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DNQ

von Thomas Lutz (1:24 Monogram)

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Es war einmal ein guter Modellbaufreund, der brachte mir von einem Tauschhandel drei alte gebaute Stock Cars mit…

Nach dem Lesen dieser Story könnte man vermuten, dass es aus gewesen wäre mit der Freundschaft, aber „Guten Freunden ....“

Die Bestandsaufnahme der drei wirklich arg missglückten Modelle, ein Chevrolet Lumina und zwei Ford Thunderbird von Monogram, war dermaßen grauenhaft, dass hier nur die schreckliche Leidensgeschichte des Lumina vorgestellt werden soll.

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DNQ ist eine Abkürzung aus dem Motorsport und steht für „Did Not Qualify“, zu Deutsch „nicht für das Rennen qualifiziert“. So liest sich auch die lange Liste der Mängel durch alle Teile des Modells. Alle Decals waren an falschen Stellen aufgebracht; die Farbgebung war vollkommen daneben; die Reifen unbehandelt und mit Farbklecksen verschmutzt; die Felgen nicht in Mattschwarz lackiert; die Innenausstattung war ohne Farbe und zahlreiche Teile waren überhaupt nicht eingebaut; die Seitenscheiben und die Heckscheibe wurden überlackiert; das Fensternetz war silbrig gepinselt; Motor und Getriebe fehlten komplett; die Belüftungsschläuche waren nicht eingesetzt; der Feuerlöscher hochkant im Fond eingeklebt; der Heckspoiler noch verchromt; der Scheibenrand der Frontscheibe wurde rot anstatt schwarz angelegt und der Unterboden zeigte blankes Plastik anstatt Grau. Das Rebuilding dieses Modells uferte daher mehr zu einem umfangreichen und arbeitsaufwendigen Neuaufbau als zu einer Restauration aus; auf eine Wiederholung des Aufwandes mit den beiden Ford Modellen hatte ich bis heute noch kein Verlangen.

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Der Monogram-Bausatz Nr. 2949 war für den Bau eines 1992´er Chevrolet Lumina vorgesehen. Die 17 wurde lange Zeit von Darrell Waltrip im NASCAR Winston Cup gefahren und mit dem Hauptsponsor Western Auto wurde dieses Farbschema von 1991 bis 1997 verwendet. Das Jahr 1992 war für den dreifachen Champion Darrell Waltrip mit 3 Rennsiegen in Bristol, Darlington und Pocono, einer Poleposition, dem 9 ten Platz bei 3659 Punkten in der Gesamtwertung und einer Gewinnsumme von $ 774.000 recht erfolgreich. Das Trennen der Karosserie vom Chassis gestaltete sich noch recht einfach. Dies machte Hoffnung und gute Laune für die weiteren Schritte. Aber es kam, wie es kommen musste… Das Herausschneiden der Scheiben gestaltete sich leider nicht mehr so leicht, so entstand der erste Bruch des Tages. Dies war jedoch nicht allzu tragisch, da keine der Scheiben wiederverwendet werden konnte. Die Räder wurden von den Achsen abgenommen; die Goodyears von den Felgen abgezogen. Beim ursprünglichen Zusammenbau wurden viele Bauteile mit Tubenkleber verbunden, was sich jetzt als vorteilhaft herausstellen sollte, da gelartige Kunststoffkleber teilweise über keine allzu hohe Klebekraft verfügen. Einige Teile konnten mit leichtem Druck auseinander gezogen werden, ohne Beschädigungen davon zu tragen. Nach dem Rückbau des Bausatzes in einzelne Bauteile und Baugruppen wurde klar, dass nicht alle fehlenden Teile durch solche aus der Ersatzteilkiste ersetzt werden konnten. Der Lumina aus der Asche würde also weiterhin ohne Motor und Getriebe bleiben.

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Der Gitterrohrrahmen wurde mit diversen neuen Rahmenteilen ausgestattet, die im Bild sichtbaren blauen Streben wurden aus Wattestäbchen, die grauen und schwarzen aus Gießastmaterial angefertigt. Der Feuerlöscher erhielt seinen korrekten Platz lt. Bauplan hinter dem Fahrersitz. Die Goodyear-Reifen wurden von allen Farbresten gereinigt; der mittige Grat auf der Lauffläche abgeschliffen, danach die gesamte Lauffläche mittels Sandpapier aufgerauht (das sieht dann aus wie 3 Runden auf dem Speedway gefahren) und schlussendlich wurden die Seitenwandungen der Reifen mit Nitro-Verdünnung und einem fuselfreien Tuch „mattiert“.

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Die Reifenbeschriftung erfolgte mit einem dünnen Lackschreiber in Gelb. Die verchromten Felgen des Kits wurden grundiert und nach Durchtrocknung in Mattschwarz überlackiert; die Radnabe und die Radmuttern mit einem Lackstift silber bemalt. Der äußere Felgenrand wurde in Rot, unter Zuhilfenahme der Spitze eines Zahnstochers angelegt. Modellbau in meiner Hobbywerkstatt läuft unter dem Motto: „so günstig wie möglich“. Die Preise für die Bausätze und Zubehörteile sind ohnehin hoch genug und so ist man stets auf der Suche nach Substitutprodukten oder Alternativen für bestimmte Bauteile. Mit dem richtigen Maßstabsblick und geduldiger Umsicht lassen sich Materialien aus Haushalt und den alltäglichen Bereichen finden.

Das originale starre und zu klobig ausgeführte Fensternetz aus dem Bausatz wurde gegen ein selbst hergestelltes Netz getauscht. Das neue Netz besteht aus Gardinenstoff, der doppelt zusammengelegt und mit normalem Holzleim verklebt wurde. Kurz bevor der Leim vollständig aushärtet, wird das Netz hin und her gebogen, so bleibt es flexibel. Die Seitenverstärkungen wurden aus Kreppband gefertigt und beidseitig aufgeklebt. Nach Trocknung wurde das gesamte Netz mit matter Acrylfarbe bemalt.

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Die Karosserie wurde zur größten Herausforderung des Projektes und wieder einmal stellte sich die Frage: „Wie sollte man aus diesem total missglückten Ding noch ein ansehnliches Modell zaubern?“. Decals ablösen durch ein Ablösemittel zeigte keine Wirkung, keines der Mittelchen hatte Erfolg. Die Decals kannten wohl kein Ablösemittel und blieben hartnäckig auf dem Modell haften. In diesem Augenblick stand das Automodell kurz davor eine kurze Flieger-Karriere bis in den Mülleimer zu haben, aber ein schonender Kaffee und Hells Bells von AC/DC beendeten dieses Vorhaben. Hatte also das Ablösen per Chemie keinen Erfolg, war Abschleifen angesagt. Die Gravuren und Fugen durften nicht beschädigt werden, aber dennoch musste die alte Beschichtung herunter für eine neue Grundierung. Nach dem ersten Schleifen war das Modell schon nicht mehr wieder zu erkennen.

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Die Karosserie wurde nach den Schleifarbeiten in Spülwasser gereinigt und entfettet. Nach ausreichender Durchtrocknung dann vorsorglich nochmals mit einem Anti-Statik-Tuch abgerieben und neu grundiert. Die erste Grundierungsschicht zeigte noch zu viele Schleifspuren, so dass erneutes Feinschleifen nötig wurde. Ein zufriedenstellendes Ergebnis war erst nach dem dritten Grundieren vorhanden. Im nächsten Schritt wurde die weiße Grundfarbe lackiert, danach die roten Seitenflächen und anschließend Schwarz für das Heck. Während der Trocknungsphase wurde das neu gestaltete Chassis und die Innenausstattung komplettiert, grundiert und bemalt. Die Farbgestaltung richtete sich nach der Bauanleitung des Monogram-Bausatzes. Die Fahrerfigur aus Zinn wurde im Sitz mit einem Gemisch aus Sekunden- und Alleskleber fixiert. Die weitere Endmontage gestaltete sich problemlos und wurde mit dem Ankleben des Heckspoilers und einer Dachantenne abgeschlossen.

Fazit: Ein Rückbau eines bereits gebauten Modells bringt ungleich mehr Aufwand mit sich als ein normaler Aufbau eines Kits und lohnt deswegen kaum. Eine solche Aktion zu wiederholen wäre nur interessant für alte nicht mehr erhältliche Modelle wie z.B. einen ´71 Mercury Cyclone Spoiler oder ein Promo-Modell eines ´64 Dodge Polara.

Autos mit Charakter und Vergangenheit .... wo auch immer gebaut.

Thomas Lutz,
stockcarmodels.weebly.com

Publiziert am 10. August 2005

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