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HMS Astute

(Trumpeter - Nr. 755909)

Trumpeter - HMS Astute

Produktinfo:

Hersteller:Trumpeter
Sparte:Schiffe Militär Modern
Katalog Nummer:755909 - HMS Astute
Maßstab:1:144
Kategorie:Bausätze (Plastik)
Erschienen:Dezember 2017
Preis:ca. 38 €
Inhalt:
  • 26 Plastikteile (ohne Ständer)
  • 5 Fotoätzteile 
  • Abziehbilder
  • Anleitung

Besprechung:

Das Original

HMS "Astute" ( engl. = listig, gerissen) ist das namengebende Boot der neuesten Klasse nuklear-angetriebener Angriffs-Uboote der Royal Navy, die als Ersatz für die kleinere Trafalgar-Klasse entwickelt wurden. Das Boot wurde im August 2010 mit der Pennant-Nummer S119 in Dienst gestellt und ist seit Mai 2014 uneingeschränkt einsatzklar. 

Das Boot blickt nicht gerade auf eine pannenfreie Geschichte, so kurz sie auch erst sein mag, zurück. Genau 100 Jahre nach dem ersten U-Boot der Royal Navy auf Kiel gelegt, erfolgte der Stapellauf erst mit 43monatiger Verspätung. Für vollständig einsatzklar wurde das Boot erst 13 Jahre nach der Kiellegung erklärt. Die "Pannenserie" begann schon vor der offiziellen Indienststellung, als im April 2009, aus ungeklärter Ursache, die schallabsorbierenden Gummikacheln am Turm Feuer fingen. Der entstandene Schaden war aber nur oberflächlich. 

Trumpeter - HMS Astute

Im Herbst 2010 lief das Boot vor der Isle of Skye auf schlammigen Grund und musste mit Schlepperhilfe und bei Flut aus seiner misslichen Lage befreit werden. Die ermittelte Ursache war eine Verknüpfung von nicht eingehaltenen Prozeduren bei Planung und Durchführung der Navigation sowie einem unaufmerksamen Wachhabenden. Während der Rettungsaktion kollidierte "Astute" auch noch mit einem Schiff der Küstenwache, wobei das steuerbord-vordere Tiefenruder beschädigt wurde. Wenige Tage später wurde, oh Wunder, der Kommandant des Bootes seines Postens enthoben.

Zum dramatischsten und zugleich tragischsten Zwischenfall kam es am 8. Aprill 2011, als Lokalpolitiker und Würdenträger der Stadt Southampton das im Dock liegende Boot besuchten und ein betrunkener Wachgänger das Feuer eröffnete. Er tötete den Waffenoffizier des Bootes und verwundete einen weiteren Mann schwer, bevor er überwältigt werden konnte. Seither, so scheint es, ist aber nichts weiter passiert und "Astute" absolviert seinen Dienst wie geplant.

Trumpeter - HMS Astute

Technische Daten:

  • Länge (Lüa): 97 m 
  • Breite: 11,3 m
  • Tiefgang(max): 10 m
  • Verdrängung (aufgetaucht): 7.000 - 7.400 tn.l.
  • Verdrängung (getaucht): 7.400 -7.800 tn.l.    
  • Antrieb: Rolls-Royce PWR 2 Reaktor, MTU 600 Kilowatt Diesel-Generatoren, 1 Düsenringpropeller
  • Geschwindigkeit (getaucht): 30 kn
  • Tauchtiefe: 300 m
  • Reichweite: unbegrenzt
  • Bewaffnung: 6 Torpedorohre ∅ 533 mm für Spearfish-Torpedos, Tomahawk Block IV Marschflugkörper, Mitnahme von 38 Waffen möglich
  • Besatzung: 98 (109 möglich)  

Trumpeter - HMS Astute

Das Modell

Für alle diejenigen, denen das 1:350er Modell zu klein war, bietet Trumpeter nun ein weiteres, weitaus größeres Modell an. Gute 67 cm lang ist das fertige Modell, das aber mit sparsamen 26 Plastik-Bauteilen, ohne Ständer, daherkommt.   

Der Rumpf besteht lediglich aus einer Unter- und einer Oberschale, die bereits den Turm trägt, und an der auch die achteren Tiefenruder angesetzt sind. Trumpeter hat bei diesem Bausatz wieder viel mit gleitenden Formen gearbeitet, damit auch an den Seiten der beiden Halbschalen gravierte Details etc. vorhanden sind. Das ist zwar generell löblich, zieht aber einiges an Nacharbeiten nach sich, da der Formschluss natürlich nicht so exakt sein kann, dass man gar nichts mehr davon sieht. Auf dem Vorschiff sind viele Details, sowohl als Gravur  aber auch erhaben, recht gut dargestellt worden. Der große Sensor auf der Back, vermutlich der des Hydrophones, hat mit dem Original allerdings so gar nichts zu tun. Hier liefert aber das Internet schnell gute Fotos, mit deren Hilfe man das Problem in den Griff bekommen kann.  

Trumpeter - HMS Astute

Hinter dem Turm sieht es hingegen ziemlich mau aus, fast so, als hätte Trumpeter einfach keine Lust gehabt hier weiterzumachen. Schade! Die Kontur des nach hinten-unten abfallenden Achterdecks ist leider voll daneben gegangen. Trumpeter hat hier zwei recht scharfe Kanten erstellt, die es beim Original nicht gibt. Eine einfache Fotorecherche im Internet, die keine fünf Minuten gedauert hätte, hätte entsprechende Ansichten geliefert! Seitlich am achteren Rumpfaufbau befinden sich Gruppen von Einläufen oder Ausstoßöffnungen (Achtung: diese sind bei den fertiggestellten Booten unterschiedlich!), die zwar relativ tief dargestellt, aber nicht ganz regelmäßig im Umriss sind. Hier sollte man wohl besser passende Alu- oder Messingröhren einsetzen.

Auf Fotos des Originals sind diverse Wartungs- bzw. Zugangsdeckel an den Seiten des Aufbaus, Mittschiffs, zu erkennen. Nur leider hat Trumpeter von diesen aber keinen  einzigen dargestellt. Hier bietet sich noch viel Raum für Eigenleistung. Die untere Rumpfhälfte bietet das gleiche Bild wie die Obere: recht gute Details im Bugbereich, nach achtern dann aber nur noch einige wenige Gravuren und fertig. 

 

Trumpeter - HMS Astute

Für den Turm sind zwei unterschiedliche Dacheinsätze und diverse Ausfahrgeräte vorhanden. Bei dem einen Turmeinsatz sind alle möglichen Öffnungen geschlossen dargestellt, bei dem zweiten sind alle Öffnungen für die Ausfahrgeräte offen, während die Wachstationen nicht mehr als 1,5 mm vertieft dargestellt sind. Das sieht besch...eiden aus! Die Ausfahrgeräte sind in drei Gruppen dargestellt worden, wobei die Geräte unterschiedlich weit ausgefahren sind. Mehr bietet der Turm nicht. Das ist auch angesichts der Größe des Modells zu wenig, finde ich.

Obwohl mittels gleitender Formen erstellt, sind die Seiten des Turms fast komplett unstrukturiert, und ich meine damit nicht das Fehlen einer Darstellung der schallabsorbierenden Gummikacheln. Die beiden Fenster vorne am Turm sind nur als Gravuren dargestellt worden und sollen dann mittels weißer (!) Decals hervorgehoben werden. OK, der Bereich hinter den Fenstern ist beim Original weiß gestrichen, aber weiße Decals...das sieht nicht aus!

Trumpeter - HMS Astute

Trumpeter - HMS Astute

Die Ruder-  bzw. vorderen Tiefenruder bestehen aus insgesamt sechs Teilen. Das obere Ruderblatt ist zu schmal und sollte im Bereich der vorderen Hälfte aufgefüttert werden. Außerdem fällt die Oberkante nach achtern leicht ab, aber das ist leicht behoben. 

Der große Ringpropeller wird aus gerade mal drei Teilen zusammengesetzt. Leider sind die nach vorne gerichteten Kanten der Ringdüse und die der sternförmigen Düsenhalterung am Heckkonus vollkommen gerade, obwohl sie doch stromlinienförmig sein müssten. Hier muss man schon wieder selber ran. Fotos dieses Bereichs sind ja noch eher geheim, dennoch kann man im Internet ein Foto des auf Grund gelaufenen Bootes finden, bei dem ein Teil der Ringdüse aus dem Wasser ragt. Hier kann man erkennen, dass die sternenförmige Ringdüsenhalterung sehr viel mehr Stützen aufweist, als das Modell uns liefert, aber ob man da nachbessern möchte?  

Trumpeter - HMS Astute

Die Hinterkante des Turms ist beim Original extrem scharfkantig ausgeführt, bei Trumpeter ist sie aber eher gerundet. Wenn man sich Fotos des Turms anschaut, ist der hintere Bereich des Turm auch ganz offensichtlich wegnehmbar. Eine entsprechende Gravur fehlt aber komplett. Am hinteren, oberen Ende des Turms befinden sich zu beiden Seiten "Beulen", unter denen sich sicher Sensoren befinden. Diese Beulen sind am Modell (zu weit oben) aufgesetzt, als wären es Abdeckungen über Bordwaffen in Flugzeugtragflächen, wie zum Beispiel bei der Supermarine Spitfire. Tatsächlich verläuft deren Kontur aber ganz weich mit der umgebenden Oberfläche. Hier muss man mit Milliput oder ähnlichem ran, um dem Original näher zu kommen.

Trumpeter geht in den letzten Jahren ja häufig geradezu verschwenderisch mit Ätzteilen um, doch nicht mal die Handläufe seitlich am Turm mag man uns dieses Mal gönnen. Trumpeter hat die Luken am Turm gespiegelt, was aber falsch ist. Die Backbord-achtere Tür gibt es bei Astute nämlich gar nicht. Die beiden Wülste beidseitig unten an der Turmbasis reichen viel zu weit nach vorne. Nach meiner vorsichtigen Schätzung, Pläne habe ich nicht, würde ich mindestens einen Zentimeter wegnehmen. Der neue, vordere Abschluss muss dann viel wulstiger ausgearbeitet werden.  

HMS Astute HMS Astute HMS Astute HMS Astute HMS Astute HMS Astute HMS Astute

HMS Astute

 

Die wenigen Ätzteile kommen auf dem Turm (1 Teil) und auf der Back (4 Teile) zum Einsatz. Fertig. Was das Teil auf dem Turm darstellen soll, weiß ich nicht. Die vier runden Deckel auf der Back gehören sicher zu den Flutventilen der vorderen Tauchzellen. Der Bausatz beinhaltet mehr Decals als Plastikteile.

Astute weist diverse farbige Markierungen auf, die Trumpeter auch tatsächlich fast alle berücksichtigt hat. Es fehlt lediglich eine Tiefgangskala, in einem kräftigen Blau an der Vorderkante des oberen Seitenruders. Der Decalbogen liefert auch Flaggen, und zwar sowohl den Union Jack als auch das White Ensign. Beide werden "wehend" und statisch angeboten, nur leider gibt es im Bausatz gar keine Flaggenstöcke dafür!

Der Zusammenbau gestaltet sich prinzipiell äußerst simpel und so könnte man sagen, dass das abschließende Finish sicher mehr Zeit erfordert als der eigentliche Bau, wären da nicht all die zu behebenden Mängel, die man bei einem derart großen Modell auch nicht einfach ignorieren kann, wie ich finde. Selbst wenn man bedenkt, dass ein attraktives Finish hier deutlich mehr Aufwand erfordert, bleibt der Bausatz der Astute doch eher ein Schnellprojekt, es sei denn, man versucht die Gummikacheloptik darzustellen oder man plant eine Dockszene. Das Boot in Überwasserfahrt dazustellen ist natürlich auch möglich, aber dann bleibt eben nicht wirklich viel "Boot" übrig.

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HMS Astute

 

Fazit:

Der vorliegende Bausatz bietet eine solide Basis, um das derzeit modernste U-Boot der Royal Navy zu bauen. Direkt aus dem Kasten gebaut ist es fast schon ein Wochenendprojekt. Will man ein korrekteres Modell erstellen, hat man noch einiges zu tun, aber nichts von alledem, was ich oben genannt habe, ist allzu kompliziert.

Prädikat: guter Durchschnitt (drei Sterne) 

Diese Besprechung stammt von Olaf Krabbenhöft - 27. Juli 2018

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