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Frelon

(Heller - Nr. L325)

Heller - Frelon

Produktinfo:

Hersteller:Heller
Sparte:Hubschrauber
Katalog Nummer:L325 - Frelon
Maßstab:1:50
Kategorie:Bausätze (Plastik)
Erschienen:1963
Preis:Liebhaberpreis
Inhalt:
  • 3 Gussäste aus grauem Plastik, Total 44 Teile
  • 1 Gussast mit 15 Klarsichtteilen
  • 4 Reifen aus Gummi
  • 1 Decalbogen
  • 1 Tube mit Klebstoff
  • Bauanleitung in Französisch und Deutsch

Besprechung:

Das Original:

Nach ersten Erfahrungen im Algerienkonflikt suchten die Armée de l'Air und die Armée de Terre nach einem Hubschraubermodell in der 7-Tonnen-Klasse, welches für Truppen- und Frachttransport, SAR und CASEVAC geeignet war. Die Marine suchte gleichzeitig einen Hubschraubertyp in derselben Größenordnung, welcher sich als U-Bootjäger und Minenleger eignete. Alle drei Truppengattungen beauftragten die Firma SNCASE zur Ausarbeitung eines neuen Hubschrauber-Entwurfs.

SNCASE baute zwei Prototypen (S.E.3200-001 und S.E.3200-002), welche beide 1959 ihren Erstflug absolvierten.

Die S.E.3200 wog leer 4500kg und war mit drei Turbinen Typ Turmo III ausgerüstet. Der Hauptrotor war vierblättrig, ebenso der Heckrotor auf dem kurzen Heckausleger. Um möglichst viel Platz in der Kabine zu erhalten, befand sich der gesamte Treibstoff in zwei zylindrischen Außentanks. Das dreibeinige Radfahrwerk war nicht einziehbar. Die Rotorblätter konnten platzsparend abgeklappt werden. Zur einfachen Beladung mit Fracht konnte der gesamte Heckträger zur Seite geschwenkt werden. In der Kabine konnten entweder 24 Soldaten, 15 Verwundete auf Tragen oder beinahe zwei Tonnen Frachtgut mitgeführt werden.

Schon nach kurzer Testzeit traten erhebliche Mängel zu Tage. Die Zelle war etwa eine Tonne schwerer als auf dem Papier geplant, was sich negativ auf die Flugleistungen und Flugeigenschaften auswirkte. Außerdem sorgten diverse Systeme für reichlich Kopfzerbrechen. Als Folge davon wurde der Heckausleger überarbeitet und um 80cm verlängert, der neue Heckrotor wurde fünfblättrig und grösser im Durchmesser. Die horizontalen Stabilisierungsflossen am Heckausleger erhielten vertikale Endscheiben.

Doch das Flugtestzentrum CEV stellte der S.E.3200 nach wie vor ein schlechtes Zeugnis aus: Die Maschine erfülle zwar viele der geforderten Leistungen, war jedoch zu schwer, ließ sich nicht gut steuern, hatte schlecht zugängliche Systeme, einen sehr limitierten Schwerpunkt (was die Beladung nicht gerade vereinfachte), schlechten Schutz der Passagiere/Truppe, war nicht amphibientauglich (Marine-Anforderung) und wies im Betrieb hohe Vibrationen auf, was die Zelle in Mitleidenschaft zog.

Die Produktion des Musters entwickelte sich zum finanziellen und technischen Fiasko. Somit blieb es bei zwei gebauten Prototypen. Aus der Idee der S.E.3200 entstand die stärkere und größere SA321 Super Frelon, welche sich sehr bewährte und in größerer Stückzahl bis 2010 in französischen Diensten flog.

Heller - Frelon

Vorwort zum Modell:

Wie soll man 55 Jahre nach dem Erscheinen eines Modellbausatzes darüber urteilen? Welchen Maßstab setzt man an? Soll man Nietköpfe zählen oder sich einfach darüber freuen, dass es diesen Hubschrauber im größeren Maßstab überhaupt gibt? Soll man "aus der Kiste bauen", weil man dann zügig vorankommt, oder soll man nach genauer Vorbildrecherche arbeiten und mit viel Eigenbau ein Traummodell verwirklichen?

Der Bausatz kam im selben Jahr auf den Markt, als das Projekt S.E.3200 eingestellt wurde und klar war, dass die Super Frelon das Rennen machen würde. Dass Heller ein Modell dieses Typs in 1:50 herausgibt, hat doch etwas mit Pioniergeist zu tun, welcher die einen oder anderen Modell-Hersteller eindeutig fehlt. Bis 1980 erfolgten Wiederauflagen des Bausatzes. Ich finde, dieser Bausatz hat trotz seines hohen Alters eine Besprechung "verdient".

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Der Bausatz:

Alle Teile sind in einem Plastikbeutel in einem angemessen großen Stülpkarton verpackt. Natürlich sind altersbedingt bereits ein paar Teile abgebrochen, zerbrochen oder auch verkratzt. Ebenfalls altersbedingt ist die im Karton mit enthaltene Tube mit Klebstoff schon ausgehärtet, die Idee dahinter ist aber lobenswert.

Die vier größten Teile sind die beiden Kabinenhälften und die beiden Heckauslegerhälften. Diese weisen außen erhabene Nietreihen und Paneltrennlinien auf. Die Innenseite der Kabinenhälften weist keinerlei Gravuren auf, die Kabine bleibt gähnend leer.

Leider befindet sich bei jedem Passstift auch jeweils eine große Sinkstelle im Außenbereich. Die drei Abgasrohre sind in der Position und Dimension stimmig und weisen auch eine ansprechende Tiefe auf. Insgesamt liegen drei Kabinentüren als Einzelteile bei, können somit in offenem oder geschlossenem Zustand dargestellt werden.

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Die beiden Außentanks sind in jeweils zwei Halbschalen aufgeteilt und werden an den Rumpfseiten montiert.

Die beiden horizontalen Stabilisierungsflossen weisen keine Endscheiben auf, der Heckträger ist in der kurzen Ausführung dargestellt. Somit kann nur die Maschine im Zustand ihres Erstfluges gebaut werden.

Das spartanische Cockpit besteht aus einer Bodenplatte, einer Rückwand (ohne Durchgang zur Kabine), den beiden Pilotensitzen, zwei Pilotenfiguren und zwei Steuerknüppeln. Das Instrumentenbrett und die Konsole sind bereits an der Bodenplatte angegossen, bedürfen aber einer Verfeinerung, mindestens mit Instrumenten. Die Kollektivhebel sollte man auch noch ergänzen. Selbsterklärend ist die Detaillierung sehr mangelhaft, hier ist viel Eigeninitiative erforderlich.

Die Fahrwerke bestehen jeweils aus dem Fahrwerksbein, einer Felge und einem Reifen aus Gummi.

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Der Hauptrotorkopf besteht aus einem einzigen Bauteil mit angegossenen Steuerstangen. Er wird auf die Taumelscheibe gesetzt und in den Rumpf gesteckt. Er bleibt drehbar. Die vier Rotorblätter sind dann doch etwas übergraviert, hier sollte man die Nietreihen etwas glätten, da diese wohl nicht für viel Auftrieb sorgen. Auch am Rotorkopf bleibt viel Raum zum Supern übrig, hier könnten noch viele Kleinteile wie Massekabel, Scheren und Dämpfer ergänzt werden.

Der Heckrotor besteht aus einem einzigen Bauteil. Auch dieser könnte eine zeitgemäße Verjüngungskur vertragen, die vier Paddel wirken doch sehr lieblos gegossen.

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Die Klarsichtteile sind ziemlich dick gegossen und von unregelmäßiger Materialstärke. Der gesamte Rumpfbug besteht aus einem Klarsichtteil. Die riesigen Angüsse an den innen platzierten Passstiften reichen leider bis in die Fensterreihen, womit diese sehr undurchsichtig werden. Dieses Manko wird wohl nicht zu kaschieren oder beheben sein.

Der kleine Decalbogen beinhaltet gerade mal acht Nassschiebebilder zur Darstellung des zweiten Prototyps. Und wenn sie noch nicht zerbröselt sind, dann sind sie heute noch steinhart und mit dem Deckpapier verklebt...

Die Bauanleitung liegt einmal in Französisch und einmal in Deutsch vor. Sechs Arbeitsschritte führen zum fertig gebauten Modell, wobei die Bilder durch eine Textanleitung ergänzt werden. Zur Decalanbringung ist eine kleine Seitenansicht illustriert.

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Darstellbare Maschinen:
S.E.3200-002 Frelon, zweiter Prototyp in früher Ausführung
Stärken:
  • Seltener Bausatz zu seltenem Vorbild im seltenem Maßstab
  • Drehbarer Haupt- und Heckrotor
  • Türen offen oder geschlossen darstellbar
  • Klebstoff im Karton dabei
Schwächen:
  • Alter des Bausatzes (Teile, Decals, ...)
  • Seltener Bausatz, Liebhaberpreise
  • Kabine leer, Cockpit spartanisch
  • Bugverglasung
Anwendung: Leicht wenn "out of box" gebaut wird. Schwer, wenn man ein zeitgemäßes Modell daraus machen will.

Fazit:

Für den eingefleischten Sammler. Sicherlich ein interessantes Muster und völlig abseits des Modellbau-Mainstreams. Allerdings fordert das hohe Alter des Bausatzes seinen Tribut: Viel Nacharbeit, Spachteln, Schleifen, Gravieren, Ausrichten, Suche nach alternativen Decals, evtl. neue Darstellung des Innenraums. Gewisse Fehler (wie z.B. die sichtbaren Passstift-Angüsse der Cockpitverglasung) sind nicht korrigierbar.

Diese Besprechung stammt von Melgg Lütschg - 27. Februar 2018

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