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Tipps zur Modell-Fotografie (Teil 2)

Digitale Bildbearbeitung / Erweitern der Schärfentiefe

von Ralf Zaißer

Warnung: Bei allen unseren Tipps & Tricks immer an die Sicherheit denken und wenn möglich erst an einem Probestück ausprobieren.


Nicht genügend Schärfentiefe... das Originalfoto vor der Bearbeitung
Nicht genügend Schärfentiefe... das Originalfoto vor der Bearbeitung

Digitale Bildbearbeitung

Wie bei den Tipps zur Modell-Fotografie (Teil1) beschrieben, ist es sehr schwierig, die Schärfentiefe auf das komplette Modell auszudehnen. Grund ist, daß bei kurzen Aufnahmeabständen (also bei Macroaufnahmen) die Schärfentiefe auf wenige cm zusammenschrumpft. Um diese Unzulänglichkeiten der analogen Fotographie zu umgehen montieren wir, mit Hilfe eines Bildbearbeitungsprogrammes, aus mehren Bildern mit unterschiedlichen Schärfezonen ein scharfes Bild mit einer erweiterten Schärfezone. Voraussetzung ist, daß die scharfen Bereiche beider Bilder zusammen ein komplettes Bild ergeben können. Wenn hierzu die zwei Schärfebereiche nicht ausreichen, dann können mit der unten beschriebenen Vorgehensweise auch mehr als zwei Bilder zu Einem montiert werden. Beispielsweise könnte man je nach Ausdehnung des Modells im ersten Bild die Schärfe auf den vorderen Teil, im zweiten auf die Mitte und im dritten Bild die Schärfe auf das Ende des Fahrzeugs legen. Letztendlich geht man bei der Montage so vor, daß man vom oberen Bild die unscharfen Teile entfernt, so daß die scharfen Bereiche des darunterliegenden Bildes zutage treten. Dies kann man unter Verwendung unterschiedlicher Werkzeuge im Bildbearbeitungsprogramm tun. Im folgenden werde ich zwei erwähnen: Die der Anwendung einer Maske und die Verwendung des Radiergummis. Da ich nicht davon ausgehen kann, daß jeder Computeranwender einen Photoshop sein eigen nennen kann, werde ich mich auf Prinzipien und Werkzeuge beschränken, die auch in anderen Bildbearbeitungsprogrammen wie Paintshop (http://www.corel.de ) oder Gimp (http://www.gimp.org/) vorhanden sind. Übrigens: Die im Folgenden beschriebene Technik kann man nicht nur dazu verwenden Unschärfen durch Schärfen zu ersetzen, sondern natürlich auch fehlbelichtete Stellen mit richtig Belichteten usw.

Vorbereitung:

Da wir die einzelnen Bilder übereinanderlegen müssen, sollten diese möglichst deckungsgleich sein. Dies kann man dadurch erreichen, daß man die Kamera auf ein Stativ montiert und nur am Schärfering die einzelnen Schärfebereiche einstellt. Die Kamera selbst und das Modell dürfen sich nicht bewegen. Optimal ist natürlich die Auslösung per Drahtauslöser oder Fernbedienung. Wer dann auch noch eine Spiegelvorauslösung hat, der ist perfekt ausgestattet um deckungsgleiche Bilder zu erzeugen. Aber selbst dann sind die Bilder nicht 100% deckungsgleich weil eine Schärfeänderung auch eine geringfügige Brennweitenänderung bedeutet. Wir kommen also um eine nachträgliche Bearbeitung der Bildgeometrie nicht herum. Wichtig hierbei ist nur: Was man bei der Aufnahme verhindern kann muss man nachher nicht mehr korrigieren. Ein Tipp: Wer keinen Drahtauslöser oder Fernbedienung zur Verfügung hat, der kann auch den Selbstaulöser der Kamera verwenden. Alles ist auf jeden Fall besser, als der dicke Finger der auf den Auslöser drückt und der Kamera einen Wackler mitgibt. Falls o.g. Vorgehensweise nicht möglich ist, weil die Kamera nur einen Autofocus hat, der in der Bildmitte wirkt, wird die Montage etwas komplizierter. Da die beiden Bilder naturgemäß nicht deckungsgleich sein können, weil die Kamera ja bewegt werden muss, ist dieser Mangel auf jeden Fall später in der Bildbearbeitung korrigiert werden. Ansonsten gilt aber auch hier: Nur die nötigsten Lageveränderungen vornehmen.

Montage:

Man startet das Bildbearbeitungsprogramm seiner Wahl und lädt das erste Bild (Schärfe am vorderen Teil des Modelles). Danach wird das zweite Bild geladen, mit CTRL-A ausgewählt und mit CTRL-C in die Zwischenablage kopiert. Anschließend wird dieses zweite Bild als neue Ebene (auch „Layer“ genannt) über dem ersten Bild eingefügt. Im Photoshop wird dies einfach durch CTRL-V erledigt (nicht vergessen, daß das erste Bild wieder zu selektieren ist); im Paintshop ist dies die Tastenkombination CTRL-L. Danach kann das zweite Bild wieder aus dem Programm entfernt werden; wir haben es jetzt ja als Ebene.

Beispiel des Paintshop:

(Hier sieht man den zweiten Layer „Ebene1“) mit der Schärfeebene am Ende des Fahrzeugs. Das erste Bild mit der Schärfe im Vordergrund ist auf der Hintergrundebene („Hintergrund…“) und wird durch „Ebene1“ überdeckt:

Beispiel des Paintshop
Beispiel des Paintshop

Und so sieht es im Photoshop aus
Und so sieht es im Photoshop aus

Und wie gehts weiter?

Nun liegen also beide Bilder übereinander. Wenn sie deckungsgleich sind, dann ist erstmal alles Ok, ansonsten müssen wir die Bilder in Deckung bekommen. Das kann man beispielsweise relativ leicht dadurch tun, daß man die Transparenz des obersten Bildes soweit zurückdreht, daß das untere Bild durchscheint. Auf diese Art lässt sich das obere ganz leicht mit dem unteren zur Deckung bringen.

Hier am Beispiel vom Paintshop
Hier am Beispiel vom Paintshop

So würde es dann aussehen, wenn die beiden Bilder ungefähr zur Deckung gebracht wurden (Beispiel am Photoshop):

Beispiel am Photoshop
Beispiel am Photoshop

Wie man am Ende des Kanonenrohrs sieht, waren die beiden Bilder nicht identisch. Weitere Korrekturen kann man nun anstellen, in dem man das obere Bild entsprechend verzerrt, dass es nun endgültig deckungsgleich wird. Dies geht im Photoshop sehr bequem durch den Befehl „frei transformieren.“ Hierbei kann ein rechteckiger Ausschnitt des oberen Bildes durch das Verschieben der Ecken zu einem beliebigen Parallelogramm bzw. Trapez verzerrt werden:

Bearbeitung mit Photoshop...
Bearbeitung mit Photoshop...

Beim Paintshop geht es nicht ganz so einfach. Hier muss man ein wenig umständlich mit den Deformationsfiltern „Parallelogramm“ usw. arbeiten. Hier sollte man möglichst schon beim Fotografieren dafür sorgen, daß man sich später nicht abquälen muss:

..und mit Paintshop
..und mit Paintshop

Jetzt wird's spannend...

Nun sind die beiden Bilder deckungsgleich. Jetzt können wir damit beginnen, die unscharfen Stellen im Bild loszuwerden. Hierzu erstellen wir eine Ebenen-Maske im obersten Layer: Linkes Bild:Im Photoshop durch Drücken des Buttons („Add Layer Mask“), Rechtes Bild Im Paintshop im Masken-Menü durch den Menüpunkt „Neu“.

Links PHOTOSHOP... Rechts PAINTSHOP
Links PHOTOSHOP... Rechts PAINTSHOP

Im Paintshop wird dann noch im Menü die Ebenen-Maske aktiv geschaltet und sichtbar gemacht (anhaken von „Bearbeiten“ und „Maske anzeigen“). Die Maske funktioniert nun so: Alles was mit schwarzer Farbe in der Maske gemalt wird sorgt dafür, daß das Bild an dieser Stelle durchsichtig wird. Malt man mit weiß, wird es wieder undurchsichtig, wählt man eine andere Farbe entspricht die Durchsichtigkeit dem Helligkeitswert der Farbe. Malt man also z.B. mit einem 50%igen Grau, dann wird das obere Bild auch nur halb durchsichtig. Die schwarze Farbe in der Maske (also das was durchsichtig wird) wird im Paintshop durch eine rote Maskenfarbe dargestellt. Das ist jetzt auch hier zur Erklärung sehr praktisch, sonst würde man den Effekt nur an der veränderten Schärfe sehen.

Tipps zur Modell-Fotografie (Teil 2)

Das was also im oberen Bild rot dargestellt wird, ist der Bereich des Bildes der durchsichtig wird und deshalb das untere Bild (das an genau den roten Stellen schärfer ist) durchscheinen lässt. Im Photoshop gehts im Prinzip genau so. Man pinselt einfach mit Schwarz drauflos, und schon kommt der scharfe Teil aus dem Bild darunter zum Vorschein. Achtung! Darauf achten, daß das Maskensymbol ausgewählt ist, sonst malt man nicht in der Maske, sondern im Bild. Photoshop bietet hier noch zur leichteren Bearbeitung die Möglichkeit zusätzlich entweder nur die Maske (Alt-Klick auf das Masken-Thumbnail) oder wie im Paintshop die Maske mit einer Maskenfarbe (Alt-Shift-Klick auf das Masken-Thumbnail) anzuzeigen:

Tipps zur Modell-Fotografie (Teil 2)

Tipps zur Modell-Fotografie (Teil 2)

Hier das Bild im Photoshop (in diesem Beispiel wird die Maske nicht rötlich dargestellt). Die unscharfen Teile sind entfernt. Es ist übrigens sinnvoll einen Pinsel mit weicher Kante zu verwenden, damit man die Übergänge zwischen den Layern nicht sieht.

Alternative: Radieren

Hat man keine Maskentechnik zur Verfügung, so kann man natürlich, statt mit Schwarz in einer Maske herumzumalen, auch mit einem Radiergummi (auf die weiche Kante achten) die unscharfen Teile ausradieren. Nachteil: Wenn man falsch radiert hat, dann hat man nur noch die Undo-Funktion (wenn es denn eine gibt) des Bildbearbeitungsprogrammes zur Verfügung, um den Fehler wieder rückgängig zu machen. Arbeitet man mit der Maskentechnik, dann malt man den Fehler einfach wieder mit weiß zu und der obere Layer wird an dieser Stelle wieder undurchsichtig.

Vorher-Nacher Bilder zur besseren Übersicht:

Bild1: Schärfe vorn
Bild1: Schärfe vorn

Bild 2: Schärfe hinten
Bild 2: Schärfe hinten

Bild 3: Das Modell ist in allen Bereichen scharf abgebildet.
Bild 3: Das Modell ist in allen Bereichen scharf abgebildet.

Ralf Zaißer

Publiziert am 30. März 2006

Die Bilder stammen von Thomas Hofmann / Bearbeitet von Ralf Zaißer

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