Miles Master Advanced Trainer(Novo - Nr. 76060)
Produktinfo
BesprechungIch glaube, es gibt nicht viel, wovor selbst gestandene Modellbauer wirklich Angst haben, außer vielleicht den nahezu unverwüstlichen Formen von Frog. Auf dem Höhepunkt des Kalten Krieges entwickelt, scheinen diese Formen vermutlich sogar für die atomare Bedrohung ausgelegt worden zu sein. Anders kann ich mir kaum erklären, wie sie unzählige Wiederauflagen bei den verschiedensten – meist osteuropäischen – Herstellern überstanden haben und uns bis heute „heimsuchen“.Besonders wenn man einen der blauen Bausatzkartons mit der rot-weißen Aufschrift „Novo“ in den Händen hält, weiß man fast sicher: Dahinter verbirgt sich wieder eine Wiederauflage eines alten Frog-Bausatzes.
Spaß beiseite, man muss dem Hersteller zugutehalten, dass er sich auch weniger bekannten Flugzeugtypen gewidmet hat, für die es teilweise bis heute keine echte Alternative gibt. Dazu gehört auch das britische Schulflugzeug Miles Magister. Die Form erschien erstmals 1963 bei Frog und erlebte bereits dort fünf Wiederauflagen, unter anderem bei den inzwischen längst verschwundenen Herstellern Tri-ang und Air Lines. Später gelangte sie zusammen mit vielen anderen Frog-Formen in die Sowjetunion, wo der Bausatz 1977 bei Novo erschien. Anschließend wanderte die Form in die Spielzeugfabrik Donezk, wo das Flugzeug ab 1984 bis Anfang der 1990er-Jahre weitere sechs Mal aufgelegt wurde. Zwischendurch machte die Form sogar einen Abstecher nach Polen zum Hersteller Chematic, ehe sie Anfang der 2000er-Jahre wieder nach Russland zu Ark Models und Eastern Express gelangte. Irgendwann im letzten Jahrzehnt wurde der Bausatz dort schließlich zum bislang letzten Mal wieder aufgelegt.
Schauen wir uns nun aber die Novo-Auflage von 1979 an und was uns der betagte Bausatz zu bieten hat. Nun ja – eigentlich nicht besonders viel: zwei Gussäste mit den beiden Rumpfhälften, der unteren Flügelsektion und den beiden Oberflügeln. Dazu kommen ein Klarteil sowie ein Abziehbilderbogen.Wie nicht anders zu erwarten, fällt das Cockpit äußerst einfach und schlicht aus: zwei Pilotenfiguren auf ihren Sitzen, aber kein Instrumentenbrett, kein Steuerknüppel und keine Seitenkonsolen. Mit heutigen Standards ist das natürlich nicht zu vergleichen, aber so sah der Modellbau damals eben aus. Wirklich problematisch ist das allerdings nicht, denn das Klarteil ist ohnehin sehr dick und erzeugt einen starken Lupeneffekt. Der Motor hat mich tatsächlich etwas überrascht. Statt lediglich einer angedeuteten Sternmotorfront erhalten wir sogar zwei versetzte Zylinderreihen, die in die Motorabdeckung eingeklebt werden sollen. Die Riffelstrukturen wirken dabei allerdings etwas übertrieben. Generell sind sämtliche Linien erhaben dargestellt, ganz entsprechend dem damaligen Stand der Technik. Anschließend wird der Flieger weitgehend klassisch zusammengesetzt, lediglich ein Lufteinlass unter dem Motor muss noch angebracht werden. Das Fahrwerk kann dabei sowohl ein- als auch ausgefahren dargestellt werden. Insgesamt handelt es sich um ein sehr einfaches Modell, das sein Alter aufgrund der stark übertriebenen Strukturen, der schwachen Details und der fehlenden Aftermarket-Produkte jedoch kaum verbergen kann.
Die Anleitung ist in Schwarz-Weiß gehalten und klar verständlich. Allerdings glaube ich, dass wohl fast jeder Leser dieses Modell auch ohne größere Probleme auf die Beine gestellt hätte.
Die Abziehbilder haben bei meinem Exemplar definitiv ihre besten Zeiten hinter sich und sind längst unbrauchbar geworden. Sie beschränken sich ohnehin nur auf die Seriennummer sowie die Hoheitszeichen, wobei der gelbe Ring der Kokarden auf der Flügeloberseite nicht einmal sauber zentriert ist. Wie damals üblich, fällt zudem die Trägerschicht recht dick aus. Die dargestellte Maschine mit der Seriennummer W8729 und der weißen „7“ flog bei der Empire Central Flying School auf der RAF-Basis Hullavington in Wiltshire. Ihre Existenz ist zudem durch mehrere Originalfotos belegt, dass ist ja bei solch alten Modellen nicht immer selbstverständlich.
Stärken:
Schwächen:
Anwendung: Eher etwas für Sammler und Nostalgiker. Auch für Anfänger wahrscheinlich ungenügend FazitNett das in der Sammlung zu haben, aber so langsam wird es Zeit, dass sich jemand einem Nachfolger widmet. Pavla hatte die Miles noch mit Reihenmotor im Angebot. Dora-Wings hat ja vor einigen Jahren schon etwas angekündigt, aber ob da auch noch eine Umsetzung folgt bleibt abzuwarten. Diese Besprechung stammt von Marcel Schröder - 22. Mai 2026 © 2001-2026 Modellversium Modellbau Magazin | Impressum | Links |