Audi R10 TDILe Mans 2007, #3 Luhr/Rockenfeller/Prématvon Roland Kunze (1:24 Revell)
Das 75. 24-Stunden-Rennen von Le Mans 2007...
...fand am 16. und 17. Juni 2007 statt. Am Rennen nahmen 54 Fahrzeuge aus vier Klassen teil. Im Vorjahr noch belächelt dafür, mit Dieselantrieb Sportwagenrennen fahren und auch gewinnen zu wollen, ließ der Sieg von Audi in Le Mans 2006 alle Kritiker verstummen. Und so traten die Ingolstädter mit drei äußerlich nahezu unveränderten, aber technisch optimierten R10 TDI mit 5,5 Liter V12-Dieselmotor mit Biturboaufladung und 646 PS Leistung an. Audi hatte in diesem Jahr mit Peugeot einen ernstzunehmenden Gegner bekommen, die mit zwei brandneuen, grundsätzlich siegfähigen, aber noch nicht bewährten 908 HDi FAP mit dem gleichen Motorkonzept, aber 700 PS Leistung, aufliefen. Dieselfahrzeuge wurden ab diesem Jahr mit Handicaps belegt: so musste beispielsweise der Treibstofftank 10% weniger Fassungsvermögen aufweisen als bei Benzinern.
Wohl wegen der Präsenz eines heimischen Herstellers waren mit 250.000 Zuschauern deutlich mehr anwesend als in den letzten Jahren. Das gesamte Rennwochenende war immer wieder von heftigen Regenfällen durchzogen, was zu schwierigen Steckenbedingungen führte, höchste Konzentration der Piloten erforderte, so manchen Ausrutscher und Unfall verursachte und für die Fahrer in den offenen Wagen alles andere als angenehm war. Während der Trainings und des Qualifyings dominierte der Peugeot 908 HDi FAP #8 mit Lamy/Sarrazin/Bourdais und errang so die Pole Position für das Rennen, danach kam der Audi R10 #2 mit Kristensen/McNish/Capello, gefolgt vom zweiten 908 HDi FAP, den anderen beiden Audi und Pescarolos. Aber offenbar hatten die Audi während des Trainings extrem tiefgestapelt, denn unmittelbar nach Rennbeginn ließen sie die Katze aus dem Sack, übernahmen schon in der ersten Runde das Zepter und gönnten den beiden Peugeot das ganze Rennen über keine einzige Führungsrunde.
Die widrigen Wetter- und Streckenbedingungen forderten aber ihren Tribut, so touchierte Mike Rockenfeller bereits in nach eineinhalb Stunden an der Ausfahrt von Tertre Rouge nach einem Dreher mit dem Heck des R10 TDI #3 die Leitplanken. Alle seine Bemühungen, das Auto wieder fahrtüchtig zu bekommen waren vergebens, er musste aufgeben – da waren es nur noch zwei. Aber auch bei Peugeot lief nicht alles glatt: mit dem Einbruch der Dunkelheit musste der 908 HDi FAP #8 mit Schaden an der Hinterachse für längere Zeit in die Box. Am Sonntagvormittag, in der 17. Rennstunde, verlor der sicher in Führung liegende R10 TDI #2 mit Rinaldo Capello am Steuer bei der Anfahrt zur Indianapolis-Kurve ein Hinterrad und krachte in einen Reifenstapel. Der Fahrer blieb unverletzt, aber das Auto war zu schwer beschädigt, um es wieder fahrfähig zu machen – da war es nur noch einer.
Der R10 TDI #1 mit Werner/Pirro/Biela lag nun mit vier bzw. sechs Runden vor den beiden Peugeot zwar sicher in Führung, aber jetzt durfte für Audi nichts mehr schief gehen. Drei Stunden vor Rennende setzte wieder heftiger Regen ein, und Marco Werner sollte im Cockpit eigentlich abgelöst werden. Da er jedoch mittlerweile die tückischen Stellen auf der Strecke kannte, blieb er bis zum Schluss am Steuer von #1. Eineinhalb Stunden vor Rennende musste der 908 HDi FAP #7 mit Öldruckproblemen abgestellt werden – ab da wurde es auch für Peugeot ziemlich knapp. Besonders, nachdem kurz vor Schluss auch die #8 Motorprobleme bekam und nach zwei kurzen Boxenaufenthalten notdürftig repariert wieder ins Rennen ging. Um das angeschlagene Fahrzeug überhaupt noch ins Ziel zu bringen, wartete Sébastien Bourdais nach der Ford-Schikane zehn Minuten lang auf die Zielankunft des führenden Audi. Vom Reglement ist dieses Vorgehen eigentlich verboten, aber die Offiziellen drückten alle Augen zu, wahrscheinlich nicht zuletzt deswegen, weil der in Le Mans geborene Bourdais im Auto eines französischen Herstellers saß. So überquerte Marco Werner im Audi R10 TDI #1 nach 369 Runden bzw. 5.029 gefahrener Kilometer als Erster die Ziellinie, Bourdais hinkte im 908 HDi FAP #8 mit zehn Runden Rückstand als Zweiter ins Ziel. Mit dem neunten Sieg in Le Mans und dem fünften in Folge hatte sich der Einsatz von drei Wagen für Audi ausgezahlt. Und auch im Folgejahr blieb für Peugeot nur der zweite Platz hinter einem R10 TDI.
Der Bausatz
Der Revell-Audi R10 TDI war von den drei Sportwagen-Kits der am längsten in meinem Bausatzlager gelegene, es ist noch die Edition von 2007 und die – sagen wir mal: eigenwillige Teilequalität hat mich bis jetzt vom Bau abgehalten. Die Idee, dass das Modell eines Tages Teil eines Le Mans-Trios werden könnte, hatte ich damals beim Kauf ganz sicher nicht. Zum Bausatz kamen damals noch die Decals der 2007er Saison und der Ätzteilsatz von Studio27, Ätzteile für Bremsscheiben, sowie ein Satz Felgen, jeweils von Scale Production dazu. Nachdem ich mit den beiden anderen Modellen die Unglücksraben der jeweiligen Rennen behandelt habe, sollte dies beim R10 TDI nicht anders sein: der Studio27-Decalbogen erlaubt die Dekoration aller drei beim 2007er Rennen gestarteten R10 TDI, und so habe ich mich für das Fahrzeug mit der #3 von Lucas Luhr, Mike Rockenfeller und Alexandre Prémat entschieden, farblich erkennbar an den schwarz gehaltenen Lufteinläufen und Höckerspitzen.
Mein Modell
Der Bau beginnt klassischerweise mit dem Motor, der mit Auspuffanlage und Turboladern ganz gut nachgebildet ist – das war es dann aber auch schon. Auf eine weitere „Einrichtung“ des Motorraumes hat Revell verzichtet, und da gäbe es noch einiges nachzubilden. Wenn da nicht der grottige Anschluss von der Motorhaube zur Karosserie wäre, könnte man darüber nachdenken, aber so blieb für mich die Motor-/Getriebeeinheit allein die Basis für die Hinterradaufhängung. In diesem Zug habe ich auch die vorher modifizierten Bremsscheiben montiert: der Bremssattel wurde abgetrennt, auf die strukturlosen Bausatz-Scheiben die Ätzteile geklebt und mit dem versäuberten Bremssattel wieder vervollständigt.
Dann sollten die Scale Production-Felgen vorbereitet werden: Für die in diesem Fall notwendige Montageposition hat aber der Speichenkranz zum Felgenring zu viel Spiel, müsste also irgendwie aufgefüttert werden. Die Nachfrage an den Hersteller ergab, dass dies tatsächlich so sein solle. Da die Felgenringe für die Revell-R10-Reifen auch noch zu schmal sind und hier eine weitere Modifikation nötig gewesen wäre, habe ich das Felgenset enttäuscht in die Ecke gelegt – ein hemdsärmeliges Zusammenschustern der für teures Geld erworbenen und eigentlich gut ausgeführten Teile ist ein schlechter Deal. Entfernt man jedoch die Gussgrate auf den Speicheninnenseiten der Bausatzfelgen, verbessert das deren Aussehen gewaltig und mit der Verwendung der Radnabe aus dem Scale Production-Set entsteht eine schöne Nachbildung.
Mit dem Cockpit hat man sich mehr Mühe gegeben als mit dem Motorraum, besonders die Bilder für die Carbonoberflächen machen was her und werten diesen Bereich ordentlich auf. Am Sitz sind die Sicherheitsgurte angegossen und sollen mit einem Decal belegt werden – heutzutage nicht mehr der Weisheit letzter Schluss. Im Ätzteilsatz findet man zwar auch ein Teil für die Gurte (die aber anders verlaufen), aber mit dem Material lassen sich nicht wirklich gut Textilgurte nachbilden. So habe ich die angegossenen Gurte abgefräst und auch diesmal auf die mittlerweile bewährte Technik des mit dem Bausatzdecal belegten und randgenau ausgeschnittenen Fabric zurückgegriffen.
A propos Ätzteile: das Studio27-Set ist in guter Qualität ausgeführt, auf Stahlblech zweistufig geätzt. Schön sind die Gitterteile, etliches aber verschwindet mehr oder weniger auf Nimmerwiedersehen unter der Karosserie. Die horizontalen Stützen für den Heckspoiler hätte man sich meiner Ansicht nach ersparen und dafür die Faltlinien an anderen Teilen deutlicher ausarbeiten können. Der absolute Witz ist die „Bauanleitung“: abgesehen davon, dass nicht alle Teile berücksichtigt sind, geht nicht daraus hervor, wo und wie manche Teile eingebaut werden sollen. Die grottigen Zeichnungen und der schlechte Druck/Kopie machen das alles nicht besser: eindeutig eine Angelegenheit für Rätselfreunde.
Von den rund 100 Bausatzteilen sind die meisten für das Chassis vorgesehen, die relativ schnell und unproblematisch verbaut und lackiert sind. Anders sieht es bei der Karosserie aus: da gibt es etliche Baustellen, die zu beheben sind. Fangen wir bei der größten an: die Motorhaube passt an die Karosserie - gelinde gesagt - eher mäßig, der Teileverzug mag sich noch beheben lassen, aber der Übergang vor allem an den beiden Höckern ist in meinen Augen absolut inakzeptabel. Ich bin da offenbar nicht der einzige, der sich entschlossen hat, diese beiden Teile miteinander zu verkleben, entsprechend zu spachteln/schleifen und eine korrekte Silhouette der Einsicht in den Motorraum zu bevorzugen. Dazu wurden auch die beiden hinteren Kotflügelenden an die Karosserie geklebt, so dass eine komplette obere Einheit an den Unterboden montiert werden konnte. Von Fernost-Produkten verwöhnt, kann man auch die Passung der Teile #65 und 66 nur als grobschlächtig bezeichnen, die Gravuren auf der Karosserie fallen im Prinzip in die selbe Kategorie. Hier ist also viel Spachteln, Nacharbeit und Feintuning angesagt. Die Farbe der Kunststoffteile macht das Ganze nicht besser: das silbergraue Material verbirgt perfekt Formtrennnähte, Sinkstellen und das Ergebnis von korrigierten, verspachtelten und verschliffenen Partien, so dass man nach der Lackierung, die diese Fehlstellen dann zutage bringt, bisweilen durchaus unangenehm überrascht ist.
Nach dem Zurichten der Karosserie konnte dann lackiert werden. Hier bin ich nach dem mittlerweile bewährten Schema vorgegangen:
Die Lackierung ist diesmal nahezu auf Anhieb gelungen, so konnten nach dem Entfernen der Maskierungen die Decals aufgebracht werden. Wie schon angemerkt, hatte ich mir den Studio27- Decalbogen besorgt, mit dem die 2007er Fahrzeuge nachgebildet werden können – die finde ich mit den roten und schwarzen Flächen kontrastreicher, aggressiver und ansprechender gestaltet. Das Trägermaterial ist zwar dünn, aber relativ steif und spröde – hier ist gerade bei den großen Bildern, die über gewölbte Flächen laufen, die vorsichtige Anwendung von Decal Strong ein Muss, ansonsten dürfte man chancenlos sein. Selbiges gilt für die Bilder, die auf dem silbernen Untergrund zu platzieren sind, um einfach die Haftkraft zu erhöhen. Über die Deckkraft muss man sich keine Sorgen machen: sowohl die roten als auch die weißen Bilder lassen keine Untergrundfarbe durchscheinen. Die „funktionellen“ Bilder kamen aus dem Bausatz-Decalbogen.
Das Vervollständigen des Autos erfolgte gewissermaßen in einem Wechsel zwischen dem Montieren weiterer Teile / Baugruppen und dem Aufbringen noch fehlender Decals. Auf drehbare Räder habe ich diesmal bewusst verzichtet – eine bessere Detaillierung durch die Scale Productions-Radnaben war mir wichtiger. Die reichlich grobschlächtigen Gussteile für die Sensoren / Antennen auf der Fronthaube habe ich durch Eigenbauten aus Messingrohr, einer Pinselborste und Stahldraht ersetzt. Mit der Montage letzter Bauteile wie Rückspiegel und Abschleppösen war der Bau dann vollendet.
Fazit
Das Bauerlebnis war diesmal sehr durchwachsen: einige Bausatzergänzungen erfüllten die Erwartungen keineswegs oder nur teilweise, der Bausatz selbst hat viele Licht- und Schattenseiten, einfachen Sektionen folgen welche, die ohne Frage sehr fordernd sind. Dazu ist die silbergraue Kunststofffarbe (zumindest bei diesem Kit) ein Graus. Trotz der langen Vorlaufzeit und der vielen Hürden, die sich aufgetan haben, ist am Ende aber dennoch ein Modell entstanden, das, wie ich finde, gut gelungen ist, mir sehr gefällt und eine würdige Komplettierung meines eigenen (deutschen) Le Mans-Trios ist. Roland Kunze Publiziert am 24. Januar 2026 © 2001-2026 Modellversium Modellbau Magazin | Impressum | Links |