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Messerschmitt Bf 109 G-6

JG 52 "Barkhorn"

von Roland Sachsenhofer (1:24 Trumpeter)

Messerschmitt Bf 109 G-6

Bei der Darstellung eines Modellflugzeugs liegt eine fliegende Konfiguration ja eigentlich nahe - und trotzdem hat es bei mir eines Anstoßes von außen bedurft, das auch wirklich auszuprobieren. Anstoßgeber war in diesem Fall der Auftraggeber dieser Bf 109G. Er hatte sich gewünscht, das Jagdflugzeug so gebaut zu bekommen, als würde es sich in einer leichten Linkskurve befinden. Ein Gemälde dieser Maschine, vor dem das fertige Modell auch ausgestellt werden würde, stand dafür Pate. Dieser Wunsch hatte mehrere Konsequenzen. Als erstes wurden die Ruder entsprechend ausgelenkt, was nicht weiter schwer zu bewerkstelligen war. Natürlich musste eine Pilotenfigur beschafft werden. Dies bereitete schon etwas mehr Umstände, denn in 1:24 wird das Angebot an passenden Figuren schon recht dünn.

Messerschmitt Bf 109 G-6

Messerschmitt Bf 109 G-6

Meine Lösung fand ich in einem der älteren Airfix Bausätze dieses Maßstabs. Obwohl die Figur zu einem Fw 190A Bausatz gehört hatte, musste sie weitgehend umgearbeitet werden. Die "Battle of Britain-style" Schwimmweste etwa habe ich komplett entfernt und der Figur dafür eine Fliegerbluse aus Tamiya Maskierband angezogen. Orientiert habe ich mich dabei an angenehmerweise verfügbaren und recht qualitativen Fotos von Gerhard Barkhorn, wie er vor der Vorbildmaschine steht. Das Abzeichen am Oberarm ist ein bemaltes Decal, das Gurtzeug stammt aus dem Eduard Fundus. Im Laufe der Zeit verlor die Figur mehr und mehr an Volumen und Ellbogen-Spannweite, zum Schluss sogar beide Füße - dafür passt sie nun ganz gut ins vorbildnah enge Cockpit der 109 :)

Messerschmitt Bf 109 G-6

Messerschmitt Bf 109 G-6

Das Modell selbst hat mich schon beim ersten Sondieren angenehm beeindruckt; eine Eigenschaft, die sich eigentlich bis zum Ende des Projekts durchgezogen hat. Für ein Modell in diesem großen Maßstab ist ein relativ kompaktes Vorbild wie die Bf 109 noch angenehm handlich, trotzdem wissen die präzise gefertigten Teile schon davon zu überzeugen, dass man etwas Außergewöhnliches in Händen hält. Eine Eigenheit des Maßstabs ist, dass (beinahe) keine Detaillierungssätze oder vorgefertigte Verfeinerungen angeboten werden. Bis auf die Gurte im Cockpit sind alle Erweiterungen selbst gefertigt. Dazu zählen etwa das Staudruckrohr - hier wurden zwei Nadeln ineinander geschoben - oder der sichtbare Teil der eingezogenen Fahrwerkmechanik.

Messerschmitt Bf 109 G-6

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In diesem Bereich ergaben sich übrigens die einzigen größeren Baustellen: der Trumpeter Bausatz ist ganz entschieden nicht auf den Umbau „gears up“ eingerichtet. Um Fahrwerksverkleidung und Tragflächenunterseite in Passung zu bringen, musste ich die Teile zurechtschneiden beziehungsweise mit etwas Spachtelmasse aufbauen. Allzu viel scratch gebaute Details habe ich nicht eingebaut, mir schien der von Trumpeter vorgeschlagene Genauigkeitsgrad der Plastikteile durchaus ausreichend. Allerdings kenne ich Besprechungen, die diesem Bausatz keinen Detailgewinn gegenüber etwa der 1:32er Bf 109 von Hasegawa zugestehen wollen. Dem würde ich nach meinen Erfahrungen hier widersprechen. Gerade das Cockpit finde ich dem 32er Bausatz gegenüber überlegen.

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Die Decals entsprechen leider in einem wesentlichen Punkt den durchwachsenen Erfahrungen mit Trumpeters Bausatzdecals: beim Transfer vom Trägermaterial aufs Modell sind alle Balkenkreuze in kleine und kleinste Teile zerbrochen. Das Ganze hat ausgesehen, als wären mit einer Klinge wahllos Schnitte über die Decalflächen gezogen worden. Mit jeder Menge Geduld, Zeit und etwas Improvisation war das dann zu reparieren, bleibt aber ein unnötiges Ärgernis. Der charakteristische Schriftzug „Christl“ wurde mit Pinsel und Acrylfarbe aufgemalt. 

Messerschmitt Bf 109 G-6

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Eine Konsequenz hatte die fliegende Konfiguration noch: ich musste mir über die Darstellung eines drehenden Propellers Gedanken machen. Mit fixierten Propellerblättern wollte ich dem Auftraggeber nicht gegenüber treten. Das sieht nicht nur einfallslos aus, sondern erzählt auch eine andere Geschichte - nämlich die eines Motorversagens. Zwei Annäherungsmöglichkeiten sind mir eingefallen. Zum einen könnte man die Propellerblätter komplett weg lassen, das würde noch immer besser aussehen…Oder man ahmt das visuelle Phänomen mit Airbrush und Klarsichtfolie nach. Zwei Varianten sind entstanden: zum einen habe ich einen aufgesteckten Vollkreis mit aufgesprayten Strukturen gefertigt, zum anderen sind einzelne Blätter entstanden, die den drehenden Quirl mit weichgezeichneten Konturen andeuten. Diese Version hat mir dann am besten gefallen und ist auch auf den Bildern zu sehen.

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Die Maschine stellt übrigens eine Bf 109G-6 des JG 52 dar, wie sie von Gerhard Barkhorn in der zweiten Hälfte 1942 geflogen worden ist. Mich hat dieses Projekt ermutigt, bald wieder ein großes 1:24er Modell in Angriff zu nehmen. Die fehlenden vorgefertigten Detaillösungen à la Eduard-Ätzteilen fordert die Improvisierfreude heraus während die ungewohnt mächtigen Bauteile den Modellbauer nie vergessen lassen, etwas ganz Besonderes in Händen zu halten. Wird es ein Trumpeter Modell, werde ich die Decals austauschen, ansonsten sollte einem weiteren "size matters"- Modellbauabenteuer nichts im Wege stehen!

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Einen Baubericht gibt's im Werkstättenbereich unseres Forums. Wie immer stehe ich für Anregungen und Fragen offen: ro punkt sachsenhofer at gmx punkt at

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Roland Sachsenhofer

Publiziert am 18. Oktober 2013

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