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Kenworth K123

von Thomas Lutz (1:25 AMT/Ertl)

Kenworth K123

Der folgende Text soll Ansporn sein, es einmal mit Low-Cost und Simple-Modelling zu versuchen, aber dabei nicht alles (z.B. diesen Bericht) richtig ernst zu nehmen. Viel Spaß beim Lesen und planen Sie nach  2,5 Stunden eine Kaffeepause ein.

Die Bausätze

Für den Truck wurde der AMT-Kit Nr. T520 Kenworth K-123 verwendet. Diese Kabinenform wurde in verschiedenen Grundbausätzen immer wieder produziert. Die letzte größere Auflage erschien unter der Vertriebsregie von Matchbox Nr. Pk-6106, von der im einen oder anderen Modellbauladen noch ab und an ein Stück lagert. Von Revell stammt der Bausatz 7546 Container-Trailer, den wir, wie auch den Kenworth, fast komplett aus dem Bausatz bauen, d.h. strictly box stock partial light modified, wie unsere Modellbaufreunde überm großen Teich sagen würden.

Kenworth K123

1:1 Original

Die K-Serie von Kenworth dieser Bauform wurde zwischen 1969 und 1972 hergestellt; die Nachfolgetypen sahen bis 1978 noch sehr ähnlich aus. Bei Kenworth konnte man zwischen unzähligen Ausstattungs- und Motorversionen wählen, wodurch etwa so viele Varianten möglich waren, wie Zahlen beim Lotto. Für mein Bauvorhaben wählte ich einen einfachen Truck aus meiner selbst geknipsten US-Truck-Fotosammlung aus. Der weiße Kenworth entsprach, außer dem Dachspoiler und der Stoßstange, vollständig dem AMT-Bausatz; ein Hinweis auf eine Spedition war nicht zu erkennen, was bedeuten könnte, daß der schlichte Truck einem so genannten Owner Operator gehörte. Der Trailer hat Vorbilder, die auf allen Straßen der Welt unterwegs sind oder die auf den Weltmeeren mit riesigen Schiffen transportiert werden. Revell hat das Standard Trailer-Fahrgestell, das in mehreren Bausätzen enthalten ist, mit einem Container kombiniert.

Die Bauanleitungen

Die dreiteilige Bauanleitung von AMT zeigt in Teil 1 die Gestaltung des vorgeschlagenen Farbschemas, Sicherheits- und Warnhinweise sowie die Teileübersicht der Gießäste. Im zweiten Teil sind die Bauphasen 1 - 16 dargestellt mit der Montage von Motor, Getriebe, Fahrgestell, Achsen und Kardanwellen; Teil III beschäftigt sich mit den Baustufen 17 – 31, von den Anbauteilen und Aggregaten am Fahrgestell, über die komplette Innenausstattung bis zu den Anbauteilen an der Cabover-Kabine (Cabine-over-engine). Die Zeichnungen sind recht übersichtlich und detailliert, wenn auch einige Angaben zur besseren Positionierung von einigen Bauteilen wünschenswert wären, dies betrifft z.B. die Baustufen 12, 18, 24, 27, 30 und 31. Tipps zu den einzelnen Problemzonen Bauch (Antrieb), Beine (Fahrgestell) und Po (Kabine) sind im Verlauf des Bauberichtes nachzulesen. Zur vierseitigen Bauanleitung des Revell-Trailers gibt es nicht viel zu bemerken, der Bau des Trailers ist sehr einfach und auch von jedem Modellbau-Neuling leicht zu bewältigen (den Ausdruck: auch von jedem kleinen Kind verwende ich nicht mehr, denn oftmals beherrschen kleine Kinder solche Aufgaben sehr viel leichter als unsereins).

Modellbau

Die Lutz´schen Begriffe Low-Cost und Simple-Modelling bedeuten im Grunde nichts anderes, als zu versuchen Kosten und Aufwand zu sparen. Mit Aftermarket-Produkten, Fotoätzteilen, Zubehör aus Zinn, Resin oder Kunststoff kann man natürlich sehr schöne und gesuperte Modelle bauen, ohne Frage, aber oft vervielfacht das die Kosten für ein Modell.  Einen solchen Aufwand betreiben, für etwas das Ihre liebe Frau kommentiert mit: „Die (damit sind die Trucks gemeint) sehen doch alle gleich aus.“ oder mit der Meinung der Kinder „Paapaaa! Deine Lkw sind blöd zum Spielen, die machen keine Geräusche (außer beim Zersplittern) und gescheit fahren (gebrochene Achsen, abgefallene Räder) können die auch nicht.“ Ziel ist es also, so wenig wie möglich spezielle Teile anzukaufen und dafür alternative Bauteile oder Ersatzwerkstoffe zu finden, vielleicht auch ein bißchen Recycling (Achtung! Tupperware kann man mit Polycarbonat-Kleber nicht kleben) zu betreiben und bereits vorhandene Materialien aus dem Fundus zu verwenden.

Nachdem man sich als Homo sapiens modellensis lange Überlegungen gemacht hat und 226 bis 1541 Designvorschläge zum späteren Aussehen eines Modells imaginär durchdacht hat, entscheidet man sich nach der Montage des Fahrgestells doch wieder für etwas anderes. Die Wahrheit dazu liegt  irgendwo zwischen 3Min oder bis zu 29 Wochen. Kurz vor der Endmontage kommen dann nochmals Zweifel auf, ob die Variante 988 wirklich die beste war.

Soll der Motor akribisch bemalt und lackiert werden, verkabelt und mit Wasser- und Luftschläuchen versehen sein, oder wird er eben mal schnell zusammengedonnert und nur mit Grau aus der Spraydose benebelt ? Gibt es eine geile (nervenaufreibende) Mehrfach-Lackierung für die Karosserie oder wird das Modell mit einem günstigen Discounter-70Pfennig-Pinsel bemalt ? usw., usw…

Viele dieser Fragen stehen vor Baubeginn, aber dann geht’s los. Den Bauphasen 1-6 des Kenworths-Modells folgen wir unverändert, danach ist der Motor vorbereitet zur Grundierung.  In den Bauschritten 7-9 werden nur die Einzelfelgen mit den Felgenringen montiert, der Chrom auf den Klebeflächen ist vorher wegzufräsen. Die Reifen werden noch nicht aufgezogen. Alle Bauteile der Stufen 10-14 werden verklebt, mit Ausnahme der Teile 13, 216 und 218, die nur miteinander verbunden, aber nicht aufmontiert werden, so wird auch mit den Vorderrädern in Stufe 14 verfahren. An dieser Stelle sei mir eine leise Kritik an den Entwicklern bei AMT erlaubt. Sind auch die Bausätze insgesamt gut durchdacht und konstruiert, so hat man bei den Radaufhängungen wohl gerade eine schöpferische Pause eingelegt (oder der Nachtwächter hat heimlich die Pläne geändert). Trotz größter Vorsicht ist mir später bei der Radmontage eine Radnabe abgebrochen und nur der selbstlose Einsatz einer Recycling-Nabe (Rohrstück eines Wattestäbchens) konnte dem Vorderrad zur nötigen Stabilität verhelfen.

In Baustufe 15 werden nur die drei Teile des Kühlers 3, 4 und 6 zusammen gesetzt, mit der Baustufe 16 wird das Hinterachs- und Zwischengetriebe gebaut, aber entgegen dem Bauplan noch nicht in den Rahmen eingesetzt. Ab jetzt geht es wild durcheinander und ich hoffe, daß Ihnen der Überblick nicht verloren geht. (Anm.: denn selbst wenn einige Interessierte begonnen haben, den kompletten Text zu lesen, werden an dieser Stelle nur noch Sie übrig sein.) Die Baustufe 17 wird fast komplett ausgespart, von Teil 58 mal abgesehen, das am Rahmengestell festmontiert wird. Die Aufliegerplatte 57 wird erst bei der Endmontage aufgesetzt; das Untergestell 172 und das Fifth-Wheel 195 werden mühsam entchromt; die Mudflaps 63 + 64 wandern in die Grabbelkiste und im nächsten Absatz wird beschrieben, wie man schönere Schmutzfänger herstellt. Die Radabdeckungen gehen erst mal zum Lackieren.

Falls Sie bereits einmal auf einer Autobahn (während eines 48,5 minütigen Überholmanövers, man will ja schließlich alle Teile des Lkws fotografieren) die Schmutzfänger dieser Fahrzeuge bestaunen konnten, werden Sie sicherlich festgestellt haben, daß diese keineswegs aus Hartplastik bestehen. Die Schmutzfänger bestehen aus Gummi und am Modell bilden wir dieses nach, entweder durch die Verwendung von Klebeband oder echten dünnen Gummiteilen. Die Mudflaps aus Plastik werden vorsichtig von den Trägern getrennt und danach durch Mudflaps aus doppelt bis dreifach gelegtem Abklebeband ersetzt. Gummimaterial findet man in zahlreichen Produkten des täglichen Lebens, u.a. auch als Fahrradschlauch (einen größeren Vorrat dieser Schläuche für den Modellbau kann man sich anlegen, indem man morgens noch im Dunkeln, am Hauptbahnhof diese Schläuche aus den dort abgestellten Fahrrädern zieht). Der zurechtgeschnittene Fahrradschlauchgummi-Schmutzfänger (in Folge kurz „Fsg-Sf“ genannt) hat allerdings zwei gravierende Nachteile gegenüber dem Klebeband-Schmutzfänger: Die Stärke ist nicht maßstabsgetreu und das höhere Gewicht bedingt, daß die originalen Halter aus dem Bausatz gegen Vierkant-Profile oder Röhrchen von Wattestäbchen ausgetauscht werden müssen.

Sie dürfen jetzt jubeln, wir sind endlich bei Baustufe 18 angekommen, aber hier werden nur die vier Tankträger Teile Nr. 140 am Rahmen befestigt; der Stabilisator 214 geht zum Entchromen, die Tanks aus den Teilen 173 + 174 werden nur zusammengefügt, ebenso die Dieseltanks. Die Trittbretter Teil 181 werden an diesem Truck nicht angebracht. Die Teile aus Baustufe 19 heben wir uns für die Endmontage auf, da vorher noch alle entchromt werden müssen. Aus Baustufe 20 wandert das Teil 88 (Batterie) in die Restekiste, der Batteriekasten wird komplett verklebt, geht aber dann zum Lackieren. Aus der folgenden Baustufe warten die Ansaugschläuche Teile 50/51 und 226/227 auf die Montage des bemalten Motors in den lackierten Fahrgestellrahmen, aber das ist ja bekanntlich erst zu einem späteren Zeitpunkt der Fall. Die Teile 30 – 32 und 7 werden nach Plan montiert.

Die Baustufe 22 beginnt zunächst mit dem Umbau der Abgasanlage von einer Zweifach-Abgasanlage in ein System mit nur einem Rohr auf der rechten Fahrzeugseite. Die obere (49) und untere (48) Hälfte des Abgasrohres werden verklebt und nach dem Aushärten wird der linke Ausgang abgetrennt. Die offene Stelle kann man entweder mühsam verspachteln, schleifen, noch mal verspachteln, wieder anschleifen usw. bis nach Mitternacht… oder mit einem flexiblen Strohhalm für Mixgetränke überziehen, die Enden werden mit einem dünnen Streifen Abklebeband verschlossen. Die Endrohre (150/151) wandern in die Grabbelkiste, denn das Endrohr besteht aus einem Alu-Röhrchen. Die Träger (90/91) werden mit den Haltevorrichtungen (94/95) verbunden aber nicht ans Fahrgestell geklebt, ebenso wie das Luftansaugrohr (96/97) mit dem Unterteil des Ansaugtrichters (121).

Ganz die Ausnahme zur bisherigen Vorgehensweise bilden die Baustufen 23 bis 25, denn alle hier gezeigten Teile werden laut Plan montiert. Bereits in Baustufe 26 ändert sich die Sachlage erneut, diese Teile werden erst bei der Komplettierung der Innenausstattung angebracht.

Kenworth K123

Der lang ersehnte Zeitpunkt ist endlich gekommen - die Baustufe 26A! Im Bauplan nicht enthalten? Richtig, wir grundieren jetzt alle soweit vorbereiteten Teile, die großflächigen Teile wurden vorher noch alle mit Spülmittel-Wasser von allen Fettspuren befreit. Mit grauer Grundierung werden folgende Einzelteile und Baugruppen lackiert (Erklärungen: B = Baugruppe, T = Einzelteil): kompletter Motor B1 – B6; Fahrgestell incl. Hinterachsfedern und Vorderachse B10 – B14; Kühler T3/T4/T6; Hinterachsantrieb B16; Kardanwellen T38/T65; Aufliegerplatte T57/T172/T195; Batteriebox B20; Kabinenwanne B24 innen und außen; gebaute Sitze B25; Schalttafel T129; Kabine T1; Dachspoiler aus Grabbelkiste bzw. AMT Mack Cruiseliner; Streben der Auspuff/-Ansauganlage T90/T91/T94 – T97/T121; Windabweiser (Sonnenblende) T130; vordere Seitenteile T138/T139; Längsabschlußleisten T127; Trittbrett T37.

Weitere Teile zur Grundierung werden vom Trailer beigesteuert und zwar: Container B1/B2; montiertes Fahrgestell B3 - B8. Die Trocknungsphase der grundierten Teile wird sinnvoll genutzt. Die Laufflächen der Reifen des Kenworth und des Trailers werden mit Sandpapier aufgeraut. Dabei kann man das Profil mal mehr oder weniger bearbeiten und auch die Reifenflanken werden leicht am oberen Rand angeschliffen. Der gummiartige Glanzeffekt der Vinyl-Reifen wird entweder vorsichtig mit Waschverdünnung mattiert oder mit mattschwarzer Farbe bemalt und anschließend wieder abgerieben. Nach diesen Behandlungsschritten zeigen die Pneus ein realistischeres Aussehen als vorher. Bevor die Reifen später auf die Felgen gezogen werden, kann man den Innenraum noch mit Schaumstoffstreifen füllen, dies trägt zur besseren Stabilität bei, die Reifen haben ein weniger „bauchiges“ Outfit und der Sitz auf den Felgenbetten ist fester. Die Detaillierung der Innenausstattung eines Modelltrucks sollte immer wohl durchdacht sein; möchte man die Innenausstattung sehr sorgfältig und detailliert gestalten, so wäre es eigentlich unabdingbar das Dach abnehmbar umzubauen oder ist ein Mindestmaß an Merkmalen auch ausreichend (bei originalen Trucks kann man  weder das Dach abnehmen noch fahren sie als Cabrios über den Interstate). Da ich von Grund auf ein eher arbeitsscheuer Typ bin, ist der Durchgang zur Schlafkabine meines weißen Kens geschlossen dargestellt, und so mußte nur die Innenausstattung vor dem Vorhang gestaltet werden. Alle verchromten Bauteile des Bausatzes wirken (meiner Meinung nach) an diesen Modellen zu „spielzeughaft“; der Glanz ist zu intensiv und dadurch wirken diese Teile und somit auch das gesamte Modell zu extrem wie Plastikspielwaren für große Kinder und weniger wie ein zusammengeschrumpfter Original 1:1-Truck. Aus diesem Grund werden sämtliche Chromteile in der Trockenmalmethode mit schwarzer Farbe behandelt. Die ersten Teile, die nach der Grundierung, weiterbearbeitet werden, sind solche, die mit einem Pinsel bemalt werden können. Die Farbe des Grundmotors mit angeflanschtem Getriebe ist frei wählbar (schließlich kann unser truck owner bei der letzten Instandsetzung das Aggregat gestrichen haben wie er will). Die diversen Motorteile wie Wasserpumpe, Lichtmaschine usw. können in verschiedenen Farben gepinselt werden, wie so was aussieht, kann man den vielen Fachbüchern oder Truck-Magazinen entnehmen. Das Getriebe wird mit einem metallischen Hellgrau bemalt, die Kardanwellen mit einer dickflüssigen Seidenmattfarbe und die Achsantriebe mit Humbrol Anthrazit-Metallic. Die Innenflächen der Felgen wurden schwarzmatt, die Löcher in den äußeren Felgen werden mit einem dicken Tropfen Mattschwarz gefüllt. Der Bausatz läßt die Wahl offen, zwischen den Nabenabdeckungen 163 oder 185, welche man verbaut bleibt Geschmackssache. Nach Durchtrocknung der Felgen und Zusammenfügen der Doppelfelgen werden die Reifen aufgezogen und die Metallachse in eine Seite der Felgen eingesteckt. Das Fahrgestell mit den Trägern 90 wird komplett in L80A Marsrot lackiert, nach Trocknung sind verschiedene Teile farblich abzusetzen, und dann wird die Motor-Getriebeeinheit, die Wellen, Achsantrieb und andere Teile angebaut. Die Radabdeckungen werden außer dem oberen Abweiser in Rot lackiert. Die beiden Dieseltanks erhalten noch umlaufende Haltebänder aus Abklebeband, gestrichen mit Mattschwarz. Die Blattfedern kann man zwar auch rot belassen, aber in Mattschwarz wirken sie besser, die Stoßdämpfer 85, die Haltestangen 77/78, der Vorderachsen-Stabilisator 52, die Kühlrippen-Fläche des Kühlergrills 3 und die Schmutzfänger 7 u. 8, werden ebenfalls mattschwarz. Die Quertraverse 177 für die Haltestange der Leitungen wird, genau wie der Deckel 89 des Batteriekastens, silber.

Ein weiteres Highlight der Bemalung bildet die Innenkabine. Ein Foto des Originals lag nicht vor und so wurden die Ausstattungsteile in Brauntönen gehalten. Auch hier bietet die Literatur ausreichend Vorlagen. Das Sitzgestell des Fahrersitzes strahlt in Glanzschwarz, so wie das bei echten Autos auch meistens der Fall ist. Die Farbe der Schalttafel wurde mit einem feinen Rotmarderhaar-Pinsel aufgetragen, um Streifenbildung zu vermeiden, die Lüftungsdüsen darauf sind mit Dunkelbraun-Schwarz (Eigengemisch) hervorgehoben. Obwohl die Trennwand zur Schlafecke geschlossen dargestellt ist, wurden die Teile 126 (Bett), 123 (Rückwand), 117 / 118 (Seitenteile), 116 (Trennwand-Oberteil) und 119 (Trennwand-Mittelstück) wegen der besseren Stabilität und Formfestigkeit der Kabine eingesetzt. Die Ablageboxen 122 / 125 und das Rollo 124 kommen in die Ersatzteilkiste. Die verwendeten Teile bleiben alle unbehandelt und auf die Trennwand wird eine Lage Papier (Haushaltsküchenrolle) mit Alleskleber angebracht. Dieses Papier hat eine schöne Struktur und wirkt bemalt wie ein originalgetreuer Vorhang.

Kenworth K123

Da der Kenworth Cab mit Container-Trailer einem Vorbildphoto nachgebaut wurde, nahm die Auswahl der Farbe wenig Zeit in Anspruch, der Truck wurde Weiß und der Container Braun. In Drekkisch-Braun (das ist hessischer Dialekt und bedeutet Rotbraun mit einem Hauch Goldbraun-Sierra und einem Tupfer Royal Darkbrown) wurde der Container betupft. Diese Malmethode erschien mir als die geeigneteste, da hierbei die Farbe mit einem Schwamm aufgetupft wird und eine raue, matte Oberflächenstruktur entsteht. Wer einmal Gelegenheit hat, sollte sich einen solchen gebrauchten Container aus der Nähe betrachten (das geht entweder als Matrose während einer Heuer über 4 Monate auf einem Containerschiff oder bei einer Rast an der Autobahn, wo Sie auch gleich Ihre Frau zu einem Kaffee einladen dürfen).

Unser Truckmodell macht nun langsam Fortschritte; das Fahrgestell steht größtenteils fertig vor uns und falls noch nicht geschehen, werden jetzt alle Bauteile bis einschließlich Baustufe 22 montiert. Die Kabinenbaugruppe der Baustufen 23 - 26 ist ebenfalls fertiggestellt. Eine kleine Hürde muss noch wegen der Scheibenteile des Bausatzes genommen werden, denn die beiden Seitenscheiben 231 / 232 erfordern etwas Nacharbeit und die Frontscheibe 229 ist ausgesprochen dickwandig. In den Stegleisten der Seitenscheiben sind die Gußpunkte restlos plan abzuschleifen. Die störrische unförmige Frontscheibe wollte einfach nicht passen, ständig entstehen irgendwo Spalten oder Ecken in denen die Scheibe nicht anliegt, ganz davon abgesehen, daß die Scheibe beim richtigen Truck nicht innen sitzt, sondern eigentlich im Rahmen sitzen müßte.  Die Passungenauigkeiten kann man leicht beheben, indem man die Frontscheibe genau in der Mitte (sehr vorsichtig) trennt, um damit die Spannung aus dem Plastikteil zu nehmen, die beiden Einzelteile lassen sich so viel besser einpassen. In den verchromten Kühlergrill wird sehr dünne mattschwarze Farbe laufen gelassen und kurz vor Antrocknung wird mit einem Wattestäbchen die Farbe von den erhabenen Stegen wieder entfernt. Auf diese Art bleibt die Tiefenwirkung erhalten. Danach wird der Kühlergrill in die Kabine eingesetzt und sehr (sehr) gut verklebt. Eine überaus strapazierfähige Verklebung erreicht man durch eine punktuelle Verwendung von zwei verschiedenen Klebern entlang der Klebefläche. Dabei wechseln sich Klebepunkte von einem Polycarbonat-Flüssigkleber und einem Cyanacrylat-Flüssig- oder Gelkleber ab.

Entgegen der Bauanleitung sollte man bereits jetzt die beiden (zu schwach konstruierten) Kabinenhalter 11 / 14 am Kühlergrill anbringen. Die Montage laut Bauplan würde zu viele Kleinteile aus Baustufe 30 der Kabine abbrechen lassen. Die Scheibengummis der Frontscheibe sind kaum nachzugestalten, aber eine recht ordentliche Alternative ist die Bemalung mit einem Edding-Lackstift 780 in Schwarz. Mit dem Edding 780 Silber gleicher Größe werden die Scheibenwischer hervorgehoben. Diese Lackstifte eignen sich auch hervorragend, um Lackstellen oder Kratzer auszubessern. Wer eine ruhige Hand hat, kann mit dem silbernen Edding auch die Rahmen an den Instrumenten des Armaturenbrettes gestalten. In Baustufe 30 ist große Sorgfalt und sauberes Arbeiten gefragt, die kleinen filigranen Chromteile verzeihen einem keine Unachtsamkeit. Die Scheinwerfergläser 233 werden in die Gehäuse 160 mit einem glasig aushärtendem Kleber eingesetzt. Alle restlichen Bauteile werden zunächst an den Klebestellen von Chrom befreit. Die erhabenen Buchstaben auf den Kenworth-Schriftzügen werden noch mit einer glänzenden roten Farbe bemalt, wie auch das Kenworth-Emblem auf dem Kühlergrill, bei dem zusätzlich noch Weiß benötigt wird. Die Kabine wird jetzt auf das Fahrgestell montiert, ob man dabei den Träger 134 an der Kabinenwand montiert oder auf dem Fahrgestell, ist zweitrangig. Klebespuren an den vielen Kleinteilen der Kabine sind nicht wünschenswert und dennoch sollen diese Teile ausreichend halten, was allerdings auf einer lackierten Fläche kaum funktioniert. Zwar kann man mit Sekundenkleber eine gute Befestigung erreichen, aber diese Kleber härten nach Monaten stark aus und eine kurze Berührung genügt, um die Teile abfallen zu lassen. Die Lösung dieses Konfliktes besteht darin, daß die Klebestellen von weißer Farbe befreit werden. Mit einer Kleinbohrmaschine und einem Flach-Fräskopf ist das Problem schnell beseitigt und eine ausreichende Klebeverbindung zwischen dem Bauteil und dem Untergrund gewährleistet. Die beiden Hupen auf dem Dach wurden durch zwei Hupen mit trichterförmigen Öffnungen ausgetauscht. Der Dachspoiler des Mack wird entweder mit dessen abgeänderten Trägern oder einer kleinen Eigenkonstruktion auf dem Kabinendach befestigt.

Kenworth K123

Die abschließenden Arbeiten sind das Anpassen der Kenworth-Aerodyne Stoßstange und die Montage der Antennen, die aus den flexiblen Borsten eines Kehrbesens bestehen (Alternative Feindraht). Das kalifornische Kennzeichen des Trucks war natürlich nicht im Bausatz enthalten. Kreativität war nun gefragt, aber das Problem war leicht lösbar. Im Internet findet man zahlreiche US-License-Plates-Sammler, die eigene Homepages haben und darauf ihre Sammlungen zeigen. Schnell waren einige Kennzeichen dieses Aussehens und der Schriftart gefunden und mit einer Grafik- oder Photobearbeitungssoftware (Adobe Photoshop) war das Kennzeichen sehr schnell erstellt. Das Bild kann danach in ein Textprogramm (Microsoft Word) kopiert werden und wird dort auf eine Größe von 1 cm (= entspricht dem Maßstab 1:25) verkleinert. Mit einer hohen Bildauflösung (dpi) ausgedruckt, erhält man ein sehr realistisches Resultat des Kennzeichens und am Truck mit Kleber befestigt wird damit der Bau eines Kenworth K-123 abgeschlossen.

Das Material:

  • Holts 129 Lackiergrundierung Grau
  • Multona 0005 Spraylack Weiß
  • AutoK Marsrot LA3A
  • Holts 124 GlanzBlack
  • Dulux RAL9010 Seidenglanz Reinweiß
  • Edding 780 Paintmarker EF Weiß
  • Edding 780 Paintmarker EF Silber
  • Edding 780 Paintmarker EF Schwarz
  • Edding 2189 crystaljelly tec Schwarz
  • Pentel K108-W hybridroller Weiß
  • Pelikan 18 Plaka Licht Ocker
  • Pelikan 55 Plaka Braun
  • Pelikan 70 Plaka Schwarz
  • Deka 217 Ziermatt Siena
  • Humbrol 53 Metallgrau
  • Revell 395 Carmetallic
  • Xtra Color X807 Braun
  • Testors 2719 Italian Rot
  • Faller 493 Polycarbonat-Kleber
  • Kibri 9995 Kunststoff-Kleber
  • Pattex BlitzPinsel 7605854
  • Gunze Sangyo Mr.Mark Softer Decalweicher

Epilog

Im Übrigen entscheiden Sie selbst über ein schönes Modell, nicht andere. Kritik an handwerklichen Eigenheiten seien gestattet, wertvolle Tipps immer willkommen, Schulmeisterei aber gehört auf den Schulhof.

Thomas Lutz,
stockcarmodels.weebly.com

Publiziert am 09. Februar 2007

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