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Dornier (CMASA) Do J Wal

D 861, Lufthansa

von Udo Roßbach (1:72 Amodel)

Dornier (CMASA) Do J Wal

Das Original

Der Wal muss wohl als einer der großen Entwürfe von Claude Dornier angesehen werden. Das Flugboot bestach durch seine Seetauglichkeit und vor allem seine Vielseitigkeit. Wale wurden für die verschiedensten Aufgaben eingesetzt, zivil wie militärisch, und stellten mehrere Weltrekorde auf. Viele Aufsehen erregende Erstflüge und Ozeanüberquerungen gelangen mit Walen. Zwei dieser Maschinen wurden von Roald Amundsen für eine Nordpolexpedition verwendet. Die sowjetischen Polarflieger schätzten insbesondere auch seine Fähigkeit, auf Eis zu landen.

Entworfen 1922, als in Deutschland noch die von den Alliierten nach dem Ersten Weltkrieg verhängten Baubeschränkungen für Flugzeuge galten, wurden die ersten Wale bei der Costruzioni Mechaniche Aeronautiche S.A. (CMASA) in Marina di Pisa, Italien, gefertigt. 1925 kaufte die Fluggesellschaft Deutscher Aero Lloyd vier dieser Wale und setzte sie, noch mit italienischen Kennzeichen, auf Strecken im Ostseeraum ein. Später im Jahr erhielten sie dann doch deutsche Kennzeichen, D 861 - 864. Mit der Gründung der Luft Hansa 1926 als Zusammenschluss des Junkers Luftverkehr und des Aero Lloyd, gingen die vier Wale an die neue Gesellschaft über. Sie gehörten damit also zum Erstbestand der Luft Hansa. Die D 861 erhielt später noch den Beinamen "Hai".

Der Bausatz

Wer einen Wal in 1:72 bauen will, der hat nicht wirklich eine Wahl. Es gibt einige Vaku-Bausätze aus den 1980er Jahren, die aber wohl nur noch antiquarisch erhältlich sind. Gleiches gilt für den Spritzguss-Bausatz von Huma. Aktuell angeboten werden noch die Kits von Amodel, die vor ca. zehn Jahren erschienen sind. Diese stellen aber allesamt Militär-Wale in verschiedenen Variationen dar. In meinem Fall habe ich einen Bausatz für einen sowjetischen Militär-Wal (Art.-Nr. 72336) ergattern können.

Dornier (CMASA) Do J Wal

Im Karton finden sich 17 graue Spritzrahmen und einer mit Klarsichtteilen. Einige der grauen Spritzrahmen sind doppelt, für rechts/links. Viele der Teile werden in dieser Version nicht benötigt, aber wohl in anderen. Andere Versionen beinhalten wohl auch teilweise andere Gussrahmen, z.B. für die Motorisierung. Wenn man sich die Gussrahmen ansieht, dann waren möglicherweise auch spätere J II Varianten geplant, und davon auch zivile. Diese sind aber allesamt nicht verwirklicht worden.

Der Bau

Will man aus dem Militär-Wal einen Verkehrs-Wal bauen, muss man doch einige Änderungen vornehmen. Allen voran natürlich das Weglassen der Bewaffnung. An der Stelle des vorderen MG-Standes hatten die Verkehrs-Wale einen Stauraum für seemännische Ausrüstung. Dazu habe ich den MG-Haltering entfernt und das Loch mit einem Deckel verschlossen. Auch der hintere MG-Stand wurde verschlossen, bis auf eine etwa 9 x 9 mm große Luke, die den Einstieg zum Gepäck- und Postraum darstellt. Für den Einstieg wurde darunter noch eine Leiter im Eigenbau ergänzt. Die Luke wurde allerdings später ebenfalls durch einen Deckel verschlossen.

Hinter dem Stauraum, dort wo bei dem Militär-Wal das Cockpit liegt, begann bei den frühen Verkehrs-Walen die Passagierkabine. Dahinter lag dann das Cockpit, unmittelbar vor den Flügelstreben. Um das Cockpit nach hinten zu versetzen, habe ich den Unterbau der Windschutzscheiben herausgeschnitten. In der Größe des dort nun klaffenden Lochs habe ich vor den Flügelstreben ein neues Loch in das Deck geschnitten und dort im vorderen Bereich den Unterbau angeklebt. Wegen der etwas anderen Wölbung an dieser Stelle musste ich dann noch einige Anpassungsarbeiten vornehmen. Die Grenze zur Kabine wurde mit einem Schott dargestellt. Im Rumpf unterhalb des Ausschnitts fanden die Pilotensitze und Bedienelemente ihren Platz, wegen der größeren Höhe dort etwas nach oben versetzt. Auch hinter dem Cockpit, an der Grenze zum Tankraum, entstand ein Schott.

Dornier (CMASA) Do J Wal

Das Loch des ehemaligen Cockpitausschnitts wurde ebenfalls bis auf eine 9 x 9 mm große Luke verschlossen, die später noch einen Deckel erhielt. Der Boden der Kabine wurde eingeebnet. Dann fanden dort neun Passagiersessel ihren Platz in Club-Anordnung, sowie die Einstiegstreppe unter der Luke. Die Seitenwände erhielten im Kabinenbereich jeweils vier rechteckige Fenster. Diese wurden später mit passend geschnittenen Stücken aus einer transparenten Lebensmittelverpackung verglast. Weiter hinten bohrte ich je zwei kleine Löcher als Bullaugen im Bereich der Treibstofftanks und je drei größere Löcher im Bereich des Gepäck- und Postraums. Die Bullaugen erhielten mit Hilfe einer Lochzange Gläser ebenfalls aus einer Lebensmittelverpackung.

Dornier (CMASA) Do J Wal

Im Gegensatz zu den Militär-Walen wurde bei den frühen Verkehrs-Walen das Seitenruder nicht durch den Rumpfsteiß geschützt, sondern lag frei. Entsprechend habe ich die Rumpfseiten und -boden am Ende um die Tiefe des Seitenruders gekürzt. Nach Schließen des Rumpfes wurden die zwei Hälften des Abschlusses mit zwischengeschobenen Streifen Plastiksheet aufgefüttert an die nun größere Breite angepasst und verspachtelt.

Zum Schließen des Rumpfs sollen nach Bauanleitung zuerst die Schotten und Spanten auf den Boden geklebt und dann die Seitenteile angesetzt werden. Aufgrund der Short Run-Philosophie ohne Passstifte sind dazu sehr viele Passproben, auch mit dem Deck, notwendig. Während die Schotten dabei noch einigermaßen Führung bieten, sind die fragilen offenen Spanten äußerst abbruchgefährdet. Die anderen Teile des Innenlebens habe ich erst an ihren Platz geklebt, nachdem Boden und Seitenteile zusammen waren. Dann habe ich den Rumpf mit dem Deck endgültig verschlossen.

Die Lukendeckel folgten, nachdem ich die Fenster von außen eingesetzt und mit Weißleim verklebt hatte. So konnte ich überall mit einem Zahnstocher gegenhalten und ein Durchdrücken der Fenster ins Rumpfinnere verhindern. Den Abschluss dieses Bauabschnitts bildeten die Stummelflügel / Schwimmer. Deren Position am Rumpf ist lediglich durch eine leichte Gravur markiert. Hier war auch einiges an Trockenpassen notwendig, bis sie bündig und symmetrisch an den Rumpf passten.

Dornier (CMASA) Do J Wal

Flügel und Leitwerk

Den Flügel des Wals gab es mit unterschiedlich langen Querrudern. Der Verkehrs-Wal hatte lange Ruder, entsprechend muss man den Ruderausschnitt in den Flügelhälften vergrößern, indem man an den markierten Stellen Material abtrennt.

Die Befestigung der Ausgleichsflächen an den Querrudern ist beim Verkehrs-Wal anders gelöst als beim Militär-Wal und muss umkonstruiert werden. Vor allen Dingen aber sind die Ausgleichsflächen weiter innen angesetzt. Die innere Aufnahme im Bausatz ist tatsächlich die äußere. Die äußere muss dann entfernt werden.

Das Seitenleitwerk des Verkehrs-Wals ist noch das frühe, eckige. Das im Bausatz ist die spätere, vergrößerte und gerundete Form. Das Leitwerk habe ich zunächst in Flosse und Ruder zerlegt. Die Flosse habe ich oben gekürzt und den Winkel der Vorderkante angepasst. Das Ruder wurde unten gekürzt, umgedreht und mit Hornausgleich versehen. Die parallelen Ausgleichsflächen sind dann überflüssig. Die Bohrungen zur Aufnahme des Höhenleitwerks in der Seitenflosse wurden tiefer gelegt.

Dornier (CMASA) Do J Wal

Passend zu den tiefer liegenden Höhenflossen mussten die Stützstreben leicht eingekürzt werden. Ähnlich wie bei den Querrudern sitzen die Ausgleichsflächen der Höhenruder viel weiter innen, direkt an der Seitenflosse. Entsprechend wurde auch hier die Halterung überarbeitet.

Motorgondel

Weiterer Unterschied zwischen dem sowjetischen Militär-Wal und dem deutschen Verkehrs-Wal ist die Motorisierung. Dazu passend sieht auch die Motorgondel deutlich anders aus. Die Länge passt noch, deswegen habe ich die Gondel grob aus den Bausatzteilen für Seiten, Boden und Vorder- sowie Rückfront zusammen gebaut.

Der Verkehrs-Wal besitzt deutlich kleinere Zylinderkopf-Verkleidungen. Deren Ausbeulungen in Vorder- und Rückfront habe ich zunächst von innen aufgefüllt. Dann habe ich einen neuen Deckel aus Plastikprofilen provisorisch auf die Motorgondel gesetzt und alles in Form geschliffen. Auch der untere Teil der Rückfont wurde noch etwas vergrößert. Wo notwendig, wurde mit Hilfe von Spachtel wieder gefüllt und geglättet.

Als die Form passte, habe ich den Deckel wieder entfernt und die seitlichen Lüftungsöffnungen geschnitten. Auch in die Rückfront musste noch eine große Öffnung gebohrt werden, dazu noch jeweils vier kleinere Bohrungen in den Seiten, durch die später noch Rohre nach außen ragen.

Danach habe ich die vorher lackierten Motoren in die Gondel gesetzt, und zwar etwas niedriger als im Bausatz vorgesehen. Dann konnte der Deckel wieder auf die Gondel, und die Nähte wurden versäubert. Die Zylinderkopf-Verkleidungen entstanden aus abgerundeten Plastikstreifen. Kurze dünne Plastikstreifen bilden die vorderen Verkleidungen der Lüftungsöffnungen. Weitere Anbauteile und natürlich die Auspuffanlage entstanden aus Rundprofilen unterschiedlicher Stärke.

Der untere Kühler war bei den Verkehrs-Walen nicht präsent und wurde weggelassen. Der obere Kühler wurde ebenfalls etwas umgestaltet, mit Mittelsteg, zwei Einfüllstutzen und geänderten Stützstreben.

Dornier (CMASA) Do J Wal

Der hintere (Druck-)Propeller des Verkehrs-Wals war im Unterschied zum Militär-Wal vierblättrig. Das konnte aber dank des reichhaltigen Propeller-Angebots im Bausatz leicht realisiert werden.

Lackierung und Montage

Rumpf, Seitenruder, Flügel, Flügelstreben, Motorgondel und Propeller habe ich jeweils separat lackiert. In Anlehnung an den Wal-Nachbau im Dornier-Museum Friedrichshafen habe ich als Grundfarbe für Rumpf und Flügel ein nicht zu dunkles, aber auch nicht allzu helles Grau gewählt. Das Seitenruder war deutlich heller, dafür habe ich Weiß gewählt. Die Unterseite des Rumpfes und auch die Flügelstreben erscheinen auf Originalfotos sehr dunkel und habe ich daher schwarz lackiert. Auch die Zierstreifen an den Flügeln und der Bereich unter der Motorgondel wurde schwarz. Für die Kennzeichen auf Rumpf und Flügeln habe ich mir passende Schablonen geschnitten und diese lackiert. Die kleineren Beschriftungen entstanden als Decals aus gängigen Buchstaben- und Zahlensätzen. Der Block mit den Gewichtsangaben backbord am Rumpf ist ein selbst gedrucktes Decal, das zumindest mal den optischen Eindruck der Tabelle hervorruft.

Die Propeller des Wals waren aus Holz, in hellen und dunklen Schichten aufgebaut. Dazu habe ich die Propeller zunächst in Ocker grundiert, und die dunklen Streifen mit einem Pinsel aufgemalt. Das Ganze wurde mit einem Holzbraun noch leicht übernebelt. Abschließend wurde noch die Propellerverschraubung in einem Bronzeton gepinselt.

Die Montage begann mit dem Aufsetzen der Motorgondel auf den Flügel. Um mir das Zusammensetzen von Rumpf, Streben und Flügel zu erleichtern, hatte ich mir Zapfen in die mittleren Streben gesteckt und Löcher in die Aufnahmen an Rumpf und Flügeln gebohrt. Trotzdem artete dieser Schritt in einer Fummelei aus. Auch, weil man aufgrund des tiefen Flügels und des geringen Kontrasts zwischen schwarzen Streben und schwarzem Innenflügel kaum sieht was man tut. Nach einigem Probieren war ein gangbarer Weg schließlich, die vorderen Streben an den Rumpf zu kleben und die hinteren an den Flügel. Die Kontaktflächen der diagonal nach vorne verlaufenden Streben mussten dabei noch leicht gekürzt werden. Da ich diese Stelle jetzt noch erreichen konnte, habe ich das selbst erstellte Kreuzschalen-Anemometer hinter den Streben auf den Rumpf gesetzt, bevor dann der Flügel aufgesetzt wurde.

Nachdem alles zusammen war, habe ich Flügel und Rumpf mit Tape-Streifen zueinander ausgerichtet und fixiert und zur weiteren Stabilisierung die vorderen und hinteren Diagonalstreben eingesetzt. Die vorderen Streben mussten dazu allerdings um ca. 3 mm verlängert werden. Nach ausreichender Trocknungszeit konnte ich dann die schmale Aufstiegsleiter in die Motorgondel, aus dünnem Kupferdraht selbst erstellt, zwischen Rumpf und Flügel setzen. Danach konnte ich die äußeren Streben einfach zwischen Schwimmer und Flügel klemmen und verkleben.

Den Abschluss bildeten noch die Propeller, der Windschutz für die Piloten und weitere Kleinteile. Die Generatoren auf dem Hinterrumpf waren als Eigenbauten entstanden. Die Steuerseile der Ruderbetätigungen habe ich mit dünn gezogenem schwarzem Gussast dargestellt.

Dornier (CMASA) Do J Wal

Die großen Räder und das Rollwägelchen für den Transport an Land stammten aus dem Bausatz und wurden großteils in Holzoptik lackiert.

Quellen

[1] Heinz J. Nowarra: Dornier "Wal", aus der Reihe "Flugzeuge, die Geschichte machten", Motorbuch Verlag, Stuttgart, 1993, ISBN 3-613-01494-7

[2] Wolfgang Wagner: Der deutsche Luftverkehr - Die Pionierjahre 1919 - 1925, aus der Reihe "Die deutsche Luftfahrt", Bernard & Graefe Verlag, Koblenz, 1987, ISBN 3-7637-5274-9

Udo Roßbach

Publiziert am 29. Mai 2026

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