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Agusta-Westland AW-101 Merlin TTI

"Alter Falter"

von Sebastian Nemitz (1:72 Italeri)

Agusta-Westland AW-101 Merlin TTI

Der Typ

Der Agusta-Westland AW-101 ist ein mittlerer Transporthubschrauber für militärische Zwecke, aber auch für den zivilen Gebrauch. Der Hubschrauber wurde durch ein Joint-Venture der Firmen Westland Helicopters (USA) und Agusta (Italien, heute Agusta-Westland) entwickelt. Gebaut wird er in den Agusta-Westland Werken in Yeovil (England) und Vergiate (Italien). Im Frühjahr 1977 suchte die Royal Navy nach einem neuen ASW (anti-submarine-warfare) als Nachfolger für den Westland Sea King. Zur gleichen Zeit suchte auch die italienische Marine nach einem Ersatz für seine SH-3D/H, was zu Gesprächen zwischen Agusta und Westland über die Möglichkeit, einen gemeinsamen Huschrauber zu entwickeln, führte. Die modulare Struktur des AW-101 hat bruchsichere und schadenstolerante Eigenschaften.

Der Rumpf besteht hauptsächlich aus Aluminiumlithium. Die Rotorblätter werden aus einem Karbon-Glas-Gemisch mit Wabenstruktur hergestellt. Eine Wärmebildkamera (FLIR-System) und ein digitales Kartensystem können eingebaut werden. Die Flugkontroll-Rechner werden von der Firma DRS-Technologies (USA) geliefert. Die Bewaffnungsoptionen für den militärischen Bereich beinhalten ein 12,7 mm MG oder ein zapfengelagertes MG; angebracht in einem Drehturm unter dem Cockpit. Die AW-101 wird an folgende Nationen geliefert: Kanada, Dänemark, Italien, Japan, Portugal, Saudi-Arabien, Großbritannien und die USA.

Aus: Info-Text der Bauanleitung, Italeri

Der Bau

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Agusta-Westland AW-101 Merlin TTI

 

Meine Motivation

Nachdem ich 2012 die Navy-Variante, den HMA.1, baute (siehe hier) und von der Passgenauigkeit sehr begeistert war, sollte unbedingt auch die Transport-Variante, der TTI, folgen. In den neun Jahren hatte ich so einiges an modellbauerischen Techniken dazugelernt und meine Modelle bekommen ihr Farbkleid jüngst mittels Airbrush.

Der Kit

Kaum waren die ersten Teile von den Gussästen getrennt und trockengepasst, war mein Eindruck mehr als ernüchtert: Von der einst so tollen Passgenauigkeit war hier nichts mehr zu spüren! Das Innenleben war zwischen den beiden Rumpfhälften zu schmal und wurde aufgefüttert. Die Fahrwerkskästen mussten an allen Klebekanten gespachtelt werden, da die Spalten enorm waren. Der Knickmechanismus am Heckrotor passte überhaupt nicht. Ich entschied mich deswegen dafür, den Heckrotor in Einsatzposition zu belassen. Die Rumpfhälften passten kaum aneinander, so dass massiv gespachtelt und verschliffen werden musste. Beide Schiebetüren ließen sich out of Box nicht geöffnet darstellen, obwohl so angegeben. Ich entschied mich, nur die große Luke geöffnet zu lassen. Hierfür kappte ich die vier Stifte an der Tür, die eigentlich die Halterungen an den Laufschienen darstellen sollten und ersetzte sie durch längere Stifte aus gezogenem Gussast. Doch am Schlimmsten waren die Klarsichtteile. Besonders im Cockpit-Bereich wollten die einzelnen Scheiben einfach nicht passen. Ich ersetzte so manche durch Eigenbau, was aber auch kein optimales Ergebnis lieferte.

Hinzu kamen einige Fehler in der Bauanleitung:

- Auf die rudimentären Farbangaben verließ ich mich zum Glück nicht. Originalbilder aus dem Internet waren hier eine wesentlich bessere Hilfe.

- Der Faltmechanismus des Hauptrotors war falsch dargestellt. Originalbilder belegten dies eindeutig.

- Es fehlen Hinweise in der Anleitung, dass z.B. Cable Cutter und Teile an den Fahrwerkskästen erst nach dem Anbringen der Decals verbaut werden können.

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Der Bau

Mit dem Wissen um diese Fehler gelang der Zusammenbau mittels viel Geduld. Am Ende heißt es ja auch immer noch „Modellbau" und nicht „Steckbausatz". Lackiert habe ich den Heli mit Farben von Vallejo und Revell Aqua Color. Dafür wurde alles schwarz grundiert und anschließend Panel für Panel lasierend gesprüht, wobei die Gravuren dunkler gehalten wurden. Die Decals ließen sich mit Weichmacher optimal verarbeiten. Anschließend wurden alle exponierten Stellen mit einem helleren Grau „gehighlighted". Es folgte ein dezentes Washing mit Tamiya Black Wash und Grey Wash. Die Triebwerksauslässe wurden erst in Silber, dann mit Messing und abschließend mit Blau eingefärbten Silber stufig gesprüht, um sie etwas beanspruchter und realistischer wirken zu lassen. Auf Fotos ist zu erkennen, dass der Heli reichlich Abgase produziert und entsprechend eingerußt ist. Mit einem sehr dunklen Grau und schwarzen Pigmenten ließ sich das problemlos am Modell darstellen.

Grundlage für die Base ist ein schwarzer A4-Bilderrahmen. Im Internet fand ich Bilder von Flugdecks, wovon ich eine Variante ausdruckte, zuschnitt und auf schwarzem Papier aufklebte. Darauf platzierte ich den Merlin und wählte einige Figuren aus dem „Flight Deck Crew" von Fujimi aus. Die Figuren wurden anhand Originalfotos von Flugdeckszenen mit einem Merlin lackiert. Besonders gefiel mir am Ende der „bärtige Boris", welcher knieend mit seiner Colaflasche in der Hand in den Frachtraum schaut.

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Fazit

Keine Ahnung, wie die Spritzform so schnell so dermaßen leiden konnte, aber der Bausatz war qualitativ sehr enttäuschend. Fehler in der Anleitung ließen sich nur durch sehr aufmerksames Recherchieren umschiffen. Originalfotos sind, wenn möglich, immer hinzu zu ziehen. Mir persönlich haben sie enorm geholfen. Der Bau war nicht einfach, aber das Endergebnis kann sich sehen lassen. Immerhin brachte mir der Heli den 1. Platz auf der Modellbau-Ausstellung in Waßmannsdorf/Berlin.

Sebastian Nemitz

Publiziert am 14. Oktober 2019

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