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Speed 55

Lamborghini Countach

von Thomas Lutz (1:24 Verschiedene Hersteller)

Speed 55

Ok, langweilige Bauberichte zu Schreiben mit Texten, die eh keiner durchliest, vor allem weil sowieso alle nur die Bildchen angucken, kann man sich auch Sparen. Machen wir die Sache also Lustiger!  Im Land der begrenzten Möglichkeiten (der andere Spruch kommt nur in Märchen aus Hollywood vor) wurden alle Fahrer-/innen mit Ami-Schlitten seit der Ölkrise der 70´er per Schilder und Radarpistolen dazu angehalten 55 zu fahren. Nicht, dass sich immer alle dran gehalten hätten, die Trucker sowieso nicht, denn mit Sheriffs in der Nähe fuhren die 54 und ohne Quaktüten hinter dem nächsten Highwaybusch 85 oder schneller. Es war auch ganz schön einschläfernd 300 Meilen weit geradeaus zu fahren ohne das Tempo zu wechseln. Aus diesem Grund gab’s im Mittelwesten also den schlechten Radioempfang, denn so waren die Leute gezwungen selbst Countrylieder beim Fahren zu singen, und Kaugummi zu kauen bis die Wangenknochen ausgerenkt waren oder eine schmackhafte Dose Dr. Pepper zu schlürfen während man krampfhaft versucht den rollenden Büschen (denen aus den Western) auszuweichen.

Speed 55

Viele Geschichten und Legenden rafften sich um den Mythos der 55, Corvette Fahrer verzweifelten daran und bauten ihre Schlitten zu Lowridern um oder mit Showtuning wurde der Luftwiderstandswert noch weiter erhöht. Renngetriebe einzubauen war auch sinnlos, wenn der vierte und fünfte Gang nie benutzt wurde und die Zahnräder nur Rost angesetzt hätten. Wie gut hatten wir es, die 60´er Generationen, es doch in Germany! Einem Land von dem die meisten Amis nicht mal wussten wo es liegt und wo man sogar in den 80´er Jahren noch losfahren konnte mit quietschenden Reifen, Vollgas in allen Gängen bis in den roten Drehzahlbereich (und hinten wieder raus) und heulenden Motoren bis der ADAC kam! Wow, was für eine Zeit!  Welches Thema hatten wir eigentlich? Äh, Ja ! Das kleine Diorama Speed 55. Die irre Idee dazu hatte ich nach der (nicht ganz objektiven) Betrachtung eines schönen Posters. Natürlich waren mir die Autos erstmal egal, es ging im Grunde nur um das Nachbauen des hübschen Highway Police Officers (ab und zu finden sich im Plastikmodellbau doch noch vernünftige Gründe). Wie immer, sollte das Diorama so wenig Aufwand wie möglich machen (gibt es eine Allergie gegen Arbeit?), aus bestehenden Modellen zusammengestellt werden und im Bereich Recycling zumindest einen anspruchsvollen Anschein haben (eine Alibi-Funktion an sich). 

Speed 55

Eine Grundplatte war schnell gefunden mit einem bereits umlaufenden Rahmen, seither fehlt allerdings an einer Schublade in unserer Küche eine Blende und die Bestecke fallen immer heraus. Zwei Reststücke graues Wasserschleifpapier (erwähnte ich schon, dass ich Schleifen und Spachteln nicht mag?) wurden auf die Dekorfläche geklebt und echter Sand aus dem Eisenbahn-Zubehör wurde als Wüste mit Holzleim auf die Beschichtung geklebt. Noch ein bisschen mit Acrylfarben bepinselt, fertig war die Wüste am Straßenrand oder muss es heißen die Straße am Wüstenrand? Ein Lamborghini Countach, so wie er auf dem Poster zu sehen war, fand sich in der Grabbelkiste für ausgemusterte Jugendsünden vom Beginn der Plastikmodellbaukarriere. Der Countach war in Schneegans-Weiß lackiert die Klappscheinwerfern waren rausgefallen, nein falsch, er hatte mal Klappscheinwerfer die aber spurlos verschwunden sind, kleberverschmierte Scheiben, glanzfarbgestrichene Sitze und zahlreichen Farbkleckse. Eigentlich ein klassischer Fall für den nächsten Besuch eines Kleinkindes quasi für einen wissenschaftlichen Bruchtest unter den Hartsohlen kleiner Kinderschuhe oder einem Gratis-Freiflug aus dem fünften Stock, mit doppeltem Looping und einem klirrenden Aufprall auf der Mülltonne. Nein, dachte ich, machen wir uns doch die Mühe und bearbeiten den Flitzer, so dass er zumindest neben Patty Patrol im Hintergrund stehen durfte. Das Modell wurde rebuilt (das klingt hochtrabend ist aber nur der Neudeutsche Begriff für Auseinanderbauen), die mit Emailfarben gestrichenen Sitze wurden mit Acrylfarben abmattiert, die Türen herausgenommen (wobei beide Drähte für die Scharniere über den Jordan gingen und seitdem die Türen zugeklebt sind) und die Karosserie mit Glanzschwarz überlackiert. Die völlig verklebten Scheiben wurden anschließend durch Plastiksheet ersetzt und passende Decals der California Highway Patrol fanden sich im Bausatz des AMT Ford Taurus, der jetzt kein Police Car mehr werden kann.

Speed 55

Den tollen Hot Rod von der Vorlage hätte man sicherlich aus Bausätzen von AMT oder Monogram nachbauen können, aber das war mir mal wieder viel zu viel Stress. Oft gibt es Phasen in denen Modelle babben wochenlang gar keinen Spaß macht (dann werden solche ollen Stories geschrieben, die viel zu lange sind und die die Nerven der Leser belasten!) Das macht zwar nicht unbedingt Sinn ist aber lustig. Also kam mal wieder Plan B zum Einsatz und der bereits gebaute Pismo Beach Rodder (einen weiteren sinnlosen Bericht, den bisher auch Keiner gelesen hat) wurde einfach auf das Diorama dazu gestellt. Dem Rodder wird’s egal gewesen sein, ist Pismo Beach doch auch im sonnigen Staat an der Pazifikküste, der mittlerweile von einem Mann aus Österreich geführt wird obwohl seine Untertanen das Alpenland immer noch für einen Landkreis von Bayern halten. Die Mädels, die den Rodder durch die trockene Wüste jagen, haben natürlich längst das Gefühl für die 55 verloren und wurden deswegen von Patty angehalten, nicht dass der Rodder mit dem Countach nicht hätte mithalten können, aber der Fahrtwind weht ab 110 mph total heiß ins Gesicht. Patty mit blonder Mähne, einem Highway Patrol Minirock und acht Freunden am linken Oberschenkel (Wow, Mann, die haben es gut, Smith & Wesson und sechs 45´er Magnums). Alle Figuren wurden mit matten Acrylfarben bemalt, die Sun Glases mit Metallicfarben von Hobby Color und Patty wurde mit Papier sowie einem Revolver im Seitenhalfter von einer Preiser-Figur aufgepeppt. Die Figuren erhielten jeweils an den Sohlen eine kleine Bohrung, in die ein Stift aus Büroklammerndraht gesteckt werden kann. In vor gebohrte Vertiefungen auf der Bodenplatte können die Figuren dann standfest fixiert werden und fallen nicht gleich bei jeder kleinen Erschütterung um.

Das Speed 55 Schild aus Papier hat eine Stange aus einem Zahnstocher und ist mit brauner Acrylfarbe abgedunkelt. Das Schild selbst besteht aus zwei Ausdrucken, die zusammengeklebt und anschließend mit ein bisschen Drybrushing verschmutzt wurden. Es steht verloren an der Straße neben einem Auto das 300 kanadische Kilometer schnell fahren könnte, Wahnsinn oder?  

Thomas Lutz,
stockcarmodels.weebly.com

Publiziert am 12. Dezember 2009

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