IS-3 „Budapest 1956“von Arnold Brodthuhn (1:72 Trumpeter)Zum historischen Vorbild:Der IS-3 war ein schwerer sowjetischer Kampfpanzer der ab Mai 1945 produziert wurde. Für eine Teilnahme an den Kämpfen auf dem europäischen Kriegsschauplatz war dies zu spät, jedoch wurden Fahrzeuge dieses Typs während der Siegesparade in Berlin am 7. September 1945 erstmals der Weltöffentlichkeit präsentiert. In nennenswerter Stückzahl wurde er dann bei der Niederschlagung des Ungarischen Volksaufstandes 1956 eingesetzt. Passenderweise jähren sich die auf dem kleinen Diorama dargestellten Ereignisse dieser Tage zum 70. Mal.
Mich hatte dieser Panzer wegen seiner dreiflächigen spitzen Bugpartie und dem hier erstmals auftretenden „Bratpfannenturm“, der danach für viele sowjetische Panzer charakteristisch wurde, fasziniert. Allerdings hatte ich lange keine gute Idee für ein kleines Szenario, bis ich irgendwann bei Recherchen nach etwas ganz Anderem auf dieses Foto gestoßen bin: https://www.reddit.com/r/TankPorn/comments/1vakn4d/soviet_is3_captured_by_hungarian_revolutionaries/
Das sollte es werden. Ich habe einiges an weiteren Recherchen in dieses Projekt gesteckt, um zu verstehen was da gelaufen ist und es möglichst exakt nachzubilden. Das Bild wurde nach den Kämpfen um die Kiliian Kaserne in Budapest aufgenommen, wo bewaffnete Zivilisten und Angehörige der ungarische Armee eine sowjetische Kolonne aus IS-3 und T-34/85 angegriffen und einige Fahrzeuge ausgeschaltet haben. Von dieser Szenerie existieren eine Reihe von Bildern in schwarzweiß und auch ein Farbfoto, welches ich jedoch erst später entdeckt habe. https://www.militaryimages.net/threads/1956-hungarian-revolt-picture-thread.8929/ (etwa bis zur Hälfte nach unten scrollen) Dort sieht man an der rechts vorn am Fahrzeug orange Verfärbungen die auf Rost hinweisen, wie er sich rasch bildet nachdem der Anstrich weggebrannt ist. Womöglich wurde das Fahrzeug mit Brandflaschen angegriffen (deren Einsatz belegt ist) und daraufhin von der Besatzung panisch aufgegeben. Irgendwann werde ich den noch ergänzen. Ich konnte nicht herausfinden ob es sich bei den Toten um die sowjetische Panzerbesatzung handelt, die nach dem Ausstieg erschossen wurde, oder um Ungarn.
Zum Modell:Ich hatte damals zwischen den Modellen von Roden und Trumpeter zu wählen. Beide haben ihre Stärken und Schwächen, den Ausschlag gab für mich die sehr schöne Gußstruktur des Turmes von Trumpeter. Auch die Ketten, die einteilig mit angegossenen Laufrollen, und in Einzelsegmenten beiliegen machen zumindest in der letzeren Variante einen guten Eindruck.
Nicht überzeugen konnten mich Laufrollen und die externen Zusatztanks, die durch Resinteile von OKB Grigorov ersetzt wurden. Die Vorder-, Seiten- und Oberfläche der Wanne weisen schöne Details auf, eine völlige Katastrophe ist allerdings das Heck. Die markante Arretierung für das Geschütz ist angegossen, alle anderen Details plump, verwaschen und irgendwie nach oben hin verzerrt. Hier half nur ein Komplettabriss und Neuaufbau mit Teilen aus der Restekiste. Auch hatte ich mir den Ätzteilesatz von Part für Rodens IS-3 besorgt, jedoch nur wenige aber wichtige Teile verwendet. Als sehr vorteilhaft erwies sich der Umstand, dass sich um die zweiteilige Turmluke herum bereits eine sehr ausgeprägte Rille befindet. Die habe ich vorsichtig mit der Spitze des Bastelskalpells immer tiefer ausgeritzt und konnte so die Luken unzerstört herauslösen. Das erwies sich als Glücksfall, denn die Part-Ätzteile für den Roden-Bausatz hätten nicht wirklich gepasst. Im Turminneren würden das Geschütz und der kreisförmig angeordnete Munitionssatz nachempfunden um nicht völlig ins Leere zu blicken.
Einiges Kopfzerbrechen bereitete die Frage, was da alles auf dem Heck verstreut liegt. Jedoch ließen sich letztlich Kartuschen, das schwere FLa-MG mit seinem Drehkranz und eine Werkzeug- und Ersatzteilkiste eines T-34/85 identifizieren. Eine solche Kiste aus Ätzteilen fand sich in der Restekiste, das MG ist ein Zurüstteil aus Messing von Micro World.
Einige Zeit war auch für die Suche nach einer passenden Figur nötig. Der Markt war damals in diesem Maßstab noch nicht so reichhaltig wie heute. Fündig wurde ich bei dem kleinen Figurensatz „Soviet Air Force Grund Crew“ von Zvesda, bei welchem eine Figur beim Anheben einer kleinen Bombe annähernd dieselbe Haltung einnimmt. Beim Anpassen der Figur gelangte ich dann auch spät zu der Erkenntnis, dass die Peron auf dem Bild gerade die Särge mit Kreide beschriftet. Da ich nicht wusste mit welchen Worten, habe ich mich für den ungarischen Platzhalternamen „Kovács János“ entschieden, den man in dieser Größe ausgedruckt ohnehin nicht mehr lesen kann. Die Särge hat mir ein Bekannter im 3D-Drucker erstellt.
Fast alle existierenden Fotos zeigen nur die linke Fahrzeugseite, und ich hatte zunächst die Ketten auf beiden Seiten mit dem gleichen Durchhang versehen. Nach der Fertigstellung fand ich dann doch noch ein Foto von der rechten Seite. Dort war zu sehen, dass die Kette auf dem Gehsteig gespannter ist, was sich jedoch noch korrigieren ließ. Trotz aller Bemühungen weist das Modell einen kleinen Fehler auf. Als ich dabei war, eine der kleinen Stauluken an der linken Fahrzeugseite zu öffnen, ist mir letztlich noch aufgefallen, dass deren Anordnung wohl nicht ganz korrekt ist, bzw. einer anderen Ausführung entspricht. Da die Luke nun aber bereits offen war, habe ich es so belassen. Es sind ohnehin nur drei Millimeter…
Arnold Brodthuhn Publiziert am 08. Oktober 2026 © 2001-2026 Modellversium Modellbau Magazin | Impressum | Links |