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Messerschmitt Me 410

(Lindberg - Nr. 473)

Lindberg - Messerschmitt Me 410

Produktinfo:

Hersteller:Lindberg
Sparte:Flugzeuge Militär WK2
Katalog Nummer:473 - Messerschmitt Me 410
Maßstab:1:72
Kategorie:Bausätze (Plastik)
Erschienen:1987
Preis:antiquarisch
Inhalt:
  • 2 Spritzäste mit 32 Teilen
  • 1 Spritzast mit 3 Klarsichtteilen
  • 1 Decalbogen
  • 1 Bauanleitung

Besprechung:

Dieser heute vielen gänzlich unbekannte oder vielleicht auch schon wieder vergessene Baukasten war das erste Plastikmodell des bekannten deutschen Zerstörers überhaupt. Zur Zeit seiner Markeinführung in der zweiten Hälfte der Sechziger Jahre war es jedoch ein interessanter Kit, schon alleine deshalb, weil er eine willkommene Bereicherung innerhalb des damals noch recht bescheidenen Angebots deutscher WK-II-Kampfflugzeuge darstellte.

Seine Exklusivität hatte allerdings nicht lange Bestand, denn zunehmend tauchten besser umgesetzte Me 410-Baukästen auf. So begrüßenswert Lindbergs generelle Fokussierung auf die etwas weniger bekannten Luftwaffen-Typen (Ar 234-B; Do 335; Fw 190 D-9; He 100; He 162; He 219; Hs 129 B; Me 163) auch gewesen sein mag, die Vorbildtreue seiner Formen war es aber leider nicht. Sicherlich auch deshalb hat der einstmals recht populäre traditionsreiche US-Hersteller aus Illinois später nie mehr, selbst mit neueren Kits, Zugang in die Top-Liga der Spritzgussmodellflugzeug-Hersteller finden können. Zumindest aber werden viele seiner bekannten Modelle immer noch angeboten, und das dann sogar noch unter dem Original-Firmennamen!

Lindberg - Messerschmitt Me 410

Heutzutage wäre die Lindberg-Hornisse bestenfalls als äußerst einfacher Easy-Kit ohne jegliches Verbesserungspotential einzustufen. Dies allein sollte jetzt aber noch kein Grund sein, diesen Bausatz von vornherein völlig zu ignorieren. Es kann hier theoretisch jeder binnen eines Vormittags ein passables Resultat erreichen, das er anschließend anmalen und mit Decals dekorieren kann, um es abends seiner Sammlung einreihen zu können. Hauptsächlich darin läge vielleicht die einzige Daseinsberechtigung solcher minimalistisch gestalteter Baukästen begründet. Zumindest der Anfänger kann hieran, noch dazu für nicht allzu viel Geld, das Handwerk erlernen.

Alle Fortgeschrittenen werden allerdings sofort einen im wahrsten Sinne des Wortes gravierenden Makel ausfindig machen, wenn sie die Tragflächen betrachten. Dieser wäre nur sehr aufwändig behebbar, da die Konturen der Triebwerksverkleidungen auf den Tragflächenoberseiten beträchtlich vom Original abweichen! Untenrum ist es etwas besser, da es dort lediglich „nur etwas weniger" authentisch zugeht. 

Bei Lindberg sind die Proportionen der Motorgondel-Fronten, obgleich relativ gut detailliert, tatsächlich und auf jeden Fall zu groß geraten. Zudem machte man in Skokie einst auch noch den Fehler, die kleinen bzw. unteren Hutzen symmetrisch, d.h. jeweils an die Außenseiten der Motorgondeln zu platzieren. Die Messerschmitt-Ingenieure hatten sie aber bekanntlich sowohl backbords als auch steuerbords in Flugrichtung links angeordnet! 

Lindberg - Messerschmitt Me 410

Die Pilotenkanzel-Verglasung wurde ebenfalls nicht richtig getroffen, da die beiden hinteren Auswölbungen (zwecks der besseren Sichtmöglichkeit des Bordschützen/Funkers) nicht berücksichtig wurden. Zu allem Übel verläuft die Verbindungslinie der beiden Teile genau in der Mitte des Kabinendachs, wo just gerade bei diesem Baumuster keine Strebe verlief. Dies muss  zwangsläufig zu einer Klebenaht führen!

Ferner befinden sich an den Tragflächenunterseiten links und rechts im Bereich des Mittelrumpfs auch noch zwei tropfenartige Gebilde, die es dort niemals gab. Diese könnten eventuell ETC-Schlösser andeuten, schaden jedoch derart dargestellt nur. Auch stimmt der Verlauf von Nietenreihen, Blechstößen und Trennfugen nur recht vage mit dem Vorbild überein. Nicht einmal der für die Me 410 charakteristische Deckel für das Rettungsschlauchboot-Fach ist korrekt nachgebildet.

An Pluspunkten gibt es fast nichts anzuführen außer der einfachen Konstruktion des Höhenleitwerks, welches auch hier durchgehend ist und einfach in einen Schlitz des Hinterrumpfs gesteckt wird. Falls man das Fahrwerk geöffnet bauen will, gibt es außerdem praktischerweise schon ein ^ - förmiges Teil, was ein Ausrichten der Klappen des Hinterrades im richtigen Winkel überflüssig macht. 

Lindberg - Messerschmitt Me 410

Am ursprünglichen Decalbogen fehlt der Kennung das „F 6“. Das gelbe Rumpfband hätte hier weiß sein sollen, während die „Englandblitz“- Geschwaderwappen generell unzutreffend sind, da es sich bei dieser Maschine definitiv um keinen Nachtjäger handelt!

Lindberg - Messerschmitt Me 410

Stärken:
  • äußerst gelungener Easy-Kit für Anfänger oder Leute mit sehr wenig Zeit
Schwächen:
  • keine korrekte Wiedergabe der Motorgondeln und der Cockpitverglasung
  • unzutreffende Decals

Fazit:

Summa summarum darf man an diesen Kit also keine hohen Ansprüche stellen. Man wäre, wenn man ein einfacheres Me 410-Modell bauen will, mit dem Frog-Baukasten (den es früher auch mal von Revell gab) besser bedient, falls man diesen irgendwo noch ergattern könnte.

Weitere Infos:

Anmerkungen: Auch die beiden geschätzten, aber mittlerweile verstorbenen Modellbau-Kollegen Jörg Schlegel und Rolf „Popeye“ Blattner hatten sich des Themas Me 410 und den falsch nachgebildeten Motorgondeln angenommen. Wie kompliziert solch eine Korrektur an einem 72er Me 410-Plastikmodell ist, lässt sich am besten aus Jörg Schlegels Vorstellung seiner Finemolds-Hornisse in der ModelFan erahnen. Allerdings sollte meiner Meinung nach die von ihm kritisierte Größe der Triebwerke jenes Kits eigentlich zu tolerieren sein. Nichtsdestotrotz gelangte der aufgrund von Jörgs Artikel bereits vorgewarnte Rolf „Popeye“ Blattner auch zu einer wunderschönen Finemolds Me 410, obwohl er es vorzog, lieber die Motorgondel-Teile des Matchboxkits zu verwenden.

Diese Besprechung stammt von Josef Nevole - 19. Dezember 2018

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