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Bayerische Schnellzuglokomotive S 3/6 mit Langlauftender

(Revell - Nr. 02168)

Revell - Bayerische Schnellzuglokomotive S 3/6 mit Langlauftender

Produktinfo:

Hersteller:Revell
Sparte:Loks
Katalog Nummer:02168 - Bayerische Schnellzuglokomotive S 3/6 mit Langlauftender
Maßstab:1:87
Kategorie:Bausätze (Plastik)
Erschienen:1984
Preis:antiquarisch
Inhalt:
  • 143 Einzelteile an 3 Spritzrahmen
  • 9 Klarsichtteile
  • 1 Decalbogen
  • Bauanleitung

Besprechung:

Das Vorbild

Im Jahr 1907 entwickelten die Krauss-Maffei-Ingenieure Anton Hammel und Heinrich Leppla für die Königlich Bayerische Staatsbahn die Schnellzuglokomotive der Gattung S 3/6 mit der Achsfolge 2´C1´h4v (Pacific). Dies bezeichnet eine Dampflokomotive mit einem vorlaufenden zweiachsigen Drehgestell, drei angetriebenen Kuppelachsen und einer beweglichen Schleppachse, die von einem Vierzylinder-Verbundtriebwerk angetrieben wird. Bei diesem Verbundtriebwerk speist der Abdampf der beiden innenliegenden Hochdruck-Heißdampfzylinder die beiden außenliegenden großen Niederdruckzylinder, wodurch die sehr laufruhige Lok mit einer Leistung von ca. 1800 PS und einer Zuglast von 300t eine dauerhafte Geschwindigkeit von 120km/h fahren konnte.

Charakteristische optische Merkmale waren der mächtige Zylinderblock, eine spitz zulaufende Rauchkammertür und bei den Länderbahn-Bauserien das Windschneideführerhaus. Dies ergab zusammen mit der Achsfolge ein insgesamt sehr ansprechendes und elegantes äußeres Erscheinungsbild, so dass die S 3/6 vielfach als schönste Dampflokomotive Deutschlands (wenn nicht der Welt) bezeichnet wird.

Die S 3/6 war die einzige Länderbahn-Lokomotive, die nach dem Übergang zur Deutschen Reichsbahn Gesellschaft (DRG) weiter bestellt und gebaut wurde. Mit einer Achslast von knapp 18t konnte sie, mangels Alternative, auf allen Strecken im damaligen Deutschland eingesetzt werden, und war überaus wirtschaftlich zu betreiben. Als Baureihe 18.4 und 18.5 fanden die insgesamt 159 gebauten Maschinen auch im hochwertigen Schnellzugverkehr Verwendung und zogen Rheingold-Züge sowie Züge für den Orient-Express.

Nach der Modernisierung einiger Maschinen der Baureihe 18.5 in den 1950er Jahren wurden die Lokomotiven dann aber sukzessive bis 1969 ausgemustert. Erhalten geblieben sind 18 518 (nicht öffentlich zugänglich) im Siemens-Werksgelände Allach, 18 612 im DDM Neuenmarkt, 18 505 im Eisenbahnmuseum Neustadt/Weinstraße, 18 451 (ex bay. 3634) in bayerischer Farbgebung im Deutschen Museum in München und 18 478 (ex bay. 3673) im BEM Nördlingen. 18 478 ist die letzte während der Länderbahnzeit gebaute S 3/6 und hat noch ihren Originalkessel. Sie ist in grundsätzlich betriebsbereitem Zustand, durch Fristablauf seit 2014 aber stillgelegt. Bis 2018, zu ihrem 100. Geburtstag, soll sie aber wieder fahrbereit sein.

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Bayerische Schnellzuglokomotive S 3/6 mit Langlauftender

 

Der Bausatz

Die Bezeichnung des Bausatzes „Bayerische Schnellzuglokomotive S 3/6" kann grundsätzlich zu Irritationen führen. Der Titel suggeriert, dass zumindest eine Maschine als Option in bayerischer Farbgebung baubar ist. Hier wird der Länderbahnfan aber enttäuscht: Einzig der Bau zweier Loks (die auch noch aus der Bauserie für die DRG stammen) in schwarz-roter Farbgebung ist aus der Schachtel möglich. Nur der augenscheinlich aus der Länderbahnzeit stammende Tender rechtfertigt die Bezeichnung ansatzweise.

Mein Bausatz mit dem Markenzeichen Ceji-Revell stammt aus dem Jahr 1984 und ist dem Vernehmen nach die erste Revell-Auflage. So sind in dem ausreichend großen Stülpkarton drei schwarze, sauber abgeformte Spritzrahmen untergebracht, die in Kunststoffbeutel eingeschweißt sind. Die Klarsichtteile liegen ungeschützt einem der Beutel bei. Die Teilequalität insgesamt ist gut, es sind nur wenige Sinkstellen und Fischhäute vorhanden.

Auch hier sind die in anderen Besprechungen bereits erwähnten Schwächen zu finden. Die durchgehend schwarze Farbgebung der Teile erschwert die Lackierung im Fahrwerksbereich ungemein. Die Detailtiefe wäre hier, ebenso wie bei aktuellen Modellen, verbesserungswürdig: im Gegensatz zu den damals im Modellbahnbereich erscheinenden HO-Neuheiten sind bei diesem Bausatz keine freistehenden Kesselleitungen zu sehen, Speisewasser- und Pressluftleitungen fehlen ebenso.

Das ist schön gemacht:

  • saubere, klare und scharfe Strukturen und Details auf den Teilen
  • verhältnismäßig dünne Windleitbleche
  • niedrige Spurkränze an den Rädern
  • separat zu bauende Deckel der Kesseldome
  • schön nachgebildeter Pressluftbehälter
  • feine Riffelblechnachbildung auf den Umlaufblechen
  • schöne Kohlenachbildung am Tender

Das gefällt überhaupt nicht:

  • kein Versatz der Treibräder um eine Viertelumdrehung von der Heizer- zur Lokführerseite
  • nicht vollständig ausgebildeter, nach unten zum Rahmen hin offener Kessel
  • sehr breite Laufflächen der Räder
  • Ausführung der Bremsklötze
  • Ausführung und Aufteilung der Teile im Bereich von Feuerbüchse und Stehkessel
  • fehlende auf dem Rahmen sitzende Kesselträger
  • fehlendes innen im Rahmen liegendes Antriebsgestänge samt Zylinderblockabdeckung
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Bayerische Schnellzuglokomotive S 3/6 mit Langlauftender

 

Die Decals

Der kleine Decalbogen zeigt deutliche Alterserscheinungen. Der Trägerfilm ist ziemlich vergilbt, wie stabil er noch ist, muss sich bei der Verarbeitung erweisen. Die größeren Schriften und Symbole sind verhältnismäßig randscharf gedruckt, kleinere Schriften sind zugelaufen und somit nicht lesbar. Es sind Decals für zwei Versionen enthalten.

Revell - Bayerische Schnellzuglokomotive S 3/6 mit Langlauftender

Revell - Bayerische Schnellzuglokomotive S 3/6 mit Langlauftender

Die Bauanleitung

Die vierseitige Bauanleitung führt in 14 Schritten zum fertigen Modell. Die recht kleinen Zeichnungen sind konsequent durchgehend in einer Perspektive (von schräg links hinten) gehalten. So ist es nicht möglich, eine genaue Positionierung der Teile im Frontbereich und auf der Lokführerseite zu erkennen. Dazu deuten die Pfeile nur sehr ungenau an, wohin die Teile zu platzieren sind. Hier kann man entweder nur raten oder anhand von Vorbildfotos bauen. Die Farbangaben beziehen sich wie üblich allein auf die Revell-Farbpalette.

Darstellbare Fahrzeuge:
  • 18 548 der DRG, schwarz-rote Farbgebung
  • 18 538 der DB, schwarz-rote Farbgebung
Loknummer und Bahnzugehörigkeit ist untereinander tauschbar

Fazit:

Nun ja, ein nicht besonders gut gemachter Bausatz einer besonders schönen Dampflok, der aber trotz allem seine Vorzüge hat. In vielen Bereichen verbesserungswürdig, ist er aus der Box nicht allzu schwer zu bauen. Mit viel Eigeninitiative kann das Modell jedoch zu einem Schmuckstück der Vitrine bzw. der Modelleisenbahnanlage avancieren. Zweifelsohne war es damals ein mutiger Schritt von Revell, Dampflokomotivbausätze als Standmodelle heraus zu bringen. Jedoch konnten sie vom Detaillierungsgrad nie mit aktuellen Neuheiten aus dem Modellbahnbereich mithalten, was die Akzeptanz sowohl beim Modellbauer als auch beim Modelleisenbahner damals wie heute (leider) in Grenzen hielt. Dennoch sind solche Bausätze für beide Seiten eine willkommene Gelegenheit, über den Tellerrand zu blicken.

Diese Besprechung stammt von Roland Kunze - 19. November 2014

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