Du bist hier: Home > Galerie > Jacqueline Fischer > Bell P-63C Kingcobra

Bell P-63C Kingcobra

von Jacqueline Fischer (1:48 MPM)

Bell P-63C Kingcobra

Historisches

Mit der Entwicklung der P-63 wurde versucht, die wesentlichsten Mängel ihres Vorgängermusters, der P-39 Airacobra, auszumerzen. Was blieb, waren die idiotisch anmutenden „Autotüren“ und der hinter dem Cockpit liegende Motor. Trotz der großen äußerlichen Ähnlichkeit handelte es sich bei der Kingcobra um ein völlig neu konstruiertes Flugzeug, das nur ganz wenige Bauteile mit ihrer Vorgängerin gemeinsam hatte (das mit den „ganz wenigen“ Bauteilen habe ich dann beim Bau des Modells schamlos ausgenutzt).

Bell P-63C Kingcobra

Von den genau 3'303 produzierten Kingcobras gingen gut 2'500 an die Sowjetunion. Etwa 300 wurden an die französische Luftwaffe geliefert, welche das Muster gegen Ende der 40er Jahre im Indochinakrieg einsetzte. Die USAAF interessierte sich nie besonders für die P-63 und setzte nur relativ wenige als Schul- und Verbindungsflugzeuge ein. Wahrscheinlich wäre sie dort vollständig in Vergessenheit geraten, hätten nicht zusätzlich 400 Stück als RP-63 Zielflugzeuge („Pinball“) eine etwas kuriose, aber enorm wichtige Aufgabe gefunden.

Bell P-63C Kingcobra

Der Bausatz

Die tschechische Firma MPM hat sich auf „Marktlücken“ spezialisiert, so zum Beispiel auf die komplette Kingcobra-Familie in 1:48. Ich entschied mich für die P-63C, die mir von der Form her am besten gefiel.

 

Der Short-Run-/Multimedia-Bausatz besteht aus Resin-Teilen (Cockpit und Räder), Vacu-Klarsichtteilen sowie Spritzguss der „rustikalen“ Art. Letztere sind auf einem ungewöhnlichen, sternförmigen Spritzling angeordnet und bedürfen intensiver Nachbearbeitung. Manche sind gar nicht brauchbar und müssen gescracht oder mit Teilen aus der „Grabbelkiste“ ersetzt werden. So geschehen mit Propellerspinner und –blättern, der oberen Rumpfabdeckung mit den MG-Öffnungen, dem Peilrahmen sowie den Zwölfer-Auspuffreihen, die beim Bau einer Airacobra übriggeblieben waren (das wären sie dann, die schon erwähnten „ganz wenigen“ gemeinsamen Bauteile...). Die Zusatztanks stammen von einer Mustang.

Das Resin-Cockpit ist ganz nett geraten, abgesehen vom unbrauchbaren Sitz (habe ich gescracht) und der dahinter fehlenden Rückwand (Ersatz wurde aus einer – abgelaufenen! – Kreditkarte geschnipselt).

Die MPM-Kingcobra weist neben vielen kleinen Fehlern zwei ganz markante auf: Der Vorderrumpf ist zu schmal und bei den Hauptfahrwerksschächten herrscht „Villa Durchzug“. Den Rumpf habe ich mit Platiksheets, Spachtelmasse und viel gutem Zureden auf die korrekte Breite gebracht, die zugigen Radschächte mit Plastikfolie abgedichtet.

Die Klarsichtteile sind, obwohl in Vacu, ungewöhnlich dick und somit schwer zu bearbeiten. Ich habe gute anderthalb Stunden gebraucht, um alleine die Cockpithaube einigermaßen aus der Vacu-Platte zu pulen. Mit einem Bad in Future habe ich versucht, den Teilen wenigstens etwas „Klarsicht“ zu verschaffen.

Bell P-63C Kingcobra

Farben / Markierungen

Der Bausatz bietet zwei Markierungsmöglichkeiten: Eine französische der GC 2/9 „Auvergne“ in Indochina 1949 und eine sowjetische, wie sie unmittelbar vor dem Ablieferungsflug von Alaska nach Sibirien ausgesehen haben soll. Ein Ami hätte eigentlich besser in meine Sammlung gepasst, aber ich konnte trotz intensiver Suche kein Referenzfoto einer amerikanischen P-63C finden. Franzosen haben bei mir – außer im Weinregal – nichts zu suchen, also entschied ich mich für den Russki.

 

Der Anstrich bot keinerlei Schwierigkeiten, da die Lend-Lease-Kingcobras in Standard-US-Farben ausgeliefert wurden. Laut Bauanleitung hätte die Nase rot sein müssen. Das wäre zweifellos ein hübscher Farbtupfer gegen die grün-graue Tristesse gewesen, aber ich hatte dann doch ernsthafte Zweifel, ob Bell tatsächlich mehr Farben als unbedingt nötig angebracht haben soll.

Bell P-63C Kingcobra

Verwendete Farben

Tamiya XF-5 flat green Cockpit-Innenbereich; Bell verwendete als „interior green“ ein eigenes Gebräu, und XF-5 passt da ganz gut .

 

Tamiya XF-4 yellow green Radschächte („zinc chromate“)

JPS 10-022 / FS36173 neutral grey Unterseite

Vallejo Air V043 / FS34087 olive drab Oberseite

Vallejo Air Aluminium Zusatztanks

Future 2 – 3 Schichten vor den Decals 1 Schicht nach den Decals

WACO Klarlack matt (+ Tamiya Mattierer + Verdünner) Schlussfirnis

Optischer Vergleich P-39 und P-63

Diese beiden letzten Bilder zeigen einige doch gut sichtbare Unterschiede zwischen der P-39 und der P-63.

Bell P-63C Kingcobra

Bell P-63C Kingcobra

Fazit

Kein Super-Bausatz, wer aber wie ich blöde genug ist, unbedingt eine P-63 in 1:48 bauen zu wollen, wird im Moment kaum um die MPM-Kits herumkommen. Immerhin: Im Vergleich zur im selben Maßstab erhältlichen, plastikgewordenen Rohstoffverschwendung eines weniger bekannten, französischen Herstellers dürfte das hier ein gemütlicher Sonntagsspaziergang sein.

Referenzliteratur

"P-39 Airacobra in Detail" squadron/signal publications, ISBN 1-888974-16-8

 

"Airacobra & Kingcobra" WARBIRDTECH Series Vol. 17, ISBN 1-58007-010-8

"P-39 Airacobra in action" Squadron/signal publications, ISBN 0-89747-102-4

Jacqueline Fischer,
Jacquelines Modellbauseiten

Publiziert am 12. Oktober 2005

Du bist hier: Home > Galerie > Jacqueline Fischer > Bell P-63C Kingcobra

© 2001-2024 Modellversium Modellbau Magazin | Impressum | Links