SMS Tatrak.u.k. österreichisch-ungarischer Zerstörervon Martin Deuretsbacher (1:700 Doggy Industries)
Admiral Graf Rudolf Montecuccoli-Polinago forderte als Marinekommandant und Chef der Marinesektion seit 1905 vehement die Verstärkung der Flotte, insbesondere der Torpedoflottillen. Nach genauer Prüfung entschied sich die Marinesektion neue Torpedofahrzeuge nicht mehr mit Kolbendampfmaschinen, sondern mit dem leistungsstärkeren Turbinenantrieb auszustatten. Die Marinesektion lud am 27. April 1910 verschiedene Werften zu Offerten für den Bau eines 800 t-Torpedofahrzeuges ein, wobei eine Geschwindigkeit von mindestens 32,5 kn, eine Bewaffnung mit zwei Stück 10 cm L/50, vier Stück 7 cm L/45 und drei 45 cm-Decklanzierapparaten (Torpedorohren) gefordert wurde.
Der ungarische Handelsminister pochte auf eine quotenmäßige Beteiligung der ungarischen Industrie bei allen Anschaffungen für die österreichisch-ungarische Kriegsmarine. Deshalb wurde am 13.06.1913 die ungarische Danubius-Schiffbau A.G. in Fiume (Rijeka) letztendlich mit dem Bau von sechs Torpedofahrzeugen der Tatra-Klasse beauftragt. Die Fertigstellung der, bei anderen Marinen als Großzerstörer bezeichneten Schiffsklasse, gestaltete sich schwierig und war mit erheblicher Verzögerung verbunden. Dennoch waren die Torpedofahrzeuge, Zerstörer und Rapidkreuzer die aktivsten Einheiten der k.u.k. Kriegsmarine im ersten Weltkrieg. Die Torpedofahrzeuge der Tatra-Klasse bestanden aus den baugleichen Schiffen Tatra, Balaton, Csepel, Lika, Triglav und Orjen, mit einer Verdrängung von 850-t (1050-t bis 1130-t voll ausgerüstet), 20500 WPS und 32,5 kn. Bewaffnet waren diese Schiffe mit zwei 10cm L/50, vier 7cm L/45 TAG und zwei 7 cm L/45 BAG. Die Ballonabwehrgeschütze hatten im Gegensatz zu den Torpedoabwehrgeschützen einen Richtbereich von 90 Grad für die Luftabwehr.
Im Jänner 1916 wurde die Danubius-Schiffbau A.G. mit dem Bau der Ersatz-Triglav-Klasse beauftragt. Es handelte sich dabei um verbesserte und geringfügig größere Fahrzeuge der Tatra-Klasse, bestehend aus den Torpedofahrzeugen Triglav (II), Lika (II), Dukla und Uzsok. Nach dem Krieg mussten alle Einheiten an Italien und Frankreich übergeben werden, wo sie noch bis 1930 verwendet wurden.
SMS Tatra nahm an zahlreichen Unternehmen während des Krieges teil, darunter Versorgungsfahrten, mehrfachen Vorstößen zur Otrantostraße, der Zerstörung des italienischen Zerstörers Turbine sowie Minensuch- und Konvoifahrten.
Der Bausatz von Doggy Industries aus Resin ist sauber gegossen ausgezeichnet detailliert. Die ebenfalls vorhandene Ätzteil-Platine war aus meiner Sicht beispielhaft. Denn die Platine war nicht zu filigran, sondern in genau der Stärke, dass die Teile ohne Probleme und ohne Verformung bearbeitet werden konnten. Die Reling war auf den Aufbauten wohl durchdacht so befestigt, dass sie nur im 90 Grad Winkel gekippt aufgestellt werden musste, somit alles passgenau fertiggestellt werden konnte. Bemerkenswert sind die vier kippbaren Mulden für die Wasserbomben am Heck. Weitere Ätzteile habe ich aus der Reste-Kiste verwendet.
Grundiert wurde wieder mit verdünntem Zapon-Lack, darüber zwei zarte Schichten mit gemischten Tamiya Farben um den hellgraublauen Farbton zu erreichen. Nach Versiegelung mit Tamiya Klarlack wurde mit Ölfarben gealtert und mit Alclad II wieder versiegelt. Anspruchsvoll waren die Reusenantennen. Dazu verweise ich grundsätzlich auf den Beitrag von Ulf Lundberg vom 29.Mai 2018 auf modellmarine.de. Ich habe dazu einen Holzsockel in der Länge des Abstands der beiden Masten plus zwei Zentimetern verwendet. Sodann habe ich die Reusen im entsprechenden Abstand darauf eingezeichnet und die beiden Stellen, an denen die vier Antennenfäden zusammengebunden werden.
Als nächstes habe ich aus 1 mm Plastikkarte die Befestigungen für die vier Nylonfäden hergestellt. Wichtig dabei ist, die Durchlässe für die Nylonfäden und deren Position auf der Plastikkarte milimetergenau exakt einzuzeichnen. Andernfalls sind die Abstände der vier Nylonfäden zueinander ungenau, was sich negativ auf das Einfügen der Reusen auswirken kann. Den Durchlass für die Nylonfäden empfehle ich geringfügig (im Maßstab 1:700 ist das im Mikromilimeterbereich) kleiner als den Durchmesser der Reusen zu bohren. Deshalb, weil die Reusen dann beim Einfügen zwischen den vier Nylonfäden von selbst halten und so einfacher mit verdünntem Weißleim befestigt werden können. Die Reusen habe ich abwechselnd von außen beginnend bis zur Mitte der Antenne hin eingesetzt und mit Weißleim angeklebt.
Abschließend habe ich die Reusen mit verdünntem schwarzen Lack von Humbrol mit der Airbrush vorsichtig besprüht. Wenn ordentlich gearbeitet wurde, hält die Reusenantenne die Airbrush gut aus. Ich habe .003 Nylonfäden von Uschi van der Rosten verwendet. Die Reusen habe ich aus 0,02 mm Kupferdraht aus Lautsprecherkabeln angefertigt. Mit diesem Draht habe ich auch den verdünnten Weißleim aufgetragen. Die Nylonfäden habe ich mit Tamiya Maskiertape auf der Plastikkarte befestigt. Gespannt habe ich die Nylonfäden mit einer winzigen Kluppe aus Holz. Das reicht, um eine leichte und gleichmäßige Spannung der Nylonfäden herzustellen. Um diese gleichmäßige Spannung aufrecht zu erhalten ist es wichtig, das jeweilige Ende des Nylonfadens mit Weißleim zu markieren und genau dort abzuschneiden (beide Reusenantennen müssen exakt gleich lang sein), andernfalls die Spannung ungleichmäßig wird, was sich negativ beim Ankleben der fertigen Reusenantenne am Mast bemerkbar macht: es sieht ungleichmäßig und verzogen aus. Wenn die Reusenantenne zu stark gespannt ist, kann sich die filigrane Rah verbiegen. Mit Ruhe und Übung können Reusenantennen in kurzer Zeit angefertigt werden.
Die hier die SMS Tatra begleitende SMS Pandur war einer der zwölf Zerstörer der Huszár-Klasse, die im ersten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts für die österreichisch-ungarische Marine gebaut wurden. Sie wurde 1909 ebenfalls bei Danubius-Schiffbau in Rijeka fertiggestellt, diente im Ersten Weltkrieg und wurde 1920 als Kriegsreparation an Frankreich abgetreten. Das Schiff sank auf dem Weg nach Toulon.
Martin Deuretsbacher Publiziert am 08. August 2026 © 2001-2026 Modellversium Modellbau Magazin | Impressum | Links |