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PZL.43A Luftwaffe

(Mirage Hobby - Nr. 481311)

Mirage Hobby - PZL.43A Luftwaffe

Produktinfo:

Hersteller:Mirage Hobby
Sparte:Flugzeuge Militär bis 1939
Katalog Nummer:481311 - PZL.43A Luftwaffe
Maßstab:1:48
Kategorie:Bausätze (Plastik)
Erschienen:Januar 2012
Preis:ca. 53 €
Inhalt:
  • 5 Gießäste aus grauem Kunststoff
  • 2 Gießäste aus klarem Kunststoff
  • 1 Platine mit Fotoätzteilen
  • 1 Decalbogen plus 2 Ergänzungsbögen

Besprechung:

Mirage Hobby - PZL.43A Luftwaffe

Der leichte Bomber und Aufklärer PZL.43 wurde von Stanislaw Prauss als Exportversion der PZL.23 Karas mit einem stärkeren Triebwerk entwickelt. Der erste Prototypflug der PZL.23 erfolgte im August 1934, 1935 wurde mit der Serienproduktion begonnen. Die erste Maschine der Baureihe PZL.23A verließ 1936 die Produktionshallen. Im Frühjahr 1936 begannen die Arbeiten an der Exportversion.

Durch den größeren Gnome-Rhone Motor ergab sich eine Verschiebung des Schwerpunktes des Flugzeuges, welche durch eine Verlängerung des Rumpfes im Bereich des Beobachtercockpits kompensiert wurde. Die Bauart des Gnome-Rhone Motors mit seinen zwei Zylinderreihen machte auch eine Verlegung der MG-Bewaffnung erforderlich (im Gegensatz zum Bristol Pegasus-Motor konnte nun nicht mehr „durch“ den Motor geschossen werden). Die MG-Läufe mussten daher an die Seiten verlegt werden, wodurch weitere Änderungen an der Motorenverkleidung und der Abgasanlage erforderlich wurden.

Alle diese Änderungen führten schließlich zur Umbenennung der Maschine in PZL.43. Gegen Ende des Sommers 1936 wurde die Serienproduktion beschlossen, im Februar 1937 konnte die Flugerprobung aufgenommen werden. Im Rahmen dieser Flüge erhielt die Maschine einen zweiten Ölkühler, verlängerte Ansaug- und Abgasstutzen.

Im April und Mai 1937 wurden die ersten Maschinen an Bulgarien ausgeliefert, weitere potenzielle Abnehmer waren Griechenland, Türkei, Schweden und Spanien. Allerdings blieb es wegen dem Überfall Deutschlands auf Polen bei Bulgarien als einzigem Exportkunden.

Mirage Hobby - PZL.43A Luftwaffe

Im Sommer 1937 bestellten Vertreter der bulgarischen Regierung 42 neue PZL.43 bei PZL in Mielec. Die Maschinen waren mit dem Gnome-Rhone GR 14N-01 ausgerüstet und trugen die Bezeichnung PZL.43A. Diese verbesserte Version erhielt des Weiteren eine verbesserte Kabinenheizung sowie einen besseren Feuerschutz. Der Beobachterplatz erhielt auf der rechten Seite ein Schiebefenster. Die Waffenanlage wurde ebenfalls modifiziert. Neben den neuen Aufhängungen für 12,5 kg Bomben wurden auch modernere MGs verbaut. Die MGs des Piloten waren nun vom Typ wz.36G, die des Beobachters vom Typ wz.36R. Das Philips VR27B Funkgerät und das RH32 Visier komplettierten die Verbesserungsmaßnahmen.

Gemäß bulgarischen Unterlagen wurden 26 PZL.43A vor Ausbruch des Krieges im Jahre 1939 ausgeliefert. Am 1. September 1939 befanden sich noch sechs bzw. neun Maschinen in Polen. Einige davon kamen warscheinlich sogar zum Einsatz unter polnischer Flagge, spielten aber wohl keine entscheidende Rolle bei der Verteidigung. Nachdem Polen von Deutschland besetzt war, wurden zwei Maschinen aus den Überresten der anderen zusammengesetzt, Nr. 37 und Nr.40. Eine davon wurde in der ersten Jahreshälfte 1940 nach Bulgarien überstellt. Die zweite, noch immer beschädigte Maschine, wurde ins Luftwaffenerprobungszentrum nach Rechlin gebracht und dort unter Anleitung von Kazimierz Dzwonkowski, einem ehemaligen Pilot und Ingenieur der PZL Flugzeugwerke, erprobt. Testpilot auf deutscher Seite war Otto Winkler, er war es auch, der die Maschine (Nr. 40) im Oktober 1940 nach Bulgarien flog. Zusammen mit den beiden von Deutschland ausgelieferten Maschinen verfügte Bulgarien nun über 28 PZL.43A, zusammen mit den zwölf PZL.43 also insgesamt über 50 Flugzeuge dieses Typs. Damit wurden bis auf vier Maschinen alle ausgeliefert. 

PZL.43A LuftwaffePZL.43A LuftwaffePZL.43A LuftwaffePZL.43A LuftwaffePZL.43A LuftwaffePZL.43A Luftwaffe

PZL.43A Luftwaffe

 

Der Bausatz ist wie sein Vorbild eine Weiterentwicklung des bereits seit einiger Zeit erhältlichen PZL.23 Karas Bausatzes. Für ein einmotoriges Flugzeug ist er recht umfangreich ausgefallen, ca. 300 Einzelteile, davon gut 90 Ätzteile, gilt es zu verbauen. Die Restekiste darf sich ebenfalls freuen, sie wird um gut 50 Teile reicher, darunter ein kompletter Bristol Pegasus Motor. Die Qualität der Bauteile ist ganz ordentlich. Sämtliche Details sind sauber ausgeformt, an manchen Stellen findet man etwas Grat und Fischhäute. Die Gravuren sind zwiespältig, die Spritzlinge "W" und "N" weisen feine versenkte Gravuren auf und die Oberfläche ist nur minimal rau, wie man das von modernen Short-Run Bausätzen her gewohnt ist. Bei den anderen Teilen, also den Spritzlingen "A" und "B", welche im Wesentlichen die Tragflächen enthalten, sieht es dagegen etwas anders aus. Die Gravuren könnten von einem ehemaligen Matchboxmitarbeiter gemacht worden sein und die Oberfläche ist eher vom Typ "Orangenhaut". Hier ist wohl einiges an Vorarbeit angesagt, bis die Teile überzeugen können. Bei der Gelegenheit kann dann auch die übertriebene Darstellung der stoffbespannten (?) Höhenleitwerke etwas zurückgenommen werden. 

Mirage Hobby - PZL.43A Luftwaffe

Highlight des Bausatzes ist zweifelsohne die sehr gute Detaillierung im Cockpitbereich und des Motors. Der Innenraum wird der großzügigen Verglasung mehr als Gerecht. Die gesamte Baugruppe wird als separate Einheit in den Rumpf eingepflanzt. Nicht weniger als 60 Einzelteile sind dafür vonnöten. Der Einsatz von Fotoätzteilen beschränkt sich dabei auf das sinnvoll Nötigste. In diesem Bereich ist der Bausatz durchaus auf dem Niveau von z.B. Accurate Miniatures und deutlich oberhalb dessen, was normalerweise aus Fernost abgeliefert wird. Lediglich das Instrumentenbrett mit seinen rudimentär gravierten "Uhren", die mit Decals belegt werden, ist ein wenig schlicht geraten. Ein Ätzteil wäre hier sicherlich sinnvoller gewesen. Damit das ganze Ensemble nicht auf Nimmerwiedersehen unter der Cockpithaube verschwindet, kann diese mit geöffneten Segmenten gebaut werden, dafür liegt sogar ein extra Bauteil bei.

Mirage Hobby - PZL.43A Luftwaffe

Der Motor ist ebenfalls sehr gut detailliert. Wer einen drehbaren Propeller will, muss zuerst beide Zylinderreihen lose zusammenkleben, die Stößelstangen an den vorderen Teil ankleben und später wieder auseinandernehmen, um das Gegenlager der Propellernabe einsetzen zu können - sehr merkwürdig. Die Aufnahmebohrungen für die Abgasrohre sind selbst anzubringen. Bei den Fahrwerken hat man die Möglichkeit, die unteren Verkleidungen wegzulassen, bei bulgarischen Maschinen findet man entsprechende Fotos, die das belegen, bei den deutschen Beutemaschinen kann das auch so gewesen sein, muss aber nicht. Bei den Reifen ist sogar der "Dunlop" Schriftzug ganz leicht aufgeprägt, abgeflacht sind sie aber nicht (sowieso besser, wenn man das Maß der Abplattung selbst bestimmen kann). Weitere Optionen beim Bau gibt es bei den Steuerflächen, diese sind allesamt separat ausgeführt und können anhand von Originalfotos entsprechend ausgelenkt dargestellt werden. Die Bauanleitung weist übrigens darauf hin, die Hinterkanten dünner zu schleifen, sehr fürsorglich!

Schlierig und mit KratzernPZL.43A LuftwaffePZL.43A LuftwaffeTrübe aussichten (kein Belichtungseffekt!)PZL.43A LuftwaffeWenig überzeugende Gravuren an den TragflächenPZL.43A Luftwaffe
PZL.43A LuftwaffePZL.43A LuftwaffeÜbertriebene Darstellung der StoffbespannungPZL.43A LuftwaffePZL.43A Luftwaffe

Schlierig und mit Kratzern

Schlierig und mit Kratzern 

Die Klarsichtteile können leider mit dem gehobenen Niveau des restlichen Bausatzes nicht ganz mithalten. Die Teile weisen eine deutlich sichtbare Körnung (sprich Schlieren) auf, die sich auch durch Schleifen und Polieren nicht wegbekommen lässt, geschweige denn ohne die umliegenden Rahmenteile stark in Mitleidenschaft zu ziehen. Zu allem Überfluss finden sich an den großen Teilen auch noch einzelne Kratzer, als wäre die Gussform nicht einwandfrei sauber gewesen. Die Teile für die untere Verglasung sehen merkwürdig trübe aus, möglichweise kann man hier mit Polieren noch für etwas mehr Klarheit sorgen. Die etwa 10 x 8 cm große Ätzteilplatine enthält im Wesentlichen einige Teile für das Cockpit, die Waffen und die Sitzgurte. Von den zahlreichen Deckeln werden nur wenige benötigt. Positiv fallen die Lochbleche für die MG-Läufe auf, die ohnehin schon sehr gut detaillierten Teile erhalten damit den letzten Detailkick. Die Machart der Ätzteile erinnert eher an die guten alten Verlinden "Platten", als an die filigranen Eduard-Bleche.

PZL.43A LuftwaffeHervorragende Detaillierung der SeitenwändePZL.43A LuftwaffeDer Gnome-Rhone MotorPZL.43A LuftwaffePZL.43A LuftwaffePZL.43A Luftwaffe
PZL.43A LuftwaffeSogar die 'Dunlop' Schriftzüge wurden nicht vergessen.PZL.43A LuftwaffePZL.43A LuftwaffePZL.43A Luftwaffe

PZL.43A Luftwaffe

 

Der in drei Teile zerlegte Decalbogen erlaubt die Darstellung beider deutscher Beutemaschinen. Der Druck ist sehr sauber und versatzfrei. Auch die kleinen Schriftzüge können problemlos entziffert werden Die Ausführung ist leicht glänzend, der Trägerfilm ist hauchdünn. Einige Wartungshinweise sind ebenfalls enthalten. Die Seitenleitwerksmarkierungen sind die üblichen zweigeteilten "Enterhaken". Wenigstens wurden sie beim vorliegenden Besprechungsmuster nicht weggeschnitten oder übermalt. Schade, dass keine reguläre bulgarische Einsatzmaschine darstellbar ist. Beim Einstandspreis von über 50 Euro wären die paar Hoheitszeichen doch sicherlich drin gewesen, zumal die beiden deutschen Maschinen bis auf die Größe der Balkenkreuze identisch sind. Als Hilfestellung zur korrekten Bemalung ist die entsprechende Anleitung farbig ausgeführt. Ohnehin kann man die gesamte Bauanleitung als wirklich sehr gut gemacht bezeichnen. Neben den sehr übersichtlichen 3D-Darstellungen der einzelnen Baustufen gibt es auch einiges an Hintergrundwissen zur Bemalung der polnischen Maschinen dieser Epoche. Das 10-seitige Booklet lässt eigentlich keine Frage offen. 

PZL.43A LuftwaffePZL.43A LuftwaffePZL.43A LuftwaffePZL.43A LuftwaffePZL.43A LuftwaffePZL.43A Luftwaffe

PZL.43A Luftwaffe

 

Darstellbare Maschinen:
  1. PZL.43A, No. 37/7139, FWM Mielec 1940
  2. PZL.43A, No. 40/7139, Rechlin 1940 
Stärken:
  • Hervorragende Detaillierung
  • Ätzteile inklusive
Schwächen:
  • Teilweise sehr raue Oberfläche
  • Klarsichtteile sind von vergleichsweise minderer Qualität (Schlieren, Kratzer, Trübung)
  • Nur 2 Beutemaschinen darstellbar
Anwendung:

Mittelschwer, der Bausatz ist recht komplex aufgebaut.

Fazit:

Ein sehr gut gemachter Bausatz, die Fülle an Details und die Ätzteile machen Zurüstteile überflüssig. Abzüge in der B-Note gibt es für die nur mäßigen Klarsichtteile und die Tatsache, dass wirklich nur die beiden (temporären) Beutemaschinen dargestellt werden können. Bei über 50 Euro VK hätte durchaus noch eine reguläre Einsatzmaschine drin sein können. 

Weitere Infos:

Referenzen:
  • PZL P.23 Karas, Monografie Lotnicze No. 23, AJ Press
  • PZL P.23 Karas, Orange Series No 01, Mushroom Model Publications

Diese Besprechung stammt von Frank Richter - 25. Februar 2012

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