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McDonnell Douglas RF-4E Phantom II

35 + 76, Sonderlackierung für Tigermeet 1985

von Max Lorenz (1:72 Revell)

McDonnell Douglas RF-4E Phantom II

Das Original

Die RF-4E ist ein aus der F-4E abgeleiteter taktischer Aufklärer und neben der B- und C-Variante die dritte und modernste Aufklärerversion der Phantom II. Interessanter Weise wurde sie nicht von der USA eingesetzt, sondern nur exportiert. So wurden 1969 insgesamt 88 RF-4E beim Hersteller Mc Donnell in Auftrag gegeben und am 20. Januar 1971 traf das erste Flugzeug in Deutschland ein. Bei der Bundeswehr erhielten sie die Kennungen 35+01 bis 35+88.

Als Ausrüstung trug die RF-4E eine KS-87B oder KS-72 Kamera für Bilder aus großer Höhe, an einer 2. Station die KA-87 für Bilder aus geringer Höhe und an Station 3 eine KA-55A- oder KA-91-Kamera für Panoramafotos aus großer Höhe oder eine KC-1- oder T-11-Kamera zur Kartenerstellung. Unter dem Rumpf wurde ein Side-Looking-Airborne-Radar (SLAR) UPD-4 und ein AAS-18A Infrarot-Aufklärungssystem eingebaut. Die SLAR Daten konnte von Bodenstationen in Echtzeit empfangen werden.

McDonnell Douglas RF-4E Phantom II

1978 bis 1982 wurden die deutschen RF-4E mit neuen Kameras und AN/ALE-40 Täuschkörperwerfern modernisiert sowie für Luft-Boden-Einsätze ausgerüstet. Die Außerdienststellung beim AG51 in Bremgarten erfolgte 1992 und 1994 beim AG52 in Leck. Anschließend wurden die Maschinen nach Griechenland und in die Türkei verkauft. An die Griechen wurden 27 Flugzeuge abgegeben, wobei 20 ab Ende 1992 die bereits ausgemusterten RF-84F ersetzten. Der Rest diente als Ersatzteilspender. Nach doch recht vielen Jahren Flugbetrieb war aber auch hier am 5. Mai 2017 für die Aufklärer Schluss.

Die Türkei erhielt zwischen 1992 und 1994 32 RF-4E von der Bundeswehr, welche die bestehende Flotte ergänzten und bis März 2015 im Dienst blieben.

McDonnell Douglas RF-4E Phantom II

Die hier gezeigte 35+76 war beim AG52 stationiert und erhielt anlässlich des NATO Tigermeets 1985 im belgischen Kleine-Brogel die zu sehende Sonderlackierung.

Nach der Außerdienststellung bei der Bundeswehr wurde sie zwischen 1992 und 1994 (je nach Quelle) an die Türkei abgegeben, wo sie nach einer Modernisierung unter ihrer Seriennummer 69-4173 weiter flog. Weitere Informationen oder Bilder konnte ich leider nicht finden.

McDonnell Douglas RF-4E Phantom II

Die F-4 bei Revell

Man kann schon sagen, dass die Phantom II in 72-facher Verkleinerung (alle Varianten) bei Revell Tradition hat. Der Stammbaum auf scalemates.com kann daher schon etwas verwirrend sein, weshalb ich mich nur auf das Nötigste beschränken möchte.

Begonnen hat alles 1965 mit einer F-4B, 7 Jahre später erschien erstmals eine RF-4E, welche 1985 und letztmalig 1992 wieder aufgelegt wurde. Nach gut 30 Jahren verschwand die 1. Generation der Gussform und wurde 1997 mit der neuesten 2. Generation ersetzt. Die RF-4E sollte hier sogar die erste von fünf Varianten sein. 2007 erschien mit der hier vorgestellten Tigermeet-Lackierung die letzte RF-4E unter Revell, alle anderen Versionen waren F-4F. Mit der Außerdienststellung bei der Bundeswehr verschwand das Phantom als „Pharwell“ Sonderlackierung (2013 erschienen) nicht nur bei Revell, sondern auch vom Himmel über Deutschland. Allerdings gab es 2016 und 2026 Geschenksets zum Jubiläum der Luftwaffe, wo die F-4 aus dieser Bausatzform ebenfalls nochmal enthalten war.

Revell bediente sich für diesen Jet aber auch aus den Formenfundus anderer Hersteller. So gab es z.B. 1996 eine F-4F von Italeri und zuletzt 2016 eine F-4J von Monogram.

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Der Bausatz

10 Jahre nach der Erstauflage erschien 2007 dieser Bausatz mit attraktiver Tiger-Lackierung. Für die erstmals 2000 erschienene F-Variante gab es einen anderen Gussrahmen mit entsprechend anderen Teilen. Für die Aufklärerversion gibt es so 94 Bauteile mit sehr feinen und vor allem scharfen versenkten Gravuren. Zwei Sachen, die man 30 Jahre später (!) bei heutigen Revell-Bausätzen leider oft vermisst. Insgesamt machen die Bauteile einen sehr detaillierten Eindruck, auch Nietenreihen sind vereinzelt dargestellt. Gussgrat gibt es nur an wenigen Stellen. Die Klarsichtteile vom Cockpit sind allerdings an manchen Stellen etwas schlierig und es gibt teilweise Grat. Da dies bereits meine 6. Phantom II ist, muss ich sagen, dass es leider ein allgemeines Problem des Bausatzes ist. Bei den jüngsten Auflagen in den Geschenksets sehen die Klarsichtteile noch weitaus schlimmer aus…

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Der wirklich große Decalbogen mit ebenfalls großen Decals ist auf den ersten Blick sauber gedruckt. Schaut man jedoch genauer hin, erkennt man im Druck an manchen Stellen ein paar Fehler, wie wenn noch nicht getrocknete Farbe etwas verwischt ist. Revell empfiehlt in der Anleitung „sogar“ die Verwendung von Weichmacher (damals unüblich bei Revell). Im Vergleich zu den wenigen Originalfotos fällt auf, dass der gelbe Farbton bei den Decals anscheinend etwas zu grell ist. Da die Farbfotografie 1985 allerdings noch etwas anders war wie heute, kann dieser Eindruck auch täuschen.

McDonnell Douglas RF-4E Phantom II

Hasegawa hatte exakt die selbe RF-4E ebenfalls im Angebot, entschied sich allerdings dafür, nur die Tigerstreifen als Decal zu liefern. Aufgrund der Anzahl und Größe der Abziehbilder sowie der sich daraus ergebenden Anzahl der Stoßkanten am Modell ist diese Variante wahrscheinlich die einfacherer und bessere Lösung. Revell hat aber bestimmt festgestellt, dass der gelbe Farbton nicht gut mit der eigenen Farbpalette zu mischen geht ;) Jedenfalls gibt es auf dem Decalbogen extra „touch-up“-Abziehbilder zum Anmischen der Farbe. Das ist gut gemeint, ob das praktisch ist, wird sich später zeigen.

McDonnell Douglas RF-4E Phantom II

Noch eine kleine Anekdote: Ungefähr 2008 im mittlerweile nicht mehr existierenden Spielzeugladen in Borna von Oma gekauft bekommen, gehörte die RF-4E „Tigermeet“ zu einen meiner ersten Bausätze. Und es war auch das erste „Tigermeet-Modell“. Seitdem hatte ich eine besondere Begeisterung für diese Lackierungen. Damals musste ich noch ein paar Tage warten, bis ich endlich zu Hause loslegen konnte uns so blieb mir nur das Anschauen der Bauteile und der großen Abziehbilder...

18 Jahre später kam das Modell jetzt nochmal auf den Basteltisch, als mittlerweile 5. Phantom II von Revell.

McDonnell Douglas RF-4E Phantom II

Der Bau

Eines vorweg: Was Passgenauigkeit angeht ist dieser Bausatz ganz oben mit dabei! Zur Cockpitverglasung sage ich im Verlauf noch etwas, aber ansonsten gab es nur bei den angewinkelten Flügelspitzen Spachtelarbeit. Die guten Übergänge liegen vor allem an den absolut scharfen Stoßkanten, die bei neueren Bausätzen von Revell meiner Meinung nach oft eher „rund“ ausfallen.

Begonnen wird mit dem Cockpit und dem Kameraraum im Bug. Cockpitwanne und Sitze hatten minimal Grat, bei den Sitzen mussten noch Auswerfermarken entfernt werden. Die Instrumente sind schön wiedergegeben, Decals dafür gibt es aber leider keine, obwohl das im Erscheinungsjahr schon üblich war.

Leider kollidiert der Stick im hinteren Cockpit deutlich mit dem Instrumentenpanel, was korrigiert werden muss.

Um die seitlichen Kameras in ihren Aufhängungen zu platzieren, ist etwas Geschick gefordert, aber das ist durchaus machbar. Zu beachten ist, dass die hintere, nach unten blickende Kamera, um 180° gedreht werden muss, sonst schaut sie später nicht durch ihr Sichtfenster. Die Passstifte wären ansonsten auch in der falschen Position. Hier lag die Bauanleitung falsch.

McDonnell Douglas RF-4E Phantom II

In den folgenden Bauschritten werden Rumpf, Flügel und deren Anbauteile montiert. Hier gebe ich bei der Passgenauigkeit eine 1, auch wenn minimale Spalten bei den Flügelspitzen verschlossen werden müssen. Die Bugsektion in den Rumpf zu stecken ist etwas knifflig, wenn man das geschafft hat, passt aber alles perfekt! Da ich keine Außenlasten anbringen möchte, müssen entsprechende Löcher in den Tragflächen noch verschlossen werden. Ansonsten sind 3 Zusatztanks, Störbehälter und Täuschkörperwerfer enthalten.

Zum maßtechnisch größten Schwachpunkt gehören die Lufteinlässe, welche wohl zu groß geraten sind. Hat sich hier Revell an einer britischen F-4 orientiert? Hier sind diese aufgrund der stärkeren Triebwerke etwas größer gestaltet. Im Inneren finden sich leider ein paar Stufen, welche beim Vorbild so garantiert nicht zu finden sind. Das hätte man durchaus anders lösen können.

McDonnell Douglas RF-4E Phantom II

Etwas merkwürdig finde ich auch die Bauteile 80 und 80A. Das sind rechteckige „Deckel“ für die Öffnungen mittig unter dem Rumpf. Obwohl sie nur verschlossen gebaut werden können, besitzen diese im Inneren Strukturen, was so keinen Sinn ergibt. Verschlossen ergeben sie eine Ebene mit dem unteren Rumpf und hätten so auch einfach als Gravur dargestellt werden können.

Diese rechteckigen Bauteile sind allerdings flacher als die Vertiefung. Beim Einkleben muss also darauf geachtet werden, dass sie nicht „hineinfallen“, sondern mit dem Rumpf eine ebene Fläche ergeben. Patafix und Zahnstocher helfen dabei.

McDonnell Douglas RF-4E Phantom II

Dem Fahrwerk widme ich mich erst nach dem Lackieren, so dass die Cockpitverglasung der letzte Schritt vor dem Grundieren ist. Bei allen bisher gebauten Phantoms war es so, dass diese Bauteile irgendwie zu kurz geraten sind und es zwischen den einzelnen Teilen Lücken gab. Ich war also vorbereitet, aber mit dem was mich erwartete, habe ich nicht gerechnet. Die Spalten zwischen den immerhin 4 Klarsichtteilen addierten sich auf ca. 1,8 mm, was schon recht viel ist. Die hintere Haube ist zudem etwas schlierig im Guss und zu schmal, was eine Stufe zum Rumpf ergibt. Das Klarsichtmaterial scheint hier nach dem Gießen bzw. dem Abkühlen ziemlich stark geschrumpft zu sein, anders kann ich mir das nicht erklären.

Die entstandenen Lücken wurden mit UV-Kleber geschlossen, was gerade bei Klarsichtteilen eine sehr gute Alternative zur Spachtelmasse ist, die noch verschliffen werden muss.

McDonnell Douglas RF-4E Phantom II

Die Lackierung

Dieser Abschnitt vom Bau gestaltete sich recht einfach und erfolgte mit Revellfarben. Der Bereich um die Schubdüsen wurde mit Eisen 91 lackiert und anschließend mit Tamiya weathring master „verschmutzt“ und mit Pinsel und Bodenglänzer versiegelt. Ungeplanter Weise haben sich die Pigmente dadurch verwaschen, weshalb es jetzt etwas anders aussieht als geplant. Trotz der großflächigen Decals, welche ca. 80% des Modells einnehmen, habe ich alles mit schwarz 302 lackiert, um den Decals einen gleichmäßigen Untergrund zu geben. Man möchte ja nicht, dass später die hellere Grundierung unter den Decals anders durchscheint wie das Schwarz der nicht beklebten Flächen.

McDonnell Douglas RF-4E Phantom II

Die Decals

Die Abziehbilder von Revell sind in der Regel auch nach vielen Jahren noch sehr gutmütig beim Aufbringen. Das heißt, sie neigen nicht zum reißen, sind aber eventuell etwas steif. Aufgrund der Größe war mir trotzdem etwas mulmig. Sie in kleinere Stücke zu teilen, war für mich aber keine Option, da die entstehende Stoßkanten wahrscheinlich gut sehen sind.

Um gute Ergebnisse zu erzielen, gibt Revell auch eine Empfehlung der Reihenfolge zum Anbringen. Da diese Empfehlung nur aus Nummer 1, 2, und 3 besteht (grob gesagt: unten, oben, Seiten), ergibt das bei einer wesentlich höheren Anzahl von großflächigen Decals für mich allerdings keinen Sinn. Begonnen habe ich mit den Höhenleitwerken, gefolgt vom mittleren Rumpf und Flügel (beides Unterseite), den beiden Rumpfdecals der Oberseite (diese ließen sich aufgrund der Modellform am schwierigsten aufbringen), Flügeloberseiten und zum Schluss das Seitenleitwerk.

Beim oberen rechten Flügel fiel auf, dass der weiße Deckfarbton punktförmig an einigen Stellen fehlerhaft war und dadurch das Gelb an der Oberseite etwas dunkler erscheint.

Das Einweichen dauert bei selbst sehr warmen Wasser überdurchschnittlich lange, unabhängig von der Größe der Abziehbilder. Mark Fit Super Strong Weichmacher sorgte zwar für viele Falten, machte also das was er sollte, aber so richtig in die Gravuren legen wollten sie sich auch nach drei Anwendungen nicht immer.

Was den Gebrauch von Weichmacher angeht, gehöre ich eher zu denjenigen, die das weiche Decal vorsichtig mit einem Wattestäbchen glatt rollt und damit sanft in die Gravuren drückt. Es heißt zwar, dass die Falten sich von allein legen, da ich aber schonmal andere Erfahrungen gemacht habe, nutze ich diese Variante. Das hat bisher auch bei großen Decals immer gut geklappt, jetzt ging es leider manchmal etwas schief, sodass wenige kleine Falten beim Ausrollen entstanden sind.

McDonnell Douglas RF-4E Phantom II

Die Passgenauigkeit zum Modell war in Ordnung, zu den anderen Abziehbildern war es jedoch nicht immer zu 100% passend, was man dann an den nicht ganz perfekt ineinander übergehenden Tigerstreifen sieht und später ausgebessert werden muss.

Beim „Smiley“ an der Heckspitze muss zudem improvisiert werden. Dieser ist auch im Tigerlook gehalten, in der Anleitung gibt es darauf aber keinen Hinweis geschweige denn ein Decal.

Viele gestandene Modellbauer haben Angst vor solchen riesigen Decals, ich sehe das in der Regel nicht als Problem, ganz im Gegenteil. Bisherige Bauprojekte sind mir immer sehr gut gelungen, mit diesem Ergebnis bin ich allerdings nicht durchweg zufrieden, denn manche kleine Falten wären vermeidbar gewesen. Auch auf der linken Tragflächenoberseite musste ich einen schwarzen Streifen etwas verlängern, um einen Fehler im Abziehbild zu kaschieren.

Nach dem 7,5 Stunden für die Abziehbilder drauf gegangen sind, wurden noch ein paar Stoßkanten mit einer Mischung aus gelb 12 und 15 sowie ein paar verschobene Übergänge von Tigerstreifen ausgebessert. Zuletzt wurden die Klarsichtteile entmaskiert und das Fahrwerk montiert, dann stand das „Tiger-Phantom“ nach 23 Stunden Bauzeit fertig auf eigenen Beinen.

McDonnell Douglas RF-4E Phantom II

Fazit

Da die F-4 seit 2013 nicht mehr bei der Bundeswehr fliegt, wird sie bei Revell wohl auch bald in Vergessenheit geraten, denn bisher gab es ausschließlich Versionen aus Deutschland zum Bauen. Eigentlich schade, denn der Bausatz ist nach knapp 30 Jahren durchaus noch zeitgemäß. Nicht nur bei der Detaillierung, sondern gerade bei der Passgenauigkeit, wo Revell heutzutage ruhig mal an die „guten alten Zeiten“ zurückblicken kann. Wenn die Klarsichtteile nochmal überarbeitet werden, stehen diesem Bausatz durchaus auch noch viele Jahre zu.

Max Lorenz

Publiziert am 28. August 2026

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