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Consolidated B-24D Sleepy / The Squaw

Operation Tidal Wave, 1. August 1943

von Christoph Adel (1:48 Revell)

Consolidated B-24D Sleepy / The Squaw

Der Bausatz

Der Revell-Bausatz, der die Basis für mein Modell liefert, stammt aus dem Jahr 2003 und geht auf die alte Monogram-Form von 1976 zurück. Der große Top-Opener-Karton aus dünner Pappe hat die Zeit nicht ganz unbeschadet überstanden: leicht vergilbt, und mittig etwas eingedrückt. Gekauft habe ich ihn zusammen mit zwei weiteren Kits von einem Clubkameraden, der seine Sammlung etwas verkleinern wollte. Die Liberator war dabei nicht der Hauptgrund für den Kauf, sondern eher ein willkommenes Anhängsel. Für rund 100 Euro für drei Bausätze war das ein guter Preis - immerhin hat Revell den selben Bausatz mit identischen Decals und den selben beiden Bauoptionen für die B-24 "Flack Alley" und "The Squaw" erst 2023 wieder aufgelegt, UVP 69 Euro einzeln! Und auch wenn die Neuauflage mit schickem schwarzen Karton daherkommt, steckt in der 2003er Version noch ein echtes Highlight: der zusätzliche Spritzling mit der Flugcrew und dem Flugfeldschlepper.

Die Recherche

Was baue ich hier eigentlich? Oder besser gesagt, was steht hier schon seit Ewigkeiten auf meinem Schrank und könnte von mir gebaut werden? Der Entschluss, dieses Kit tatsächlich anzufangen, war nämlich lange Zeit gar nicht gefallen. Stattdessen begann alles mit einer kleinen Recherche, bei der ich recht schnell in ein tiefes Rabbit-Hole fiel. Ich habe unzählige Artikel gelesen, Fotos gesichtet und Videos über die B-24 Liberator angeschaut. Auf YouTube stieß ich schließlich auf ein hervorragend recherchiertes Video von TJ3 History über die Operation "Tidal Wave", den massiven alliierten Angriff auf die Ölraffinerien in Ploiesti, Rumänien, am 1. August 1943. "The Squaw" war einer der beteiligten Bomber.

Die Geschichte dieser Maschine hat mich sofort gepackt. Während des Angriffs wurde „The Squaw" nur leicht beschädigt - hätte also problemlos mit voller Geschwindigkeit den Rückflug antreten können. Doch die Crew entschied sich anders: Sie blieb bei einer Gruppe schwer getroffener Liberators, um diese auf ihrem schwierigen Rückweg vor weiteren Angriffen zu schützen. Gemeinsam erreichten sie schließlich einen Ausweichflugplatz auf Zypern.

Revell zeigt "The Squaw" in einer Lackierung nach dessen Kriegseinsätzen auf der Warbond-Tour. Auch wenn dies nicht die Lackierung ist, die "The Squaw" während des Kriegseinsatzes hatte, hat diese Lackierungsoption für mich jedoch einen riesigen Vorteil, denn bei der Warbond-Tour waren Publikumswirksam alle Flaktreffer, die das Flugzeug während seiner Einsätze erlitten hatte, auflackiert. Ein großer Vorteil für mich, denn für mich stand fest, dass ich mich bei diesem Projekt zum ersten Mal an Beschädigungen und Einschusslöchern ausprobieren wollte. Nach weiteren Recherchen fand ich schließlich heraus, wie „The Squaw" tatsächlich während der Tidal-Wave-Mission lackiert war, und mit etwas Glück und noch längerer Recherche finde ich sogar passende Decals mit der originalen Nose Arts.

Consolidated B-24D Sleepy / The Squaw

Consolidated B-24D Sleepy / The Squaw

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Der Baustart

Für eine 50 Jahre alte Form kann sich der Bausatz sehen lassen. Er ist ein durchaus brauchbarer „Klassiker" mit guter Innenstruktur, aber deutlich spürbarem Vintage-Charme bei Gravuren, Passung und Oberflächendetails. Die Passgenauigkeit ist okay, lediglich die beiden großen Rumpfhälften sind durch ihre schiere Größe so verzogen, dass man sie etwas in ihre Passform zwingen muss. Am Ende muss man trotzdem ordentlich spachteln. Nach der Grundierung fange ich an, am Leitwerk und den Rumpfhälften Battledamage darzustellen. Hierzu schleife ich die Innenseite der Teile dünn, so dass ich danach mit einem Messer das nun dünne Plastik aufschlitzen kann. Die Kanten biege ich beiseite, wenn dabei Plastik abbricht, sammle ich es auf und klebe es später von außen an die bearbeiteten Stellen.

Consolidated B-24D Sleepy / The Squaw

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Der Innenausbau

Der Bomber erhält bei mir eine vollständig ausgestattete Inneneinrichtung mit kompletter Besatzung, weshalb zunächst der Innenraum lackiert und anschließend mit zusätzlichen Details verfeinert wird. Der vordere Rumpfabschnitt zwischen Cockpit-Instrumentenbrett und Navigator wird deutlich aufgewertet und um Kartentisch sowie diverse technische Geräte, Kabel und Verstrebungen ergänzt. Da der Bausatzboden nur im Bereich der Waist Gunner ausgeführt ist, fertige ich neue, strukturierte Bodenbleche an und verkleide damit den gesamten Innenraum. Ergänzend entstehen mehrere Munitionskisten, wie sie in großer Zahl im Inneren der B?24 mitgeführt wurden. Auf den neu gestalteten Böden verteile ich dutzende Patronenhülsen, und die Maschinengewehre erhalten angeklebte Munitionsgurte.

Das Fenster des Tunnel-Gunners muss komplett neu aufgebaut werden, da die B-24D im Bausatz diese Position nicht vorsieht. Die Klärung, ob „The Squaw" tatsächlich über eine Tunnel-Gun verfügte, erfordert umfangreiche Recherchen. Gewissheit erhalte ich schließlich durch den originalen Einsatzbericht, in dem einem Besatzungsmitglied eindeutig die Funktion des Tunnel-Gunners zugewiesen ist.

Als Crew setze ich die mitgelieferten Figuren ein. Eine kleine Ungenauigkeit akzeptiere ich: Die Figuren tragen nur teilweise Fluganzüge. Da der Einsatz über Ploiesti im Tiefflug erfolgte, wo Fluganzüge gegen Kälte und dünne Luft nicht zwingend erforderlich sind, lasse ich diese Abweichung bestehen. Mir ist bewusst, dass man viele der eingebauten Extras nur noch schwer im fertigen Zustand sehen wird, trotzdem macht die Arbeit im Innenraum sehr viel Spaß.

Consolidated B-24D Sleepy / The Squaw

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Die Sonderausstattung

Der Bomber soll im Flug dargestellt werden. Bei vielen meiner vorherigen Flugzeuge mag ich die Darstellung der Propeller im Flug nicht. Um diesem Modell mehr Leben einzuhauchen, habe ich kleine Elektromotoren bestellt, die bei 3 Volt mit rund 150 Umdrehungen pro Minute laufen. Das ist genau das richtige Tempo - nicht zu schnell, damit die filigranen Plastikpropeller nicht gefährlich ins Flattern geraten, aber schnell genug, um im Lauf einen überzeugenden optischen Eindruck zu hinterlassen. Eingesetzt habe ich die Motoren direkt in die Motorgehäuse an den Flügeln, fixiert wurden sie mit Heißklebe. Die Welle der Motoren habe ich mit Schumpfschläuchen und Messingstäben verlängert. Die Propeller sind lediglich aufgesteckt.

Die Verkabelung führe ich durch die Flügel bis in den Bombenschacht. Dort laufen auch die Leitungen der kleinen LEDs zusammen, mit denen ich den Innenraum ausleuchte. In diesem Bereich habe ich außerdem zwei Messinghülsen ins Plastik eingelassen und mit verflüssigten Gussastresten fest eingeklebt. Diese Hülsen halten das Flugzeug später auf zwei dünnen Messingstäben am Sockel und stellen auch die Stromzufuhr sicher. Der Clou dabei: Das Modell lässt sich trotzdem jederzeit abnehmen, ganz ohne störende Kabelverbindung.

Consolidated B-24D Sleepy / The Squaw

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Die Lackierung

Besonders schwer ist die Lackierung der Liberator nicht. Die pure Größe macht mir etwas zu schaffen. So müssen Flügel und Rumpf seperat lackiert werden, weil ich das Modell zusammengesetzt nicht mehr in meine Lackierkabine bekommen würde. Die Unterseite wird in RLM65 Hellblau lackiert. Die Oberseite soll den authentischen Look unter nordafrikanischer Sonne ausgebleichter USAAF-Wüstentarnfarbe bekommen. Sogenanntes Desert Pink. Hierzu mische ich mir eine ganze Flasche Vallejo Modelair "US Desert Sand" mit Rot und Weiß zu einem Pink-Braun. Die Farbe ist hässlich, aber authentisch. Zum Glück reicht mir eine Flasche, denn bei der schieren Fläche war ich mir unsicher.

Die Hoheitszeichen müssen ebenfalls lackiert werden, denn zu meinem Erstaunen und Bedauern sind bei meinem extra gekauften Decal-Set mit den Nose-Arts keine Hoheitszeichen enthalten. Die Hoheitszeichen des originalen Decal-Bogens kann ich ebenfalls nicht verwenden, denn ich benötige die lediglich 1942/1943 verwendeten Sterne auf blauem Kreis mit der gelben Umrandung. Diese Hoheitszeichen sind als Decals trotz intensiver Recherche nicht zu bekommen (außer absolut überteuert aus den USA mit wochenlanger Lieferzeit). Deswegen entscheide ich mich, die Hoheitszeichen selbst als Maske anzufertigen und zu lackieren. Dies funktioniert erstaunlich gut. Als Decals kommen sowohl Links und Rechts je eine Nose-Art zum Einsatz, den "The Squaw" trägt die Namengebende Figur auf der rechten Rumpfseite. Auf der linken befindet sich noch der Zwerg "Sleepy" der dem Bomber vorher seinen Namen geliehen hatte.

Consolidated B-24D Sleepy / The Squaw

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Das fertige Modell

Der Lack wird noch mit etwas schwarzem Wash gealtert. Hierdurch wird das Desertpink wesentlich dunkler, was ihm rein optisch sehr entgegenkommt. Zum Schluss wird "The Squaw" noch mittels Messingstäben auf einem geölten Eichenholz-Sockel befestigt. Dieser Sockel beinhaltet auch die Stromversorgung.

Christoph Adel

Publiziert am 07. März 2026

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