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Willys Jeep

Der "matschige" Weg zur Befreiung Europas...

von Theo Peter (1:72 Academy)

Das Rückgrat der alliierten Streitkräfte - der Willys MB Jeep 1/4 ton.
Das Rückgrat der alliierten Streitkräfte - der Willys MB Jeep 1/4 ton.

Zum Original:

Der Willys Jeep war der Allrounder der alliierten Streitkräfte. Gebaut wurde der Jeep von der Firma Willy's Overland. Der Jeep machte nach einer Ausschreibung der US Armee nach einem geländegängigen, billigen, leichten und robusten Mehrzweckfahrzeug das Rennen. Später wurde der Willys Jeep auch in den Werken von Ford in Lizenz gebaut. Beide Modelle unterschieden sich nur in Winzigkeiten und wurden nicht nur von der NAVY, der Militärpolizei MP, den Marines, der Army und den amerikanischen Feuerwehren verwendet, sondern auch in zahlreichen anderen alliierten Streitkräften eingesetzt. Insgesamt wurden 640.000 Stück des kleinen geländegängigen Jeeps bis Kriegsende gebaut.

Der Jeep bot reichlich Platz für bis zu vier Personen und wurde immer weiter entwickelt und mit neuen Waffen ausgestattet. Eine dieser Unterarten stellte der schwer bewaffnete Willys Jeep Commando Car dar, der gerne von britischen SAS Einheiten genutzt wurden. Die Briten verwendeten den Jeep auch als Airborne Jeep zur Unterstützung ihrer Fallschirmjägereinheiten. Typisch für die robusten Jeeps waren die umklappbaren Windschutzscheiben. Nur manche Jeeps besaßen Verdecke, die es bei schlechtem Wetter erlaubten, den Innenraum und die Besatzung vor Nässe zu schützen. Jeder Jeep besaß standardmäßig ein Ersatzrad sowie einen Benzinkanister am Heck der Fahrzeuge. Der 2,2l Motor des Jeeps leistete 60 PS, hatte einen zuschaltbaren Allradantrieb und konnte aufgrund der einfachen Bauart leicht selbst repariert werden.

Viele der in Europa eingesetzten Jeeps wurden mit Stahlplatten (Armour Plates) zusätzlich gepanzert, um den Innenraum und den Motor vor Beschuss zu schützen. Um noch mehr Frachtraum zu haben, wurde speziell für den Jeep ein Anhänger (Trailer) konstruiert und an die Einheiten ausgeliefert. Viele Jeeps erhielten einen von den Amerikanern als Wire Cutter bezeichneten Drahtschneider, der an der Frontstoßstange angeschweißt wurde, um über Straßen und Wege gespannte Drahtseile zu zerschneiden und somit die Besatzung vor hinterlistigen Anschlägen zu schützen.

Zwei amerikanische Soldaten suchen nach der blutigen Landung in der Normandie...
Zwei amerikanische Soldaten suchen nach der blutigen Landung in der Normandie...

Zum Bau des Winzlings:

Gebaut wurde der Kit vor ca. fünf Jahren zuerst komplett aus der Kiste. Der Bausatz stammt aus dem Academy "Ground Vehicle" Set. Nachdem der Bausatz einige Dioramen schmückte, dachte ich mir, dass es der Bausatz verdient hatte nun selbst im Mittelpunkt eines Beitrags zu stehen. So kam der Jeep erneut auf den Basteltisch.

Als erstes wurde die Windschutzscheibe umgeklappt, da dann die falsche Höhe der Academy-Windschutzscheibe nicht mehr ganz so arg auffällt. Ebenso wurde das MG entfernt und durch ein Italeri Browning-Maschinengewehr auf einem gezogenen Gussast ersetzt. Dieses wurde durch eine neue Munitionskiste und einen Griff (ebenfalls aus gezogenem Gussast) aufgewertet. Auf die Windschutzscheibe wurden ein Gewehr in einer Ledertasche und eine Landkarte aus dem Farbdrucker angebracht. Die Ledertasche einstand aus einer Weißleim-Wasser-Papiertaschentuch-Mischung. Die Schneeketten wurden aus einer echten Kette (billiger Modeschmuck aus einem bekannten Modeladen) in mühseliger Kleinstarbeit am Modell angebracht. Ebenso entstand der Wire-Cutter in Eigenregie aus Plastikresten und gezogenen Gussästen. Die Rückenlehnen der vorderen Sitze wurden entfernt und nach hinten versetzt. Ebenso wurde der leider nicht sehr maßstabsgetreue Kühlergrill dem Original angepasst. Zahlreiches US-Gerödel (CMK) und ein Funkgerät (Revell mit Antenne aus gezogenem Gussast) vervollständigen den Jeep. Als letzter Umbauschritt wurden die unnötigen Windschutzscheibenhalterungslöcher verspachtelt.

Nachdem die Umbaumaßnahmen größtenteils abgeschlossen waren, wurde zu Pinsel und Farbe gegriffen. Nach der Bemalung mit matten Revellfarben und dem Pinsel erhielt der Jeep ein Washing mit matten Revellfarben und wurde ordentlich "eingedreckt". Der Spiegel wurde mit Alufolie verglast. Ebenso wurden zahlreiche neue Decals (Academy und Italeri) am Fahrzeug angebracht. Die Scheinwerfer erhielten ein 3D-Aussehen, indem sie mit einer Farb-Weißleim-Mischung betupft wurden.

...einen einigermaßen sicheren und schnellen Weg für die amerikanischen Panzer ins französisch-deutsche Hinterland.
...einen einigermaßen sicheren und schnellen Weg für die amerikanischen Panzer ins französisch-deutsche Hinterland.

Das Diorama:

Das Diorama zeigt einen mit Schneeketten ausgestatten amerikanischen Willys Jeep, der sich im Winter 1944/1945 im französischen Hinterland durch die extrem matschigen Straßen wühlt. Nachdem die Amerikaner am D-Day (mit der Operation Overlord am 6. Juni 1944) in einer noch nie dagewesenen Amphibienoperation in der französischen Normandie gelandet waren, rückten die Amerikaner zusammen mit den anderen Alliierten immer weiter in Richtung Berlin vor. Bereits am 25. August 1944 wurde Paris von der deutschen Besatzung befreit. Nur noch wenige aber dennoch heftige Gegenangriffe (teilweise waren sogar Kinder, Frauen und Senioren (sogenannter Volkssturm) involviert) erwarteten die vorrückenden Amerikaner. Doch dennoch kämpften die Deutschen noch immer, durch die Durchhalte- und Propagandelügen der NS-Führung geblendet, ohne auch nur einen Gedanken an die Kapitulation zu verschwenden.

Die Soldaten aus dem Display suchen einen weniger matschigen Weg durch das deutsch-französische Grenzland, um den Panzern einen einigermaßen sicheren Vormarsch zu garantieren. Durch die Schneeschmelze wurden fast alle französischen Straßen völlig aufgeweicht. Immer wieder entsandten die amerikanischen Landungstruppen solche Vorauskommandos, um nicht allzu viele Fahrzeuge durch Schlamm und Matsch und somit ohne Feindeinwirkung zu verlieren. Doch wie es aussieht, ist auch dieser Weg ganz und gar nicht das, nachdem die beiden amerikanischen GIs suchen.

Durch den schmelzenden Schnee waren die Straßen im französisch-deutschen Grenzland extrem aufgeweicht.
Durch den schmelzenden Schnee waren die Straßen im französisch-deutschen Grenzland extrem aufgeweicht.

Aufgebaut wurde das Diorama auf einer quadratischem 25x25cm großen Laminatmusterplatte (aus dem Baumarkt). Das Gelände wurde aus Karton und Klebeband realisiert. Die Steinmauer besteht aus Polystyrol und erhielt eine Steinstruktur mittels eines Teppichmessers und viel Fingerspitzengefühl. Das komplette Diorama wurde mit einer Weißleim-Blumenerde-Mischung bestrichen. Durch den Einsatz von Blumenerde erhielt der Boden die charakteristische dunkle Farbe. In die noch nasse Erde wurden echte Gras- und Getreidefasern gedrückt, die im fertigen Display vertrocknete Grasbüschel darstellen sollen. Ebenso wurden Fahrrillen und Fußabdrücke in die weiche Masse gedrückt.

Im zweiten Schritt wurde der Holzzaun aus Polystyrol und Zahnstochern gebastelt. Das kleine Diorama erhielt noch weitere Grasbüschel aus langfasrigem Streugras von NOCH, das in einzelnen Büscheln in den Weißleim gedrückt wurde. Nach der Trocknung wurden die giftgrünen Büschel mit mattem Revellbraun eingefärbt. Die beiden echten, extrem bewachsenen Äste stammen aus der Natur und sollen zwei abgestorbene Bäume darstellen. Die noch verbliebenen "leeren" Flecken wurden mit Revell Dunkel- und Hellbraun bemalt. Der Rest wurde mit mattem Revell Grau trockenbemalt. Nun folgte eine weitere Schicht aus der Blumenerde-Weißleim-Mischung, die dünn über die "leeren" Flecken gestrichen wurde. In die noch weiche Mischung wurden anschließend die beiden Wegweiser bzw. Geschwindigkeitsschilder gedrückt und mit echtem Moos detailliert. Die restlichen Wegweiser wurden an der in mittlerweile mit Hellbraun und Hellgrau trockenbemalten Steinmauer befestigt.

Der Jeep des amerikanischen Aufklärungstrupps war bereits mit einem Funkgerät ausgestattet.
Der Jeep des amerikanischen Aufklärungstrupps war bereits mit einem Funkgerät ausgestattet.

Im Anschluss wurde das ganze Diorama mit einer dickflüssigen Weißleim-Wasser-Mischung bestrichen und anschließend mit zerkleinertem Kreidestaub beschneit. Die weiße Tafelkreide wurde in einem Gefrierbeutel so lange mit dem Hammer bearbeitet, bis die Kreide nur noch Kreidestaub war. Der Kreidestaub wird anschließend mit einem Sieb über dem Display verteilt und bleibt genau an den mit Weißleim bestrichenen Flächen kleben. Der Rest des Kreidestaubs kann nach ca. einem Tag einfach mit einem feinen Pinsel abgetragen werden. Und so kann mit nur wenig Geld- und Zeitaufwand ganz einfach ein Schneediorama erstellt werden.

Die beiden Soldaten stammen von Caesars Miniatures (aus den Sets "WWII US Infantry Set II 1:72" und "WWII German Panzer Crews 1:72) und sind von guter Qualität. Der Jeep-Fahrer wurde jedoch stark bearbeitet, um ins Innere des Jeeps zu passen. So erhielt die eigentlich "deutsche" Soldatenfigur einen Kopf samt US-Helm, eine Thompson-Maschinenpistole, Thompson-Munitionstaschen, Trinkflaschen und Jackentaschen eines Italeri US-Soldaten. Ebenso wurden die Beine durch zwei gezogene Gussäste ersetzt und der Rücken mit der Raspel abgeschliffen, um den Fahrer auf dem Fahrersitz zu platzieren. Die anderen Soldaten wurden nur wenig bearbeitet. Alle Soldaten wurden mit matten Revellfarben und dem Pinsel bemalt und mit US-Abzeichen aus dem Drucker beklebt.

Eigenbau des US-Soldaten, der später auf dem Fahrersitz des Jeeps Platz nehmen sollte.
Eigenbau des US-Soldaten, der später auf dem Fahrersitz des Jeeps Platz nehmen sollte.

Fazit:

Wieder einmal ein kleiner Bausatz, der richtig in Szene gesetzt ein echtes Schmuckstück ergibt. Eigentlich sollte der Jeep lediglich als Hintergrund von Flugzeugdioramen dienen, doch dann kam alles ganz anders. Und ich bin froh den Bausatz nochmals auf den Tisch gebracht zu haben und euch den Jeep heute in neuem Aussehen zu präsentieren. Ich hoffe es gefällt!

Der andere GI stammt aus dem Caesars Miniaturs Kit - WWII US Infantry Set II 1:72.Der Wire Cutter, zum Schutz vor über die Straße gespannten Drahtseilen, wurde scratch am Jeep angebracht.Das Abschleppseil entstand aus in Weißleim getränktem Nähgarn.Blick auf die zahlreichen Änderungen, die am Academy Modell durchgeführt wurden.Auffälligste Anpassung: Blick auf die aus Modeschmuck bebastelten Schneeketten im fertigen Diorama.Das restliche US-Gerödel stammt von CMK und ist von hervorragender Qualität.Ständige Bedrohung durch deutsche Truppen: Die 1:72 Thompson von Italeri ist immer in Griffnähe...
Das Browning-Maschinengeweht stammt ebenfalls von Italeri und wurde nachträglich am Modell angebracht.60 PS wühlen sich durch den aufgeweichten französischen Boden, um Europa endlich endgültig zu befreien.Die einzelnen Bauabschnitte des Dioramas: Besonders zu erwähnen war die Beschneiung des Dioramas mit selbst hergestelltem Kreidestaub und einer Weißleim-Wasser-Mischung.Sämtliche Abzeichen und Symbole auf den US-Uniformen und Helmen stammen aus dem Farbdrucker.Die gealterten Fotos könnten fast als Originalaufnahmen durchgehen oder?Die Schneeketten hinterlassen tiefe Spurrinnen im Matsch, die auch den Deutschen nicht entgehen dürften.Die Mauer entstand aus mit dem Cuttermesser bearbeitetem Polystyrol.

Der andere GI stammt aus dem Caesars Miniaturs Kit - WWII US Infantry Set II 1:72.

Der andere GI stammt aus dem Caesars Miniaturs Kit - WWII US Infantry Set II 1:72. 

Theo Peter

Publiziert am 19. Januar 2017

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