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SS United States

(Revell - Nr. 05146)

Revell - SS United States

Produktinfo:

Hersteller:Revell
Sparte:Schiffe Zivil
Katalog Nummer:05146 - SS United States
Maßstab:1:600
Kategorie:Bausätze (Plastik)
Erschienen:Dezember 2016
Preis:ca. 20,- Euro (UVP)
Inhalt:
  • 41 Teile in weißem Plastikspritzguss
  • Decalbogen
  • Flaggensatz auf Papierbogen
  • Farbige Bauanleitung
  • Schüttkarton als Verpackung.

Besprechung:

Foto des gebauten und lackierten Modells. (Quelle: Revell/ Revell.de)
Foto des gebauten und lackierten Modells. (Quelle: Revell/ Revell.de)

Das Original

Die SS United States ist der Inbegriff der amerikanischen Nachkriegsinnovation und galt als das "Flaggschiff Amerikas". Sie bleibt das größte Passagierschiff, das jemals in Amerika entworfen und gebaut wurde. Vor ihrer Pensionierung im Jahre 1969 galt die SS United States als das glamouröseste und eleganteste Schiff der Welt, nachdem sie vier US-Präsidenten, internationale Königlichkeiten, viele berühmte Hollywood-Stars und eine Million Passagiere transportiert hatte.

Während das Schiff Reisende mit seinen Eigenschaften und Eleganz in den Bann zog, war sein Ursprung gleichermaßen faszinierend. Seine technischen Details, einschließlich des Rumpf- und Schrauben-Designs, blieben für Jahrzehnte Staatsgeheimnisse. Das Schiff war als Teil eines streng geheimen Pentagon-Programms während des Kalten Krieges entworfen worden, das festlegte, dass es im Falle eines Krieges schnell von einem Luxusliner in einen Truppentransporter umgewandelt werden könnte. Während der technischen Überprüfungen im Juni 1952 waren nur wenige Informationen verfügbar, aber später erfuhr man, dass das Schiff eine Geschwindigkeit von 38 Knoten (44 Meilen) pro Stunde überschritten hatte. Mit ihrer 240.000 PS Dampfturbinen-Antriebsanlage wäre die SS United States in der Lage gewesen, 15.000 Soldaten über 10.000 Seemeilen - fast auf halbem Weg rund um den Globus - ohne Zwischenbetankung zu transportieren. 

Revell - SS United States

Am 3. Juli 1952 lief die SS United States zu ihrer mit Spannung erwarteten Jungfernfahrt aus. Das Schiff machte die schnellste transatlantische Überfahrt überhaupt, ein Rekord, der von dem Schiff noch bis heute gehalten wird. Ihr Kapitän, Commodore Harry Manning, hatte sorgfältig alle Versprechungen einer Rekordfahrt vermieden, besonders weil das Schiff am ersten Tag auf eine Nebelbank stieß. Als die Gefahr verzogen war, befahl Manning, die Schiffsmotoren auf volle Leistung zu schalten. Die Geschwindigkeit des Schiffes, kombiniert mit den Sturmwindwinden und der aufgebrachten See, verursachten auf dem Deck widrige Bedingungen, die die meisten Passagiere drinnen oder zumindest in den überdachten Promenaden hielten. So stark war die Windgeschwindigkeit, dass die wenigen Abenteuerlustigen, die sich auf die offenen Decks wagten und nach vorne schauten, das Gefühl hatten, ins Gesicht geschlagen zu werden. Wundersamer Weise waren die berüchtigten Erschütterungen, die auf Hochgeschwindigkeitspassagen zu erwarten gewesen wären, bei Reisen mit der SS United States praktisch nicht vorhanden, selbst wenn das Schiff seine höchste Dienstgeschwindigkeit von 36 Knoten erreichte.

Der lange erwartete Liner hatte den bestehenden Geschwindigkeitsrekord um volle zehn Stunden unterboten und schaffte die Passage über den Atlantik in drei Tagen, zehn Stunden und zweiundvierzig Minuten. Damit hatte die SS United States das legendäre Blaue Band erobert, das amerikanische Passagierschiffe ein Jahrhundert lang nicht gewonnen hatten.

Revell - SS United States

Mit ihren beiden übergroßen rot-weißen Schornsteinen projizierte sie ein kraftvolles und zugleich romantisches Bild der Seefahrt, das an die ersten großen Rekord-Liner des 20. Jahrhunderts erinnerte. Die 23 öffentlichen Räume des Schiffes, 395 Kabinen und 14 Erste Klasse-Suiten waren so schön wie feuerfest. Ihr Designer William Francis Gibbs hatte nämlich große Anstrengungen unternommen, um die Bedrohung durch Feuer an Bord zu minimieren. Abgesehen von den Klavierflügeln (auf Beharren der Steinway-Gesellschaft) und den Messer-Blocks (auf Wunsch der Catering-Abteilung) war die Verwendung von Holz in den öffentlichen Räumen, Unterkünften oder Besatzungsräumen des Schiffes nicht erlaubt. Sogar das Gewebe und die Textilien der Möbel und Inneneinrichtung wurden speziell behandelt, um nicht brennbar zu sein. Um die Brandschutzsicherheit zu gewährleisten, hatte Gibbs bei Brandschutztests eine komplette Mock-up-Kabine anzünden lassen. Passagier-Utensilien, wie Bekleidung oder Kosmetik-Artikel, verbrannten, aber die Kabinenausstattung, obwohl versengt, war intakt.

Der Schwerpunkt im Design des Schiffes lag auf der Farbgebung: Rot, Blau, Grün und Gold ("schlammige" Farben wurden vermieden) kontrastierten angenehm mit weißen Wänden und tiefschwarzen Linoleumböden in den Passagiergängen. Kunstwerke waren meist abstrakt gehalten und aus Glas, gesponnenen Fasern oder als Skulpturen oder Wandbilder präsent.

Revell - SS United States

Mit Beginn der 1960er Jahre tauchten finanzielle Schwierigkeiten am Horizont auf. Die United States Lines sahen sich häufigen Betriebsstreitigkeiten ausgesetzt und fochten regelmäßige Verhandlungen mit der Bundesregierung über Betriebsbeihilfen aus. Die Branche war einer raschen Veränderung im Reiseverhalten der Menschen unterworfen: was bei Flugreisen an Komfort fehlte, machten die immer stärker werdenden Passagierflugzeuge mit Geschwindigkeit und vergleichbar geringem Kraftstoffverbrauch wieder wett in einer Ära, in der die Ölkosten zu explodieren begannen.

Im November 1969, während sie ihrer jährlichen Überholung in Newport News unterzogen wurde, wurde die SS United States plötzlich und dauerhaft aus dem Dienst genommen.

Bemerkenswerter Weise hat dieser große Ozeandampfer bis heute überlebt, im Gegensatz zu fast allen anderen Schiffen seines Typs, wenn auch abgerüstet und verrostend an einem Pier. Aber es gibt sie immer noch! Die SS United States liegt heute vertäut im Hafen von Süd-Philadelphia/Norfolk, Virginia, auf dem Delaware River an Pier 84.

Aktuelle Pläne, das Schiff wieder für den Betrieb aufzurüsten und mit 800 Passagieren auf die Reise zu schicken, scheinen nach aktuellen Berichten zerschlagen zu sein - zu groß sind die Instandsetzungs- und Modernisierungskosten in Relation zum zu erwartenden Ertrag.

Das Modell

Ich habe die Einleitung zu diesem Bausatz bewusst ausführlich gehalten. Dieses interessante Schiff hat definitiv eine Daseinsberechtigung als Scale-/Kunststoffmodell. Umso ernüchternder ist die Tatsache, dass wir es hier mit einem "alten Klopper" aus den Anfangstagen (!) des Kunststoffmodellbaus vor uns haben, der in keiner Weise den Ansprüchen an heutige Produkte in diesem Segmet gerecht wird.

Es ist wirklich wahr, ich musste zweimal hinschauen: im Rumpf ist das Copyright "Revell (c) 1955" eingeprägt. Wow! Das ist definitiv die älteste Bausatzbasis, die ich bisher in den Händen gehalten habe. 

So lang und ausufernd der einleitende Text zum Originalvorbild des Modells, so kurz und bündig also der Text zu den Teilen des Bausatzes. Schauen wir mal drauf.

Revell - SS United States

Revell - SS United States

Revell kündigt das Modell wie folgt an:

  • Modellbausatz des ehemaligen amerikanischen Passagierschiffes, welches bis heute Titelträger des Blauen Bandes als schnellster Dampfer auf der Transatlantikroute ist.
  • Einteiliger Wasserlinienrumpf
  • 24 Rettungsboote
  • Detaillierte Aufbauten
  • 3 Ladebäume
  • Displayständer
  • Abziehbilder.

Es handelt sich um einen echten Oldie-Bausatz. Oberflächendetails, Materialstärke und Details sind durchweg nicht mehr auf der Höhe der Zeit. Der Bausatz von Revell ist allerdings der einzige der SS United States auf dem Modellbaumarkt in diesem Maßstab.

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SS United States

 

Die Konstruktion beginnt mit Einkleben der Decks. Diese werden schichtweise übereinander geklebt, Schornsteine und Masten hinzugefügt, Schiffständer drunter - fertig! Nur 15 Bauschritte führen zum Bastelziel.

Auf den Decks finden sich einzelne Gravuren, die die seinerzeit auf Deck befindlichen Sportplätze darstellen sollen. Sie fallen als erhabene Linien ins Auge und wirken übertrieben, zumal diese Flächen eh durch Aufkleben von farbigen Decals gekennzeichnet werden, was definitiv ausreichend sein dürfte.

Die Relings sind jeweils massiv und ohne Durchbrüche gegossen. Wer hier Ätzteile zur Hand hat und sich nicht schäut, die massiven Angüsse wegzuscheniden und mit filgranerem Material zu ersetzen, kann hier sicherlich viele Details darstellen. Out of the Box wird dies allerdings nicht gelingen.

Bauanleitung und Verpackungsausschnitt.

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SS United States

 

Am Rumpf gibt es eine unschöne Formnat, die den Bug verunstaltet. So ist das untere Ende des Bugs abgewinkelt und berührt die Wasseroberfläche quasi "abgerundet". Der Bug müsste aber gerade ins Wasser schneiden. Hier wird man Spachtelmasse heranziehen müssen, ebenso wie bei der wenige Millimeter weiter dahinter liegenden, kurvenförmigen Sinkstelle, die verfüllt werden muss. 

Die Wasserlinie ist mittels eines Absatzes an den Rumpfseiten gekennzeichnet, die als markante Gussnaht in Erscheinung tritt. Das wirkt allerdings sehr prominent und sollte beigeschliffen werden, um das Unterwasserschiff dann durch Abkleben zu maskieren und zu lackieren. Leider ist das Modell nur als Wasserlinenmodell konstruiert. Der bullige Rumpf der SS United States kommt somit leider gar nicht zur Geltung.

Beachte die falsche Bugform und die dortige markante Sinkstelle.Aufgedruckte Bullaugen als erhabene Gravuren.Leider auch hier erkennbar: der markante Absatz im Kunststoff zur Markierung der Wasserlinie. Copyright (c) 1955 - echt 'old school'SS United StatesSS United StatesSS United States
SS United StatesBug- und SeitenankerEiner der zahlreichen Sportplätze als erhabene Gravuren.SS United StatesSS United StatesSS United StatesSS United States

Beachte die falsche Bugform und die dortige markante Sinkstelle.

Beachte die falsche Bugform und die dortige markante Sinkstelle. 

Das Schiff kann neben den Decals mit verschiedenen Nationalitäts- und Signalflaggen, die auf einem Extra-Papierbogen gedruckt sind, dekoriert werden. Die ebenfalls vorhandene Reichskriegsflagge sollte man natürlich nicht dafür verwenden...

Weitere Bilder

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Stärken:
  • Wenige Bauteile für zügige Konstruktion
  • Farbige Bauanleitung für eindeutige Farbhinweise.
Schwächen:
  • Dicke Materialstärken des Plastiks
  • Grobe Details
  • Formfehler am Bug
  • Sinkstellen und Grat
  • Nur als Wasserlinienmodell gestaltet.

Fazit:

Der Bausatz bietet magere, grobe Details. Interessant für Nostalgie-Modellbauer und unerschütterliche Bausatz-Tuner.

Weitere Infos:

Referenzen: Ein Kurzüberblick über die Geschichte des Schiffs auf ssusc.org
Anmerkungen:

Das Modell und die Bauanleitung findet ihr auf der Website von Revell:

Revell 1:600 SS United States

Die Baunleitung als PDF: Revell 1:600 SS United States Instructions

Diese Besprechung stammt von Alexander Jost - 11. Februar 2017

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