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Tempelritter

von Peter Hochstrasser (1:72 Italeri)

Tempelritter

Geschichtliches

Der Orden der Tempelritter wurde im Jahre 1119 von Hugo de Payens und sieben weiteren Mitgliedern gegründet, u.a. mit der Absicht, Pilger auf der Reise nach Jerusalem zu schützen. Die Ordenstracht war ein weißer Mantel mit rotem Tatzenkreuz. Anfänglich blieb es nur bei diesen wenigen Mitgliedern, und in den ersten Jahren reisten sie oft ins heilige Land, um dort nach bestimmten Schriften zu suchen. Das ist auch heute noch ein Grund vieler Spekulationen, haben sie sogar die Bundeslade oder andere geheimnisvollen Gegenstände gefunden?

1139 wurde der Orden offiziell von Papst Innozenz II. anerkannt und mit vielen Privilegien ausgestattet. Viele, oder die meisten neu aufgenommene Ritter kamen aus Adelskreisen und wohlhabenden Familien, und hatten dadurch hervorragende Beziehungen zu den Herrscherhäusern. Diese Beziehungen waren auch für ihre Geldgeschäfte von Nutzen, der Tempelritterorden entwickelte sich vermutlich zur größten Geldmacht im damaligen Europa und auch das Heer selbst zählte zu den Besten.

Ihre Privilegien, eigene Steuern erheben zu können, selbst keine Wegzölle und andere Abgaben zahlen zu müssen, und ein Kreditgeschäft zu entwickeln, das selbst Herrscher und Adelsleute benutzten und dafür hohe Zinsen zahlen mussten, verhalfen dem Orden zu einem unermesslichen Reichtum!

Dieser Reichtum zog auch viele Neider auf sich, u.a. den französischen König Philipp IV., genannt "der Schöne", der dem Orden viel Geld schuldete. Der neu eingesetzte Papst Clemens der V., der dem "Schönen" viel für seine Ernennung zu verdanken hatte, schmiedete mit diesem zusammen eine Klage gegen den Orden, um ihn zu zerschlagen und dessen Vermögen zu kassieren! Die Anklage lautete zur Hauptsache auf Ketzerei und andere obstruse Anschuldigungen, am 13. Oktober 1307 begann die Verfolgung des inzwischen auf ca. 15000 Mitglieder angewachsenen Tempelritterordens. Im Jahre 1314 wurde der Orden offiziell aufgelöst, ohne dass je eine Schuld bewiesen werden konnte! Das Beste: Das riesige Vermögen war spurlos verschwunden und auch viele Tempelritter konnten fliehen, viele landeten aber auch auf dem Scheiterhaufen oder starben durch Folter! Seitdem gibt es Gerüchte, Geheimnisse und Mystisches um die Tempelritter, und dabei gibt das Papsttum einmal mehr ein schlechtes Beispiel ab!

Alles über die Tempelritter ist auf der sehr informativen Seite www.gralssuche.ch zu lesen. Ich begann zu lesen und konnte nicht mehr loslassen!

Tempelritter

Das Modell:

Als ich den Standplatz für die Morane D-3800 baute, sah ich mit geistigem Auge plötzlich Ritter vorbei galoppieren! Dieses Bild ließ mich nicht mehr los, und so besaß ich ein paar Tage später den Bausatz der Tempelritter von Italeri. Ich fragte mich schon die längste Zeit, wer bloß die hunderte von Figuren bauen will, die es im Maßstab 1:72 gibt...die sind doch viel zu klein, usw. Nach dem Öffnen der Schachtel wusste ich, dass ich mich jetzt auch zu diesen Figurenbauern zählen muss, obschon es da ja eigentlich nicht viel zu bauen gibt.

Die Figuren waren sauber und schön detailliert, und das Material nicht weich und gut zu bearbeiten! Also, los ging's mit der Suche nach Material über die Tempelritter. Neben der angegeben Webseite fand ich auch in meinen Kunst- und Geschichtsbüchern Bilder und Texte über diese Ritter und auch über diese Zeit (ca. 1180), und so konnte ich mich geistig ins Mittelalter versetzen :-) Mein Diorama stellt eine vorbeiziehende Gruppe von Tempelrittern dar, auf dem Weg zu einer dringenden Aufgabe. Interessiert werden sie von einem Händler und dessen Gehilfen beobachtet, während ein wohlhabender Kunde gerade den Steg mit seiner Ware verlassen hat.

Tempelritter

Wie gesagt, die Figuren sind klein, und folglich nur mit bestem Material zu bemalen. Zuerst wurde alles weiß grundiert, danach folgte die Feinbemalung meist mit Ölfarbe, doch vorher klärte ich noch ihre Haltung ab, deshalb wurden alle schwertschwingenden Ritter ihrer Waffen beraubt, da mein Trupp nur am Vorbeiritt ist. Auch Pferdebeine wurden zum Teil ausgewechselt, Köpfe gedreht. Die Fahnenstangen sind aus Draht, die Fahnen selbst wurden am PC erstellt, und danach auf normales Papier gedruckt Doch ein anderes mal werden dazu Decals erstellt und dann auf grundierte Küchenalufolie aufgebracht, dies ergibt ein realistischeres Bild!

Den "Edelmann" im Boot klebte ich aus verschiedenen Figuren zusammen, der Hut ist Eigenbau. Den Fisch, (Hecht oder Wels), hier noch auf dem Trockenen, formte ich aus einem Plastikteil, danach bekam er Flossen aus Papier. Am Schluss wurde alles was Stoff und Pferd ist, mit Mattlack gespritzt.

Tempelritter

Meine Szene erforderte eine Grundplatte in der Größe 24x30 cm. Der hügelige Aufbau wurde mit Styropor realisiert, wobei ich das Material mit dem Lötkolben in Form brachte. Das Boot aus Balsaholz ist Eigenbau und als Vorbild diente mir ein altes Gemälde aus dieser Zeit, das ich in einem meiner Bücher fand. Der Zeltaufbau ist aus Draht, und die Blachen machte ich im PC und druckte sie auf normalem Papier. Da alles sehr genau ausgemessen wurde, konnte ich auf Klebelaschen verzichten, die man sonst im Zeltinnern gesehen hätte.

Tempelritter

Auf diesen Bildern sind Standproben für das Boot und die Ritter zu sehen, außerdem noch ein Tischchen und Stuhl neben dem Zelt. Auf dem Tisch liegt ein Schriftstück und eine Schale mit Tintenfass und Feder! Der Tisch ist von Preiser, der Rest Eigenbau, das "Wasser" ist auf diesen Bildern noch nicht eingefüllt. Auf dem Bild oben links fehlen noch einige Bäume aber es wirkt schon sehr realistisch. Dabei ist die heutige digitale Fototechnik enorm hilfreich, da man immer wieder Kontrollfotos machen kann, auf denen man oft Fehler entdeckt, die das ganze noch zu "Modellhaft" aussehen lassen. Solches wäre mit analoger Technik nie möglich gewesen, oder massiv zu teuer!

Tempelritter

Die Figuren sind ziemlich groß abgebildet, könnten fast 1:32er sein, doch das beweist, dass ich meine Arbeit richtig gemacht habe. Einzig die Fahnen wären auf Alufolie besser gewesen, doch will ich da nicht mehr rumfummeln. Jedoch, wenn man das ganze Diorama aus normalem Abstand betrachtet, wirkt es äußerst filigran und vor allem naturgetreu, was mir sehr wichtig ist. Deshalb fotografiere ich auch die meisten Modelle draußen im Tageslicht!

Tempelritter

Modellwasser:

Mein Ziel war ein ruhiges Gewässer, also nicht fließend, und auch einen Orkan wollte ich nicht aufkommen lassen! Ich überlegte lange, mit welcher Methode man so was am besten darstellt, wobei es natürlich auch echt wirken sollte. Für meine erste Wasserdarstellung wählte ich das Zwei-Komponenten Wasser-Gel von Noch. Je 100ml verteilen sich auf das Harz und den Härter, die man miteinander vermischen muss. Mit großem "Bammel" ging ich an die Arbeit und schon bald entwickelte sich ein penetranter Gestank, der sich noch nach Stunden bemerkbar machte...auch eine gewisse Wärme entwickelte sich, nachdem ich das Gebräu auf das bemalte und bestreute "Seebecken" goss! Die Höhe betrug ungefähr 3 bis 4mm und die dafür erforderliche Menge ermittelte ich mit einem flachen Kunststoffdeckel mit ähnlicher Größe, den ich mit 100ml Wasser füllte. So brauchte ich ca. 120ml von dem teuren (!) Mittel.

Tempelritter

Das Wasser blieb völlig klar und war nach einigen Stunden völlig hart. Für mich negativ war die Kapilarwirkung, indem sich das Wasser bis 2mm an Pfosten, Fels oder Boot hinaufzog, und erst noch mit einer Krümmung! Mit mattem Klarlack habe ich diese Stellen nachträglich bestrichen. Fazit: Teuer, relativ kompliziert, enormer Gestank: einmal und nie wieder! Für ein nächstes Wasserdiorama mit ruhigem Gewässer werde ich mich nach anderen Alternativen umsehen. Der Grund des Gewässers wirkt trotz allen Debakeln sehr realistisch, dabei habe ich auch die Fortsetzung der Felswand im Seegrund angedeutet.

Tempelritter

Hier ist das Zelt des Händlers zu sehen, in schönster Herbstsonne. Der Steg ist zum Teil beschädigt (vorne rechts). Der Pfosten hinten bekam nach der Fotosession noch eine Öse aus Draht.

Tempelritter

Tempelritter

Der Tross von hinten, die Kreuze auf den Rücken habe ich als Decal realisiert. Insgesamt wären 15 Ritter zu Pferd möglich, für meine Szene wurden aber nur sechs Stück benötigt.

Tempelritter

Der Händler und sein Gehilfe wurden aus Preiserfiguren zusammengebastelt. Die Pfähle schnitt ich aus chinesischen Essstäbchen zurecht.

Tempelritter

Fazit:

Bis auf das Wasser hat mir das Ganze außerordentlich viel Spaß bereitet, und das nächste Figurendiorama ist bereits in der Planung!

Peter Hochstrasser

Publiziert am 11. November 2009

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