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Dom Fernando II e Glória

(Revell - Nr. 05413)

Revell - Dom Fernando II e Glória

Produktinfo:

Hersteller:Revell
Sparte:Schiffe Zivil
Katalog Nummer:05413 - Dom Fernando II e Glória
Maßstab:1:200
Kategorie:Bausätze (Plastik)
Erschienen:2010
Preis:ca. 30 €
Inhalt:
  • 4 Spritzlinge aus braunem Kunststoff
  • 2 Rumpfhälften aus weißem Kunststoff
  • 1 tiefgezogener Bogen mit Segeln
  • beiges und schwarzes Takelgarn, Ankertau
  • Nasschiebebilder
  • Papierbogen mit Flaggen
  • Anleitung
  • 234 Einzelteile

Besprechung:

Das Vorbild

Die Dom Fernando war das letzte Segelschiff der portugiesischen Marine, das in den damaligen indischen Kolonien gebaut wurde. Sie wurde 1845 in Dienst gestellt. Die Bauweise aus Teakholz sorgte für Dauerhaftigkeit. Ähnlich wie die britischen Kolonialfregatten sollte sie neben militärischen Einsätzen die Verbindung zum Mutterland aufrechterhalten und war zum Transport von Passagieren eingerichtet.

Ab 1878 diente sie als stationäres Schulschiff in Portugal. 1963 in der Tejo-Mündung fast völlig ausgebrannt, wurde das Wrack 1992 gehoben und zur EXPO 1998 in den Bauzustand von 1865 zurückversetzt. Seitdem ist es als Museumsschiff in Lissabon zu besichtigen.

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Dom Fernando II e Glória

 

Der Bausatz

Dieser Bausatz wurde von der portugiesischen Firma Occidental entwickelt und gibt die Fregatte in dem Bauzustand wieder, in den sie bei der Rekonstruktion versetzt wurde. Dem Vernehmen nach wurde er von Occidental nie in den Handel gebracht.

Erst vor einigen Jahren wurde er von der Firma Zvezda als die fiktive französische Fregatte Acheron ins Programm genommen, eine der bei historischen Seglern leider üblichen – freundlich ausgedrückt – Marketingmaßnahmen. Die hohen Kosten der Formentwicklung haben leider nur zu oft Firmen dazu gebracht, ein und dieselbe Form unter zahlreichen Namen herauszubringen, eine in anderen Sparten des Modellbaus undenkbare Methodik.

Zvezdas Marketingmaßnahme sollte offenbar an die Popularität des Films "Master and Commander" anknüpfen, in dem der Gegner des britischen Helden ebenjene französische Fregatte ist. Pikant ist nur, dass im zugrundeliegenden Buch der Gegner eine US-Fregatte analog der Constitution ist - und die Film-Acheron auch auf der Constitution basiert. Anscheinend hielt man bei der Produktion aber einen französischen Schurken für ein erfreuliches Einspielergebnis förderlicher als eine Einheit der "besten Kämpfer der Welt".

Revell geht bei seiner Veröffentlichung des Bausatzes sehr ehrlich an die Sache heran und liefert den Occidental-Bausatz mit allem, was man braucht und einer firmenüblich guten Bauanleitung. Der Karton ist ein wenig groß für den Inhalt, das ist aber dem tiefgezogenen Segelbogen geschuldet. Die Kunststoffteile sind sauber gespritzt, Sinkstellen und Auswerfermarken halten sich in Grenzen, sind aber vorhanden. Warum die Rumpfhälften in weißem Kunststoff gespritzt sind, ist mir nicht wirklich klar, damit könnte höchstens das Bemalen des weißen Rumpfbandes erleichtert werden, ansonsten halte ich es für eine Komplizierung der Bemalung.

Die Oberflächendetaillierung ist eher zurückhaltend, wenn man es mit den Heller-Produkten im gleichen Maßstab vergleicht, ehrlicherweise ist das auch korrekt. Die Kupferbeplattung des Unterwasserschiffs ist versenkt wiedergegeben und sollte mit einem Washing recht gut aussehen, auch wenn hier erhabene Strukturen prinzipiell korrekter wären. So oder so ist beides zwar im Prinzip übermaßstäblich, aber für den gewünschten Effekt im Auge des Betrachters erforderlich. Eine Reihe von 14 Öffnungen nahe der Wasserlinie soll laut Bauanleitung gefüllt werden und wird damit viele Erbauer ärgern. Die recht dicken Stückpfortendeckel sind in der offenen Position angespritzt und ermöglichen nur mit größerem Aufwand die Darstellung geschlossener Pforten.

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Dom Fernando II e Glória

 

Das Hauptdeck weist feine Gravuren der Plankenstöße auf, jedoch keine übertriebene Holzstruktur. Die Kanonen sind mit Rohr und Lafette am Stück gespritzt und alle vom gleichen Typ. Ursprünglich hatte das Schiff an Oberdeck eine Bestückung aus kurzrohrigen Karronaden zum Nahkampf gehabt, diese wurden jedoch Mitte des 19. Jahrhunderts von den Marinen abgeschafft und durch Langrohrgeschütze ersetzt. Hiermit erklärt sich der Bauzustand von ca. 1865.

Die diversen Nagelbänke sind etwas vergröbert modelliert, sollten aber damit stabiler beim Takeln sein. Die Boote sind schön wiedergegeben. Die vier Anker sind recht fein. Insgesamt sind die Ausrüstungsteile sauber, wenn auch nicht überragend wiedergegeben. Die Masten weisen an den dickeren Teilen Sinkstellen auf, diese sollten sich aber leicht beseitigen lassen. Auch hier zeigt sich der Trend zur Vereinfachung und stabileren Herstellung, so ist der Klüverbaum am Stück gespritzt. Puristen werden über die Wiedergabe der Wanten verzweifeln, die mitsamt den Jungfernzügen am Stück und aus Spritzguss vorliegen. Die meisten Erbauer werden sich über diese Wahl freuen, denn sie erlaubt es ihnen, sicherer zum Ziel zu kommen.

Das Takelgarn in Beige für das laufende und Schwarz für das stehende Gut sieht recht brauchbar aus und ist hoffentlich in ausreichender Menge vorhanden. Decals für den Modellständer sowie die Verzierungen am Heck und ein kompletter Satz Papierflaggen komplettieren den Bausatz.

Die revelltypische Bauanleitung ist gut gegliedert und weist auf Schwierigkeiten bei der Montage hin, die Takelung ist recht übersichtlich gezeigt. Auch die Bemalungshinweise (natürlich nur auf Revellfarben) sind übersichtlich. Es fehlen lediglich Hinweise auf die Platzierung der weiteren im Flaggensatz enthaltenen Flaggen.

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Dom Fernando II e Glória

 

Revell - Dom Fernando II e Glória

Revell - Dom Fernando II e Glória

Stärken:
  • Interessantes Vorbild
  • Übersichtlich aus dem Kasten zu bauen
Schwächen:
  • Zahlreiche zuzuspachtelnde Öffnungen im Rumpf
  • Teilweise störende Vereinfachungen

Fazit:

Das ist ein anständiger Bausatz eines noch existierenden Schiffes aus der Spätzeit der Segelkriegsschiffe, und neben der allgegenwärtigen Constitution eine der wenigen Fregatten in Modellform. Er gibt nicht vor, etwas zu sein, was er nicht ist.

Die genannten Vereinfachungen werden die ernsthaften „Holzwürmer“ aufheulen oder zumindest resigniert stöhnen lassen, sie kommen dem Durchschnittsmodellbauer aber entgegen und erhöhen die Baubarkeit des Kits. Wer das Hobby ernsthaft betreibt, wird für sich entscheiden, was am Bausatz zu behalten und was zu ersetzen ist.

Diese Besprechung stammt von Frank Spahr - 25. April 2011

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