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Selbst angefertigte Abziehbilder

von Josef Nevole

Warnung: Bei allen unseren Tipps & Tricks immer an die Sicherheit denken und wenn möglich erst an einem Probestück ausprobieren.


Bei den heutigen Apotheker-Preisen von Decal-Sets die oftmals leicht den Kaufpreis eines Bausatzes erreichen, kann man schon mal in Verlegenheit geraten. Daher möchte ich hier eine alte und einfache Lösungsmöglichkeit in Erinnerung rufen, die zumindest teilweise etwas weiterhelfen dürfte, solcherart Ausgaben einzudämmen.

Sie ist wie gesagt nicht neu, geschweige denn spektakulär. Dennoch seit Jahrzehnten bewährt, weshalb es einfach Schade wäre sie in Vergessenheit geraten zu lassen. Ihren Ursprung dürfte sie womöglich im Osten gehabt haben, zumindest habe ich dort erstmalig von dieser Methode gehört. Ich selbst habe lediglich nur ein paar Neuerungen ausgetestet die es seinerzeit noch nicht gab, welche es nun noch einfacher und rationeller machen diese individuellen Abziehbilder anzufertigen. Interessanterweise war ich bei den Versuchen selbst überrascht welch hervorragende Qualität die selbstgemachten Decals anschließend erreichten. Meines Erachtens kann es wahrscheinlich kaum dünnere Kauf-Abziehbilder geben, wobei Elastizität und Klebekraft ebenfalls überdurchschnittlich sind. Ganz zu schweigen von der Tatsache dass man, falls wirklich mal ein Versuch misslingen sollte, einfach so oft man will problemlos für Ersatz sorgen kann. Weil das Ganze so einfach ist will ich das Wirkungsprinzip gar nicht groß erläutern sondern gehe gleich zur Anleitung über.

Man besorge sich folgende zwei "Bestandteile". Ein Stück Papier das auf der Unterseite gummiert  ist, also wie eine Briefmarke auf einer Seite mit einer Klebeschicht versehen ist. Diese erreicht erst beim Anfeuchten ihre Klebekraft bzw. Haftfähigkeit. Außerdem benötigt man einen matten oder glänzenden Klarlack auf Nitro- bzw. Kunstharzbasis. Mit einem Pinsel trägt man dann eine beliebig große, dünne Lackschicht auf die beschichtete Seite des Papiers (Träger) auf und lässt sie gut trocknen. Somit ist das Abziehbild beinahe fertig weil man anschließend nur noch sein Symbol, Emblem, Bild etc. auf die Lackschicht aufbringen muss. Hat man dies getan wird das Abziehbild wie gewohnt in etwas Wasser getaucht und genau  wie sonst auch am Modell fixiert.    

Selbst angefertigte Abziehbilder

 

Mussten in früheren Zeiten alle darzustellenden Objekte noch mit Pinsel und Modellbaufarben aufgemalt werden, kann man heute mittels Permanent-Markern, also Filzstiften, weit einfacher zum Ziel gelangen. Begibt man sich wie ich es getan habe auf die Suche, stellt man schnell fest, dass es davon heute im Fachhandel ein ausreichend großes Angebot gibt. Denn neben Schwarz und Weiß (das es ja mittlerweile auch schon gibt) sind einige weitere Grundfarben erhältlich. So stellen Rot, Grün und Blau absolut kein Problem dar, bei Gelb wird es allerdings etwas schwieriger. Braun oder Violett findet man erst nach etwas Stöbern. Gold und Silber runden das Angebot an Permanent-Markern ab und es können durchaus vielleicht noch andere Farbtöne aufgespürt werden oder in Zukunft neu auf den Markt kommen. Spätestens hier möchte ich an die Neugier jedes Interessierten appellieren. Denn es ist sicherlich nicht auszuschließen dass man durch Experimentieren und Ausprobieren sowohl andere Lacke für den Trägerfilm als auch andere Stifte oder Farben (z.B. Acryllack) fürs Bemalen zu entdecken. Weshalb ich sehr erfreut wäre an dieser Stelle vielleicht bald schon einen diesbezüglichen Verbesserungsvorschlag lesen zu dürfen.

Selbst angefertigte Abziehbilder

Damit wären die wichtigsten Sachen besprochen und die Methode erläutert. Da die Vielfalt an benötigten individuellen Decals wohl grenzenlos sein dürfte, sollte nun hoffentlich in allen Sparten etwas Lust am Nachahmen und Ausprobieren erweckt worden sein. Insbesondere die Anhänger der ehemaligen deutschen Luftwaffe können mithilfe eines Lineals problemlos alle Arten von Balkenkreuzen erstellen, und was vielleicht noch viel wichtiger ist, ohne viel Aufwand auch die leidigen Symbole, die auf dem Seitenleitwerk deutscher WK-II Maschinen angebracht waren, hinbekommen. Beliebige Stencils in Gelb, Rot, und Weiß können ebenfalls auf diese Weise „en miniature“ angefertigt werden. Und auch Kokarden oder besser gesagt Roundels sind mithilfe Schablonen auch nicht viel schwerer selbst herzustellen. Buchstaben/Zahlen- Markierungen, Rumpfbänder, Markierungslinien etc. sowie selbst Geschwaderwappen können natürlich ebenfalls angepeilt werden. Sowie vor allen Dingen Nosearts jeder Couleur. Ferner sind auch Airbrush-Bilder wie sie oftmals an US-Trucks anzutreffen sind vorstellbar. Je nach Maßstab können sogar auch Zifferblätter oder ganze Armaturenbretter usw. entstehen.

Neben Schablonen aller Art kann man noch Zeichenplatten als Hilfsmittel einsetzen, um ein völlig rechtwinkliges Schriftbild bei Markierungen zu erreichen. Während sich durch gleichzeitige Zuhilfenahme von Geometriedreiecken etc. ganz korrekt verlaufende Kanten erzielen lassen. Auch Hebelschneidemaschinen können hilfreich werden wenn man beispielsweise randlose Abziehbilder eckiger Objekte, oder aber einen gleichmäßigen Randstreifen für sein individuelles Decal erhalten will.

Das einzige Problem bei dieser kostengünstigen Methode der  eigenen Abziehbildherstellung ist das Papier mit Klebeschicht-Unterseite. Das "Originalrezept" sprach von einer Art Klebeband auf Papierbasis welches es früher sehr viel gab. Ich hatte glücklicherweise noch etwas Packklebeband zur Hand das man durchaus  auch noch heutzutage finden kann. Leider hatte ich damit aber keinen großen Erfolg da es einfach nicht gelang den Decal-Film abzulösen obwohl ich den als Träger dienenden Streifen Klebeband recht lange eingeweicht hatte. Wahrscheinlich war das braune Papier qualitativ so gut, dass es sich nur schwer von der Klebeschicht "befreien" lies. Im Nachhinein fand ich aber die perfekte Lösung. Die eigentlich einfach nur darin bestand Randstreifen von Briefmarkenbögen zu verwenden! Diese können z.B. noch bei Postfilialen erhalten werden die Briefmarken nicht aus Abrollern anbieten. Da es sich dabei um Abfallmaterial handelt bekommt man alles noch gratis wenn man danach fragt bzw. am besten darum bittet etwas davon zurückgelegt zu bekommen. Möchte man größere Abziehbilder kreieren klebt man einfach beliebig viele Streifen auf der Vorderseite mittels Tesafilm aneinander und trägt dann auf der gummierten Unterseite seine Lackschicht auf. Genauso kann man aber auch die Klebelaschen eines Briefumschlages verwenden, bzw. mit Gummiarabikum -Lösung selbst Papier bestreichen. Diese kann nämlich selbst heute noch in guten Schreibwarenläden erworben werden. 

Josef Nevole

Publiziert am 21. Februar 2019

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