Boeing 737-200N369DL, Deltavon Bob Leonard (1:144 X-SCALE)
Die Boeing 737-200 (kurz: 732) ist ein amerikanisches Schmalrumpfflugzeug, das als Ergänzung zur 727 für kurze Strecken mit geringerem Passagieraufkommen („Thin Routes“) entwickelt wurde. Die 732 behielt den Rumpfquerschnitt der 707 bei, verfügte jedoch über zwei unter den Tragflächen montierte P&W JT8D-Triebwerke. Das ursprüngliche Modell 737-100 – dessen Entwicklung 1964 begonnen hatte – absolvierte im April 1967 seinen Erstflug und wurde im Februar 1968 bei der Lufthansa in Dienst gestellt; diese war die erste Fluggesellschaft außerhalb der USA, die ein bedeutendes US-Jetprogramm initiierte. Das Modell war wenig erfolgreich: Es wurden lediglich 30 Exemplare der 737-100 gebaut, von denen 22 an die deutsche Fluggesellschaft gingen. Die hier gezeigte, verlängerte 732 wurde im April 1968 in Dienst gestellt. Boeing hinkte der Konkurrenz hinterher: Die SE 210 Caravelle war bei der SAS bereits seit 1959 im Einsatz, und die BAC-111, Douglas DC-9 sowie Fokker F28 befanden sich bereits im Prozess der Flugzulassung. Um die Entwicklung zu beschleunigen, übernahm Boeing 60 % der Struktur und Systeme der bereits existierenden 727 – insbesondere den Rumpf, der sich lediglich in der Länge unterschied. Der Rumpfquerschnitt von 148 Zoll (ca. 3,76 m) Breite ermöglichte eine Bestuhlung mit sechs Sitzen pro Reihe, während die Konkurrenzmodelle nur fünf Sitze nebeneinander boten. Der Rumpf der 727 wiederum war von dem der 707 abgeleitet worden.
Meine erste Berührung mit der 737-200 hatte ich im Januar 1971, als ich als 13-Jähriger mit einer 732 der United Airlines von Sacramento nach Salt Lake City flog. Am Tag zuvor war ich mit einem Charterflug des Military Airlift Command – durchgeführt von Braniff – von der Andersen AFB auf Guam zur Travis AFB in Kalifornien gereist. Die von Braniff eingesetzte 707-327C ließ die 732, in die ich in Sacramento einstieg, winzig erscheinen, doch die Familienähnlichkeit war unverkennbar.
Der Bausatz:Laut Scalemates brachte Airfix erstmals 1969 eine 732 im Maßstab 1:144 in der Lackierung der Lufthansa auf den Markt. Seitdem ist das Modell ein fester Bestandteil ihres Sortiments an Verkehrsflugzeugen geblieben; es gab zahlreiche Neuauflagen mit Decals für Fluggesellschaften wie CP Air, Air France, Air New Zealand, Ansett, Southwest und Britannia Airways. Das Modell erfreut sich auch bei Herstellern von Zubehör-Decals großer Beliebtheit. In den 1980er-Jahren baute ich für meinen Schwiegervater eine Airfix-732 mit den Markierungen von Frontier Airlines (unter Verwendung von Microscale-Decals), da diese in Denver ansässige Fluggesellschaft sein Arbeitgeber war.
Mit dem Erscheinen dieses hervorragenden neuen Bausatzes der ukrainischen Modellbaufirma X-Scale kann der Airfix-Bausatz nun getrost in die Kategorie „Nostalgie-Modellbau“ verbannt werden. Zu den Besonderheiten des Bausatzes gehören eine farbige Bauanleitung, die für die „732 Advance“-Version typischen längeren Triebwerke, 3D-gedruckte Fan-Schaufeln, Vinylmasken für Kabinenfenster, Cockpitverglasung und die schwarze Bugmarkierung, fein gravierte Blechstöße, detaillierte Fahrwerksschächte, maßstäbliche Fahrwerke sowie Klarsichtteile für Kabinenfenster, Cockpit, Positionslichter an den Flügelspitzen und Landescheinwerfer. Ein Cockpit mit Instrumentenbrettern, Decals und Pilotensitzen vervollständigt den vorderen Bereich. Die Decals von Decograph sind für eine Maschine der Fluggesellschaft Delta ausgelegt.
Bau:Zunächst wollte ich zwei Arbeitsschritte erledigen, die bei diesen ukrainischen Bausätzen üblich sind: die Behandlung der Nahtstellen an der Flügelunterseite und den Einbau der transparenten Kabinenfenster. Bevor ich dickflüssigen schwarzen Sekundenkleber auf die Nahtstellen auftrug, vertiefte ich alle betroffenen Gravuren der Ruderflächen mit meinem Gravierwerkzeug. Da mir klar war, dass das Verschleifen der Nähte die Gravuren der Ruderflächen schwer sichtbar machen würde, war es unerlässlich, diese Linien vorab zu vertiefen. Ich verstehe, warum die Flügel auf diese Weise geformt wurden: Die Hinterkanten der Tragflächen und Höhenleitwerke bleiben dadurch vorbildlich dünn. Zudem bearbeitete ich die Vertiefungen in den Flügeln mit einem Mikro-Stechbeitel für Kunststoff, um eine möglichst glatte Oberfläche zu gewährleisten, damit die Flügeleinsätze bündig abschließen. Jede Minute, die man in die passgenaue Montage der Flügeleinsätze investiert, spart später zehn Minuten Schleif- und Nachgravierarbeit.
Für die transparenten Kabinenfenster bohrte ich die Vertiefungen mit einem preiswerten Handbohrer (mit variabler Drehzahl) auf und schnitt die Bereiche, die im Rumpfinneren sichtbar sein sollten, mit einer Rasierklingensäge aus. Ich gebe zu, dass dieser Schritt möglicherweise überflüssig ist. Im Gegensatz zu CRM sieht X-Scale nicht vor, den vertieften Fensterbereich aus dem Rumpf herauszuschneiden. Stattdessen wird empfohlen, den Einsatz einfach einzukleben und darauf zu vertrauen, dass der dunkelgraue Kunststoff des Bausatzes die Illusion von Tiefe erzeugt. Bei meiner nächsten X-Scale 732 werde ich diese Methode einmal ausprobieren. Es blieb noch etwas sorgfältige Spachtelarbeit rund um die transparenten Fensterstreifen zu erledigen, doch meine Technik hatte sich im Vergleich zum Bau der CRM 727-200 verbessert. Etwaige Unebenheiten an den Fensterübergängen wurden mit „Perfect Plastic Putty“ von Deluxe Materials ausgeglichen – einem weißen, wasserlöslichen Spachtel, der sich hervorragend für diese Art von Arbeit eignet. Überschüssige Spachtelmasse lässt sich einfach mit einem angefeuchteten Wattestäbchen entfernen. Hinter den transparenten Kabinenfenstern brachte ich einige weiße Decal-Stücke an, um Sonnenschutzblenden darzustellen. Bei den Antikollisionslichtern an der Rumpfober- und -unterseite handelt es sich um rote Resinteile aus dem Zubehörprogramm von CRM. Das maßstabsgetreue Fahrwerk ist zwar sehr detailliert, aber auch etwas fummelig im Zusammenbau – dafür ist es nach der Fertigstellung sehr stabil. Die winzigen Klarsichtteile für die Landescheinwerfer an den Tragflächen sind zwar eine gute Idee, doch im Maßstab 1:144 gelang es mir nicht, ein zufriedenstellendes Ergebnis zu erzielen. Daher schliff ich sie glatt und griff stattdessen auf schwarze und silberne Decals zurück, um die Landescheinwerfer darzustellen.
Lackierung und Markierungen:Nachdem ich die hervorragenden Vinylmasken für die Kabinen- und Cockpitfenster verwendet hatte, lackierte ich das Modell in Naturmetall-Optik unter Verwendung von „White Aluminum“ und „Dark Aluminum“ von MRP. Für die weiße „Solar Crown“ (den weißen Bereich am Rumpfrücken) nutzte ich „Liquid Surfacer Primer-White“ von Tamiya; für die Tragflächen, Höhenleitwerke und den Rumpfboden kam „Boeing Gray FS16515“ von Xtracolor zum Einsatz, während die Nase mit mattem Schwarz von Testors lackiert wurde. Zur Alterung verwendete ich sparsam Ölfarben, vor allem am Rumpfboden, an den Tragflächen, den Höhenleitwerken und am Heckkonus – Bereiche, in denen Fotos der 737-200 Verschmutzungen zeigten. Die Alterung von Verkehrsflugzeugmodellen ist Geschmackssache, und oft gilt „weniger ist mehr“; für mich persönlich wirkt ein makelloses Modell jedoch eher wie ein Spielzeugmodell aus Metallguss (Die-Cast).
Vor dem Anbringen der Decals trug ich eine Mischung aus Mr. Color GX100 Super Clear III, 75 % Mr. Color Leveling Thinner und 25 % Klarlack (glänzend) auf. Die Bausatz-Decals sind außergewöhnlich gut. Sie sind zwar einen Hauch dicker und matter als die Zubehör-Decals, die ich sonst verwende, schmiegen sich aber unter der Anwendung von „Microscale Set“ und „Sol“ hervorragend an die Oberfläche an. Ein anderer Modellbauer bei „AirlinerCafe“, der genau denselben Bausatz baute, empfahl, den Zierstreifen (Cheat Line) in vier Fenstersegmente zu unterteilen, um die Ausrichtung an den Kabinenfenstern zu erleichtern. Das war ein ausgezeichneter Vorschlag. Abschließend versiegelte ich alles mit GX100, das ich mit meiner H&S-Airbrush auftrug.
Fazit:Ihr könnt den Airfix-Bausatz beiseite legen – dies ist das Modell, auf das ihr gewartet habt. Die üblichen Hersteller haben bereits passende Decal-Bögen für diesen Bausatz herausgebracht. Meine nächste 737-200 wird die Lackierung von British Airways tragen.
Referenzen:Walkarounds und Einsatzfotos der 737 sind im Internet reichlich zu finden.
Der englische Originaltext wurde von der Redaktion übersetzt. Bob Leonard Publiziert am 03. Oktober 2026 © 2001-2026 Modellversium Modellbau Magazin | Impressum | Links |