Schnellboot Typ S 38von Frank Meißner (1:35 Italeri)Alles fing damit an, dass ich den Bausatz meiner Frau zum ersten Mal gezeigt habe. Als ich die Box aus der Garage holte meinte ich zu ihr, dass dies nun mein neuestes Projekt sein wird. Ich: “Schau mal, das werde ich als nächstes bauen!”. Meine Frau: “Ohhhh, das ist aber ganz schön groß! Hast du dafür überhaupt einen Platz zum Hinstellen?”. Ich ganz stolz: “Ja und Ja”! Ihre Befürchtung, dass das Modell dann auf dem Kaminsims endet, ist verständlich, da es 110 cm lang ist und nicht in einen normalen Schrank passt. Ich will aber nicht alle Zimmer unseres Hauses mit meinen Hobbys beglücken, so dass ich mir schon vorher Gedanken hinsichtlich des Platzproblems gemacht habe. Vor langer Zeit wurde hier auf MV mein Bau eines an der Wand hängenden Schaukastens vorgestellt. Diesen habe ich seitdem für andere Modelle benutzt. Jetzt soll er aber seinem endgültigen Zweck zugeführt werden.
In diesem Beitrag werde ich nicht auf die Historie des Bootes eingehen. Diese habe ich hinlänglich in meinen vorigen Beiträgen behandelt, in denen der Bau meiner Schnellboote in 1:72 vorgestellt wurde. Hier soll es also nur um den Bau des Kits gehen.
Ja, schon der Karton ist riesig! Dessen Größe ist der Länge des Bootsrumpfes entsprechend über einen Meter lang. Die ca. 600 Bauteile sind in Folie eingeschweisst. Zusätzlich ist eine PE-Platine enthalten. Natürlich fehlen auch Decals und eine Bauanleitung nicht. Außerdem sind Schrauben für die Verstärkungen und Nähgarn für die Taue enthalten. Die Anleitung beschreibt die 56 Arbeitsschritte und ist dem entsprechend sehr umfangreich. Zusätzlich habe ich für diesen Bausatz die PE-Teile “Schnellboot hatches” und das entprechende “Detail set” von Eduard benutzt. Die Flagge ist ebenfalls von Eduard. Um das Modell nicht zum Geisterschiff werden zu lassen, habe ich noch die Schnellboot Crew von Italeri beschafft. Die Größe und die Anzahl der Teile sind schon etwas einschüchternd und man fragt sich, ob man das Boot jemals fertig bekommt.
Ich habe mich entschlossen, die einzelnen Untergruppen des Kits separat fertigzustellen und dann am Ende zusammenzusetzen. Hier sind die Hauptsektionen: Rumpf, vorderes Deck, hinteres Deck, Schrauben und Ruder, Ruderhaus, Wasserbomben, Kanonen und Torpedos mit Abschusseinrichtungen.
Entsprechend der Anleitung habe ich mit der Montage des Rumpfes begonnen. Dieser besteht aus 4 Teilen. Zusätzlich wird die Stabilität mittels 4 verschraubter Querverbindungen hergestellt. Das funktioniert sehr gut und es gibt trotz der Größe keine Verwindungen. Das ist besonders im Hinblick auf die Montage der zwei Deckssektionen von Vorteil. Nach entsprechenden Schleifarbeiten habe ich eine Grundierung mit Tamiya Primer aufgetragen. Die Wasserlinie habe ich mit dem Pinsel gezeichnet und nach dem Maskieren auf die Rumpfunterseite Tamiya Matt-Rot gesprüht. Bei der Farbgebung für die Oberseite bin ich von der Anleitung, die einen Weißton vorsieht, abgewichen. Ich habe mich hier für Tamiya Royal Light Gray entschieden. Hier habe ich die Farben aus den Sprühdosen verwendet, da dies einfach bei den großen Oberflächen schneller geht.
Weiter ging es mit den Deckssegmenten, die ich zuerst mit Tamiya German Gray lackiert habe. Ich habe mich beim Bau für Tamiya Farben entschieden, weil diese Firma Farben in Sprühdosen und in der Flasche zum Auftragen mit dem Pinsel anbietet. Ich habe erwartet, dass diese Farben gleicher Beschreibung perfekt zueinander passen. Leider ist dies nicht der Fall. Es sind ja regelmäßig Nacharbeiten notwendig, um zum Beispiel Klebepunkte abzudecken. Hier war das Ergebnis überhaupt nicht befriedigend. Darum habe ich versucht, durch Mischen den Farbton anzugleichen. Nach vielen Versuchen hat das Mischen von Revell Panzergrau mit Revell Weiß das passende Ergebnis gebracht.
Nun habe ich auf den noch nicht auf dem Rumpf befestigten Decks die diversen Kleinteile montiert. Dieses Vorgehen erschien mir leichter, da es einfacher ist, die relativ kleinen Teile zu handhaben, als immer 110 cm Schiff hin und her zu bewegen. Hier habe ich einen Teil der Luken mit dem PE-Set von Eduard ersetzt. Im Vergleich mit der PE-Platine des Bausatzes ist die von Eduard dünner. Als ich angefangen habe, PE-Teile zu verwenden, habe ich diese mit einer filigranen Metallzange von der Platine entfernt. Dabei ist fast immer ein kleiner Teil des Verbindungssteges verblieben. Jetzt habe ich ein Cuttermesser verwendet, was wesentlich besser funktioniert hat. Ich arbeite auf einer Holzplatte und drücke das Messer auf den Steg, der dann durchtrennt wird. Die Klinge wird dann in das Holz gedrückt. Das funktioniert besser, weil fast kein Nacharbeiten notwendig ist. Für die Befestigung der PE-Teile am Modell benutze ich wahlweise Cyanacrylatklebstoff (Sekundenkleber) oder Polyvenylacetatleim (Weißleim). Letzterer hat außerdem den Vorteil, Klarsichtteile nicht anzulösen und klar auszuhärten.
PE-Platine des Bausatzes Das Ruderhaus ist der komplexeste Teil des Baus. Dieses besteht aus den meisten Teilen und stellt einen Bausatz im Bausatz dar. Leider habe ich keine aussagekräftigen Volagen für das Interieur gefunden, so dass die Farbgebung eher auf Annahmen beruht. Der Bausatz ist hier schön detailliert, was zusätzlich durch die Verwendung von Ätzteilen verbessert wird. Leider verschwindet das Interieur später, so dass es fast nicht mehr sichtbar ist. Ich wollte zwei Figuren der Schnellboot Crew im Ruderhaus platzieren und habe das Dach vorgefertigt, aber deshalb noch nicht verklebt. Eine Herausforderung stellte die Nachbildung der Holzplanken da. Im Ruderhaus und in anderen Bereichen des Modells sind davon einige vorhanden. Mein Bestreben war es, diese Planken realistisch mit Farbnuancen und Abnutzungen darzustellen. Dazu habe ich verschiedene Brauntöne aus Revellfarben gemischt und diese aufgetragen. Einem Washing ähnlich habe ich die noch feuchten Farbbereiche ineinander übergehen lassen.
Dasselbe habe ich bei den Torpedos wiederholt. Hier wollte ich verschiedene Metalltöne an den unterschiedlichen Abschnitten darstellen. Auf jeden Fall sollte das Metall auch nicht glänzend sein. Die Abschusseinrichtungen wurden ebenfalls durch PE-Teile ergänzt. Diese sind teilweise so winzig, dass ich hier mit einer Lupe arbeiten musste. Wie vorher beschrieben, habe ich die Teile vor dem Einbau separat lackiert. Wären diese schon befestigt, wäre es unmöglich, alle Bereiche mit der Farbe zu erreichen.
Weiter ging es mit den Geschützen. Besonders bei der 4 cm Flak kamen wieder einige PE-Teile zum Einsatz. Durch ein Washing habe ich versucht, die einzelnen Strukturen hervorzuheben und Gebrauchsspuren zu simulieren.
4 cm Bofors Flak Nach und nach wurde so das Modell komplett. Es blieben nun noch die Wasserbomben. Auf einem Foto habe ich gesehen, dass die einzelnen Behälter durch Stahlseile gesichert sind. Es sieht so aus, als ob die Bomben dann einzeln und nacheinander ins Wasser geworfen werden konnten. Diese Seile habe ich durch gezogene Gussäste und Zwirn gestaltet. Auch bei einem Teil der Reling habe ich gezogene Gussäste benutzt. Dem Bausatz liegt ein dicker Zwirn bei, der zu Tauen verarbeitet werden kann. Diese sind meistens zusammengelegt und ich habe überlegt, wie ich dies nachbilden kann. Ganz gut hat das funktioniert, indem ich auf einer glatten Metallplatte gearbeitet habe. Hier habe ich den Zwirn ausgelegt und nach und nach die “Schnecke” geformt. Dabei habe ich immer etwas PVA Leim auf den Zwirn aufgetragen. Dieser ist leicht klebrig und hält den Zwirn in Form. Durch den glatten Untergrund lässt sich das Tau dann leicht entfernen. Der Kleber ist nach dem Aushärten nicht mehr sichtbar.
Zu guter Letzt habe ich das Boot mit der Crew komplettiert. Bei dieser handelt es sich eigentlich um eine Besatzung für den Italeri Bausatz des Typs-100. Daher sind zwei der Figuren (Geschützbesatzung) nicht zu gebrauchen. Bei der Alterung bin ich generell eher zurückhaltend. Hier benutze ich schwarze Tusche. Die kann gut dosiert werden. Mit einem nassen Papiertuch kann man einen verwischten Effekt erreichen. Wenn einmal etwas nicht gelungen ist, kann die Farbe auch leicht mit Wasser wieder entfernt werden.
Am 30.08.2026 fand wieder die Modellbauaustellung Wondercon IV unsers Clubs statt. Für diesen Anlass wollte ich das Modell unbedingt fertiggestellt haben. Um es dann ohne Beschädigungen zu transportieren, habe ich ein Gestell aus Holzresten gebaut. Der Bau des Schnellboots hat ca. 6 Wochen gedauert. Eigentlich ist das Modell einfach herzustellen und ich würde fast sagen, dass es abgesehen von den PE-Teilen, anfängertauglich ist. Italeri hat den Kit gut durchdacht und die Teile passen hervorragend. Die größte Herausforderung hat für mich in der Bemalung bestanden.
Für den Bau habe ich eine Bronzemedaille erhalten. In der Publikumswertung kam das Modell auf den zweiten Platz.
Frank Meißner Publiziert am 12. September 2026 © 2001-2026 Modellversium Modellbau Magazin | Impressum | Links |