North American A-36A Apachevon Daniel Stihler (1:72 Condor)
Das Original:
Die North American A-36 "Apache" war die Sturzkampfbomber-Version des legendären Jägers P-51 "Mustang". Ihre Existenz verdankt sie den Eigenheiten der US-Haushaltspolitik Anfang der 1940er Jahre. North American hatte zunächst im Zuge der "Lend-Lease"-Vereinbarungen für die britische Royal Air Force Mustang Mk. I und Ia (P-51A) produziert. 93 dieser Maschinen hatte die US Army Air Force als P-51A übernommen, nachdem die Mittel für diese Verträge ausgeschöpft waren. Die Verantwortlichen bei den US-Luftstreitkräften wollten die Fertigung fortsetzen, standen aber vor dem Problem, dass im Haushalt für 1942 keine Mittel für neue Jagdflugzeuge zur Verfügung standen. Da es Geld für Bomber bzw. Jagdbomber gab, veränderte man die Anforderungen für die P-51 in Richtung eines Sturzkampfbombers.
Im April 1942 bestellte die USAAF 500 dieser mit Bombenhalterungen, Sturzflugbremsen und verstärkten Flügeln ausgestatteten und als A-36 bezeichneten Variante. Die Bewaffnung bestand aus vier MGs des Kalibers .50 in den Flügeln, zwei weiteren MGs desselben Kalibers in der unteren Nase sowie zwei Halterungen für bis zu 1.000 Pfund Gewicht unter den Flügeln. Ein flüssigkeitsgekühlter Allison V-1710-87-Motor mit 1.325 PS (988 kW) beschleunigte die A-36 auf maximal 590 km/h und ermöglichte eine Dienstgipfelhöhe von 7.650 m. Ab April 1943 kam sie im Mittelmeerraum zum Einsatz. Die Maschine konnte vertikale Sturzflüge ausführen und bewährte sich als präzise Waffe gegen Punktziele wie Artilleriestellungen, erwies sich mit ihrem flüssigkeitsgekühlten Motor aber auch als relativ empfindlich gegen Flaktreffer. Ab Juni 1944 wurde die A-36 durch die P-40 und die P-47 "Thunderbolt" ersetzt. A-36 flogen auch in Südostasien, erwiesen sich aber gegenüber den von den Japanern eingesetzten Ki-43 "Oscars" in jeder Hinsicht als unterlegen und erzielten offenbar nur begrenzt Wirkung. Drei A-36 haben sich in amerikanischen Museen erhalten. Die hier dargestellte Maschine kam in Italien mit der 86th Bombardment Group zum Einsatz und überstand eine beeindruckende Anzahl von Feindflügen, ging aber am 14. Januar 1944 durch Flaktreffer verloren.
Das Modell:Das hier vorgestellte Modell der A-36 "Apache" stammt von 1995 und damit aus der Frühzeit des tschechischen Short Run-Herstellers Condor/MPM. Die Anschaffung war ein Impulskauf aufgrund des dramatischen Bilds auf der Schachtel, das zwei A-36 in Italien bei einem Angriff auf deutsche Truppen zeigt. Allerdings erwies sich der Bausatz als klassischer und entsprechend mühsam zu bauender Short-Run-Bausatz mit teils grobschlächtigen bzw. fehlenden Details und erheblichen Mängeln bei der Passgenauigkeit. Das äußerst rudimentäre Cockpit habe ich mit Strukturen aus Plasticard aufgebessert. Als besonders problematisch erwiesen sich die Spalten an den Flügelwurzeln, insbesondere auf der linken Seite, wo eine deutlich sichtbare Stufe hinzukam. Dies machte viel Spachteln, Schmirgeln und Nachgravieren erforderlich. Trotz Versuchen mit unterschiedlichen Arten von Kleber und Spachtelmasse bildete sich immer wieder ein Riss zwischen Rumpf und Flügel.
Als unbrauchbar erwiesen sich die Naßschiebebilder, die beim ersten Kontakt mit Wasser zu unzähligen Bruchstücken zerfielen. Einen Teil konnte ich mit Microscale "Liquid Decal Film" retten, die Totalverluste ließen sich aus der Restekiste ersetzen. Diesem Problem fiel auch ein Teil der Missionsmarkierungen zum Opfer. Die Bomben hatten keinerlei Ähnlichkeit mit dem Original und wurden durch solche aus dem 3D-Drucker ersetzt. Lackiert habe ich mit Vallejo Model Air-Farben, gealtert und verschmutzt mit Pigmenten von Tamiya und stark verdünnten Ölfarben. Bis zuletzt erwies sich die linke Flügelwurzel als Problemzone. Die Risse habe ich - so gut es ging - unter mit Aluminiumfarbe simulierten Lackschäden verborgen. Sicher hätte ich noch mehr machen können, um das Modell noch etwas authentischer aussehen zu lassen (z.B. bei den Halterungen für die Bomben), aber für mein Empfinden habe ich genug Zeit investiert!
Daniel Stihler Publiziert am 12. März 2026 © 2001-2026 Modellversium Modellbau Magazin | Impressum | Links |