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White Road Boss

von Thomas Lutz (1:25 AMT)

White Road Boss

Auf Modellversium gibt es nicht nur Modelle von Modellbaufreunden zu sehen, sondern man findet auch andere Informationen zum Thema Plastikmodellbau. Auf diese Weise nahm ein ehemaliger Modellbauer, Peter aus Düsseldorf, mit mir Kontakt auf, der einige alte Modelltrucks aus seiner Jugendzeit in gute Hände abgeben wollte, bevor er die Modelle in die Mülltonne geworfen hätte.Die Modelle, die viele Jahre auf einem staubigen Dachboden überlebt hatten, wurden auf halbem Weg auf einem Autobahnparkplatz für eine Packung Pralinen übergeben. Ein Kofferraumdeal der besonderen Art, mit dem Versprechen den Modellen wieder neuen Glanz einzuhauchen.

Vor der Restauration
Vor der Restauration

In zwei Kartons fanden sich Modelle von AMT und Ertl u.a. ein IH Paystar 5000, White Road Boss, Peterbilt 352 Cabover, GMC General und Kenworth W900 sowie Fruehauf und Great Dane Trailer, leider alle in einem erbärmlichen, aber noch gebrauchsfähigem Zustand. Schwere Staubschichten mussten entfernt werden, es gab viele abgebrochene Teile und gebrochene Achsen, andere Teile lagen zum Glück noch lose bei und einiges an Teilen fehlte.

White Road Boss

Restauration AMT White Road Boss „Branch"

Vor der Übergabe der alten Modelle war die gröbste Staubschicht bereits entfernt worden, trotzdem gab es noch eine Menge Staub aus allen Ritzen, Kanten und Oberflächen zu entfernen. Nach der großen Reinigung wurde zunächst eine Fehleraufnahme gemacht:

  • Lenkrad ragte zu hoch in die Kabine hinein
  • Mercury Sleeper lose
  • Holland Fifth Wheel lose und silbern bemalt
  • Rechte Spiegelhalterungen auseinandergefallen
  • Fehlender Felgenring an rechter Vorderradfelge
  • Fehlendes Trittbrett und Tankdeckel am linken Dieseltank
  • Keine Antennen
  • Fehlendes Scheinwerferglas rechts
  • Farbreste auf der Windschutzscheibe
  • Fehlender Türgriff links, loser Türgriff rechts
  • Schief verklebter Dachspoiler und Montage auf dem Kabinendach anstatt auf dem Sleeper
  • Durch den falsch montierten Dachspoiler waren die Dachleuchten und Air Horns zu weit vorne angebracht
  • ICC-Decals anstatt auf dem Sleeper auf den Türen angebracht
  • Dicke „Lacksuppe" wegen Pinsellackierung
  • Fehlende Kennzeichen
  • Fehlende Blinkleuchten

White Road Boss

Trotz dieser kleineren Montagefehler war der Zusammenbau vor Jahrzehnten für einen Teenager schon auf gutem Niveau und mit viel Liebe gemacht.

Beim Entstauben und Säubern des Modells mit Wattestäbchen und Kosmetikpinsel fielen diverse weitere Teile, trotz größter Vorsicht, auch noch ab. Der ausgehärtete Gelkleber zollte der langen Zeit Tribut und nur durch leichte Berührung lösten sich Teile wie Türgriffe, der Kühlergrill oder die Stoßstange vom Modell.

White Road Boss

Die alten AMT-Modelle hatten immer wieder Probleme mit verzogenen und krummen Fahrgestellträgern bereits im Karton. Diese Bananen-Chassis musste man mühsam unter Wärme vor dem Zusammenbau gerade biegen. Bei diesem Modell wurde das damals leider versäumt und die krummen Fahrgestellteile verursachten beim Road Boss eine schiefe Spureinstellung, Kabine und Sleeper saßen nicht mittig und die Vorderräder hatten unterschiedliche Abstände und krumme Winkel zu den Kotflügeln. Nach vielen Jahrzehnten war das nun nicht mehr zu korrigieren und musste mit einem optischen Trick ausgeglichen werden.

White Road Boss

Weitere Restaurationsarbeiten waren im Einzelnen:

  • Felgenringe weiß bemalt
  • Fifth Wheel mattschwarz bemalt und mit Stange beweglich gemacht
  • Achsgetriebe mit Javana Perlsilber-Anthrazit Künstlerölfarbe bemalt
  • Vertiefungen des Kühlergrills und Gitter des Klimagerätes mattschwarz „vertieft"
  • Kardanwelle und Innenkotflügel mattschwarz bemalt
  • Dachleuchten mit Glasmalfarbe Gelb aufgewertet
  • Zwei Dachleuchten zurückgesetzt, mittlere Dachleuchte gekürzt
  • Vorderradfelgen weiß bemalt
  • Reifenlaufflächen aufgeraut
  • Vergilbungen an Decals mit Micro-Sol entfernt
  • Austausch der Stacks mit Aluröhrchen
  • Spiegelhalterung rechts aus Büroklammern
  • Scheiben mit Unipol-Politur auspoliert
  • Grünes Gummiband (Haushaltsgummi) zwischen Kabine und Sleeper eingesetzt, um das ungleiche schiefe Spaltmaß auszugleichen
  • Schriftzug „White" auf dem Kühlergrill mit Schwarz bemalt

White Road Boss

Nachrüstungen:

  • Mudflaps aus echtem Gummi nachgerüstet
  • Darstellung des Scheibengummis mit schwarzem Flüssigkunststoff
  • Geriffeltes Trittbrett am linken Tank aus Einweg-Plastikgrillteller
  • Neue Scheinwerfergläser, Tankdeckel sowie Blink- und Heckleuchten aus Grabbelkiste
  • Haltestangen aus Büroklammern gefertigt
  • Pogo-Stick mit Trailerkabeln aus Brawa-Kabeln (Modelleisenbahn)
  • Korrekte originale New York State License Plates für die Company „Branch" angeklebt
  • Funkantennen aus Lichtleitern (farblich bemalt)

White Road Boss

Die etwas dickere Pinsellackierung und die wenigen Macken des Modells wurden durch Drybrushing in Brauntönen und durch eine darüber liegende Alterung mit Acrylfarben in Beige, Grau und Weiß per Airbrush überdeckt.

White Road Boss

Fazit:

Aus dem alten leicht lädierten White Road Boss entstand nach einer gelungenen Restauration, einigen zusätzlichen Teilen und diversen Nacharbeiten in Verbindung mit einer Patina zwar kein glänzender Show Truck mehr, aber ein gutes „Working Horse" Modell. Gebrauchte Modelle mit einer soliden Basis müssen also nicht zwangsläufig in der Mülltonne landen, sondern mit etwas Mühe lohnt es sich mitunter einem alten Modell wieder etwas mehr „Leben" einzuhauchen.

White Road Boss

White Road Boss

Thomas Lutz,
stockcarmodels.weebly.com

Publiziert am 18. Juli 2014

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