DHC-2 Beavervon Roland Sachsenhofer (1:48 Dora Wings)Die de Havilland Canada DHC-2 Beaver gilt auch heute noch als Inbegriff des robusten Buschflugzeugs. Das ist auch kein Zufall, war der einmotorige Schulterdecker, der seinen Erstflug am 16. August 1947 absolvierte hatte, doch speziell für die extremen Bedingungen der kanadischen Wildnis entwickelt worden. Dank ihrer herausragenden STOL-Eigenschaften benötigt die Beaver äußerst kurze Start- und Landestrecken und kann so auch noch an den unwirtlichsten Orten eingesetzt werden.
Wahlweise können Rädern, Skikufen oder Schwimmern montiert werden, was die Bandbreite an Einsatzmöglichkeiten gewaltig steigert. Auch bei der Zuladung standen Vielseitigkeit und Flexibilität im Vordergrund. Neben dem Piloten nimmt die Kabine bis zu sieben Passagiere auf, ebenso können die Sitze rasch entfernt werden, um maximal 900 kg Fracht durch die großen Türen zu verstauen. Selbst sperrige Güter wie Kanus oder Ölfässer stellen kein Problem dar- zur Not wird solche Ladung einfach außen an gelascht! Zur sprichwörtlichen Zuverlässigkeit der Beaver trägt auch ihr bewährter Antrieb bei: meist kommt der als robust und langlebig bekannte Pratt & Whitney R-985 Wasp Junior, ein luftgekühlter 9-Zylinder-Sternmotor mit 450 PS, zum Einbau.
Die Konstruktion des kanadischen de Havilland-Ablegers war von Anfang an ein großer Erfolg und fand rasch weite Verbreitung. In den zwanzig Jahren zwischen 1947 und 1967 sind 1.657 Exemplare gebaut worden, wobei ein entscheidender Schub durch das US-Militär erfolgte, das allein fast 1.000 Maschinen bestellte. Bis heute ist die DHC-2 weltweit als Buschflugzeug im Einsatz – und es scheint, dass dies noch länger so bleiben wird. Passend zu dieser Erfolgsgeschichte wurde die DHC-2 Beaver 1987 zu einem der „zehn bedeutendsten kanadischen Ingenieurleistungen des 20. Jahrhunderts“ gekürt.
Die DHC-2 Beaver und das Internationale Geophysikalische Jahr 1957/58Fast könnte man meinen, die vielseitige und robuste DHC-2 wäre eigens für die zahlreichen Expeditionen und Forschungsprojekte des International Geophysical Year geschaffen worden. Die im Deutschen als Internationales Geophysikalisches Jahr (IGJ) bekannte Wissenschafts-Initiative war bis dato das größte international koordinierte Forschungsprogramm; es wurde vom 1. Juli 1957 bis zum 31. Dezember 1958 ausgerufen.
Mitten im Kalten Krieg stellten Wissenschaftler aus Ost und West politische Differenzen zurück, um gemeinsam die Erde und ihre Atmosphäre zu erforschen. Insgesamt beteiligten sich 67 Nationen an diesem bemerkenswerten „Jahr“, das tatsächlich ganze 18 Monate dauerte. Eine ausführliche Darstellung des IGJ würde den Rahmen dieses Artikels sprengen, aber einige Themen und Ergebnisse können hier doch genannt werden: der Beginn des Weltraumzeitalters, in dem die Sowjetunion mit dem erfolgreichen Start von Sputnik 1 die Welt überraschte, fand vor diesem Hintergrund ebenso statt wie bahnbrechende Erkenntnisse in der Geologie und in der Arktis- und Antarktisforschung gewonnen werden konnten. Zu den nachhaltigen Folgen gehören der Ausbau ziviler Forschungsstationen in Arktis und Antarktis, der Antarktisvertrag von 1959, der seither die friedliche Forschung und Nutzung der Antarktis festschreibt, sowie entscheidende Belege für die Plattentektonik, die auf Alfred Wegeners Theorie der Kontinentalverschiebung zurückgehen.
Die DHC-2 Beaver JA3111 als Bordflugzeug des Eisbrechers SoyaAls das Forschungsschiff Soya 1956 im Rahmen des Internationales Geophysikalisches Jahres zur ersten japanischen Antarktisexpedition auslief, führte sie eine mit Schwimmern ausgerüstete DHC-2 Beaver mit sich. Die Maschine mit der Kennung JA3111 übernahm dabei zentrale Aufgaben: neben Versorgungsflügen und allgemeiner Erkundung spürte sie vor allem Fahrrinnen im Packeis auf – für die Expedition eine entscheidende Aufgabe. Dieses Bordflugzeug der Soya stellt die hier gezeigte DHC-2 Beaver dar.
Für das offizielle Japan bedeutete die Teilnahme am IGY viel. Zehn Jahre nach dem verlorenen Krieg stellte die Beteiligung am Internationalen Geophysikalischen Jahres für das wiedererstarkte Japan ein Symbol für die Rückkehr in die internationale Gemeinschaft als anerkannte Wissenschaftsnation dar. Als größten Erfolg wertete man dabei die prestigeträchtige Gründung einer eigenen japanischen Antarktis-Forschungsstation: im Januar 1957 erreichten die S?ya und ihre Besatzung die Ongul-Insel vor der Küste des Königin-Maud-Lands. Unterstützt durch die Aufklärungsflüge der DHC-2 Beaver JA3111 sowie zweier ebenfalls an Bord befindlicher Hubschrauber vom Typ Bell 47 und Sikorsky S-58 errichteten 17 Expeditionsteilnehmer die erste permanente japanische Forschungsstation in der Antarktis: die Sh?wa-Station.
In Japan wird die Erinnerung an die Ereignisse rund um diese erste Antarktisexpedition bis heute wachgehalten: Das geschichtsträchtige Forschungsschiff Soya, welches 1978 außer Dienst gestellt worden war, liegt seit 1979 permanent als Museumsschiff beim Museum of Maritime Science im Tokioter Stadtteil Odaiba. So wie ihr Inneres weitgehend im Zustand der Antarktisexpeditionen erhalten wurde, so zeigt auch ihr Äußeres das Erscheinungsbild der Zeit des Internationalen Geophysikalischen Jahres. Dies schließt selbstverständlich auch eine auf dem Deck fest gelaschte DHC-2 Beaver mit der Kennung JA3111 ein- dem Gegenstand meiner modellbauerischen Bemühungen.
Zu Bausatz und BauprozessSicherlich spreche ich nicht nur für mich, wenn ich sage: ein zeitgemäßer neuer Bausatz zur DHC-2 Beaver war schon lange überfällig und wurde heiß erwartet! So war die Freude groß, als Dora Wings im Jahr 2024 die Händlerregale mit einer Beaver in neuen Formen bestückte. Meine Freude wurde gesteigert, als im Jahr darauf die Schwimmerversion folgte. Ich schätze Dora Wings als Hersteller, der verlässlich gut gemachte Bausätze anbietet, die thematisch gerne auch etwas außerhalb des gängigsten Mainstreams angesiedelt sind. So war ich beim Öffnen der Schachtel durchaus gespannt- was würde ich vorfinden?
Der Inhalt weiß schon auf den ersten Blick mit einer großen Zahl an dicht gepackten Bauteilen zu beeindrucken- ein Umstand, der meist auch eine hohe Detaildichte ankündigt. Die Oberflächenstrukturen an Rumpf und Flächen erscheinen mir in ihren Dimensionen angemessen und stimmig ausgeprägt. Die hohe Teilezahl macht den Aufbau jedoch auch recht komplex. Dies bekommt man schon bald nach Baustart bei der Konstruktion von Cockpit und Kabine zu schmecken.
Hier hat sich dazu noch eine Tendenz bemerkbar gemacht, die sich über alle folgenden Bauabschnitte durchziehen sollte: die Passgenauigkeit war im Prinzip zwar gut, aber beständig mussten kleinere Form-Ungenauigkeiten verspachtelt und versäubert werden. Auch wenn dies nicht im eigentlichen Sinn ein Problem darstellt, sollte es doch als ein das Tempo und die Zügigkeit des Bauens kräftig mitbestimmender Faktor eingerechnet werden. Die Öffnungen von Cockpit und Frachtraum geben ein gutes Beispiel dafür ab: die als Einzelteile vorliegenden Türen lassen zwar einerseits die Möglichkeit zu, sie geöffnet zu zeigen, werden aber zu einer veritablen Herausforderung, will man sie geschlossen darstellen: da auch hier die Passung mangelhaft ist, muss kräftig gespachtelt und verschliffen werden, um sie Plan an den Rumpf zu bekommen. Dies zieht wiederum leider viele der schön gearbeiteten Strukturen an und rund um die Türen in Mitleidenschaft.
Recht locker nimmt Dora Wings die Angaben zu den Besonderheiten der Schwimmer-Version: hier ist es nämlich nicht mit der bloßen Montage von Schwimmern getan! Die reale „nasse“ Beaver benötigt eine mehrteilige Verspannung zwischen Schwimmern, Streben und Rumpf, die in der Bauanleitung in keiner Weise erwähnt wird. Aber nicht nur die Angaben zur Verspannung, sondern auch jene zur Anlenkung der Ruder am Heck der Schwimmer fehlt. Diese ist jedoch recht prominent sichtbar und sollte unbedingt nachgebaut werden. Sie führt vom Spornrad am Rumpfheck über Umlenkrollen nach vorne, um sich auf Höhe der Peilantenne zweizuteilen und zu den beiden Schwimmer-Hecks weiterzulaufen. Dies habe ich ebenso wie die Details zur Verspannung erst durch ein Studium von Originalbildern entdeckt, um es dann „scratch“ nachzubauen.
Die Bauanleitung betrachte ich daher als wesentlichen Schwachpunkt eines ansonsten interessanten und meist auch recht kurzweiligen Bausatzes. Wegen der genannten hohen Teileanzahl und des komplizierten Aufbaues würde ich Dora Wings Beaver in der Schwimmer-Version allein dem erfahreneren Modellbauer empfehlen. Bei der Landversion sieht das etwas anders aus- aber das wird in einem eigene Artikel folgen!
Wie immer bin ich für Anregungen und Fragen sehr dankbar und stehe gerne zur Verfügung! ro.sachsenhofer@gmx.at
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Roland Sachsenhofer Publiziert am 01. Oktober 2026 © 2001-2026 Modellversium Modellbau Magazin | Impressum | Links |