Fieseler Fi 103 "V1"von Mario Rettenberger (1:48 Tamiya)
Auf der Suche nach einem kleinen Projekt mit überschaubarer Fertigungszeit bin beim Durchstöbern meiner Bausätze auf die Fieseler Fi 103 "V1" von Tamiya in 1:48 gestoßen - Bingo! Aus kreativer Sicht ist an der V1 besonders interessant, dass man bei der Bemalung relativ frei ist. Die Flugkörper wurden oft mit den Farben bemalt, die eben gerade verfügbar waren. Auch die Tarnmuster waren häufig improvisiert und daher stark unterschiedlich. Bastlerherz, was willst du mehr?
Die Passgenauigkeit des kleinen Bausatzes ist sehr gut, Tamyia halt. Ein paar Details des Bausatzes haben mich aber nicht ganz überzeugt. Aufgefallen sind mir diese Unstimmigkeiten, als ich während der Bauphase die Gelegenheit hatte, ein Original der V1 im Deutschen Museum in München zu bestaunen.
Die Positionierung des Pulsstrahltriebwerks über dem Rumpf ist meines Erachtens zu hoch. Der vordere Pylon, auf dem das Staurohr ruht, erscheint mir im Original deutlich kürzer als bei Tamiya ausgeführt. Eine Kürzung dieses Bauteils hätte auch ein Eingreifen am Seitenruder erfordert. Für das gewollte kurze Projekt war mir das aber zu viel Arbeit, daher habe ich es so belassen.
Das kleine (Pitot?)Rohr am vorderen Pylon fand ich etwas klobig und es war bei mir ohnehin angeknackst. Ich habe es durch eine Kombination zweier Metallröhrchen ersetzt.
Mein „größter“ Eingriff am Bausatz war die Neugestaltung des Steuergestänges am Seitenruder. Das ist bei Tamiya als angegossenes Bauteil nur angedeutet und liegt direkt am Seitenruder an. Im Original steht dieses Gestänge aber deutlich ab. Ich habe das Tamiya-Detail weggefeilt und das Gestänge aus ein paar dünnen Plastikstäbchen nachgebaut.
Der kleine Propeller ist arg klobig ausgeführt. Hier wäre ein PE-Teil schön gewesen. Ungut fand ich zudem, dass der Propeller bereits fest am Rumpf angegossen ist. Das schreit förmlich danach, während des Baus abgebrochen zu werden. Um das zu vermeiden, habe ich ihn vor dem Zusammenbau abgetrennt und am fertigen Modell wieder angeklebt. Dabei habe ich den Propeller nicht, wie ursprünglich vorgesehen, exakt senkrecht, sondern etwas schräg positioniert. Ich finde bringt einen kleinen Hauch Lebendigkeit ins Modell.
Am Ende habe ich mit dem Bausatz dann doch mehr Zeit zugebracht, als ich es eigentlich vorgehabt hatte. Das lag aber in erster Linie an der Lackierung des Transportgestells der V1. Da Gebrauchsspuren am Flugkörper der V1 unsinnig sind, mir deren Darstellung aber immer am meisten Spaß bereitet, musste halt das Transportgestell herhalten. Ich wollte einen sehr abgeschlagenen und rostigen Metallrahmen darstellen. Ich vermute die beiden Blöcke, auf denen der Rumpf der V1 ruht, waren aus Holz. Hier habe ich versucht mit der Darstellung abblätternder Farbe die Eintönigkeit zu durchbrechen.
Mario Rettenberger Publiziert am 30. Mai 2026 © 2001-2026 Modellversium Modellbau Magazin | Impressum | Links |