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H.M.S. Chester

(White Ensign Models - Nr. WEM K 714)

White Ensign Models - H.M.S. Chester

Produktinfo:

Hersteller:White Ensign Models
Sparte:Schiffe Militär WK2
Katalog Nummer:WEM K 714 - H.M.S. Chester
Maßstab:1:700
Kategorie:Bausätze (Resin, Vacu, ...)
Preis:ca. 75,00 €
Inhalt:
  • ca. 45 Resinteile
  • 1 Fotoätzplatine
  • 2 Stück Messingdraht
  • eine Bauanleitung

Besprechung:

Das Original

Die H.M.S. Chester gehörte zu einem Duo leichter Kreuzer, das Anfang 1914 von der griechischen Marine in England beauftragt wurde. Die Einheiten basierten auf dem Konzept der Britischen Birmingham Klasse, einzig für die Hauptbewaffnung wählte man ein neues, von Coventry Ordonance Works entwickeltes 5,5“ – 14.0 cm – Geschütz. Die Schiffe entsprachen dem damaligen modernen Design eines leichten Kreuzers. Mit einer Verdrängung von 5.200 ts und einer Länge von rund 140 m waren diese schnittigen Vierschornsteiner sehr elegant Schiffe. Noch vor dem Stapellauf, der am 08. Dezember 1915 stattfand, wurde das Schiff von der Royal Navy beschlagnahmt. Die Indienststellung erfolgte Anfang Mai 1916 am Vorabend der Seeschlacht vor dem Skagerrak. Bei dem bis dahin größten Zusammentreffen zweier gegnerischer Flotten traf die deutsche Hochseeflotte auf die britische Grand Fleet. Dem eigentlichen Treffen voran ging das Treffen der Schlachtkreuzer, welches in die Seefahrtgeschichte eingegangen ist. Die Chester gehörte zur 3rd Light Cruiser Squadron zum Verband Admiral Hoods der seine Flagge auf H.M.S. Invincible gesetzt hatte. Nachdem Hood detachiert wurde, Beattys Schlachtkreuzer zu unterstützen, wurde Chester, nachdem Geschützfeuer zu vernehmen war, zur Aufklärung vorgeschickt. Dabei wurde Chester gegen 17:40 Uhr von Deutschen Leichten Kreuzern überrascht. In dem kurzen aber heftigen Gefecht, in dem Chester versuchte die leichten Deutschen Verbände auf Hoods Schlachtkreuzer zu ziehen, wurde Chester 17 mal getroffen. Mit zerlöcherten Aufbauten und drei außer Gefecht gesetzten Geschützen erreichte sie die Sicherheit der eigenen Schlachtlinie. Im Verlauf der Schlacht verloren 32 Besatzungsmitglieder ihr Leben und 46 wurden verwundet. Unter den gefallenen Seeleuten befand sich auch der 16 jährige Schiffsjunge 1st Class John „Jack“ Cornwell, der, obwohl schwer verwundet, an seiner Position am achteren Geschütz verblieb und hier seinen Verwundungen erlag. Hierfür wurde im posthum das Victoria Kreuz verliehen. In der Chester Cathedral befindet sich ein Gedenkstein für die gefallenen Besatzungsmitglieder sowie die Kriegsflagge der Chester, die sie am 31. Mai 1916 führte. Das Schiff verblieb bis 1919 bei der 3rd Light Cruiser Squadron, wobei sie an keinen weiteren Kampfhandlungen mehr teilnahm. Chester wurde 1921 zum Abwracken verkauft und anschließend abgebrochen. Das achtere 5,5“ Geschütz, an dem der junge Cornwell sein Leben gelassen hat, befindet sich heute im Imperial War Museum in London.

Das Modell

White Ensign Models - H.M.S. Chester

Wer im beliebten Maßstab 1:700 gern einen "eleganten britischen light cruiser" in seine Sammlung aufnehmen möchte, kommt an White Ensign nicht vorbei, denn viele Modelle leichter Kreuzer der Royal Navy aus der Zeit von 1910 – 1919 gibt es nicht. Neben White Ensign bietet lediglich HP-Models ebenfalls die Chester an. White Ensign zeigt die Chester im Bauzustand von 1916 zur Zeit der Skagerrakschlacht. Doch nun genug, lasst uns endlich in den stabilen Karton schauen...

White Ensign Models - H.M.S. Chester

...auf den ersten Blick fallen die wenigen Bauteile auf, was in erster Linie daran liegt, dass am Rumpf die wesentlichen Aufbauten sowie die Schornsteine bereits mit angegossen sind. Der in einem Stück gegossene Resin-Rumpf gibt die typische Form des Schiffes gut wieder und besticht durch seine vielen feinen Details an Oberdeck. Ein kleiner Wermutstropfen offenbart sich bei genauer Betrachtung der Gussqualität; da dass Modell der Chester bereits einer der älteren Bausätze aus dem Hause White Ensign ist, hat die Form über die Jahre anscheinend gelitten, was sich an den leicht abgerundeten Materialkanten und wenig ausgeprägten Bullaugen zeigt. Trotzdem ist der Rumpf ein schönes detailliertes Teil, an dem alles wesentliche enthalten ist. Lediglich die Bullaugen und die Schornsteinöffnungen sollten aufgebohrt werden. Bei den Schornsteinen sollte dabei vorsichtig vorgegangen werden, um sie nicht zu beschädigen.

White Ensign Models - H.M.S. Chester

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An weiteren Teilen für die Aufbauten liegen dem Bausatz Teile für die Brücke und diverse Geschützpodeste bei. Die Schanzkleider sind dabei an den Aufbauteilen mit angegossen, wobei die Schanzkleider sehr schön wiedergegeben Splitterschutzmatten aufweisen. Der beiliegende Resinmast ist aus Stabilitätsgründen überhaupt nicht zu gebrauchen. Lediglich die Beobachtungsstände sollten hier abgetrennt werden, um den Mast unter zu Hilfenahme der beiliegenden Messingrundprofile neu aufzubauen.

White Ensign Models - H.M.S. Chester

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Die dem Bausatz beiliegenden Geschütze und Scheinwerfer sind ganz ordentlich wiedergegeben. Neben einer leichten Vertiefung an der Rückseite der Schilde, um die tatsächlich vorhandene Tiefe zu simulieren, weisen die Geschütze auch Blastbags an den Rohren auf. Die 5,5“ Geschütze liegen in zwei Ausführungen, mit Geschützrohr in Nullstellung – 10 Stück – und mit Geschützrohr in erhöhter Position – 6 Stück, laut Bauplan 6 bei dem mir vorliegenden Modell nur 5  - bei. Somit ist es möglich, eine Breitseite der Chester mit Geschützen in Schussstellung darzustellen. Die Scheinwerfer sind gute Hausmannskost und können durch Aufbohren und Darstellen des Glases mit Christal Klear einiges an Originalität gewinnen.

White Ensign Models - H.M.S. Chester

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Ein klein wenig enttäuscht war ich dann von den Beibooten. Diese weisen, wie auch der Rumpf, abgerundete Materialkanten auf und lassen die Feinheit der Beiboote vermissen, die in den Kits von Kombrig enthalten sind. Mit etwas Mühe und Arbeit lassen sich diese zwar aufpeppen, aber es geht halt auch besser wie man anderweitig sieht!

White Ensign Models - H.M.S. Chester

Ein großes Plus macht der Bausatz wiederum durch die beiliegende Ätzplatine, die alle erforderlichen Teile – inkl. Reling – enthält, um aus dem Bausatz einen kleinen Hingucker zu machen. Neben der bereits angesprochenen Reling sind Schornsteinabdeckungen, Davits, Anker, Türen, Leitern, Stützen für die Brücke usw. enthalten. Die Qualität und Feinheit der von Peter Hall gestalteten Ätzplatine ist als hervorragend zu bezeichnen.

White Ensign Models - H.M.S. Chester

Die Bauanleitung ist ebenso zu den Pluspunkten hinzuzuzählen. Neben einigen Fakten zur Geschichte der Chester enthält sie auf 8 Seiten alle nur erdenklichen Informationen zum Verbau der Teile sowie zum Umgang mit Resin und Fotoätzteilen. Ein farbiger Seiten- und Deckriss vervollständigt die vorbildliche Bauanleitung. Die Farbangaben beziehen sich auf die Farben aus dem White Ensign Colorcoats Programm. Dem Bausatz liegen White Ensign typisch keine Flaggen bei, diese sind aus dem Zubehör zu beschaffen.

White Ensign Models - H.M.S. Chester

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Darstellbare Einheiten:
H.M.S. Chester im Bauzustand von 1916, spätere Bauzustände durch Umbau möglich – Chester führte ab 1917 z.B. einen Dreibeinmast.
Stärken:
  • interessante Typenauswahl
  • gute Wiedergabe des Originals
  • einfacher Aufbau, gut durchdachter Bausatz
  • Fotoätzteile liegen bei
Schwächen:
  • teilweise keine gute Gussqualität
  • fehlende Flaggen
Anwendung: Aufgrund des einfachen Grundaufbaus auch für den Einstieg in den Bau von Resinmodellen geeignet, es sollte aber auf jeden Fall Modellbauerfahrung vorliegen! 

Fazit:

Auch wenn die Gussqualität teilweise nicht ganz auf der Höhe ist, handelt es sich hier um einen guten Bausatz aus dem sich ein schönes Modell dieses eleganten Schiffes bauen lässt. In Verbindung mit den Ätzteilen ist auch der auf den ersten Blick hohe Preis gerechtfertigt darum – sehr empfehlenswert!

Diese Besprechung stammt von Christian Bruer - 22. Februar 2007

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