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AH-1G Cobra

von Max Lorenz (1:72 Revell)

AH-1G Cobra

Einleitung

Bei Revell erschien 2017 ein Bausatz der ersten Serienversion der AH-1, welcher ursprünglich von Special Hobby aus Tschechien stammt und deren Form nun auch schon wieder neun Jahre alt ist. Mit dem vorliegenden Bausatz ist die G-Version theoretisch mit allen wichtigen Modifikationen baubar, welche sich über die Zeit im Vietnamkrieg ergeben haben, da alle Teile dem Bausatz beiliegen. Die Restekiste freut sich also! Was die Detailierung angeht, ist der Bausatz voll auf der Höhe der Zeit, auch wenn die versenkten Gravuren auf den ersten Blick ziemlich deutlich ausfallen. Nach dem Lackieren relativiert sich das Ganze aber auch noch etwas.

AH-1G Cobra

Revell bietet uns zwei verschiedene Einsatzhubschrauber an: Einmal die „The Chrystal Ship“ und die „Leprechaun“. Dass es sich bei beiden Varianten um eine frühe Version der G-Variante handelt (Heckrotor auf der linken Seite), bleibt von Revell unerwähnt. Da die meisten Cobras im Vietnamkrieg später auf den rechten Heckrotor umgebaut wurden (wegen besserer Steuerbarkeit), ist es nach meinen Recherchen auch möglich, zumindest die „The Chrystal Ship“ als solche spätere Version zu bauen, denn die Bauteile sind mit vorhanden.

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Im Vietnamkrieg wurden zudem einige Cobras mit dem ebenfalls im Bausatz enthaltenen XM35-System (M195 Revolverkanone) und dazugehörigem Verstärkungsblech an der linken Cockpitseite ausgestattet. Genau so eine Aufrüstung zeigt uns Revell auf den Bildern des fertig gebauten Modells der „The Chrystal Ship“ auf der Kartonrückseite (diesmal mit rechten Heckrotor). Im Bauplan selbst ist davon jedoch nie die Rede. Soweit ich weiß, hat es so eine Aufrüstung mit der M195 bei dieser AH-1G auch nie gegeben. Bei genauerer Betrachtung sorgt Revell also für etwas Verwirrung.

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Vorbildauswahl und Informationen zum Vorbild

Ursprünglisch war mein Plan die „Leprechaun“ zu bauen, bis ich auf eine andere „bildhübsche“ Cobra stieß: Die „#1 Du me mi“. Weil es dazu gehört, gibt es auch noch ein paar Infos zum direkten Vorbild, was bei amerikanischen Luftfahrzeugen vom Vietnamkrieg meist auch nicht so uninteressant ist:

Als 68-15012 ausgeliefert (also Baujahr 1968) kam sie im Juni 1969 nach Vietnam, wo sie ab Januar 1972 bis Januar 1973 bei der „F Troop“ der 4th Cavalry in Da Nang von Ken Mick geflogen wurde. Mit 1.941 Flugstunden überlebte sie Vietnam und ging dann im Februar 1973 zurück in die USA, wo sie später zur AH-1S aufgerüstet wurde.

AH-1G Cobra

Dass Hubschrauber und Flugzeuge oft Namen bekamen, gehörte wohl zur Tradition der Amerikaner. So war es folglich auch ber der „#1 Du me mi“. Fakt ist, dass es sich dabei um eine Redewendung handelt, welche so geschrieben seinen Ursprung in der französischen Kolonialzeit in Vietnam hat. Was ich rausgefunden habe bzw. wie ich es verstehe, ist, dass es sich daher um „vietnamesisch mit französischen Einflüssen“ handelt, wo auch noch verschiedene Schreibweisen/Dialekte und Interpretationsspielräume vorhanden sind. Lange Rede, kurzer Sinn: Frei übersetzen kann man es mit „Number One: F*ck your Mother“, was gerade von den Vietnams natürlich als Beleidigung und Provokation aufgefasst wurde/werden sollte. Im Buch „Vietnam War Army Helicopter Nose Art - Volume 2“ von John Brennan wird es hingegen als „Bad Mother F*er“ übersetzt.

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Als Berdohung für die Cobras kam im Laufe der Jahre die wärmesuchende Rakete SA-7 „Strela“ auf, welche auf vietnamesischer Seite eingesetzt wurde. Um dem etwas entgegen zu wirken, wurden spezielle Triebwerksauslässe entwickelt, welche den heißen Abgasstrom nach oben in Richtung Rotor lenkten. Dort wurde er durch die Drehbewegung des Rotors mit der Umgebungsluft vermischt und dadurch abgekühlt. Die 15012 war einer der ersten Cobras, welche damit ausgerüstet wurde.

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In 1:72 ist die „#1 Du Me Mi“ von AzModel und Mistercraft baubar, in 1:32 von ICM, aber auch einige Decalhersteller bieten Markierungen dazu an. Und wen wundert es: alle Hersteller haben minimale Abweichungen in der Lackierung, welche nur beim genaueren Hinsehen auffallen. Um auf einen gemeinsamen Nenner zu kommen, erforderte es viel Rechere und Zeit, um dann später zu merken, dass es aufgrund mangelnder Vorbildfotos keine hundertprozentige Lösung gibt. Wenn es um die Lackierung geht, ist mir das normalerweise immer sehr wichtig, aber da ich meine AH-1G auch mit dem XM35-System bauen möchte, einfach weil der fertige Hubschrauber damit brachialer aussieht, welches dieser Heli aber nie hatte, ist es eh vorbei mit der Hundertprozentigkeit.

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Um an die Decals zu kommen, habe ich mich für den Mistercraft-Bausatz entschieden. Dieser ist günstig zu bekommen und hat auch die weißen Linien um den Cockpitbereich als Decal beiliegen. Der Bausatz selbst ist im übrigen der wohl schlechteste, den ich je gesehen habe, aber das ist eine andere Geschichte. Mir geht es aber ja nur um die Decals, welche verhältnismäßig gut gedruckt sind. Nach meinen Erfahrungen sind diese allerdings bei Mistercraft immer extrem steif und unempfindlich gegenüber Weichmacher, dazu aber später mehr.

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Der Bau...

...an sich gestaltete sich meist unproblematisch, die Passgenauigkeit war gut, gespachtelt werden musste so gut wie nicht. Bautechnisch die größte Hürde ist wohl die in fünf Bauteile aufgeteilte Cockpitverglasung. Die mittlere Verglasung war bei mir etwas nach unten gewölbt. Geradebiegen war keine Option, da ansonsten ganz kleine Risse bzw, trübe Stellen entstehen würden. Ich habe mich damit abgefunden und die mittlere Verglasung angeklebt. Das war auch nicht so einfach, da die angebrachten Passflächen vorne und hinten nicht wirklich ihre Funktion erfüllten. Beim Ankleben war es ein Spagat zwischen vermitteln und „nicht ins Cockpit fallen lassen“. Aufgrund der Wölbung musste ich wohl oder übel alle vier Seitenscheiben so zurecht schleifen, dass am Ende kein unschöner Absatz an den Stoßkanten entsteht. Das war dann durchaus mal 1 mm an Material, was weggenommen werden musste. Gepasst hat dann aber alles zum Glück ganz gut.

Die einzige Stelle, wo gespachtelt werden musste, war beim Anbringen der beiden Munitionsbehälter der M195. Der Übergang zur Rumpfunterseite wäre ansonsten extrem unsauber gewurden.

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Nach dem Grundieren erfolgte die Lackierung mit Airbrush und Revell Email-Farben Schwarz (8), Nato-Oliv (46) und Karminrot (36). Da nach dem Versiegeln mit Klarlack viele matte Farben leider nachdunkeln, wäre das Nato-Oliv zu dunkel geworden. Daher habe ich die Farbe noch mit einigen Tropfen Weiß und Gelb etwas aufgehellt. Nach meinem Geschmack hätte es am Ende auch noch etwas heller sein können.

AH-1G Cobra

Bei den Decals habe ich eine Mischung aus denen von Revell und Mistercraft verwendet, wobei ich mich aber bei den Wartungshinweisen natürlich an die Angaben von Mistercraft gehalten habe. Decaltechnisch sind hier aber zwei Welten aufeinander geprallt. Die Druckquallität war bei Mistercraft gar nicht so schlecht, die Stencils waren immerhin auch noch unter der Lupe lesbar, was mich schon etwas überrascht hat. Die Verarbeitung war allerdings miserabel. Schnell hat sich beim Anbringen der kleineren Abziehbilder gezeigt, dass sie sehr brüchig sind. Also wurden die restlichen zuvor mit dem Liquid Decal Film von Microscale eingestrichen. Hier entsteht ein hauchdünner Film, welche die Decals vorm Reißen schützen sollen, bzw. dies zumindest etwas verhindert. Gerade beim Anbringen des Haifischmauls als großes Decal ist das sehr wichtig. Allerdings muss dieses auch um einige Rundungen gelegt werden, was die nächste Schwäche offen legt.

AH-1G Cobra

Wie schon erwähnt, ist der Trägerfilm einfach extrem steif und noch dazu gegenüber verschiedener Weichmacher einfach nur unempfindlich. Was hier hilft, ist Klarlack. Dieser wird auf die Unterseite des Decals gestrichen und fungiert dann als Kleber. Mit dem Pinsel wird dann alles an die Oberflächenform angepasst und nach ein paar Minuten hält alles. Der Klarlack setzt dann zwar auch in gewisser Weise die Oberflächengravuren zu, was bei diesen Decals dann aber auch keine Rolle mehr spielt. Der direkte Bereich um den Kinnturm wurde dann noch mit roter Farbe lackiert (Feuerrot 330), da das Decal zu sehr weggebröselt ist und es sich sowieso nie richtig um die Rundungen gelegt hätte. Großflächiges Wegschneiden war dann doch die beste Lösung. Nachdem am Haimaul noch etwas mit Farbe nachgebessert wurde, kam noch eine Schicht matter Klarlack von Humbrol drüber.

AH-1G Cobra

Nach drei Monaten bzw. 22 Stunden Bauzeit war die AH-1G „#1 Du Me Mi“ fertig. Ich hoffe, sie gefällt Euch!

Quellen:

AH-1G Cobra

Max Lorenz

Publiziert am 05. March 2022

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