigung, wieder nach achtern, da ja jetzt die Aufbauten standen und detailliert werden konnten. Los ging es aber natürlich zuerst mit der Back. Hier wurden diverse Poller, Klampen und Klüsen neu gefertigt, versetzt und angepasst. Auch das 76mm OTO Melara DP Geschütz wurde samt näherer Umgebung überarbeitet und zum Beispiel mit einem selbstgefertigten Rohr versehen.

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Danach ging es dann an die vorderen Aufbauten. Auch hier wurden alle Details, vom Sea Sparrow über die MLGs bis hin zu den Kletterrettungsnetzen, komplett im Eigenbau erstellt, da sie entweder falsch dargestellt waren oder gleich ganz fehlten. Hierfür wurden Sheet, verschiedene Drähte, Rundstäbe, PE-Teile, Papier und Teelichtalu genutzt. Auch die Harpoon-Starter wurden, gemäß Vorbildfotos, komplett selbst gefertigt, da die Revellteile den Originalen nicht wirklich entsprachen.

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Direkt danach ging es dann mit den Gestellen für die Rettungsinseln, Luftfiltern, Niedergängen, Leitern, Schotten, Luken, Lampen und vielem mehr im Mittschiffsbereich weiter. Als kleines Gimmick durfte natürlich auch Oskar nicht fehlen. Der Schornstein bekam ebenso seine Überarbeitung wie die Aussatzvorrichtung für das Speedboot und das RAS-Deck. Dort wurden z.B. Anschlusskästen, RAS-Masten, Schlauchhalterungen, Schläuche, Beleuchtung, usw. angefertigt. Auf dem Düppeldeck kamen dann noch die SRBOC-Werfer aus Sheet und Draht hinzu, wie auch die Details an Hangarwand und Schornstein. Von den Torpedorohren bis hin zur Reling.

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Da ich zwischenzeitlich das Glück hatte, mir das Original im Stützpunkt in Kiel ansehen und fotografieren zu können, konnte ich nun mehr auf eine Fülle an Detailfotos zurückgreifen. Mein Dank hierfür gilt dem Kommandanten und der Wachgruppe. Das Ende dieses Durchlaufs stellte dann das Flugdeck dar. Hier wurde das Landehilfesystem mittels Zirkel angezeichnet und dann mit Hilfe eines 0,3mm Bohrers durch zahlreiche Löcher dargestellt. Auch die Markierungen wurden komplett selbst mit dem Pinsel lackiert, wie eigentlich das gesamte Modell, da mir Airbrushen nicht zusagt.

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Um jetzt die letzten Details anzubringen ging es wieder von achtern nach vorn. Auf dem Hangardach wurden RAM-Starter, basierend auf den Bausatzteilen, angefertigt, der Mast aus Draht erstellt, das Radar selbst gefertigt, wie auch die Kommunikationsausstattung. Hier kam auch das erste Decal zum Einsatz, nämlich die Kennung auf dem Dach. Hierfür konnte ich auf meinen Fundus zurückgreifen, da die von Revell vorgeschlagene Version nicht der Realität entspricht. Hauptmast und Fockmast entstanden analog zum achtern Mast aus Stahldraht, Sheet, Kupfer und Messingdraht, Rundmaterial und PE-Teilen. Beim vorderen Mast umfassten die Arbeiten zusätzlich noch die Anfertigung des WM25 und der EloKa-Anlage.

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Auf dem Brückendach kamen dann noch das überarbeitete STIR, Nav-Radar, Scheinwerfer und Antennen im Eigenbau hinzu, während auf dem Hauptdeck Stelling, Kletterrettungsnetze, Rettungsgalgen, Seefangleinen für das Speedboot, Bootshaken, usw. ergänzt wurden. Den Abschluss bildeten die beiden Bordhubschrauber vom Typ Sea Lynx. Ich hatte mir von Heroics and Ros aus GB zwei Stück aus Weißmetall geordert, da diese in den Details wesentlich besser waren als die von Revell, aber schlussendlich dann doch die von Revell verwendet. Denn diese boten mir die Möglichkeit, einem der Hubschrauber ein komplettes Innenleben mit Cockpit, Sitzbank, Operator-Platz, Winsch, Fastroping-Seil und SMG anzupassen.

Die Details entstanden auch wieder aus Sheet, Alu, Draht und PE-Resten. Die Scheiben wurden aus Klarsichtmaterial einer Verpackung geformt. Der andere Hubschrauber wurde mit gefalteten Rotoren in den Hangar geschoben. Hinzu kamen dann auf dem Flugdeck die Figur eines Soldaten der Boardingkompanie der SEKM und bei den Harpoon-Startern die eines Besatzungsangehörigen. Zum Schluss wurden noch Kommandantenwimpel und Seeflagge gesetzt und die Karlsruhe konnte vom Dock auf ihren Sockel umziehen.

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Fregatte Karlsruhe F212

 

Für Interessierte sei hier noch kurz auf den Baubericht auf modellboard.net verwiesen.

Mathias Carl

Publiziert am 12. Januar 2013

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