Ambrosini S.7I-EROA, Mille Miglia Aerea 1951von Martin Grupp (1:72 Umbau, Basis RS Models)
Das OriginalDie Ambrosini S.7 des Herstellers Società Aeronautica Italiana (SAI) war ein einmotoriger Tiefdecker, der ursprünglich als Reise- und militärisches Schulflugzeug konzipiert wurde. Während des 2. Weltkriegs wurde es als SAI.7T und nach dem Krieg als S.7 von der italienischen Luftwaffe als zweisitziger Trainer genutzt. Weitere technische Daten der Ambrosini S.7 (Quelle: https://www.flugzeuginfo.net):
Bei einer Gesamtproduktion von ca. 150 Flugzeugen haben aufgrund der fragilen Holzbauweise bis heute nur wenige Exemplare die Zeiten in Museen überstanden. Flugfähige Exemplare existieren leider nicht mehr.
Das Modell und seine EntstehungAls Jugendlicher bin ich Mitte der 1970er-Jahre beim Blättern in den Fotoalben meines Vaters auf die äußerst eleganten Ambrosini S.7-Flugzeuge aufmerksam geworden. Und ich bin aus dem Staunen nicht mehr herausgekommen, als mein Vater mir erzählte, dass er 1951 bei der "Mille Miglia Aerea" in Bari den Fliegeroffizier und Rennpiloten Mario de Bernardi persönlich kennenlernen durfte. Was also lag näher, als die persönliche Ambrosini S.7, die damals de Bernardi bei der "Mille" steuerte, als Modell nachzubauen!
Dies scheiterte zunächst an historischen Unterlagen (tatsächlich existiert in meinem Fundus bis heute kein Foto, welches De Bernardis Ambrosini in einer Gesamtansicht zeigt), sowie mangels eines Bausatzes im Maßstab 1:72. Vor ungefähr 20 Jahren bekam ich jedoch von einem Modellfliegerfreund, der damals in Bari dabei war, das offizielle Programmheft der „Mille“. In ihm waren alle teilnehmenden Flugzeuge, mit Pilot, Registrierung und Startnummer, gelistet. Nun konnte ich De Bernardis Ambrosini die Kennung I-EROA (Serien-Nr. 2-00051) und die Startnummer 70 zuordnen. Über die Fotos von anderen Ambrosinis der Veranstaltung konnte ich dann die sehr wahrscheinliche Position und Größe der Markierungen rekonstruieren.
In den frühen 2000er-Jahren war ich bereits an einen Resin-Bausatz einer Ambrosini SAI.7T des französischen Kleinserien-Herstellers Dujin gelangt. Hierbei handelt es sich um die frühe, doppelsitzige Version der S.7. Bedingt durch das schlechte Fahrwerk und die andere Triebwerksverkleidung blieb der bescheiden detaillierte Bausatz jedoch einige Zeit auf dem Basteltisch liegen. Dies änderte sich, als der Bausatz der Ambrosini S.207 von RS-Model auf den Markt kam. Das leichte Jagdflugzeug S.207 stellt eine Weiterentwicklung der Ambrosini S.7 dar, ausgerüstet mit einem hängend eingebauten Isotta Fraschini Delta III R.C.40, einem luftgekühlten 12-Zylinder-V-Motor mit einer Leistung von 750 PS. Von diesem Bausatz konnten die gut detaillierten Tragflächen, Teile des Rumpfes mit den Leitwerken, sowie die Cockpitausstattung entnommen werden. Die Cockpitsektion des Rumpfes musste, gemeinsam mit der Triebwerks-Cowling, komplett umgestaltet werden. Bei den Arbeiten half eine Konstruktionszeichnung, die ich im Internet gefunden hatte, und mit deren Hilfe ich vom Flugzeug per Handzeichnung einen kompletten Riss anfertigen konnte.
Mittels eines aus Plasticsheet angefertigten Spantengerüstes wurde unter Verwendung der oberen Triebwerksverkleidung und Teilen der unteren Verkleidung der S.207 die enganliegende Cowling des Alfa Romeo-Triebwerks angefertigt, mit Plastikstreifen beplankt und mit viel Spachtelmasse modelliert. Das Cockpit wurde nach vorne verlängert. Für das Mittelteil der Kabinenverglasung verwendete ich das (doppelt vorhandene) Tiefziehteil des Dujin-Kits, unter der Neuanfertigung der strömungsgünstigeren Frontverglasung der Nachkriegsausführung aus durchsichtigem Plastikmaterial. Aber auch ohne das Tiefziehteil wäre die Anfertigung einer neuen Rumpfabdeckung (z.B. aus dünnem Alublech), unter Verwendung der RS-Kabinenhaube, „kein Hexenwerk“ gewesen. Das Fahrwerk wurde komplett neu aus dünnen Röhrchen und gezogenen Gießästen hergestellt, die filigranen Fahrwerks-Gabeln aus dünnem Alublech ausgeschnitten und gebogen. Geeignete, breitere Reifen und ein Zweiblattpropeller fanden sich in der Zubehörkiste. Die spitz zulaufende Propellernabe wurde aus dem abgesägten Heckkonus eines Jet-Zusatztanks gebastelt... gut, wenn man nichts Übriggebliebenes aus anderen Kits wegwirft.
Die Arbeiten gingen erstaunlich schnell von statten, innerhalb von zwei Wochenenden war der Rohbau des Modells fertig. Obwohl im Original mit einem silbernen Anstrich versehen, verwendete ich teilweise selbstklebende, matte „Bare-Metal“ Alufolie zur Verkleidung von Cockpit und Cowling. Die Decals entwarf ich mittels Corel Draw und lies diese beim „Druckeronkel“ auf Decal-Folie drucken.
Alles in allem ein relativ überschaubarer Umbau, man hat schon schlimmeres gesehen. Natürlich nur für erfahrene Modellbauer, die unbedingt diesen interessanten Flugzeugtyp in ihre Sammlung einreihen wollen.
Modellfoto mit KI ergänzt
De Bernardis I-EROA vor der Halle des Aero Club Bari. Das Preiser-Pärchen wirkt sehr realistisch, und auch ihr grüner Vauxhall schaut sehr echt aus (er ist von Oxford, wurde „gesupert“ und soll einen Fiat 1500 desselben Baujahrs darstellen, dem er fast zum Verwechseln ähnlichsieht), Modellfoto mit KI ergänzt.
Mille Miglia Aerea, Bari, 23. September 1951Damals traten mehrere S.7 bei der Mille Miglia Aerea in Bari an. Dank intensiver freundschaftlicher Beziehungen nach Italien war damals auch mein Vater mit seinen Freunden des Neu-Ulmer Segelflugvereins „Bussarde“ zu dieser Veranstaltung eingeladen. Veranstaltet vom Aero Club d’Italia, forderte dieses historische Luftrennen die Piloten auf, die anspruchsvolle Strecke von der Adria bis nach Rom und zurück zu bewältigen. Als eigenständiges fliegerisches Pendant zum Autorennen Mille Miglia führte die „Mille Miglia Aerea“ in einem Rundkurs über Süditalien: Start in Bari, Flug über den Apennin nach Neapel, Südkurs über Kalabrien bis Crotone und im Tiefflug entlang der ionischen und adriatischen Küste zurück nach Bari. Der Wettbewerb umfasste mehrere Klassen, dabei wurde die Rennklasse für größere Sportflugzeuge komplett von den eleganten Ambrosini S.7 beherrscht. Durch ihre überlegene Aerodynamik deklassierte sie die Konkurrenz völlig.
Restaurierte Karte des Rundkurses: Start in Bari, Flug über den Apennin nach Neapel, Südkurs über Kalabrien bis Crotone und zurück entlang der ionischen und adriatischen Küste nach Bari (Foto und Restaurierung: Martin Grupp). Die folgenden Bilder sind Originalaufnahmen, welche in mir den Wunsch zum Bau dieses Modells weckten:
Gruppenbild vor der Ambrosini S.7 von Oberst de Bernardi: Ganz links im Bild der Vater des Autors Oskar Grupp, in der Mitte (ohne Krawatte) Oberst de Bernardi (Foto: Gerd Reinzmann, Westdeutsche Allgemeine Zeitung 1951, in Farbe restauriert)
Weiteres Gruppenfoto mit der I-EROA im Hintergrund, Oberst de Bernardi dritter von rechts (Foto: Oskar Grupp)
Der damals bereits 58-jährige Oberst Mario de Bernardi steuerte die zivile Ambrosini S.7 mit der Startnummer 70 und dem Kennzeichen I-EROA. Obwohl de Bernardi das Rennen als einer der Favoriten bestritt und fliegerisch eine absolute Meisterleistung im extremen Tiefflug zeigte, sicherte sich ein anderer Ambrosini S.7 -Pilot den offiziellen Gesamtsieg des Rennens: Guido Ferrari mit der Startnummer 54 und dem Kennzeichen I-EFFE, mit einer beeindruckenden Geschwindigkeit von 329,096 km/h.
Triebwerksprobelauf einer S.7 (Foto: Oskar Grupp) Martin Grupp Publiziert am 30. October 2026 © 2001-2026 Modellversium Modellbau Magazin | Impressum | Links |