PB4Y-2 Privateer(Matchbox - Nr. 40606)
Produktinfo:
Besprechung:Die Consolidated PB4Y-2 Privateer war eine Abwandlung der B-24 Liberator. Sie erhielt ein hohes Leitwerk, im Gegensatz zur Liberator, welche zwei kleinere hatte, außerdem einen um fast drei Meter verlängerten Rumpf. Die defensive Bewaffnung war deutlich stärker, mit 12 × 12,7-mm-MGs in automatischen Martin- und Emerson-Türmen, ausgelegt für lange Seeaufklärungsflüge ohne Jagdschutz. Ab 1944 wurde das Flugzeug dann im Pazifik zur Seeaufklärung, U-Boot-Jagd und für Anti-Schiffseinsätze eingesetzt. Ferner wurde sie auch für Rettungsflüge und zur Markierung von Zielen für die Schiffsartillerie genutzt. Die Reichweite war mit 4.800 km ideal für die großen Weiten des Pazifiks geeignet. Auch nach dem Krieg blieb das Flugzeug in seiner Aufgabe innerhalb der US Navy eingespannt und kam noch im Korea-Krieg zum Einsatz. In dieser Zeit erhielt es noch einmal eine umfassende Modernisierung, wie z. B. Radar-Nasen und ECM-Ausrüstung. Mit dem Erscheinen der P2V Neptune wurde die Privateer nach und nach ausgemustert. Andere erhielten ein zweites Leben als Löschflugzeuge.
Der Bausatz erschien bereits 1980 bei Matchbox und bekam 1986 und 1992 eine andere Umverpackung. Eine Wiederauflage erschien 2009 bei Revell, und bei Classic Plane gab es wohl noch eine limitierte Auflage von 30 Stück mit Umbauteilen zum Löschflugzeug. Der Bausatz beinhaltet vier Gussrahmen, einen Rahmen mit Klarteilen, Abziehbilder und die Anleitung. Zu beachten ist diesmal die selbst für Matchbox exotische Farbe des Plastiks: zwei türkisfarbene und ein dunkelblauer Rahmen, der letzte Rahmen ist mit weißem Plastik vergleichsweise langweilig. Die Klarteile sind zwar kratzfrei und haben die Zeit gut überstanden, allerdings haben sie einen ziemlichen Lupeneffekt. Auch die Plastikteile sind sauber und ordentlich gegossen, wie man es vom Hersteller gewohnt ist. In meinem Fall sind ein paar Teile mittlerweile vom Gussrahmen gelöst – gut, das kann nach über 30 Jahren schon mal passieren.
Die Detaillierung ist typisch für Matchbox: einfach, aber effizient und definitiv auf dem Stand der frühen 80er-Jahre. Die Gravuren sind versenkt, aber ziemlich ausgeprägt. Die Angüsse sind stellenweise sehr nahe am Bauteil zu finden. Flash oder Trennnähte findet man gar nicht oder nur bei sehr genauem Suchen. Viele Sachen sind auch sehr rudimentär dargestellt, z. B. die Motoren oder das Fahrwerk. Unschön finde ich den mehrteiligen Rumpf – das ermöglicht zwar die Darstellung unterschiedlicher Versionen, erfordert aber auch mehr Nacharbeit, um die Übergänge zu verstecken. Der Innenraum ist maximal rudimentär: Es gibt Pilotenfiguren und ein Instrumentenbrett. Der restliche Innenraum ist leider gar nicht berücksichtigt worden, und die Türme sind nur mit einem Maschinengewehr ausgestattet. Alle drei Flugzeuge weisen auch kleine versionsspezifische Unterschiede auf: geschlossener Rumpf, nur die seitlichen Heckschützen oder voll ausgestattet mit Drehtürmen.
Die Abziehbilder sind natürlich auf die Hoheitszeichen und die Markierungen der Flugzeuge reduziert, Stencils fehlen. Ob und wie diese noch zu gebrauchen sind, kommt darauf an, wie der Bausatz gelagert wurde. Bei meinem Exemplar würde ich eher bezweifeln, dass diese noch funktionstüchtig sind. Aber immerhin: Versatz habe ich keinen gesehen, und auch die Wappen und Logos sind ordentlich gedruckt. Aus diesen lassen sich drei Flugzeuge unterschiedlicher Nationen herstellen. So haben wir eine kanadische Maschine ohne die Öffnungen der Heckschützen mit dem Namen "Rockcliff Ice Wagon". Das Flugzeug wurde in keiner regulären Einheit eingesetzt, sondern in der Erprobungs- und Versuchsanstellung der Royal Canadian Air Force auf der Airbase Rockcliff in Ontario, wo sie auch für den Nationalen Forschungsrat Kanadas eingesetzt wurde. Sie diente vor allem der Vereisungsforschung sowie für Tests und die Entwicklung elektrischer Enteisungssysteme. Die französische Privateer gehört der Marinefliegerstaffel Flottille 28F an und war zunächst in Indochina stationiert. Dort wurden die Flugzeuge nicht mehr als Seefernaufklärer, sondern als schwere Bomber und zur Luftnahunterstützung eingesetzt. Nach der Niederlage in Indochina verlegte man sie ab 1956 nach Tunesien auf die Luftwaffenbasis Karouba bei Bizerte. Dort wurde sie wieder zur Seefernaufklärung, aber auch zur Unterstützung während des Algerienkriegs eingesetzt. 1961 wurden auch die französischen Flugzeuge ausgemustert. Die US-Maschine, welche wir auch auf dem Cover sehen, war 1945 auf Palawan am Westbrook Field auf den Philippinen stationiert, wo sie dem Patrol Bombing Squadron 106 angehörte. Zu deren Aufgaben gehörten Seeaufklärungs-, U-Boot-Jagd- und Bombenangriffsmissionen. Inwieweit die drei Flugzeuge aber historisch korrekt dargestellt sind, kann ich nicht beantworten.
Die Art der Matchbox-Anleitung stößt hier leider an ihre Grenzen, wie ich finde. Die zunächst aufgelistete Detailbemalung nimmt bereits eine komplette Seite ein, auch welche Version welchen Bauschritt benötigt, wirkt etwas chaotisch und nicht immer direkt ersichtlich. Hat man sich durch die 19 Bauschritte gekämpft, folgt die Bemalung. Im Vergleich mit heute ist die Anleitung natürlich etwas altbacken, und auch die fehlende Farbe trägt nicht gerade zur Übersichtlichkeit bei. Wie ich schon erwähnt habe, ist dieser Bausatz bis heute die einzige Möglichkeit, die Privateer zu bauen. Zum Glück gibt es ein paar Hersteller, die sich im Aftermarket bemüht haben, dass man dieses Flugzeug auf einen halbwegs vernünftigen, modernen Stand bringen kann – etwa Lone Star Models, die erst 2022 etwas aufgelegt haben, oder Cobra Company, die ein umfangreicheres Resinset herausgebracht hat, in dem Motoren und Innenraum neu ausgestattet werden. Auch andere Fahrwerke, Räder, Leitwerk und Vacu-Klarteile finden sich. Wie gut jedoch die Verfügbarkeit ist, kann ich nicht sagen. Auch ob man in einen fast 50 Jahre alten Bausatz noch so viel investieren will, ist die Frage. Alternativ habe ich auch schon viel vom Kit-Bashing gelesen, bei dem Modellbauer diesen Bausatz mit dem besseren Hasegawa-Bausatz der Liberator vermischt haben. Darstellbare Maschinen:
Stärken:
Schwächen:
Anwendung: Out of the Box relativ einfach. Fazit:Ein Klassiker durch und durch – mehr aber auch nicht. Den Ansprüchen von heute kann dieser Bausatz leider nur noch bedingt erfüllen. Ja, liebe Hersteller: wie wäre es denn mit einer neuen Privateer? Nach fast 50 Jahren wird es doch langsam Zeit, oder? Diese Besprechung stammt von Marcel Schröder - 29. November 2025 © 2001-2025 Modellversium Modellbau Magazin | Impressum | Links |