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F-14A IRIAF

von Roland Sachsenhofer (1:72 Italeri)

Zum Vorbild

Es kommt wohl nicht oft vor, dass zwei politische Todfeinde dieselben Hightech-Waffensysteme zum Einsatz bringen können - und der eine dem anderen diese Ausstattung auch noch für gutes Geld geliefert hat. Im Falle der iranischen F-14 Tomcat ist dies Ende der 1970er Jahre aber tatsächlich der Fall gewesen. Ein kurzer Blick auf die Vorgeschichte dieses Waffendeals zeigt Erstaunliches!

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Die USA hatten seit Mitte der 70er Jahre mit der F-14 ein hochpotentes Kampfflugzeug in ihrem Arsenal, das weltweit seinesgleichen suchte. Wertvolle Erfahrungen aus dem Luftkrieg über Vietnam waren in die Ausarbeitung eines zweistrahligen und Mach 2-fähigen Schwenkflüglers eingeflossen, der primär zum Schutz von Trägerverbänden vor sowjetischen Bomber- und Flugkörperangriffen konzipiert worden war. Das neue Trägerkampfflugzeug war für diesen Zweck auf den Einsatz des parallel zur F-14 entwickelten AIM-54 Phönix Lenkflugkörpers abgestimmt.

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Die Fehler mit der gescheiterten Marineversion der F-111 wollte man nicht wiederholen; so wurden etwa die Waffenpylone an der zentralen Rumpfform angebracht und nicht unter den schwenkbaren Teilen der Tragflächen, damit konnte eine Menge Gewicht und komplizierte Mechanik eingespart werden. Obwohl Maßnahmen wie diese die F-14 im Vergleich zur F-111 leichter hielten, blieb die „Tomcat“ immer noch das schwerste je gebaute US-Trägerkampfflugzeug. 33,7 Tonnen bringt eine vollbeladene Tomcat auf die Waage, 7.300 Kilogramm davon entfallen dabei übrigens allein auf die interne Tankkapazität.

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Dies beeindruckende Gewicht war wohl auch dem Einbau des leistungsfähigen AN/AWG-9-Radarsystem geschuldet, das die Maschine in die Lage versetzte, mehrerer Ziele gleichzeitig zu bekämpfen und die Tomcat darüber hinaus zur Radarüberwachung eines weiten Gebietes befähigte.

Das AN/AWG-9-Radar stellte aber auch die Grundlage zum Einsatz der reichweitestarken AIM-54 Phönix Lenkflugkörper dar. Bis zu sechs dieser vier Meter langen und einer halben Tonne schweren Raketen konnten bei einem Einsatzflug mitgeführt werden. Wie die weitere Geschichte zeigen wird, sollten sowohl die angesprochenen „AWACS“-Fähigkeiten wie der Einsatz der tödlichen AIM-54 von den Iranern im Ersten Golfkrieg in großem Maßstab erfolgreich genutzt werden.

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Wie kam aber nun dieses US Hochleistungs-Kampfflugzeug in den Iran? Unter den Vorzeichen des Kalten Kriegs war ab Mitte des 20. Jahrhunderts das Kaiserreich Iran/Persien als Vorposten des Westens unterstützt worden. Westliche Einflussnahme in diesem ob seiner Bodenschätze und seiner geostrategischen Lage wichtigen Landes wurde großes Gewicht zugesprochen.

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Dies bedeutete konkret vor allem den großzügigen und durchaus auch einträglichen Verkauf hochwertiger Militärgüter an die Regierung des umstrittenen Schahs Reza Pahlewi. Mitte der 70er Jahre wurde unter der persönlichen Regie des Regenten, selbst ein ausgebildeter Kampfflieger, die Entscheidung für den Erwerb von 80 F-14 Tomcat samt Ausstattung mit insgesamt 714 AIM-54 Phönix gefällt.

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Die Ausrüstung der iranischen F-14 entsprach dabei bis in den Kampfwert nicht beeinflussenden Details derjenigen amerikanischer Tomcats. Allerdings hatte man den Fähigkeiten der AIM-54 ein „Downgrade“ verpasst, der Flugkörper blieb dabei jedoch, wie die Gegner des Iran nur allzu bald erfahren sollten, eine tödliche Waffe. Insgesamt waren bis zum Sturz des Schahs 79 der georderten 80 Maschinen in den Iran geliefert worden, ausgeliefert wurde auch die bestellte Stückzahl der AIM-54.

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Ein interessanter und wenig bekannter Umstand ist, dass Grumman, das sich mit der Entwicklung der Tomcat finanziell gewaltig überhoben hatte, allein durch den Kaufabschluss mit dem Schah gerettet wurde. Ein von der iranischen Melli-Bank vermittelter Millionenkredit ermöglichte den Weiterbau der angekauften F-14 und rettete den Hersteller Grumman finanziell.

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1979 fegte eine Revolution die Regierung des Schahs vom Pfauenthron und der Iran wurde in einen Islamischen Gottesstaat umgeformt. Die Repressionen des neuen Regimes, das sich mit den USA überworfen hatte, trafen sofort und mit aller Härte auch die für die F-14 ausgebildeten Piloten und Techniker. Die in den Vereinigten Staaten trainierten Besatzungen, zur Elite des Kaiserreichs gehörend, galten nun unter dem Generalverdacht, „Piloten des Schahs“ zu sein, als unzuverlässig, ja als Verräter. Zum Großteil inhaftiert, wurde ein Teil hingerichtet, die Überlebenden mussten um ihre eigene Freiheit wie Leben und das ihrer Familien fürchten.

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Als 1980, im Jahr nach der islamischen Revolution, mit einem Überfall des Irak auf den zum Gottesstaat gewordenen Iran der Erste Golfkrieg ausbrach, lag die F-14 Flotte darnieder. Die erste Phase des schnell an Härte zulegenden Konflikts verlief für den international isolierten Iran verheerend. Im Licht der drohenden Niederlage begann die iranische Führung zögernd, auf die verfemten Piloten und das Potential der F-14 zurückzugreifen. Mit der Zeit kamen mehr und mehr Tomcat-Piloten aus der Haft, die meisten entschieden sich, vielleicht auch von professionellem Ehrgeiz und Heimatliebe getrieben, dem Regime in der militärischen Notlage zu dienen.

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Der F-14 hatte der Irak nichts Vergleichbares entgegenzusetzen. Sowohl als „dogfighter“ als auch mittels Einsatz der AIM-54 zeigte sich die Tomcat als überragender Gegner. Der erste Abschuss gelang bereits in den ersten Kriegstagen mit der M61 Vulcan Gatling-Kanone; ihr fiel ein irakischer Mil Mi-25 Kampfhubschrauber zum Opfer. Die Mehrzahl der folgenden Luftsiege sollte jedoch auf die aus großer Entfernung abgefeuerte AIM-54 Phönix zurückgehen.

Die Erfahrungen mit der AIM-7 Sparrow und AIM-9 Sidewinder glichen übrigens jenen, die die US-Streitkräfte in Vietnam gemacht hatten: Die wärmesuchende Sidewinder galt als verlässlicher und wies eine höhere Abschusswahrscheinlichkeit auf als die komplexere, mit einem halbaktiven Radarsuchkopf ausgestattete Sparrow-Rakete.

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Die Abschusszahlen stiegen schlussendlich für den Irak in derart unerträgliche Höhe, dass der Befehl erlassen wurde, sofort abzudrehen und zu fliehen, sobald man vom Zielradar einer F-14 erfasst worden war. Das Potential iranischer F-14 und ihrer Besatzungen schien auch mit der in der zweiten Kriegshälfte schlagend werdenden Modernisierung der irakischen Luftwaffe gut zurande gekommen zu sein. Personell wie technisch wurde der Irak von so unterschiedlichen Staaten wie Frankreich, der DDR oder der Sowjetunion unterstützt. In Folge dessen waren in der zweiten Kriegshälfte Muster wie Mirage F.1 und MiG-25, also Vertreter von Kampfflugzeugen der neuesten Generation, die Gegner, mit denen die erfahrenen Tomcat-Besatzungen fertig werden mussten.

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Vom Ausland wurde immer wieder angezweifelt, dass die Iraner ihre F-14 Flotte ohne jede Unterstützung durch die USA tatsächlich so lange als hart zuschlagende Waffe instand halten konnten. Man vermutete, dass die F-14 aus Ersatzteilmangel die meiste Zeit am Boden hätten bleiben müssen. Nicht nur die Höhe der zweifelsfrei belegten Abschüsse oder der Umstand, dass während der acht Kriegsjahre nur sechs Tomcat verloren gingen, belegen das Gegenteil, sondern wohl auch der Umstand, dass selbst heute noch auf modernen Stand gebrachte F-14 geflogen werden. Es wird wohl zu Recht vermutet, dass die dazu notwendige technische Unterstützung von Seiten Russlands gestellt wird. An die 40 F-14 Tomcats dürften heute noch bei iranischen Verbänden im Einsatz stehen.

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Zur F-14A „3-6022“, 82.TFG, TFS 8 IRIAF

Mein Modell zeigt F-14A BuNo 160320/ 3-6022, die von der 82. TFS, TFS 8 geflogen worden ist. Die Maschine ist das bis dato einzige Kampfflugzeug, dem es gelungen ist, mit einem einzigen Lenkflugkörper zwei gegnerische Maschinen abzuschießen. Am 21. Juli 1982 war die Besatzung dieser F-14 entgegen dem geltenden Befehl, nie mit einer F-14 in den irakischen Luftraum einzudringen, auf halben Weg zwischen der Frontlinie und Bagdad auf zwei MiG-23MS gestoßen, die dann im sich entwickelndem Gefecht mit einer AIM-54 Phönix zum Absturz gebracht worden sind.

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Mit dieser Tomcat wurden bis Kriegsende noch weitere fünf irakische Jets abgeschossen. Heute zeigt die Maschine zwar die neuartige, in verschiedenen Blautönen gehaltene Tarnung - tatsächlich sollte sie sogar die erste Maschine sein, die auf diese Weise lackiert worden ist - fliegt aber immer noch in einer Einsatzstaffel der iranischen Luftwaffe.

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Zum Bausatz

Das vorliegende Modell wurde aus dem Italeri-Bausatz der F-14A aufgebaut. Um ein Fazit einmal gleich an den Beginn zu stellen: das wird die letzte Tomcat aus diesen Formen sein, die ich je gebaut habe!

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Woher kommt diese Entscheidung? Zum einen scheinen mir die Formen recht uninspiriert, was Detailierung und Gussqualität angeht. Die Strukturen sind zu einem großen Teil erhaben, was an sich kein Problem wäre, allerdings übertreibt Italeri hier mit der Höhe und Grobschlächtigkeit dieser erhabenen Strukturen. Die Lösung liegt zum Glück nahe: das Abschleifen kostet zum Glück nur Zeit und ein wenig Nerven.

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Der mangelnden Detailierung muss man dagegen etwas aktiver zu Leibe rücken: im Cockpit kamen neben den Pilotenfiguren von Aerobonus noch ein entsprechendes „Interior Set“ von Eduard zum Einsatz. Am anderen Rumpfende wurden die unbrauchbaren Schubdüsen gegen jene einer zeitgleich gebauten Hasegawa-Tomcat ausgetauscht (diese wiederum bekam solche von Res-Kit angemessen).

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Wegen Unbrauchbarkeit wurden auch sämtliche Bausatz-Darstellungen der verschiedenen Flugkörper in die nicht verdiente Pension geschickt. An deren Stelle kamen „Sparrows“ und „Sidewinders“ von „Eduard Brassin“ beziehungsweise ebenfalls von Res-Kit an die Pylone.

Die allgemein unbefriedigende Passgenauigkeit führte zu einer recht exzessiven Spachtel- und Schleiforgie, die vor allem beim Anpassen der geschlossen dargestellten Fahrwerksschächte ausuferte – und beim Verschleifen der ungenügend passenden Kanzelhaube auch etwas heikel wurde.

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Die Decals wurden nicht verwendet, denn für die Markierungen konnte ich glücklicherweise auf den exzellenten Decalbogen 72-211 „Grumman F-14“ von Print Scale zurückgreifen. Dieser bietet nicht nur zahlreiche gut recherchierte Einsatzmuster der iranischen Tomcat, sondern erfreut den Modellbauer auch mit hoher Qualität des Drucks und Feinheit des Trägerfilms.

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Ein abschließendes Wort zur Präsentation "im Flug": ich wollte schon länger einmal die „verwischten“ Untergründe des Herstellers Coastal Kits ausprobieren. Die rasanten und schnittigen Formen einer F-14 geben dazu ja auch einen hervorragenden Anlass. Den aus dem Zusammenspiel von stillstehendem Modell und verwischtem Hintergrund resultierende Effekt finde ich recht erstaunlich. Erstaunlich auch, mit welch einfachen Mitteln man zu diesem Eindruck kommen kann! Ich habe mir übrigens erlaubt, bei den meisten Fotos den Metallstab, auf dem die Tomcat montiert ist, weg zu retuschieren.

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Mir hat das gesamte Projekt recht gut gefallen; vom Spaß, Miniatur-Piloten in 1:72 prächtige 80er Jahre-Schnauzbärte anzumalen, bis zum finalen Platzieren der Tomcat über der dynamischen Basis.

Ganz zum Schluss: ich danke für das Interesse und das Lesen dieses langen Textes!

Wenn Ihr Euch selbst ein Bild vom Bausatz und dem Bauprozess machen möchtet, kommt Ihr hier zu einem ausführlichen Baubericht auf „Scalemates“. Wie immer stehe ich für Anregungen und Fragen offen:

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Roland Sachsenhofer

Publiziert am 30. November 2021

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