Du bist hier: Home > Kit-Ecke > Italeri > Junkers Ju 88 A-4 Historic Upgrade

Junkers Ju 88 A-4 Historic Upgrade

(Italeri - Nr. 1287)

Italeri - Junkers Ju 88 A-4 Historic Upgrade

Produktinfo:

Hersteller:Italeri
Sparte:Flugzeuge Militär WK2
Katalog Nummer:1287 - Junkers Ju 88 A-4 Historic Upgrade
Maßstab:1:72
Kategorie:Bausätze (Plastik)
Preis:ca. 20euro;
Inhalt:
  • Spritzrahmen A bis F (E und F 2x)
  • ein Spritzrahmen Klarsichtteile
  • Bauanleitung
  • Decalbogen
  • Photographic Reference Manual

Besprechung:

Die Unterseite der Box
Die Unterseite der Box

Allgemeine Informationen

Spritzrahmen A, B und C sind mit dem alten Bausatz identisch, jedoch verzichtete man auf das Loch für das MG in der Bugverglasung (Schlieren zeigen, wo es mal war). Am Rahmen B wurden die alten Propeller und Spinner entfernt, die alten Triebwerksfronten befinden sich jedoch noch am Rahmen. Ebenso wurden die alten MG und Sitze am Rahmen A belassen, während die Grundplatte und der rückwärtige Geräteträger der Cockpitausrüstung sowie die Flammenvernichter vom Rahmen verschwunden sind. Neu sind die Spritzrahmen D, E (2x) und F (2x). D beinhaltet die neue Cockpitausstattung, E Propeller, Motorenfronten und Flammenvernichter. Der Rahmen F ist mit diverser Bewaffnung bestückt, die aber in diesem Bausatz größtenteils keine Verwendung findet – hier denkt man wohl an zukünftige Upgrades oder neue Bausätze!? Die Verpackung hat sich wesentlich verbessert. Während im alten Karton die Spritzrahmen lose herumlagen, sind nun alle einzeln verpackt und neben dem äußeren Karton sorgt ein extra Innenkarton für mehr Stabilität und weniger Bewegung der Einzelteile.

Rahmen A Teil 1
Rahmen A Teil 1

Gedanken zum Bausatz

Dieser vor wenigen Jahren neu herausgebrachte Ju-88-Baukasten nimmt heutzutage sicherlich eine Sonderstellung unter den aktuellen Kits des berühmten deutschen WK-II-Bombers ein. In gewisser Weise könnte er sogar die Gruppe der möglichen Kaufinteressenten fast schon spalten, sind doch seine Ausstattungsmerkmale leider etwas halbherziger Natur. Der kritische Modellbauer, sowie natürlich auch der 88er-Freund, wird dieses Produkt wahrscheinlich in erster Linie eher als eine Art Marketingmaßnahme ansehen. Die Mehrheit hingegen wird solche Art Remake aber sicher begrüßen.

Rahmen A Teil 2 + Rahmen C
Rahmen A Teil 2 + Rahmen C

Um den tatsächlichen Stellenwert bzw. Gütegrad dieses Kits objektiv beurteilen zu können, sollte man sich diesbezüglich vielleicht noch kurz den zugrunde liegenden ersten Italeri-Bausatz einer Ju 88 in Erinnerung rufen. Dieser war zum Entstehungszeitpunkt, also 1991, bekanntlich das erste rundum authentische 1:72er Modell dieses Flugzeugtyps überhaupt! Endlich wurden hier einmal Kanzelverglasung, Fahrwerksräder, Bola, ETCs und Flügelrandbögen vorbildgerecht dargestellt. Insbesondere daran waren ja die anderen Hersteller (bis dato) in diesem Maßstab allesamt gescheitert, wobei es individuell stets auch noch ärgerliche Baureihenunstimmigkeiten gab. Italeri hingegen, konnte sich seines damaligen großen Wurfs fraglos sicher sein und schuf daraufhin, völlig folgerichtig, noch weitere Ju88-Baukästen anderer Varianten.

Nichtsdestotrotz gab es aber auch einige Mängel, deren gravierendster (im wahrsten Sinne des Wortes) wohl die hier zugrunde liegende Raised-Panels-Konzeption war. Wurden bereits Ende der siebziger Jahre, also noch zu „Italaerei“-Zeiten, bereits schon Flugzeugbausätze mit versenkten Oberflächendetails angeboten, hatte man seinerzeit ausgerechnet bei der ersten ordentlichen Ju 88 willfährig eine große Chance vertan.

Wenig verwunderlich, dass sich solch Anachronismus rächen musste und das schon recht bald. Schon zwei, drei Jahre später erschienen von der Fa. AMT nämlich zwei Recessed-Panel-Bausätze, die ebenso stimmig (aber auch nicht 100% perfekt) umgesetzt worden waren und dabei noch in der gleichen Preislage angeboten wurden! Glücklicherweise handelte es sich dabei aber um Modelle anderer Baureihen, so dass der Konkurrenzdruck keinesfalls übermäßig war, wenngleich die gesamte Ausgestaltung letztendlich augenscheinlich an Italeri zu erinnern schien. Pikanterweise entstammten die Formen eigentlich auch noch ESCI, Italeris größtem nationalen Konkurrenten, der seinerzeit aber mit der Firma Ertl liiert war, zu deren Marken damals gerade auch (vorübergehend/zeitweise!) AMT gehörte.

Rahmen C
Rahmen C

Doch zurück zum einstigen Kit aus der Nähe von Bologna mit der Artikelnummer 019 und dessen Defiziten. Ein einziger Bereich war dort nicht ganz so vorbildgetreu umgesetzt worden wie der Rest. Dies waren die Motorengondeln. Wohl waren an deren Darstellung zuvor auch schon Lindberg, Airfix, Frog und Revell (genauso wie auch Matchbox bei der Ju 188) gescheitert, doch lag deren Formenursprung allerdings auch Jahrzehnte zurück. Dummerweise hatte man sich in der Emilia Romagna gerade an deren Stirnseiten, Kühlerringen, Auspuffstutzen usw. aber noch richtig Mühe gegeben. Weshalb dann die Fahrwerksschächte allerdings zu schmal gerieten, wird wohl ein unergründliches Ärgernis bleiben müssen.

Dies dürfte nicht einmal durch die Tatsache gelindert werden, dass ESCIs Formenbauer diesen Fehler ebenfalls übernahmen, insbesondere wo doch die Marke oder besser gesagt das Label AMT/ Ertl bald darauf als Anbieter von (lediglich!) Flugzeugbausätzen vollständig vom Markt verschwand. Erst Jahre später danach tauchten noch einige „AMTech“ benannte Baukästen (weiterer Baureihen/Versionen) einer Gruppe mittelständischer Kaufleute aus Iowa auf, die ebenfalls jene Grundform verwendeten, doch auch diese sind heute längst nicht mehr erhältlich. Daher war Italeris Ju 88-Kit(s) lange Jahre eine quasi unangefochtene Marktposition vergönnt, welche eigentlich erst vor Kurzem in Gestalt der Bausätze von Hasegawa, Zvezda und Revells-Neuerscheinung beendet wurde. Diese Dekade hat man fraglos auszunutzen verstanden, belieferte man, von mehreren eigenen Wiederauflagen abgesehen, ja auch noch Tamiya und Bilek etliche Zeit mit Gussrahmen.

Allzu verständlich, dass Ju-88-Kenner in dieser Zeit wohl selten zu Airfix, Lindbergs oder Revells Veteranen, welche damals die einzigen Alternativen bildeten, griffen. Obgleich sich der kritische Betrachter allerdings vielleicht gefragt haben dürfte, ob denn in Italeris Formenbau-Abteilung zum Zeitpunkt der Formerstellung kein feinerer Spiralbohrer auffindbar war? Meiner Meinung wäre dessen Verwendung das Mindeste, wenn man schon aus Kostengründen versenkte Oberflächendetails scheute, insbesondere da nicht nur Lindberg als auch Airfix, durch den Einsatz eines solchen, schon  30 Jahre zuvor feinere Nietenköpfe zustande brachten, sondern bereits auch schon die früheren Italaerei-Kits selbst!

Störend sind die unnötig dicken Seitenfensterscheiben sowie ein (oftmals) störendes Loch in der Windschutzscheibe bei den Klarsichtteilen sowie die nicht ganz akkuraten MG 81-Z-Nachbildungen. In Kenntnis dieser Ausgangslage, wobei die Liste der Mängel, oder besser gesagt, der verbesserungswürdigen Objekte, natürlich noch nicht vollständig ist, wenn man denn ganz akkurat bewerten möchte ohne aber gleich schon Nietenzähler werden zu wollen, gilt es nun Italeris Auffassung eines weiterentwickelten Bausatzes zu beleuchten.

Rahmen B
Rahmen B

Da wäre zunächst wohl schon die unglückliche, da sinnwidrige Bezeichnung „Historic upgrade“ anzusprechen. „Geschichtliches“ lässt sich logischerweise nun mal nicht verbessern. Klar, Italeri-Kenner wissen um die Schwäche dieses Herstellers, wenn es um Fremdsprachen geht. Weshalb man sich dort in solch elementarem Fall aber nicht auf die Formel „authentical upgrade“ einigen konnte, ist schon beinahe befremdlich.

Den Baukasten andererseits, als ein historisches Remake anpreisen zu wollen, würde allerdings fast schon an Selbstüberschätzung grenzen. Um der Fairness willen, sollte man hier vielleicht etwas nachsichtig sein, zielt Italeris „Historic“-Terminus (wie bei seinen anderen dieserart bezeichneten Bausätzen genauso) wahrscheinlich hauptsächlich mehr auf das beiliegende A-5 große Photographic-Refernce-Heftchen mit einem geschichtlichen Überblick nebst dazugehörige historischen Aufnahmen der Ju 88. Meiner Meinung sollte diese Broschüre von Italeri vielleicht besser separat angeboten werden, allein schon um die Kosten des eigentlichen Bausatzes nicht zu belasten. In der Vor-Internet-Zeit wäre so eine Dreingabe möglicherweise noch eine gute Verkaufsidee, heute aber findet jeder Interessierte alle Antworten zu seinem Kit meist problemlos auch im WWW. Während alle wahren Kenner andererseits bestimmt zusätzlich noch eine Bibliothek an anspruchsvollerer Fachliteratur ihr Eigen nennen.

Zumindest war man in Italien ehrlich genug einzugestehen, dass der Inhalt nicht ausschließlich dem konkreten Bausatz und seinen Bemalungsoptionen gewidmet ist. Das schlechte Englisch des Herrn deMattia bzw. vielleicht auch nur den bescheidenen Gütegrad seines Auftraggebers Übersetzungssoftware darf ich hier dann aber nicht verschweigen.

Rahmen D
Rahmen D

Blieben nun noch die neu hinzugekommenen Teile des Upgrade-Bausatzes zu bewerten. Auch hier ist Italeri bedauerlicherweise ebenso den Weg des geringsten Widerstandes gegangen, wenngleich hier aber fraglos auch einige ernsthafte Ansätze zur Nachbesserung erkennbar sind. Dennoch hätte der in die Erstellung des Begleit-Schriftwerks investierte Aufwand freilich in der Abteilung Formenbau nutzbringender verwendet werden können. So aber wurden lediglich bislang nur, eigentlich noch passable Einzelteile ersetzt bzw. nachgearbeitet. Ausgerechnet das einzig wahre, grundlegende Problem des Kits, das, wie erwähnt, in den Motorgondeln bestand, blieb aber unbehandelt!

Natürlich muss die Frage, ob authentischere MG 81-Nachbildungen, abgeplattete Hauptfahrwerksräder, neue VS 11-Propeller, Cockpit-Ausstattung etc. falsch proportionierte Bereiche der äußern Silhouette aufwiegen können, jeder bitte für sich selbst entscheiden. Ich persönlich denke, dass es letztendlich nicht viel bringt, im Cockpitbereich zu Hasegawa, Zvezda und Revell aufschließen zu wollen, wenn es außen immer noch nicht ganz hinhaut. Ferner bedeuten natürlich auch noch die sehr akkuraten MG 15, MG 131, „MG FF“, nebst den schweren Bomben, die auf dem nunmehr beigepackten neu angefertigten (EDLW-Universal-)Spritzling übrigbleiben,  zweifellos einen willkommen Zuwachs für den Restevorrat. Doch all dies gibt es ja bei Zvezda und Revell mehr oder minder auch, während dort die Form der Motorgondeln aber stimmt, und das auch noch zu einem günstigeren Preis! Da hätte man sich in Italien wirklich mehr anstrengen können und nicht nur vordergründig auf eine Effekthascherei in der Kanzel setzen sollen, um höhere Marktanteile im Bereich der 1:72 Ju 88 Bausätze anpeilen zu wollen, finde ich.

Aber Italeri hat ja noch etwas getan, gibt es hier doch fünf Bemalungsoptionen anstatt den einstmaligen zwei! Leider wird es hier aber einmal mehr etwas schwierig. Trotz einer tagelangen Recherche gelang es mir nicht alle Bemalungsoptionen anhand von besseren, da „zutreffenderen“ bzw. „eindeutigeren“ Beweisfotografien umfassend verifizieren zu können. Da ich selbstverständlich in diesem Bereich nicht allwissend bin, kann ich nun nicht die mir verdächtig erscheinenden Seitenrisse generell ausschließen wollen. Allerdings werde ich hier einfach ein leider allzu oft begründetes Unbehagen gegenüber den WK-II-Luftwaffen-Bausätzen Italeris nicht ganz los. Nachdem es dort leider generell überwiegend nicht ganz stimmt, sollte es mich sehr wundern, dass es hier einmal besser geklappt haben sollte. Insbesondere die konkreten Kennungen lassen sich innerhalb der qualitativ überwiegend recht bescheidenen Original-Fotografien des Begleitheftes oftmals nicht eindeutig erkennen und sind vor allem bei der „L1+ LS“ höchstwahrscheinlich guten Gewissens als spekulativ zu klassifizieren.

Dies trifft wohl gleichermaßen auch für die „Baumbach-Maschine“ zu. Ferner wäre dann auch die Unterseitenlackierung der „3Z+DM“ fotografisch nicht konkret belegt, so dass die dunkel überschmierten Balkenkreuze (die es so ja nicht einmal auf dem beigefügten Profile gibt), nebst in RLM65 belassenen, d.h. tupfenfreien Triebwerksgondeln fraglich bleiben. Insbesondere Details, wie farblich hervorgehobene Spinner, Kühlerringe, Triebwerksunterseiten usw. wären dann zu allem Übel nahezu durchgehend ebenfalls als vage zu bewerten.

Um es kurz zu machen könnte man jetzt über die vielen, zumindest heiklen Merkmale innerhalb der Vorbild-Problematik ohne Weiteres zwei weitere Seiten anfügen, was hier klarerweise aber leider absolut den Rahmen sprengen würde. Die französische und italienische Maschine dürften dann aber wohl schon eher originalgetreuer sein. Doch gibt es gerade bei letzteren ebenfalls Abweichungen zu den mir bekannten Bildern. Da diese dann allerdings lediglich aus Kleinigkeiten bestehen, will ich diesbezüglich ein Auge zudrücken. Genauso wie bei dem fehlerhaften Layout der Rückseite des Büchleins, das die Bildunterschriften der Seitenrisse einmal in Englisch und dann wieder Italienisch, d.h. durcheinander gemischt wiedergibt (sic!), als auch jenen, der darin besteht, den weißen Ring in der Rumpfkokarde der Armée de l'air- Maschine quasi farblos dargestellt zu haben. Somit schrumpft die vordergründig reichhaltige Bemalungsoptionen-Auswahl aufgrund mangelnder Sorgfalt nach meinem Dafürhalten leider nur auf gerade mal ein Paar (4D+AH, Französische-Beutemaschine) eindeutiger Profiles, wobei mit dem Rest wenigstens aber der persönliche Decals-Vorrat etwas erweitert werden kann.

Die schier unbegreifliche Tatsache, dass die Fa. Italeri als mutmaßlicher, momentaner Besitzer der zeitgemäßeren ESCI-Formen, jene quasi zurückhält, um das ältere eigene Modell zu favorisieren, anstatt beispielsweise jene auch nicht gerade unattraktiven Nachtjägerbaureihen nachzuarbeiten, wäre dann wohl eine noch weit traurigere Geschichte.

Rahmen E und F
Rahmen E und F

Italeri - Junkers Ju 88 A-4 Historic Upgrade

Darstellbare Maschinen:
  • Ju88 A-4  L1+LS; 8./Lehrgeschwader 1, Mittelmeer 1942-43
  • Ju88 A-4  4D+DD; Stab III/KG30, Werner Baumbach, Kirkenes Sommer 1943
  • Ju88 A-4  5K+AN; 5./KG3, Ostfront 1942
  • Ju88 A-4  3Z+DM; II/KG77, Catania, Italien 942
  • Ju88 A-4  4D+AH; 1./KG30, Petsamo, Finnland 1942
  • Ju88 A-4  Free French Air Force, Groupe Dor, Toulose-Blagnac November 1944
  • Ju88 A-4  Squadriglia Nucleo Speciale Addestramento R.A.Forfi Juli 1943
Stärken:
  • einfach, für Anfänger geeignet
  • trotzdem sind die Konturen der Ju 88 gut getroffen
  • Decals auch für nicht deutsche Flugzeuge
Schwächen:
  • erhabene Strukturen
  • zu schmale Motorgondeln
  • Bemalungsvarianten, die sich auch mit dem beigefügten Heftchen nicht 100%ig belegen lassen
  • Preis

Fazit:

Ein halbherzig aufgewerteter alter Bausatz, der mit den Bausätzen von Zvezda, Revell (neu) und Hasegawa nicht mithalten kann. Er wäre für Anfänger recht gut geeignet, doch dagegen spricht der Preis, der teilweise weit jenseits der 20€-Marke liegt. Somit sind die beiden ersten Konkurrenten nicht nur besser, sondern auch preiswerter. Also ist der Italeri-Bausatz in zweifacher Hinsicht nicht zu empfehlen.

Diese Besprechung stammt von Enrico Friedel-Treptow + Josef Nevole - 10. Mai 2013

Du bist hier: Home > Kit-Ecke > Italeri > Junkers Ju 88 A-4 Historic Upgrade

© 2001-2019 Modellversium Modellbau Magazin | Impressum | Links | Blog