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Wostok

von Helmut Günther (1:144 Zvezda)

Zum Vorbild und zur Geschichte

Am 12. April 1961 startete der sowjetische Kosmonaut Juri Gagarin an Bord des Raumschiffes Wostok 1 zum ersten Flug eines Menschen ins Weltall. Viele Jahre später erfuhr ich, dass meine Heimatstadt Nordhausen und sogar Menschen die ich in meinem Arbeitsleben kennenlernte, einen Bezug zu den Anfängen der sowjetischen Raumfahrt hatten.

Nach der Bombardierung von Peenemünde wurde die Produktion der Rakete A4, besser bekannt als V2, in unterirdische Stollensysteme nahe Nordhausens verlegt. Häftlinge des KZ Lager Dora und Zwangsarbeiter montierten dort die Flugbombe V1 und die Rakete V2.

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Nach dem Einmarsch der amerikanischen Truppen im April 1945 wurden die Produktionsanlagen inclusive fertiger A4 Raketen unversehrt vorgefunden und zügig, soweit von Interesse, abtransportiert.

Im Juni 1945 wurde Thüringen sowjetische Besatzungszone und das Stollensystem umgehend wieder zugänglich gemacht. Sowjetische Experten, u.a. Sergej Koroljow der spätere Konstrukteur der Wostok-Trägerrakete, inspizierten die Anlagen.

In der Folge entstand in der ca. 15 km entfernten Kleinstadt Bleicherode das Institut RABE, eine Forschungseinrichtung deren Aufgabe es war die Konstruktionsunterlagen der A4 Rakete zu rekonstruieren. Parallel dazu wurden in der Vorgängerfirma der späteren IFA Motorenwerke Nordhausen wichtige Teile für die A4 produziert und in die Sowjetunion gebracht.

Das war der Beginn der sowjetischen Raketenentwicklung, die über die R-1 (Nachbau der A4) zur Interkontinentalrakete R-7 und zur Wostok-Trägerrakete führte.

In einer Nacht- und Nebel-Aktion wurden 1946 leitende Mitarbeiter des Instituts RABE samt Familien und Hausrat in die Sowjetunion verbracht, wo sie z.T. bis Anfang der 50er verblieben.

1967 auf der Moskauer Allunionsausstellung, Foto hat mein Vater gemacht
1967 auf der Moskauer Allunionsausstellung, Foto hat mein Vater gemacht

Teile des Stollensystems und Werkhallen wurden später gesprengt. Auf dem Gelände des ehemaligen Lager Doras befindet sich heute eine Gedenkstätte für die Opfer des KZ. Ein kleiner Teil des Stollensystems ist als Museum eingerichtet.

Im Rahmen des IFA-Museums (http://www.ifa-museum-nordhausen.de) in Nordhausen werden Exponate zur Firmengeschichte, wie Bergbaulokomotiven, Traktoren, Dieselmotore aber auch Teile der V2/A4 gezeigt und dokumentiert.

Sehr gute und weitreichende Informationen sind in der Veröffentlichung „Institut Nordhausen als sowjetisches Geheimprojekt A4-Raketen“ von Dr.-Ing. habil Werner Steinmetz, Nordhausen, 1.11.2020 nachzulesen.

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Zum Modell

Den aktuellsten Bausatz der Wostok-Träger-Rakete und des Raumschiffes Wostok 1 lieferte kürzlich die russische Modellbaufirma Zvezda im Maßstab 1:144 in der bekannten zweiteiligen Verpackung ab. Die Vorderseite ziert eine künstlerische Darstellung der Abtrennung ausgebrannter Raketenstufen. Auf der Rückseite sind neben Informationen (russisch/englisch) zur Geschichte auch Fotos der gebauten Modelle zu sehen.

Der Bausatz besteht aus 107 sehr detaillierten Bauteilen auf insgesamt sechs Rahmen. Vier Rahmen(C) sind identisch und sind für die vier seitlichen Triebwerksblöcke vorgesehen. Der Rahmen A beinhaltet neben einer Bodenplatte den zentralen Raketenkörper, quasi die zweite Stufe, sowie die dritte Stufe einschließlich der Nutzlast, also das eigentliche Raumschiff Wostok 1. Dieses kann als gesondertes Model einschließlich Ständer aus den Bauteilen des Rahmens B gebaut werden.

Die 4-seitige A4-Bauanleitung umfasst 15 Baustufen (3 davon für das eigentliche Raumschiff). Angaben zu den Farben (hauseigene Zvesda-Farben und Tamiya-Farben), zur farblichen Gestaltung und zur Anbringung der Decals (es sind nur zwei) sind einem farbigen Blatt zu entnehmen.

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Zum Bau

Die Abspritzung der Bauteile sowie die Oberflächendetails sind sehr gut. Zahlreiche sehr kleine Bauteile sind zu verarbeiten. Was auch weitestgehend gut geht. Allerdings wäre zur sicheren Befestigung der winzigen Steuerdüsen eine andere Lösung zur Fixierung notwendig, hier ist leider die Bauanleitung nicht aussagekräftig. Der verwendete Kunststoff ist sehr hart, was einerseits extrem feine Bauteile zulässt, andererseits aber auch spröde. Etwas fummelig ist das Anbringen der vier seitlichen Triebwerksblöcke da die Befestigungspunkte sehr klein sind. Mit Geduld gelingt es aber.

Für die Farbgebung habe ich Tamiya und Gunze Sangyo Farben verwendet.

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Fazit

Ein sehr interessanter Bausatz auf sehr hohem Niveau. Der Bau und das Auffrischen der Erinnerungen haben mir Freude bereitet. Gute Augen und eine ruhige Hand (möglichst 3) sollte man haben. Allerdings wäre es schön von Zvesda gewesen, wenn man anstelle einer schnöden runden Sockelplatte eine Tragkonstruktion wie auf der All-Unions-Ausstellung in Moskau (Foto Oktober 1967) bzw. auf der Luftfahrtausstellung in Le Bourget zur Präsentation beigefügt hätte. Nun ja, Modellbauer haben so ihre Wünsche.

Helmut Günther

Publiziert am 27. Mai 2026

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