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Grumman X-29A

von Roland Sachsenhofer (1:72 Hasegawa)

Grumman X-29A

Schnelligkeit, extremer Anstellwinkel und überragende Manövrierbarkeit- das erwartet man sich von negativ gepfeilten Tragflächen. Seit den frühen Tagen der Pfeilflügelforschung spukten die Versprechungen dieser Auslegung in den Köpfen der Ingenieure; eine Faszination, die sich etwa in der deutschen Junker Ju 287 manifestieren sollte.

Grumman X-29A

Bei allen Vorteilen birgt diese Technologie jedoch auch das Risiko nicht kontrollierbarer kritischer Flugzustände in sich, sodass eine Verwirklichung bis in jene Tage verschoben werden musste, in der Computersysteme der Steuerung der Maschine assistieren konnten.

Grumman X-29A

Ende der 80er Jahre fanden in Ost wie West die ersten Erprobungen mit rechnergestützten Flugzeugen statt. Die Grumman X-29 absolvierte ihren Erstflug im Dezember 1984. In der mit insgesamt zwei Prototypen durchgeführten Flugerprobung wurden überschallschnelle Flüge ebenso wie extreme Anstellwinkel von 66 Grad erfolgreich getestet. Bekannt ist die damalig spektakuläre Leistung der verwendeten Elektronik, die bis zu vierzig Mal in der Sekunde den Flugzustand messen und korrigieren konnte.

Grumman X-29A

1992 wurde das gesamte Testprogramm allerdings aus mangelndem Interesse des Pentagon eingestellt. Die negative Flächenpfeilung fand keinen direkten Niederschlag im Bau zukünftiger Kampfflugzeuge, die Figuration mit den Canards findet sich jedoch im zeitgenössischen Flugzeugdesign wieder.

Grumman X-29A

Der Bausatz dieser interessanten Maschine weist alle Vorzüge auf, die man von einem Hasegawa Bausatz erwartet. An der Passgenauigkeit und der Stimmigkeit gibt es nichts zu mäkeln, ebenso so wenig  an der Formschärfe der Teile. So etwa fallen die Kanten der Flächen und des Seitenleitwerks vorbildgerecht „messerscharf“ aus- was dem schnittigen Aussehen der X-29 natürlich prächtig zugutekommt.

Grumman X-29A

Andererseits sind die Details im Cockpit wie auch im Fahrwerksbereich recht schlicht gehalten; ganz der Linie entsprechend, die man von diesem Hersteller gewohnt ist. Hier kam ich um ein wenig Nacharbeit nicht herum: die Restekiste spendierte ein paar Ätzteile, die an den Seitenkonsolen wie am Cockpitboden etwas Leben in diese gut einsehbaren Bereiche bringen. Das Instrumentenbrett wurde andererseits wieder mit dem bausatzeigenen Decal gestaltet, was hier auch zu einem schönen Ergebnis führt.

Grumman X-29A

Vorbildfotos zeigen, dass die Hauptfahrwerksschächte von zahlreichen Leitungen dominiert werden. Diese versuchte ich möglichst  vorbildnah mit Kabellitzen und Kupferdraht nachzustellen. Auch die Fahrwerksstreben selbst bekamen Bremsleitungen aus Draht. Weiters wurden zugeschnittene schwarze Decalstreifen an Leitungen und am Hauptfahrwerksbein angebracht, um diverse Placards, wie ich sie auf „walkaround“ Bildern gesehen hatte, anzudeuten.

Grumman X-29A

Etwas Zeit wurde in die Ausgestaltung der Cockpithaube gesteckt. Auch hier wurde die Restekiste sowie Decals aus dem Fundus genutzt, um dem Ganzen etwas Leben einzuhauchen. Speziell die beiden Rückspiegel waren mir wichtig, da sie das Erscheinungsbild der geöffneten Kanzel wesentlich mitbestimmen.

Grumman X-29A

Dem Aufbringen der Decals sah ich aus zwei Gründen mit Spannung entgegen: zum einen bestehen sie aus langen, durchgehenden Abschnitten, die schwierig aufzubringen sein würden, zum anderen hatte ich Bauberichte gelesen, die der Klebekraft und der Festigkeit dieser Schiebebilder kein gutes Zeugnis ausstellen. So gewarnt und zu besonderer Sorgfalt aufgerufen, war diese Herausforderung aber doch ganz gut zu bewältigen.

Grumman X-29A

Von mir bekommt der Bausatz trotz seines Alters Bestnoten. Loben darf ich neben der qualitätvollen Ausführung auch den Mut zu so einer ungewöhnlichen und interessanten Typenwahl!

Auch als Modell macht die X-29 eine hervorragende Figur- und bringt nicht nur wegen der negativen Pfeilung ihrer Flächen Abwechslung in die Vitrine!

Grumman X-29A

Wenn Ihr Euch selbst ein Bild vom Bausatz und dem Bauprozess machen möchtet, kommt Ihr hier zum Baubericht auf Scalemates. Wie immer stehe ich für Anregungen und Fragen offen: ro.sachsenhofer@gmx.at

Roland Sachsenhofer

Publiziert am 09. April 2019

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