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Caproni Ca.312 "Italien Export Bomber"

(Special Hobby - Nr. SH72541)

Special Hobby - Caproni Ca.312

Produktinfo

Hersteller:Special Hobby
Sparte:Flugzeuge Militär WK2
Katalog Nummer:SH72541 - Caproni Ca.312 "Italien Export Bomber"
Maßstab:1:72
Kategorie:Bausätze (Plastik)
Erschienen:Mai 2026
Preis:ca. 26,40 €
Inhalt:
  • 2 Gußrahmen in Grau
  • 1 klarer Rahmen
  • 1 Resinteil
  • 3 Blöcke mit gedruckten Teilen 
  • 1 Abziehbilderbogen
  • Folienmaterial mit gedruckten Instrumenten
  • 1 PE-Platine
  • Maskenbogen
  • Anleitung

 

Besprechung

zum Vorbild:

Die Caproni Ca.312 entstand Ende der 1930er-Jahre als leistungsstärkere Weiterentwicklung der Ca.310 Libeccio. Angetrieben von zwei Piaggio P.XVI RC.35-Sternmotoren mit jeweils 700 PS sollte sie die unzureichenden Flugleistungen der Ca.310 verbessern. Der aus einer Ca.310 umgebaute Prototyp flog erstmals im Dezember 1938 und überzeugte bei den Erprobungen. Die Regia Aeronautica bestellte zunächst 96 Maschinen, entschied sich jedoch bald für die moderneren Typen Ca.311 und Ca.313. Damit verlor die Ca.312 ihren vorgesehenen Platz in der italienischen Luftwaffe und wurde von Caproni gezielt auf dem Exportmarkt angeboten. 

Das machte die Ca.312 zu einem bemerkenswerten italienischen Exportflugzeug. Als erster Kunde zeigte Norwegen Interesse. Die norwegische Bestellung führte zur weiterentwickelten Ca.312bis, die einen verglasten Bug ähnlich der Ca.311 erhielt. Insgesamt waren 15 Maschinen vorgesehen, teilweise sogar eine Lizenzproduktion in Norwegen. Doch die deutsche Invasion im April 1940 verhinderte die Auslieferung. Auch Belgien bestellte 24 Ca.312, die für die belgische Luftwaffe vorgesehen waren. Der deutsche Westfeldzug machte jedoch auch diesen Auftrag zunichte. Die bereits produzierten Maschinen wurden schließlich von der Regia Aeronautica übernommen und unter anderem als Verbindungs- und Transportflugzeuge eingesetzt. 

Konstruktiv blieb die Ca.312 eng mit der Ca.310 verwandt. Neben den stärkeren Motoren verfügte sie über Dreiblattpropeller und eine überarbeitete Ausrüstung. Die Bewaffnung bestand aus mehreren 7,7-mm-Breda-SAFAT-Maschinengewehren, während bis zu 400 kg Bomben mitgeführt werden konnten. Mit rund 430 km/h Höchstgeschwindigkeit und einer Reichweite von etwa 1.600 km war sie der Ca.310 deutlich überlegen. 

Damit blieb die Ca.312 letztlich ein Flugzeug, das vor allem für den Export gedacht war, seinen vorgesehenen ausländischen Einsatz jedoch nie erreichte, eine direkte Folge des Kriegsausbruchs und der deutschen Besetzung Norwegens und Belgiens.

Inhaltsübersicht von der Herstellerseite, jedoch fehlen hier noch die gedruckte Teile und der linke Gußrahmen ist nicht im Bausatz enthalten.
Inhaltsübersicht von der Herstellerseite, jedoch fehlen hier noch die gedruckte Teile und der linke Gußrahmen ist nicht im Bausatz enthalten.

Caproni Ca.312 im Modellbau:

Auch wenn die Caproni Ca.312 eine Weiterentwicklung der Ca.310 ist, welche 2012 bei Azur erschienen ist, ist dieser Bausatz eine Abwandlung des Caproni Ca. 311-Bausatzes, welcher 2014 bei Special Hobby erschienen ist. Bisher gab es diesen Exportbomber aber noch gar nicht im Modellbau, auch nicht als Resinbausatz, womit Special Hobby wieder erfolgreich eine Lücke im Plastikmodellbau geschlossen hat.

Special Hobby - Caproni Ca.312 "Italien Export Bomber"

Zum Bausatz:

Das Cover des weißen und eleganten Sanitätsflugzeugs im Flug durch die Täler des Kaukasus stammt aus der Feder von Standa Hájek und ist sehr gut getroffen. Der Karton ist wieder als Schubschachtel gestaltet. Auf der Seite sieht man schon die beiden möglichen Versionen, die man bauen kann, und auch ein Rendering diverser Baugruppen. Was das zu bedeuten hat, werden wir gleich sehen.

Nach dem Öffnen des Kartons findet man die Bauteile sicher in Folien verpackt vor. Die Klarteile und 3D-gedruckten Blöcke sind jeweils separat verpackt, während sich PE-Teile, Decals und Klarsichtfolie gemeinsam in einem Beutel befinden. Insgesamt gehören zwei Gussrahmen aus grauem Plastik, ein Klarteilerahmen, an dem sich als Besonderheit auch die Rumpfhälften befinden, drei größere Blöcke mit gedruckten Teilen (zwei in Hellgrau, einer in Schwarz), eine PE-Platine, Folienmaterial für die Instrumente, PE-Teile sowie ein umfangreicher Bogen mit vorgestanzten Masken zum Lieferumfang.

Wir haben es also mit einem modernen Multimediabausatz zu tun. Die Gussqualität ist völlig in Ordnung, allerdings findet man einige recht stark ausgeprägte Auswerfermarken an nicht sichtbaren Stellen, die vorsichtshalber entfernt werden sollten. Bereits zu Beginn muss man sich jedoch entscheiden, welche Version man bauen möchte, da jeder der vier Bemalvorschläge seine eigenen Besonderheiten mitbringt.

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Caproni Ca.312 "Italien Export Bomber"

 

Der Bau beginnt zunächst mit den 3D-gedruckten Teilen. Denn fast alle kleinen Details, wie zum Beispiel auch das Cockpit, findet man auf den gedruckten Blöcken. In vorherigen Auflagen waren diese Teile noch als Resinguss ausgeführt. Die Oberflächen der Instrumente der Mittelkonsole sind sehr gut dargestellt und lassen sich mit Trockenmalen ordentlich umsetzen. Auch Seitenruderpedale, Steuerhorn und Sitzlehnen stammen aus dem Drucker. Gerade das Steuer, welches in vorherigen Auflagen als Messingteil dargestellt wurde, ist durch den feinen Resindruck noch einmal deutlich besser umgesetzt.

Die größte Schwierigkeit ist vermutlich das Befreien der Teile von den Supportern. Mit etwas Geduld und Übung ist das aber machbar, alternativ kann man auch direkt alle Teile vorsichtig ablösen. Je nachdem, ob man einen Bomber oder die Sanitätsmaschine baut, werden außerdem noch ein Maschinengewehr, genauer gesagt ein Breda-SAFAT-7,7-mm, und die Halterungen für die Bomben eingebaut. Schade finde ich, dass man nicht auch noch die Sanitätseinrichtung mitgeliefert hat. Der Innenraum wird dann noch mit einigen PE-Teilen, wie Gurten oder Zielhilfen, verfeinert.

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Caproni Ca.312 "Italien Export Bomber"

 

Ungewöhnlich sind sicherlich die beiden Rumpfhälften, welche hier als Klarteile umgesetzt wurden. Sicherlich etwas gewöhnungsbedürftig, gerade weil die Innenraumfarbe nicht direkt deckt, sind die Strukturen trotzdem sehr gut umgesetzt. Das Problem ist, dass man auch die Innenseiten nicht erst grundieren kann, da sonst die Verstrebungen an den Fenstern von außen nicht die richtige Farbe hätten. Auf der anderen Seite sollte das am Ende auch weniger auffallen, weil man ja das Ganze von außen noch lackiert.

Auf dem umfangreichen Maskenbogen liegen zudem auch Masken für die Innenfenster bei. Zumindest bei den schmalen, dreieckigen Fenstern im Rumpf muss man jedoch noch einmal etwas nachhelfen, da diese etwas zu schmal geraten sind. Im Inneren werden dann noch ein paar Gegenstände eingebaut, unter anderem auch einige Konsolen, bei denen die Instrumente mit Klarsichtmaterial dargestellt werden, sowie Teile der Rahmenkonstruktion. Am hinteren Teil des Rumpfbodens muss eine kleine Öffnung in das Klarsichtmaterial gemacht werden. Hier ist Vorsicht geboten, um nicht aus Versehen Risse in den Scheiben entstehen zu lassen. Die Passung der Rumpfhälften ist dabei in Ordnung.

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Caproni Ca.312 "Italien Export Bomber"

 

Nachdem der Rumpf verschlossen wurde, wird auch die Nase angebracht und man hat die Option zwischen zwei verschiedenen Cockpitformen: einmal das klassische abgestufte Cockpit und zum anderen die Variante mit vollverglaster Kanzel. Die abgestufte Variante war ursprünglich für die belgischen Maschinen vorgesehen, die Vollglaskanzel wurde von den Norwegern bestellt. Auch hier scheint die Passung gut zu sein, beim Versäubern muss man eben aufpassen, dass man die Scheiben nicht beschädigt. Wie bereits angedeutet, gibt es für alle Scheiben auch entsprechende Masken.

Die Flügel und Ruder sind klassisch zweiteilig mit Ober- und Unterseite. Man muss hier gegebenenfalls ein paar Auswerfmarken entfernen. Die Strukturen sind aber auch hier ordentlich wiedergegeben. Obwohl man für den Fahrwerksschacht einen gedruckten Boden mitgeliefert hat, wird dieser laut der Anleitung nicht verwendet, sondern das ursprüngliche Teil aus dem Bausatz soll verbaut werden. Der genaue Grund erschließt sich mir jedoch nicht.

Der Abwehrturm ist ebenfalls sehr detailliert. Auch hier findet eine 3D-gedruckte Waffendarstellung Platz und PE-Teile verfeinern das Ganze dann. Sollte man sich für die Rotkreuzmaschine entscheiden, so wird der Turm nicht gebraucht und das Loch mit einem Resinteil verschlossen.

Der Motor sowie alles, was dazugehört, also Propeller und Abdeckung, sind ebenfalls aus dem 3D-Drucker. Die Teile machen einen sehr guten Eindruck und die typischen Druckrillen sind nicht zu sehen. Gleiches gilt für das Fahrwerk. Durch den Einsatz des 3D-Drucks sind die Teile deutlich feiner dargestellt als aus dem Spritzguss. Allerdings muss man eben auch vorsichtig sein, nichts abzubrechen, da die Resinteile häufig sehr brüchig sind.

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Bemalung und Abziehbilder:

Die Abziehbilder sind wieder hervorragend gedruckt. Neben den wenigen Wartungshinweisen hat man auch ein paar Bilder für die Darstellung der Instrumente, auf die jedoch in der Anleitung nicht eingegangen wird. Außerdem natürlich sehr prominent die individuellen Markierungen der vier angebotenen Flugzeuge. Die Farben sind kräftig wiedergegeben und Versatz gibt es keinen.

Special Hobby - Caproni Ca.312 "Italien Export Bomber"

  1. Die erste Maschine ist eine Caproni Ca.312bis „Tipo Belgio“ mit der Nummer MM12343. Ursprünglich für die belgische Luftwaffe gebaut, gehörte sie im Herbst 1941 zur 71. Gruppo OA der Regia Aeronautica, also der italienischen Luftwaffe. In dieser Zeit wurde sie im südlichen Teil der Ostfront eingesetzt und später wohl auch noch im Kaukasus. Sie war eine von nur zwei Maschinen dieses Typs, die zu Ambulanzflugzeugen umgebaut wurden. Beide wurden wie vorgeschrieben komplett in Weiß lackiert und mit auffälligen roten Kreuzen sowie der italienischen Tricolore versehen.
  2. Der zweite Bemalungsvorschlag zeigt noch einmal dieselbe Maschine, allerdings im Frühjahr 1941. Ursprünglich war sie für den Export nach Belgien vorgesehen. Nachdem das Land 1940 besetzt worden war, wurde auch die Maschine von der Regia Aeronautica beschlagnahmt. Das Bild zeigt sie auf dem Werksflugplatz in Ponte San Pietro in Italien im Frühjahr 1941, bevor sie zur Ambulanzmaschine umgebaut wurde.
  3. Die dritte Ca.312 sollte ebenfalls nach Belgien gehen. Sie wurde bei der 24a Squadriglia der Regia Aeronautica eingesetzt und war in der zweiten Hälfte des Jahres 1942 in Misurata und Zuara in Libyen stationiert. Die genaue Werksnummer der Maschine ist jedoch unbekannt.
  4. Die vierte Version ist wohl sicher die exotischste Variante. Sie zeigt eine Maschine im norwegischen Farbkleid mit Vollverglasung und der Werksnummer c/n 488. Vorgesehen war sie für die Bombevingen (Bomberstaffel) in Kjeller. So weit sollte sie allerdings gar nicht kommen. Zwei Maschinen waren in Ponte San Pietro bereits fertiggestellt und auch Personal zur Ausbildung vor Ort. Dann überfiel die Wehrmacht Norwegen und die norwegische Delegation wurde interniert. Die beiden Flugzeuge wurden daraufhin zunächst für weitere Testflüge und später für Transportaufgaben verwendet.

Special Hobby - Caproni Ca.312 "Italien Export Bomber"

Anleitung:

Zur Anleitung gibt es nicht viel zu sagen. Wie immer werden nur die Farben von Gunze / Mr. Color angegeben. Nach der Teileübersicht folgt die Platzierungsanweisung für die Masken der Klarteile. Achtung: In der Anleitung wird der Gussrahmen C erwähnt, auf dem Gussrahmen selbst ist aber ein A aufgeprägt. Auf den ersten Blick wirkt das vor allem chaotisch, man kommt aber schnell dahinter.

Schön finde ich, dass die Detailbemalung direkt farbig dargestellt ist. Das hilft ungemein, insbesondere weil es relativ wenig Detailfotos für die Maschinen gibt. Insgesamt sind 24 Bauschritte für die Caproni Ca. 312 vorgesehen. Die Bemalungsvorschläge werden wieder mit ein paar interessanten Informationen untermalt. Die letzte Seite weist auf das eigene Sortiment hin.

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Caproni Ca.312 "Italien Export Bomber"

 

Darstellbare Maschinen:
  1. Caproni Ca.312 Tipo Belgio, MM12343, Ambulanzflugzeug, 71 Gruppo OA, Regia Aeronautica, Südrussland Herbst 1941
  2. Caproni Ca.312 Tipo Belgio, MM12343, Werksflugpatz Caproni, vor Umbau der Maschine, Ponte San Pietro, Italien Frühling 1941
  3. Caproni Ca.312 Tipo Belgio, 24a Squadriglia, Regia Aeronautica, Flugplatz Zuara (Lybien)  1942
  4. Caproni Ca.312 tipo Norvegia, Bombevingen, Hærens Flyvåpen (norwegische Heeresfliegerkorps), Abnahme auf Werksflugplatz Ponte San Pietro, Italien Frühling 1940
Stärken:
  • einziger Bausatz der Caproni Ca.312
  • abgestufte und voll verglaste Cockpitvariante
  • interessante Bemalvorschläge
  • hochwertige 3D-Druckteile lösen die älteren Resinteile ab
  • umfangreiche Abdeckmasken

 

Schwächen:
  • soweit keine ersichtlich
Anwendung: Als Multimediabausatz ist der Bausatz definitiv nicht für Einsteiger geeignet, der Fortgeschrittene Modellbauer wird aber seine Freude am Modell haben

Fazit

Ja, Special Hobby hat mal wieder gekocht und für Fans italienischer Flugzeuge oder absoluter Exoten etwas Feines serviert. Aus meiner Sicht ist die Entscheidung, die Resinteile durch modernen 3D-Druck zu ersetzen, völlig richtig und Special Hobby damit ein absoluter Vorreiter in Richtung Zukunft. Daher empfehlenswert und ein dickes „Weiter so“! Bei meinen Recherchen fand ich auch ein Exemplar mit Schwimmern, das wäre vielleicht etwas für eine weitere Auflage.

Weitere Infos

Referenzen Lieder gibt es keine richtig gute Seite mit Fotos und Text zur Caproni Ca.312, die ich den Interessierten hier anbieten kann. In der Literatur wird sie oft mit der Ca.311 zusammengefasst. 

Diese Besprechung stammt von Andy Hartung - 19. September 2026

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