Mercedes-Benz 300SL-24 Coupé(Revell - Nr. 05615)
Produktinfo
Besprechung
Der R 129 wurde 1989 auf dem Genfer Automobilsalon vorgestellt. Verantwortlich für das elegante, sehr sachliche Design war Bruno Sacco. Gegenüber dem bis dahin gebauten R107 machte Mercedes technisch einen enormen Sprung: Der neue SL war nicht nur schneller und komfortabler, sondern vor allem deutlich sicherer. Zum Start gab es drei Motorisierungen, den 300 SL mit 3l-Reihensechszylinder (M103) und 190 PS, den 300 SL-24 mit 3l-Vierventil-Reihensechszylinder (M104) und 231 PS und das Flaggschiff 500 SL mit dem 5,0-l-V8 M119, und 326 PS. Eine der spektakulärsten Neuerungen war der automatisch ausfahrende Überrollbügel. Bei einem drohenden Überschlag fuhr er innerhalb von nur etwa 0,3 Sekunden hoch. Zusammen mit den hochfesten A-Säulen, einem verstärkten Frontscheibenrahmen und der fest mit der Karosserie verklebten Windschutzscheibe entstand eine für einen offenen Zweisitzer außergewöhnlich stabile Sicherheitsstruktur. Die Sicherheitsgurte waren direkt in die Sitze integriert. Dadurch funktionierten sie unabhängig von der Sitzposition und boten auch bei geöffnetem Verdeck einen hohen Sicherheitsstandard.
Das elektrohydraulische Verdeck war für seine Zeit ausgesprochen aufwendig. Die Mechanik wurde von einem Steuergerät überwacht, das unter anderem mit 17 Endschaltern die Position der verschiedenen Komponenten kontrollierte. Zum R 129 gehörte außerdem erstmals serienmäßig ein Windschott. Zum Fahrzeug gehörte ein abnehmbares Hardtop. Später war sogar ein Hardtop mit Panorama-Glasdach erhältlich. Damit konnte der Roadster im Winter praktisch als geschlossenes Coupé gefahren werden. Der M104 war für Mercedes ein wichtiger Schritt hin zu moderneren Hochleistungs-Reihensechszylindern. Der 2,96-Liter-Motor verfügt über DOHC-Ventilsteuerung und vier Ventile pro Zylinder. Interessant ist auch die Kombination aus Vierventiltechnik, elektronisch beeinflusster Zündung und variabler Nockenwellensteuerung. Der R 129 setzte auf eine aufwendige Einzelradaufhängung. Hinten kam eine Mehrlenkerachse zum Einsatz, die für eine sehr gute Spurführung sorgte. Die Bremsanlage bestand aus innenbelüfteten Scheibenbremsen an der Vorderachse und Scheibenbremsen hinten; ABS gehörte ebenfalls zur Ausstattung.Der R 129 wurde im Mercedes-Benz-Werk Bremen gebaut. Die Nachfrage war von Anfang an enorm: Mercedes konnte die vorhandene Produktionskapazität bereits in den ersten Jahren vollständig auslasten. Bis Dezember 1991 waren bereits 52.204 R 129 produziert worden; allein 1991 entstanden 25.709 Exemplare. Der letzte R 129 lief im Juli 2001 vom Band.
Der Bausatz des 300SL-24 hat man in den letzten Jahren nicht allzu oft als Wiederauflage gesehen. Seit 1992 gab es ihn nur noch ein einziges mal 2013 regulär zu kaufen. Es war also ohnehin mal an der Zeit für eine Neuauflage. Abgesehen von den Decals und dem ´Paint´Zubehör in Form von Farbe, Kleber und Pinsel hat sich am Bausatz nichts verändert. Die Bauteile wurden 1:1 übernommen, einschließlich der Reifen. Die 110 Bauteile sind recht sauber gegossen, Grat und Fischhäute halten sich in Grenzen. Etwas störend sind die vielen Auswerferpins, nicht alle können bleiben und müssen entfernt werden. Die Karosserie ist bei meinem Exemplar ein wenig verzogen. Die A-Säule ist stark eingedrückt, aber zum Glück noch nicht gebrochen. An Platzmangel im Karton kann das eigentlich nicht liegen, der ist groß genug. Am Kofferraumdeckel gibt es außerdem zwei prominente Sinkstellen, da wo normalerweise die Schriftzüge sind.
Die Detaillierung des Modells ist überraschend gut, Revell hat geschickt Baugruppen zu wenigen Bauteilen zusammengefasst ohne dass man Abstriche machen muss. Es gibt sehr schön wiedergegebene Achsen, einen ausreichend detaillierten Motor einschließlich aller Nebenaggregate und einen originalgetreu wiedergegebenen Unterboden. Die Abgasanlage ist ein separates Bauteil, ebenso Federn und Stoßdämpfer. Die Federn sollte man gleich gegen richtige Federn tauschen, sieht besser aus und ist deutlich weniger Arbeit als die Bausatzteile herzurichten. Wer möchte kann die Räder drehbar anbauen. Eine Option für eine funktionierende Lenkung gibt es nicht und lässt sich auch nur schwierig umsetzen. Die Bremsscheiben sehen nicht wirklich überzeugend aus, allerdings sieht man von denen später kaum noch etwas. Die Reifen sind so o-la-la. Mir ist der Querschnitt ein wenig zu kantig, dadurch wirken die Schriftzüge an den Flanken zu massiv. Auch das Profil ist nur eine grobe Näherung an das Original.
Die gute Detaillierung setzt sich auch im Innenraum fort, hier ist alles Notwendige als erhabenes Detail vorhanden. Nicht immer so ganz knackscharf wie das bei modernen Bausätzen möglich ist aber trotzdem eine gute Arbeitsgrundlage. Das Gurtsystem ist nur angedeutet, hier sollte man sich was einfallen lassen damit das besser aussieht. Man kann es nämlich direkt sehen wenn man auf das Modell schaut. Wer sch mit dem Bemalen der ganzen Details im Innenraum schwertut kann auf passende Decals für die Armaturen, Mittelkonsole und Türverkleidungen zurückgreifen. Das verwendete Farbschema scheint mir die Nummer 075 ´cremebeige´ zu sein, dazu würde die Farbe des Karomusters sowie das dunkelbraune Armaturenbrett passen. Die Scheiben sind von guter Qualität und frei von Kratzern oder Beschädigungen. Im Streiflicht ist eine leichte Struktur erkennbar, ob sich das lohnt hier was durch vorsichtiges Anschleifen und Polieren zu verbessern wage ich mal zu bezweifeln.
Man kann den 300SL geschlossen oder offen ohne Hardtop bauen. Die Verdeckoption gab es glaube ich nie. Die Motorhaube ist das einzige zu öffnende Bauteil. Sehr schön gemacht und auch gut gelöst ist das separate Bauteil für die innere Struktur der Haube. Besser geht das eigentlich kaum. Weniger gut gelungen finde ich dagegen den Kühlergrill. So wie Revell das gemacht hat entspricht es nicht dem Original. Der R129 hatte in dem Sinne keinen eigenständigen Grill, vielmehr waren nur eingesetzte Lamellen. Man kann das Bausatzteil etwas bearbeiten um dem Original näherzukommen. Die vertikalen Streben beidseitig des Sterns würde ich farblich nicht hervorheben, so wie es auf dem Deckelbild zu sehen ist. Da sieht man auf Bildern vom Original nämlich nix von. Bei den Scheinwerfern und Rückleuchten könnte man eine Tuning-Option wählen, im Grunde genommen ist das eine Vorwegnahme des 1995er ´Mopf 1´Facelifts. Die Scheibenwischer (Frontscheibe und Scheinwerfer) sind separate Bauteile, ebenso die beiden Außenspiegel.
Als Build + Paint Ausgabe sind sechs Farben enthalten mit denen man zumindest mal starten kann. Für eine vollständige Bemalung sind natürlich weitere Farben erfoderlich, der Bauplan listet insgesamt 18 Farben auf. Gut 40 Bauschritte sind für den Bau abzuarbeiten, bei 110 Bauteilen sind das weniger als drei pro Stufe. Das kann man wohl getrost als übersichtlich bezeichnen. Der Decalbogen ist nicht allzu umfangreich ausgefallen, gut 80% des Bogens werden von Kennzeichen und dem Karomuster für die Inneneinrichtung belegt. An der Qualität der Decals gibt es wie so oft nichts auszusetzen. Sollte man sich zu einem der Nummerschilder entschließen empfehle ich eine kurze Recherche ob das angebotene auch der Realität entspricht, sofern man Wert auf historisch korrekt legt.
Darstellbare Fahrzeuge:
Stärken:
Schwächen:
Anwendung:
FazitEine durchaus willkommene Wiederauflage. Der Bausatz kann sich trotz seiner 25 Jahre auf dem Buckel sehen lassen. Natürlich merkt man das Alter bei der Fertigungsqualität. Damals achtete man noch nicht so sehr auf günstig platzierte Auswerfer. Als Minuspunkte kann ich hier nur den Kühlergrill und vielleicht noch die nicht ganz so perfekten Reifen nennen. Beim Preis bin ich nicht ganz bei Revell, 46 Euro ist trotz der Zugaben eine Hausnummer. Diese Besprechung stammt von Frank Richter - 28. August 2026 © 2001-2026 Modellversium Modellbau Magazin | Impressum | Links |