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Doblhoff WNF-342 V4

(AMP - Accurate Moldel Parts - Nr. 48008)

AMP - Accurate Moldel Parts - Doblhoff WNF-342 V4

Produktinfo:

Hersteller:AMP - Accurate Moldel Parts
Sparte:Flugzeuge Militär WK2
Katalog Nummer:48008 - Doblhoff WNF-342 V4
Maßstab:1:48
Kategorie:Bausätze (Plastik)
Erschienen:2019
Preis:ca. 20 €
Inhalt:

3 Spritzlinge mit 73 Einzelteilen

1 Ätzteilplatine

1 Maskierungsbogen

1 Markierungsbogen

Besprechung:

Das Original

Ein Blattspitzenantrieb ist gegenüber den damaligen (und auch heutigen) Konstruktionen erheblich einfacher aufgebaut und kommt ohne eine aufwändige Kraftübertragung mittels Wellen oder Getrieben aus. Man unterscheidet zwischen einem „kalten" und einen „heißen" Blattspitzenantrieb. Bei Erstem wird komprimierte Luft durch die Düsen geleitet. Beim Zweiten wird bei genügender Rotationsgeschwindigkeit Treibstoff in die Düsen geleitet und gezündet. Die Leistung ist zwar höher, aber diese Abart eines Staustrahltriebwerkes hat immer noch einen deutlich geringeren Wirkungsgrad als andere Antriebsarten von Helikoptern. Hinzu kommen ein hoher Kraftstoffverbrauch und eine nicht unerhebliche Geräuschentwicklung. Alle Faktoren zusammen verhinderten einen wirtschaftlichen Einsatz einer solchen Antriebsart. Beispiele für solche Konstruktionen sind, neben der Doblhoff WNF-342, die Dornier Do 32, Dornier Kiebitz, Boeing X-50, McDonnell XV-1 oder die Fairey Rotodyne.

Ein erstes, einfaches, Modell dieses Antriebsystems wurde bereits 1842 getestet. Ein Patent wurde dann 1910 vom Österreicher Ludwig Wittgenstein angemeldet. Baron Friedrich von Doblhoff, ebenfalls Österreicher, griff vermutlich dieses Prinzip seines Landsmannes auf und entwickelte es ab 1937 während seiner Studienzeit weiter. Durch seinen persönlichen Einsatz beim deutschen RLM erhielt er den Auftrag zum Bau eines Erprobungsträgers.

Zusammen mit zwei Ingenieuren der Wiener Neustädter Flugzeugwerke (WNF) konstruierte Doblhoff 1942 ein Testgestell, welches des Machbarkeit des Antriebssystems bestätigte. Im Frühjahr 1943 fand der gefesselte und bemannte Erstflug der inzwischen Doblhoff WNF-342 V1 genannten Maschine statt. Im Herbst 1943 folgte ein etwa achtminütiger Schwebeflug in geringer Höhe, angetrieben von einem 60 PS leistenden Walter Mikron-Motor. Doblhoff hatte die Hoffnung, einen Bauauftrag für die deutsche Kriegsmarine zu erhalten, die zu dieser Zeit einen bordgestützten Beobachtungshubschrauber suchte. Kurze Zeit später wurde das Werk in Wien bombardiert und die V1 fast komplett zerstört.

Die restlichen Teile der V1 wurde für die V2 verwendet, in die ein 90 PS Argus As-8-Motor eingebaut wurde. Die Maschine wurde 1944 bei einen Unfall schwer beschädigt. Mit der V3 sollte erstmals die Transistion vom Schwebezustand zum Flug umgesetzt werden. Dazu wurde die Konstruktion modifiziert und ein 135 PS Argus As-8-Motor verwendet. Durch starke Rumpf-Schwingungen wurde die V3 Anfang 1944 stark beschädigt. Ende 1944 wurde die Maschine zur V4 umgebaut, die jetzt zwei Piloten aufnehmen konnte. Kurz vor dem Erstflug wurde die Maschine von Ober-Grafendorf nach Zell am See verlegt, da die alliierten Truppen immer näher rückten. Dort wurde die Doblhoff WNF-342 V4 von amerikanischen Streitkräften erbeutet.

Im Rahmen der „Operation Lusty" wurde die Maschine im Juli 1945 in die USA überführt, zusammen mit ihren Erfinder, Friedrich von Doblhoff. Anfang Dezember 1946 wurde die Maschine von der Thermal Power Systems Div. Der Firma General Electric ausführlich getestet. Die Ergebnisse wurden Ende April 1948 in einem 28seitigen Bericht veröffentlicht. Bei einem Testflug wurde die die V4 zerstört und der Pilot schwer verletzt. Dies bedeutete zwar das Ende dieses Testprogramms, aber nicht das Ende der Entwicklung des Blattspitzenantriebes. Später war Friedrich von Doblhoff an der Entwicklung der Hughes XH-17 (1952) und der McDonnell XV-1 beteiligt (1954).

Der Bericht der Thermal Power Systems Div. enthält einige interessante Details:

So erhielt die Firma, abgesehen von der V4, keinerlei technische Unterlagen, Zeichnungen oder gar Ersatzteile. Auch hatten einige Teile des Autogyro-Systems gefehlt und es wurden auch ein amerikanischer Geschwindigkeitsanzeiger eingebaut bzw. ausgetauscht. Es wurde zwar bestätigt, das der Blattspitzenantrieb eine innovative Ingenieursleistung sei, aber die verwendeten Materialien bzw. die Bauausführung von minderer Qualität waren. Angesichts der Kriegslage war dies aber auch nicht verwunderlich. Die Motorenleistung war bereits im Schwebeflug nicht ausreichend und nach nur 15 Minuten Laufzeit war das Aggregat überhitzt. Von den 135 PS kamen nur etwa 73 PS bei den Blattspitzendüsen an. Des weiteren wurde angemerkt das die Rotorblätter in sich verdreht waren. An den Spitzen um 6 Grad und am Schaft um 12 Grad. Die Maschine wurde mit zwei Sorten Treibstoff versorgt: 90 Oktan Flugbenzin für den Motor und 67 Oktan Benzin für die Blattspitzendüsen. Der Bericht endet mit einer Empfehlung das Konstruktionsprinzip weiter zu erforschen.

Auch wenn der Erfindung von Friedrich von Doblhoff kein wirtschaftlicher Erfolg vergönnt gewesen war, so haben seine Konstruktionen einen Platz in der Entwicklung der Helikopter verdient. Ein Modell der Doblhoff WNF-342 V4 im Maßstab 1:11 ist im Hubschraubermuseum in Bückeburg ausgestellt.

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Doblhoff WNF-342 V4

 

Der Bausatz

Abgesehen von einem einem älteren Vakubausatz in 1:72 ist der vorliegende Bausatz von AMP eine erste Umsetzung in Spritzguss überhaupt. Der kleinformatige Karton enthält drei Spritzlinge mit total 73 Kunststoffteilen. Hinzu kommen noch eine Maskierschablone, eine Ätzteilplatine mit 17 Teilen und ein Markierungsbogen.

Die Kunststoffteile entsprechen einer guten Kleinserienherstellung (Bauteile ohne Passzapfen). Nacharbeiten an kleinen bzw. filigranen Bauteilen sind nicht zu vermeiden. Auch dürfte das Heraustrennen von einigen Teilen eine sehr knifflige Arbeit werden. Der Grad der Detaillierung ist auf ein Minimum beschränkt. Einige Fotos des Originals aus dem Internet offenbaren noch erhebliches Verbesserungspotential für den ambitionierten Modellbauer. Die Klarteile sind erstaunlich dünnwandig. Doch da die meisten davon überlackiert werden, ist das leider unerheblich. Der Maskierungsbogen ist eine echte Erleichterung für den Modellbauer.

Die Zeichnungen der Bauanleitung sind leicht verständlich aufgebaut. Offenbar fehlt dort der Bauabschnitt Nr. 7. Einen plausiblen Grund dafür konnte ich noch nicht ausfindig machen. Mit dem Markierungsbogen kann die Maschine in zwei Lackierungszuständen dargestellt werden. Die Farben sind nach RLM und Humbrol angegeben.

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Doblhoff WNF-342 V4

 

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Doblhoff WNF-342 V4

Doblhoff WNF-342 V4

 

Darstellbare Maschinen:

Doblhoff WNF-342 V4

Doblhoff WNF-342 V4, CP+DA

Stärken:

Erster Spritzgussbausatz zu diesem Original in 1:48.

Schwächen:

Durch die Kleinserienherstellung Schwächen in den Details bei den Bauteilen.

Anwendung:

Nicht für Modellbaueinsteiger geeignet.

Fazit:

Bei einem Preis von etwa 20 EUR (Sonderpreis, regulär deutlich höher) erhält der Modellbauer ein Modell einer geschichtsträchtigen Konstruktion, die selbst im Maßstab 1:48 als klein zu bewerten ist.

Weitere Infos:

Referenzen:

Buchempfehlung:

Rotorcraft of the Third Reich, Mushroom Model Publications, No. 5109, ISBN 978-83-89450-43-2

Helicopters of the Third Reich, Classic Publications , 10, ISBN 978-1903223246

Diese Besprechung stammt von Bernd Heller - 20. September 2019

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